19.09.2024, 09.14
Die musikalische und theatralische Interpretation der Sintflut verbindet Generationen und die biblische Zeit mit dem Heute. In Steinhausen und Baar singen und spielen der Chor der Generationen, ein professionelles Orchester und ein Schauspieler das Oratorium «Die Sintflut», das die biblische Geschichte aus einem anderen Blickwinkel miterleben lässt.
Auf das Erschaffen der ganzen Schöpfung, die Gott in der Genesis als «sehr gut» bezeichnet, folgen bei der Sintflut Untergang, Tod und Neuanfang. Gott bestraft den Menschen für seine Sünden – nur mithilfe der Arche Noachs sollen Menschheit und Tiere überleben. Das Oratorium «Die Sintflut» greift diese biblische Geschichte auf und erzählt sie «neu aufgesetzt», wie der Komponist Martin Völlinger sagt. Es werden Fragen nach Schuld und Gerechtigkeit gestellt und Noachs Gefühlsregungen wie Hadern und Zweifeln, Widerstände und Wut in Wort und Melodie zum Ausdruck gebracht.
Der Text von Hanspeter Gschwend und die Musik von Martin Völlinger bilden ein klassisches, vierteiliges und sehr dramatischangelegtes Oratorium als theatralisches Gesamtkunstwerk, das in Steinhausen Ende September uraufgeführt wird «Es ist ein hochdramatisches Stück mit sehr viel Tiefgang», sagt der Komponist. Der musikalische Leiter Christian Renggli ergänzt: «Die Unwetter in diesem Sommer haben mir vor Augen geführt, dass das Thema Sintflut beklemmend aktuell ist.»
Neu ist im Gegensatz zur biblischen Geschichte, dass auch Noachs Frau mit der Mezzosopranistin Susanne Andres eine Stimme erhält. Aus dem Blickwinkel einer Frau und Mutter stellt sie Fragen, rüttelt wach und erinnert an die Liebe. Auffällig ist an den Texten, dass sie weitgehend dem Inhalt der biblischen Geschichte folgen, jedoch so formuliert sind, dass sie auch zur heutigen Weltsituation zahlreiche Gedankenanstösse liefern, ohne konkret politisch zu sein.
Um die menschlichen Regungen hörbar zu machen, nutzt Martin Völlinger ein breites musikalisches Spektrum, das gefühlsbetont von der Einstimmigkeit bis hin zum Ausreizen des Orchesters reicht, Kinderstimmen, welche die klangliche Hoffnungsfarbe darstellen und ein Erzähler, der Gott und Noach eine Stimme verleiht. «Die Sintflut ist eine Reise durch alle menschlichen Richtungen. Sie führt von tiefster Verzweiflung zur Hoffnung und vom strafenden zum liebenden Gott», sagt Martin Völlinger.
Um der Dramatik des Oratoriums gerecht zu werden, seien ein grosses Orchester – bei der «Sintflut» spielt das professionelle Orchestra Puccini –, ein Schauspieler in der Rolle eines Erzählers und Gesangsstimmen aller Generationen unerlässlich. Der Chor der Generationen setzt sich aus den Kirchenchören von Baar und Steinhausen, dem Jugendchor Steinhausen sowie Gastsängerinnen und Gastsängern zusammen und umfasst etwa 120 Menschen zwischen acht und achtzig Jahren. Wie Christian Renggli sagt, wirken im Chor der Generationen Sängerinnen und Sänger mit, die zum ersten Mal in einem Chor mitsingen, andere verfügen über eine professionelle Gesangsausbildung oder langjährige Erfahrung mit Chorkonzerten. Das musikalische Zusammenwirken der Generationen erlebt Christian Renggli als grosse Bereicherung. «In den Pausen kommen die Sängerinnen und Sänger über die Altersgrenzen hinweg miteinander
ins Gespräch das freut mich sehr!» Trotz der unterschiedlichen Jahrgänge und Erfahrungen beobachtet der musikalische Leiter, dass das Oratorium mit viel Lust vorbereitet wird. «Das Wichtigste ist unser gemeinsames Ziel: Wir wollen das neue Oratorium Sintflut von Martin Völlinger in drei tollen Konzerten aufführen.»
• Marianne Bolt, Pfarreiblatt 38/39-2024
Die Sintflut – damals und heute
Ein musikalisches, generationenübergreifendes Grossprojekt
Flyer mit allen Informationen
DIE SINTFLUT – ORATORIUM