19.02.2025, 12.00
Mit einfachen Illusionstricks können Religionslehrpersonen biblische Botschaften auf faszinierende Weise vermitteln. Wie dies funktioniert, erklärte der Referent Marc Lendenmann am Weiterbildungsabend zu Gospel Magic im Pfarreisaal St. Michael in Zug.
Lodernde Flammen, die aus einer Bibel züngeln. Oder zerrissene Taschentücher, die sich in Sekundenschnelle wieder zusammenzusetzen scheinen. So kann Religionsunterricht aussehen. Das Konzept dahinter stammt aus Amerika und heisst Gospel Magic. «Bei Gospel Magic geht es um kreative Vermittlung», erklärte Marc Lendenmann, Kinderpfarrer aus dem Kanton Zürich und Mitglied des Bibellesebunds Schweiz. 17 Zuger Religionslehrpersonen nahmen am Weiterbildungsabend der Fachstelle Bildung, Katechese und Medien BKM teil. «Kreative Vermittlung hat den Vorteil, dass sie hervorsticht und in den Köpfen der Lernenden hängen bleibt», fuhr Lendenmann fort. Gospel Magic ist eine Möglichkeit, den Lernstoff oder auch Predigttexte mit originellen Tricks zu illustrieren, sodass sie in Erinnerung bleiben. «Die Tricks sollen Faszination für den Glauben und die Bibel wecken», sagte er. Doch sind Magie und Zaubern in der Bibel nicht verboten? Wie passt das Konzept zu einem wahrhaftigen Religionsunterricht?
Ein Spiel mit der Illusion – keine Zauberei
«Die Tricks sind keine Zauberei, sondern alle erklärbar. Sie beruhen auf Illusionen», beruhigte Lendenmann. Um nicht den Anschein des Zauberns zu erwecken, empfehle er, während den Tricks keine Zaubersprüche zu sagen. Vielmehr sollten die Tricks nebenbei passieren, um das Erzählte zu verbildlichen. «Es geht darum, eine Botschaft in den Mittelpunkt zu stellen», betonte der Referent. So beziehen sich bei Gospel Magic alle Tricks auf eine Botschaft aus der Bibel. Wie ein solcher botschaftstransportierender Illusionstrick funktioniert, zeigte er anhand eines simplen Beispiels.

Kleiner Trick, grosse Wirkung. | © Melanie Schnider
Aus «BIBEL» entsteht «LIEBE»
Vor den Augen der Religionslehrpersonen zerriss er das Wort «BIBEL», das auf einem Blatt Papier stand, in die einzelnen Buchstaben «B», «I», «B», «E» und «L». Auf einem Tisch ordnete er diese zum neuen Wort «LIEBE». Was niemand bemerkte: Aus seinem Ärmel zückte er innert Sekunden ein zusätzliches «E», damit der Trick aufging. Zeitgleich zu seiner Vorführung sagte er: «Zur Bibel gibt es allerlei reisserische Vorteile: dass man beispielsweise nicht gerne liest oder sie langweilig ist. Und so zerreisst man die Bibel, ohne je darin gelesen zu haben. Aber wenn man sie auftut und darin liest, entdeckt man ganz viel. Wie zum Beispiel Liebe». Die Religionslehrpersonen schmunzelten. Für grosse Spannung und aufgerissene Augen sorgte ein Trick mit einer Guillotine.

Klappt dieser Trick mit Sicherheit? | © Melanie Schnider
Tricks mit Gospel-Magic-Gegenständen
Marc Lendenmann zerhackte zunächst mit einer circa 50cm hohen Guillotine eine Karotte in kleine Stücke. Die Anspannung im Raum stieg, als er einen Religionslehrer nach vorne bat, dessen Hand sowie eine weitere Karotte in die Guillotine legte und am Seil mit der Klinge zog. Durch einen inneren Mechanismus der Guillotine hackte die Klinge nur ein Stück der zusätzlichen Karotte ab. Ein lautes Aufatmen ging durch die Runde im Pfarreisaal St. Michael. Lendenmann meinte: «Im Leben wird es oft brenzlig, doch Gott ist bei uns.»
Neben dieser Guillotine zeigte Lendenmann den Teilnehmenden weitere, spezialisierte Gospel-Magic-Gegenstände, wie zum Beispiel den «Bungalow». Dieses kleine Holzquadrat weist an den Seiten Öffnungen auf. In diese legte er zwei Seile und zog sie an. So entstand im Inneren ein Knäuel, das unentwirrbar wirkte. Die Seilenden gab er zwei Religionslehrerinnen. Währenddessen erzählte er von Jesus, der einen Gelähmten heilte. Als Lendenmann die beiden Lehrerinnen aufforderte, an den Seilen zu ziehen, löste sich der Bungalow spielend leicht. Staunende Gesichter waren das Resultat. «Wie dieser Trick funktioniert, verrate ich euch nicht. Mit dem Rätsel geht die Botschaft für euch weiter», sagte Marc Lendenmann.

Einige der Gospel-Magic-Tricks probierten die Religionslehrpersonen gleich selbst aus. | © Melanie Schnider
Weiterführende Links & Tipps
Tricks u.a. erhältlich bei: www.allerhandundgwand.ch
Tricks auf Youtube: