10.04.2025, 05.00
Mit hohem Tempo entwickeln sich digitale Technologien weiter. Doch wie wirken sich Smartphones, Chatboots und ChatGPT auf Familien aus? Damit beschäftigt sich aktuell die Pfarrei St. Martin in Baar und lud kürzlich zur Veranstaltung «Digitalisierung im Familienalltag aus biblisch-ethischer und pädagogischer Perspektive» ein.
Familienväter, Grossmütter, Mitarbeitende der Zuger Pfarreien, Lehrpersonen und weitere Fachpersonen aus dem Bildungsbereich, trafen sich am Samstag, 22. März nicht online, sondern im Pfarreiheim St. Martin in Baar. Sie verband das gemeinsame Interesse und die Sorge über die Herausforderungen der digitalen Transformation. Wie kann ein guter Umgang mit digitalen Technologien wie Smartphones und Künstlicher Intelligenz aussehen? Die Veranstaltungsreihe «Am Puls der Zeit» der Pfarrei St. Martin gibt Antworten auf aktuelle gesellschaftliche Fragen und nimmt dabei auch Bezug zur Bibel.

Die Veranstaltung begann mit einem spannenden Vortrag von Jenny Gmünder, Religionspädagogin in Ausbildung am Religionspädagogischen Institut Luzern und Organisatorin der Veranstaltungsreihe. Foto: Melanie Schnider
Das sagt die Bibel zur Digitalisierung
Obwohl die Bibel keine explizite Stellung zur digitalen Transformation nimmt, gibt es Erzählungen, die zum Nachdenken anregen und Analogien zulassen – etwa die Geschichte des Turmbaus zu Babel oder die Schöpfungsgeschichte. Letztere beschreibt, wie Gott den Menschen schuf und ihn beauftragte, die Erde zu bearbeiten und zu pflegen. «Mit diesem Auftrag gab uns Gott auch die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen», erklärte Jenny Gmünder, Religionspädagogin in Ausbildung am Religionspädagogischen Institut Luzern und Organisatorin der Veranstaltungsreihe. Sie fügte hinzu: «Aus einer jüdisch-religionsgesetzlichen Perspektive schuf Gott die Menschen, damit diese die Erde schützend pflegen, nicht aber aufgrund von Selbstsucht zerstören.» Aufgrund der rasanten technologischen Geschwindigkeit, der Komplexität und der Intransparenz falle der Mensch zusehends in eine Ohnmacht. «Wir geben unser Tun und unsere Verantwortung immer mehr digitalen Technologien ab», betonte sie.

Geschickt zog Jenny Gmünder das Publikum mit Fragen in ihr Referat ein. Foto: Melanie Schnider
Doch Maschinen und Künstliche Intelligenz können keine Verantwortung übernehmen. Weshalb dies so ist, illustrierte Prof. Peter G. Kirchschläger, einer der Gastreferenten: «Wenn ein selbstfahrendes Auto einen Unfall verursacht, macht es keinen Sinn, es als Strafe nicht mehr an den Strom zu hängen.» Verantwortung sollte stets bei den Menschen bleiben, die hinter der Technologie stehen – auch für die Auswirkungen, die die digitale Entwicklung auf Kinder hat.

Prof. Peter G. Kirchschläger und Jenny Gmünder während des Podiumsgesprächs. Foto: Melanie Schnider
Wie wirkt sich das Smartphone auf die Eltern-Kind-Beziehung aus?
Als gravierendes Phänomen nannte Jenny Gmünder Phubbing. Phubbing ist die flüchtige Interaktion mit dem Smartphone während eines persönlichen Gesprächs, das spontane Umschalten der Aufmerksamkeit von einem persönlichen Gespräch mit einer anderen Person zum Smartphone. «Beim Kind bewirkt dies zunächst ein Gefühl von Abgewiesen-Sein, was das Selbstwertgefühl schwächt und bis zu Depressionen führen kann», warnte Gmünder. In einem anschliessenden Workshop diskutierten die Teilnehmenden ihre Erfahrungen mit Phubbing sowie dem Umgang mit der Digitalisierung im Familienalltag. Und im Schulalltag?
Selbstwirksamkeit statt Abhängigkeit von Künstlicher Intelligenz
Die Digitalisierung in Schulen sollte laut der Gastreferentin Anita Schwegler, Lehrerin und Kindergärtnerin, ein reines Hilfsmittel bleiben. «Bevor Kinder lernen, wie sie Künstliche Intelligenz bedienen, sollten sie erfahren, wie es ist, selbst zu handeln und die Welt auf kleine Weise zu beeinflussen». Der Prorektor der Schulen Baar, Markus Brazerol, betonte: «Das höchste Gut in der Bildung sind zwischenmenschliche Beziehungen. Diese darf ein digitales Gerät nicht ersetzen.» Die Verantwortung für die Bildung müsse weiterhin beim Menschen bleiben. Jenny Gmünder sieht auch eine wichtige Verantwortung bei der Kirche: «Pfarreien sollen sich mit drängenden gesellschaftlichen Fragen befassen und den Menschen durch ihre Antworten neue Orientierung bieten.»
Ausblick
Die zweite Veranstaltung der Reihe «Am Puls der Zeit» findet am Samstag, 26. September 2026 in der Pfarrei St. Martin in Baar statt.
Uhrzeit: 08.45-12.00 Uhr
Thema: Technologische Innovation – Segen oder Fluch?
Fokus: Transhumanismus
Gastreferentin: Frau Dr. theol. Alexandra Kaiser-Duliba, Wissenschaftliche Oberassistentin der Theologischen Fakultät an der Uni Luzern