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07.07.2025, 15.30

Immer mehr Menschen suchen den Zugang zu Glaubensinhalten via Social Media. Auf Plattformen wie Instagram gewähren religiöse Influencerinnen Einblicke in ihr religiöses Leben und ihre Glaubensüberzeugungen. Unsere Mitarbeiterin Melanie Schnider hat während ihres Bachelorstudiums Kommunikation an der ZHAW in Winterthur eine umfassende Arbeit zu diesem Phänomen verfasst. Was sie über religiöse Influencerinnen herausgefunden hat, präsentierte sie in einer kleinen Sommerserie hier im Pfarreiblatt.

Social Media hat die Art und Weise, wie Glaubensinhalte vermittelt werden, grundlegend verändert. Besonders auf Instagram – einer Plattform, die durch Bilder, Videos und kurze Texte geprägt ist – nutzen immer mehr Menschen die Chance, ihren Glauben sichtbar zu machen. Religiöse Influencerinnen und Influencer teilen Alltagserlebnisse, religiöse Botschaften und praktische Glaubenspraxis mit einer wachsenden Community. Die Nutzenden von Instagram nehmen dadurch die religiösen Influencer oft als Repräsentanten einer bestimmten Glaubensgemeinschaft wahr – obwohl diese oft keine theologische Ausbildung haben.

Deshalb sollte man das Phänomen kennen

Die Anzahl an Glaubensvertretern in den Sozialen Medien hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Da religiöse Influencerinnen und Influencer mit ihren teils hohen Reichweiten die Macht haben, die Meinungsbildung vieler Menschen zu beeinflussen, ist es wichtig, das Phänomen zu kennen. Deshalb untersuchte ich in meiner Bachelorarbeit «Religiöse Influencerinnen auf Instagram», warum jüdische, christliche und muslimische Influencerinnen Content auf Instagram veröffentlichen und welches Ziel sie verfolgen. Zudem ging ich der Frage nach, welche Beiträge sie auf Instagram posten und zu analysieren, ob auf Instagram Mechanismen auftreten, die in allen drei monotheistischen Weltreligionen gleich sind.

Interviews mit religiösen Influencerinnen

Um Antworten auf diese Fragen zu finden, interviewte  ich vier religiöse Influencerinnen: die jüdische Studentin und Antisemitismusaktivistin Tanya Raab (@oy_jewish_mamma), die christliche Autorin und Theologin Sarah Vecera (@moyo.me), die muslimische Influencerin und Unternehmerin Seher Danisman (@seher.fitspirated) sowie die muslimische Sozialpädagogin und Empowerment-Trainerin Dalal Mahra (@kopftuchmaedchen). Ursprünglich wollte ich nur drei Influencerinnen interviewen, doch da die zwei angefragten muslimischen Influencerinnen zusagten, interviewte ich beide. Neben den Interviews habe ich von jeder Influencerin einen Instagram-Post analysiert

Meine Forschung ergab, dass die Influencerinnen aus religiösen, kognitiven und gesellschaftlichen Gründen Content posten, aber auch aus wirtschaftlichen Interessen und aufgrund von plattformspezifischen Gegebenheiten. Besonders häufig gaben sie an, dass es sie motiviert, wenn ihnen die Follower oder die Profilbesuchenden mitteilen, dass sie sich wegen ihres religiösen Contents getrauen würden, ihr Verhalten zu ändern wie beispielsweise eine Kippa (jüdische Kopfbedeckung der Männer) zu tragen. Das meistgenannte Ziel war «Denkanstösse mitgeben». Die religiöse Influencerinnen möchten ihre Followerinnen und Profilbesucher zum Denken und Reflektieren anregen.

Die Analyse der vier Posts zeigt, dass die religiösen Influencerinnen Inhalte veröffentlichen, die Herausforderungen ihrer Glaubensgemeinschaft oder der Gesellschaft aufgreifen. So thematisiert beispielsweise der Post von Sarah Vecera den Rassismus gegenüber People of Color in der Kirche.

Auftakt zur neuen Sommerserie

Dieser Beitrag bildet den ersten Teil unserer neuen Sommerserie zum Phänomen religiöser Influencerinnen auf Instagram. In den nächsten drei Teilen stelle ich die Influencerinnen Tanya Raab, Sarah Vecera und Seher Danisman genauer vor. In einem abschliessenden Teil ordnet der Luzerner Religionslehrer Fritz Reinhard das Phänomen aus einer religionswissenschaftlichen Perspektive ein.

 

Hinweis

Der Artikel bezieht sich auf die Bachelorarbeit «Religiöse Influencerinnen auf Instagram», einer Qualifizierungsarbeit der ehemaligen ZHAW-Studentin Melanie Schnider.