Zur Startseite Zur Navigation Zum Inhalt Zur Kontaktseite Zur Sitemapseite Zur Suche

01.05.2024, 09.18

Am HallelujART Festival in Steinhausen zeigen Kunstschaffende, wozu sie «Kirche» inspiriert. Acht Kunstwerke auf dem Gelände vom Zentrum Chilematt, die betrachtet werden können, an denen weitergearbeitet wird, die vergänglich sind. Im Rahmen des HallelujART Festivals regen sie zu Fragestellungen und Gesprächen an.

«Kunst hat und ist eine Botschaft»

«Kunst hat und ist eine Botschaft», sagt der Steinhauser Pfarreileiter Ruedi Odermatt. Wir sitzen an einem runden Tisch im Zentrum Chilematt – mit dabei sind die zwei Kunstschaffenden Annina Gerber und Daniel Züsli sowie Ewald Trachsel, Dozent des Bachelor-Studiengangs Kunst & Vermittlung an der Hochschule Luzern. An diesem grau-nassen Vormittag schildern sie, was anfangs Mai am HallelujART Festival im und um das Zentrum Chilematt entstehen wird. Bei HallelujART trifft Kunst auf Kirche.

Bald wird mir klar, dass die Botschaft, welche die Kunst hier vermitteln möchte, nicht als gegeben auf dem Silbertablett serviert wird. Vielmehr scheinen hier Kunstwerke zu entstehen, deren Lesart individuell ausfallen wird. Kunstwerke, die nicht Antworten liefern, sondern Fragen aufwerfen. Kunstwerke, welche die Anwesenden aus dem Betrachten herausholen und sie ins Kunstgeschehen miteinbeziehen.

(v.l.n.r.): Daniel Züsli, Annina Gerber und Ewald Trachsel | © Pfarreiblatt Marianne Bolt

«Wackelkontakt mit dem Göttlichen»

Die künstlerischen Werke stammen von acht Studierenden und Alumnis der Hochschule Luzern, deren Werke bei einem Projektwettbewerb von einer Fachjury ausgewählt wurden. Einer von ihnen ist der in Cham aufgewachsene Daniel Züsli. Der gelernte Schreiner und Holzbildhauer hat sein Kunststudium bereits abgeschlossen, heute bezeichnet er sich als Weltbildhauer. In der Kirche St. Matthias möchte er den Ambo zum Vibrieren bringen. Denn anders, als er es erwartet hat, ist dieser nicht schwer, sondern leicht und verrückbar. Und das, obschon der Ambo eigentlich fest verankert sein müsste. «Das hat mich an die Kirche erinnert. Denn auch kirchliche Strukturen halten heute nicht mehr so gut wie auch schon.» So entstand sein Kunstprojekt. Mithilfe einer Anleitung zur Meditation und zur Annäherung hin zum Ambo bringt der oder die Betrachtende den Ort der Verkündigung in Bewegung. Und wird damit selbst Teil des künstlerischen Werks. Für Ruedi Odermatt wirft ein vibrierender Ambo Fragen auf wie: «Was erschüttert mich, erschüttert mich das Wort Gottes?» Und Ewald Trachsel fügt hinzu: «Das ist sozusagen ein Wackelkontakt mit dem Göttlichen. Das ist das Spezielle!»

«Häusliche Arbeit, Ökologie und Vergänglichkeit»

Annina Gerber wird ihr Kunstwerk in der Wildblumenwiese des Chilematt Gartens aufbauen. Die Kunststudentin, Mutter und Ärztin aus Zug möchte etwas realisieren, das mit dem Ort, aber auch mit ihr selbst zu tun hat. Bei der Begehung des Chilematt-Areals sei ihr das Foyer aufgefallen, das sich in der Mitte des Gebäudes befindet. Foyer – heute wird dieser Begriff für Vorräume öffentlicher Gebäude verwendet. Doch ursprünglich stammt er vom französischen foyer, was so viel wie Herd, Feuerstelle oder Brennpunkt bedeutet. Der Herd oder das Feuer befand sich früher im Zentrum, dort versammelte sich die Familie. So entschied sie sich, den Herd aufzugreifen. Aus Stampflehm, einem wiederentdeckten, ökologischen Baumaterial, wird sie im Chilematt Garten eine Skulptur in Form eines Kochherdes aufbauen. Unterschiedliche Gedankengänge begleiten sie dabei. Die Frage nach dem Wert der häuslichen Arbeit in der Gesellschaft, nach der Ökologie und der Vergänglichkeit. Denn wird Stampflehm nicht geschützt, wird er von der Witterung zersetzt. Dieser letzte Aspekt ist Dozent Ewald Trachsel wichtig. «Von diesen Werken bleibt langfristig kaum etwas übrig. Was aber bleibt, sind die Erinnerungen all jener, welche die Kunstwerke aufgesucht haben.»

Kunst regt zum Nachdenken an

Nebst diesen zwei künstlerischen Werken werden vom 4. bis 26. Mai noch sechs weitere Projekte realisiert, die unter anderem Anlass geben, über Spiritualität und Rollenverständnisse nachzudenken und segensreich zu wirken. Anlass für das HallelujART Festival ist das 100-jährige Bestehen der Schweizerischen St. Lukasgesellschaft für Kunst und Kirche/SSL. Im Verlauf dieses Jahres werden in über zehn Kantonen Interventionen in Kirchen durchgeführt und Podiumsdiskussionen zu künstlerischen Arbeiten geführt.

Marianne Bolt

 

Das HallelujART Festival im Überblick:

Sa, 04.05., 17.00 Uhr: Vernissage als meditativer Stationen-Gottesdienst
Do, 09.05., 11.30 Uhr: Führung
Mi, 15.05., 17.30 Uhr: Führung. 18.30–20.30 Uhr: Kunst trifft Kirche bei Wein und Brot. Mit allen teilnehmenden Künstlerinnen und Künstlern des HallelujART Festivals und mit den Vertretern der St. Lukasgesellschaft Markus Buenzli-Buob und Marco Schmid. Moderiert wird der Abend von der Kunsthistorikerin Rachel Mader.
Mo, 20.05., 11.30 Uhr: Führung
So, 26.05., ab 12 Uhr: Finissage

Infos zu diesen und weiteren Programmpunkten finden sich im Flyer zum HallelujART-Festival und können auf der Webseite der Pfarrei Steinhausen abgerufen werden.