06.01.2025, 13.47
Vor über 130 Jahren machte Papst Leo XIII auf gesellschaftliche Missstände während der Industrialisierung aufmerksam. Mit seiner Arbeiter-Enzykla «rerum novarum» setzte er sich für mehr Gerechtigkeit der Arbeitnehmenden ein.
Auch heute stehen wir vor grossen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen wie etwa Korruption, Kinderarbeit, Rechtspopulismus oder die Abholzung der Regenwälder. Oft scheinen diese unlösbar zu sein. Doch im neuen Kartenspiel LeoXIII bekämpfen die Spielerinnen und Spieler diese Dilemmata mithilfe der katholischen Soziallehre, die sich auf universelle Prinzipien wie Menschlichkeit und Solidarität beruft. «Mit LeoXIII wollen wir die Spielenden für die Prinzipien der katholischen Soziallehre sowie die Tugenden ethischen Handelns sensibilisieren», erklärt Thomas Wallimann, Sozialethiker am Institut «ethik22».
Anlässlich des 125-jährigen Jubiläums der KAB Schweiz hat er das Kartenspiel LeoXIII entwickelt, gemeinsam mit sechs professionellen Spielentwicklern des kirchlichen Jugendtreffs «Gamers Point», Mitarbeitenden der christlichen Sozialbewegung St. Gallen KAB SG und des Instituts «ethik22». Das Spiel eignet sich für Spielende ab zehn Jahren, im Freundeskreis oder in der Familie sowie für Ethik- oder Religionsunterricht. Doch wie genau funktioniert das Spiel?

Das Kartenspiel ist nach dem Papst LeoXIII (1810-1903) benannt, der den Grundstein für die Entwicklung der katholischen Soziallehre gelegt hat. Foto: KAB Schweiz
LeoXIII erinnert ein wenig an das bekannte Kartenspiel UNO, jedoch mit einem entscheidenden Unterschied: Es geht nicht darum, möglichst schnell zu spielen, sondern darum, fundierte Argumente vorzubringen. Zu Beginn des Spiels werden Herausforderungskarten ausgelegt, die globale Probleme wie etwa fehlende Bildung oder den Zugang zu Trinkwasser symbolisieren. Diese Herausforderungen müssen mithilfe der fünf Prinzipien der katholischen Soziallehre gelöst werden: Gerechtigkeit, Hilfe zur Selbsthilfe, Ökologie, Menschlichkeit und Solidarität. Die Prinzipien sind auf farbigen Zahlenkarten dargestellt.
Im Spielverlauf legen die Spielenden Zahlenkarten ab, um die katholische Soziallehre in die Diskussion einzubringen. Höhere Zahlen repräsentieren stärkere Argumente. Ziel ist es, alle Karten abzulegen und dabei möglichst wenige Strafpunkte zu sammeln. Strafpunkte gibt es, wenn Karten nicht gespielt werden. Denn sinnbildlich steht dieses Verhalten dafür, dass jemand die Argumente der katholischen Soziallehre nur im Kopf hat und nicht in eine Debatte einbringt. Am Ende gewinnt die Person mit den wenigsten Strafpunkten, die die Prinzipien der katholischen Soziallehre am besten angewendet hat.
«Das Spiel behandelt zentrale ethische Fragen unserer Zeit», sagt Thomas Wallimann. «Jede Karte regt zu einer Diskussion über gesellschaftliche Herausforderungen an.» So kann beispielsweise die Karte «Kinderarbeit» dazu führen, Fragen zu stellen wie: Was löst dieses Thema bei euch aus? Warum ist Hilfe zur Selbsthilfe notwendig? Wie könnte eine solche Unterstützung konkret aussehen? Durch diese Diskussionen erlernen die Spielenden ethisch fundiert zu argumentieren und die katholische Soziallehre anzuwenden. Neben den pädagogischen Vorteilen hat LeoXIII noch einen weiteren, erfreulichen Aspekt: Es macht grossen Spass, sich mit den globalen Herausforderungen zu beschäftigen und nach einer gerechteren Welt zu streben.