Stefan Doppmann ist Präsident der Vereinigung der Katholischen Kirchgemeinden des Kantons Zug. Er äussert sich zur Berichtsmotion, welche die Weiterentwicklung der Ertragsverwendung der Kirchensteuern juristischer Personen beabsichtigt. Darin wird der Regierungsrat beauftragt, Varianten und deren Kombination zu prüfen, z.B. ausschliessliche Verwendung für gemeinnützige Zwecke, Anerkennung von anderen Religionsgemeinschaften oder der Wahl, welcher Institution die Steuern zugutekommen sollen.
Was waren ihre ersten Gedanken, als sie von dieser Berichtsmotion erfahren haben?
Ich war zunächst überrascht. Dann musste ich mir realistischerweise eingestehen, dass damit zu rechnen war, dass die Politik ihre Aufmerksamkeit früher oder später wieder auf die Kirchensteuer der juristischen Personen richten würde.
Haben sie damit gerechnet, dass nach der abgelehnten Motion von 2021, welche die Kirchensteuern juristischer Personen für freiwillig erklären wollte, 2024 bereits wieder ein politischer Vorstoss eingereicht wird?
In der Debatte, die der Kantonsrat 2021 führte, liessen mehrere Votanten durchblicken, dass man dieses Thema nicht endgültig abhaken würde. Seither haben verschiedene Faktoren dazu beigetragen, dass die Kirche im Fokus stand. Ich denke da an die anhaltende Debatte über Missbrauch, insbesondere im Nachgang zur Publikation der von der Kirche selbst initiierten Pilotstudie oder aufgrund des Rückgangs der Mitgliederzahlen in den beiden Landeskirchen. Somit war früher oder später wieder ein Vorstoss in diese Richtung zu erwarten.
Kennen sie die Motive der Motionäre, können sie diese nachvollziehen?
Wir haben uns mit den Motionären ausgetauscht. Sie haben im Gespräch wie auch im Motionstext dargelegt, dass sie der Kirche die ihr heute zur Verfügung stehenden Steuermittel erhalten möchten. Und sie anerkennen, dass mit diesen Mitteln viele Leistungen zu Gunsten der gesamten Gesellschaft erbracht werden. Mit ihrer Motion regen sie an, die heutige Form der Verwendung der Steuermittel so weiterzuentwickeln, dass die Kirchen ihre Aufgaben weiterhin wahrnehmen können. Ich kann nachvollziehen, dass die Politik vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Entwicklung diese Diskussion führen will. Und ich bin froh, dass es im Kantonsrat Kräfte gibt, die es weiterhin für richtig halten, dass die Kirche für ihr wichtiges Engagement zu Gunsten der Gesellschaft Steuermittel erhält

Kirchenbehörden besprechen die Berichtsmotion | © Arnold Landtwing
Wie geht es jetzt weiter?
Der Regierungsrat hat ein Jahr Zeit, um Bericht und Antrag zur Erheblicherklärung zu unterbreiten. Wenn der Kantonsrat die Motion erheblich erklärt, hat der Regierungsrat wiederum drei Jahre Zeit, um den von den Motionären geforderten Bericht auszuarbeiten. In diesem muss er die verschiedenen Versionen zur möglichen zukünftigen Ausgestaltung der Kirchensteuer juristischer Personen bewerten und priorisieren. In einem ersten Schritt hat die in dieser Frage federführende Finanzdirektion die katholische und die reformierte Kirche aufgefordert, bis Ende September Informationen darüber bereitzustellen, wie die Steuermittel eingesetzt werden und wie sie damit einen Nutzen für die gesamte Gesellschaft erbringen.
Das klingt nach viel Arbeit über die Sommermonate. Wie ist die Stimmung in den Kirchgemeinden?
Das Beantworten und Konsolidieren der Umfrage ist eine grosse Arbeit, weil diese Zahlen eigens erhoben werden müssen. Der Termin ist sportlich gesetzt, und wir nehmen den Aufwand gern auf uns, um aufzuzeigen, wie viele Leistungen die Kirchgemeinden für die gesamte Bevölkerung im Kanton erbringen. Viele davon sind oftmals ausserhalb der öffentlichen Wahrnehmung.
Welche speziellen Leistungen für die gesamte Gesellschaft sind zu wenig in der öffentlichen Wahrnehmung?
Am ehesten im Bewusstsein sind wahrscheinlich die Leistungen in der Sozialdiakonie, in der konfessionsübergreifenden Alters-, Familien- und offenen Jugendarbeit. Viele dieser Leistungen sind häufig gepaart mit Freiwilligenarbeit, was ihren gesellschaftlichen Nutzen zusätzlich verstärkt. Darüber hinaus stellen die Kirchgemeinden auch Pfarreiräume und Kirchen für Vereine und kulturelle Veranstaltungen kostenlos oder zu einem symbolischen Preis zur Verfügung. Festgestellt werden darf auch, wie gewichtig die Kirchgemeinden als Auftraggeber für das heimische Gewerbe sind, wovon beispielsweise Handwerker, Druckereien oder auch die Lebensmittelbranche profitieren.
Interview: Arnold Landtwing
Welche Kirche brauchen die Menschen im Kanton Zug? Seit zwei Jahren gehen Vertreterinnen und Vertreter der Pfarreien und Kirchgemeinden dieser Frage nach. Daraus entstanden ist das Projekt «Kirche mit Zug», das immer konkretere Züge annimmt.
Die katholische Kirche schaut düsteren Zeiten entgegen. An diesem Bild, das Arnd Bünker, Leiter des Schweizerischen Pastoralsoziologischen Instituts SPI, im November 2021 an einer Weiterbildungsveranstaltung im Kanton Zug skizzierte, stiessen sich Vertreterinnen und Vertreter der Katholischen Kirche. Und eben dieses Bild war es, das einen Stein ins Rollen gebracht hat. Bereits im Sommer 2022 setzten sich Leitungspersonen aus Zuger Pfarreien und Kirchgemeinden und den Fachstellen sowie des Bistums Basel bei einem Workshop mit der Frage auseinander, wie die Kirche die Botschaft Jesu in die Welt von heute tragen kann.

Sandra Dietschi (l.), Gesamtleiterin Fachstellen VKKZ und Projektleiterin von «Kirche mit Zug» im Gespräch mit Pfarreiblattredaktorin Marianne Bolt | © Arnold Landtwing
Seither sind nahezu zwei Jahre verstrichen. Der Stein gewann an Fahrt, daraus entstanden ist das Projekt «Kirche mit Zug». Ein Projekt, in dem nicht nur über Synodalität gesprochen, sondern in dem Synodalität gelebt wird, wie Sandra Dietschi, Projektleiterin und Gesamtleiterin Fachstellen der VKKZ, sagt. Denn längst denken und diskutieren nicht mehr ausschliesslich kircheninterne Personen mit. Wenn sich in der Kirche etwas für die Menschen im Kanton Zug verändern soll, sollen diese Menschen auch mitdiskutieren können. Dabei geht es nicht um eine Bedürfniserhebung, denn solche Ergebnisse liegen aus anderen Studien bereits vor. Es geht laut Sandra Dietschi vielmehr darum, Formate zu schaffen, in denen immer wieder Leute mit auf den Zug aufsteigen können. Doch was bedeutet das, was ist bisher geschehen und wohin fährt der Zuger Zug?
Bei der ersten Netzwerktagung im Sommer 2022 kristallisierten sich unterschiedliche Handlungsfelder heraus. Unter anderem das bedürfnisorientierte Arbeiten, das Schärfen eines offenen Ohrs, das Stärken des kantonalen Bewusstseins, die Ansprechbarkeit für die Menschen, und – ganz besonders – die Ermächtigung von Menschen, ihre je eigene Stärke in die Gemeinschaft einbringen zu können. Bei einem nachfolgenden Treffen mit Leitungspersonen aus den Pfarreien und Pastoralräumen wurde deutlich, dass Leerraum geschaffen werden soll, um sich mit der Kernfrage nach der Kirche von heute auseinanderzusetzen. Zugleich sollte vermieden werden, einem übereiferten Aktionismus zu verfallen.
Für Aussenstehende klingen diese Überbegriffe vage, für die Weiterentwicklung ab Sommer 2023 waren sie jedoch wichtig. Das Kernteam des Projekts – dieses besteht aus der Projektleiterin Sandra Dietschi, Renate Falk, einem Mitglied des VKKZ-Präsidiums, Thomas Hausheer, Leiter der Fachstelle Kirche und Wirtschaft, Kommunikationsleiter Arnold Landtwing und der Leiterin der ökumenischen Seelsorge für Menschen mit Behinderung seelsam Karin Schmitz – wollte mit Personen aus der Pastoral und den Kirchgemeinden sowie mit weiteren Interessierten in einem World Café der Frage nachgehen, welche Kirche die Menschen im Kanton Zug brauchen. Das World Café ist eine Methode, mit welcher sich die Anwesenden in einer Café-Atmosphäre kreativ mit unterschiedlichen Fragestellungen auseinandersetzen.
Das World Café im November 2023 war die Geburtsstunde des Projekts «Kirche mit Zug». Die rund 50 Anwesenden gingen den Fragen nach, welche Erwartungen die Menschen heute an die Kirche haben, wie darauf reagiert werden kann, welche Inhalte und Gestalt die Katholische Kirche im Kanton Zug braucht, um den Bedürfnissen in Zukunft gerecht zu werden, und welche Fragen bewegen und wie sie bearbeitet werden können.

November 2023: Das World Café bildete den Startschuss für das Projekt «Kirche mit Zug». | © Arnold Landtwing
Eine Aufbruchstimmung machte sich breit. Das Glas ist nicht halb leer, sondern halb voll, wie Sandra Dietschi sagt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer entschieden, die Diskussion um die Zukunft der Katholischen Kirche im Kanton Zug weiter zu vertiefen. Gelegenheit dazu boten vier Abende, die im ersten Quartal dieses Jahres stattgefunden haben. Es waren Abende, an denen jeweils zirka 15 Teilnehmende auf spielerische Weise an der Kirche von morgen gebaut haben. Was an allen Abenden deutlich wurde: Die Kirche muss zu den Menschen gehen, diakonisch tätig sein und Begegnungsmöglichkeiten schaffen. Ebenfalls wurde einhellig betont, dass Rückzugs- und Besinnungsorte weiterhin bestehen bleiben sollen. Ungenutzte Kirchenräume könnten dazu umgestaltet und doch weiterhin als sakrale Räume genutzt werden. Beispielsweise mit Liegestühlen und Büchern in der Kirche oder einem kurzen Impuls über Mittag.
Zugleich tauchten – ebenfalls an allen vier Abenden – Widerstände auf. Ist es möglich, allen Bedürfnissen gerecht zu werden? Und: Ist das noch Kirche? Was erstaunen mag: An keinem dieser vier Abende wurden die kirchlichen Strukturen, die Abschaffung des Zölibats oder die Frauenordination als Thema aufgegriffen. «Der Vorteil dieses Projekts ist, dass es ein freies Denken im geschützten Rahmen ermöglicht und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht bei den Barrieren beginnen», sagt die Projektleiterin.

1. Quartal 2024: An vier Abenden bauten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kreativ an der Kirche von morgen | © Stefan Fraefel
Das Kernteam ist inzwischen um drei Personen von ausserhalb der Kirche erweitert worden. Neu gehören auch Stefan Fraefel und Sina Stähli von Norr Design sowie Roland Villiger von Concept Villiger dazu. Gemeinsam haben sie das Konzentrat aus den vier Abenden herausgezogen. Daraus sind neun Themenfelder entstanden, die sich nicht mehr auf der theoretischen Ebene bewegen, sondern in die Praxis umgesetzt werden können.
Dazu gehört unter anderem das Thema «Pensioniert – und jetzt?», das sich den Möglichkeiten von Pensionierten im kirchlichen Umfeld widmet. Nicht nur in Form von Angeboten, sondern im Ermöglichen von Bereichen, in denen die Pensionierten ihre Fähigkeiten, ihr Wissen und ihre Lebenserfahrungen weiterhin einbringen können.
Für dieses und die acht weiteren Themenfelder werden am 2. Oktober Umsetzungsideen erarbeitet. Diese Ideen dürften richtungsweisend sein, wie die Katholische Kirche des Kantons Zug in Zukunft aussehen kann. Wer sich angesprochen fühlt, mitzudiskutieren, darf gerne mit Sandra Dietschi von der Vereinigung der Katholischen Kirchgemeinden des Kantons Zug (VKKZ) Kontakt aufnehmen.
Marianne Bolt
Impulse für das Projekt brachte im Januar 2024 auch ein Inspirationsabend mit auswärtigen Fachleuten. Den Link zum damaligen Bericht finden Sie hier.
Mitte Juni findet im reformierten Kirchenzentrum Zug der Zuger Flüchtlingstag statt. Eine multikulturelle Vorbereitungsgruppe hat ein vielfältiges Programm mit Musik, Spiel, Essen und Politik zusammengestellt. Der Flüchtlingstag findet weltweit im Juni statt.
Von mittags 14 Uhr bis abends um 19.15 Uhr bietet ein vielfältiges Programm eine grosse Auswahl an Möglichkeiten:
Der Chor Zug unter der Leitung von Christof Tschudi singt Lieder, die Kraft und Verbundenheit bezeugen. Dazwischen lesen Geflüchtete und Einheimische kurze Texte über «Über Leben». Es sind jeweils Zeilen, die die Menschen schon lange in sich tragen. Die Texte wurden in den letzten Monaten gesammelt und zu einem Büchlein gebunden, das in jede Hosentasche passt und an alle Teilnehmenden verschenkt wird. Am Ende singen alle gemeinsam von gutem Leben. Regierungsrat Martin Pfister und Kantonsrätin Ronahi Yener sprechen ein Grusswort: Was heisst gutes Leben für Politik und Gesundheitsleben?
Speziell für den Flüchtlingstag in Zug ist die breit aufgestellte Organisationsform: Die katholische und reformierte Kirche, das kantonale Sozialamt, die Vereine Asylbrücke, FRW, die eritreische Community sowie die fra-z, das Projektnetzwerk Frauen Zentralschweiz, haben den Tag vorbereitet. Der Tag ermöglicht Einblick in die Erfahrungen von geflüchteten Menschen. So wachsen Verständnis und Verantwortung in der Zivilgesellschaft.
Am Sonntag, 9. Juni feierte die Pfarrei St. Michael Zug zusammen mit seelsam, ökumenische Seelsorge für Menschen mit Behinderung, in der Kirche St. Oswald in Zug einen inklusiven Gottesdienst. Die fröhliche und lockere Stimmung im Gottesdienst berührte alle Mitfeiernden.
Musikalisch setze die Gesangsgruppe «Die Bande» geleitet von Claudia Nick stimmungsvolle Akzente. In diesem Chor singen Menschen mit verschiedenen Behinderungen und sie animierten alle zu beherztem Mitsingen, etwa des Liedes «Lasst uns miteinander singen, beten, loben den Herrn». Dies war einer von vielen berührenden Momenten. Reto Kaufmann nahm diesen Gedanken in seiner Predigt auf: «Wir gehören zusammen, wir wollen füreinander da sein, wir heissen alle willkommen.»

«Die Bande» animierte zum beherzten Mitsingen | © zVg
Das frohe Zusammensein fand anschliessend eine Fortsetzung in der benachbarten Bauhütte und im Garten. «Das ist gelebte Inklusion mit wunderbaren Erfahrungen – bei allen. Toll, dass so viele mitgefeiert haben», freut sich Seelsorgerin Gaby Wiss im Rückblick.
Vom 15. Mai bis 15. Juni 2024 finden in der ganzen Schweiz Aktionen statt, um einen Beitrag zur Umsetzung der UNO-Behindertenrechtskonvention zu leisten. Im Kanton Zug ist auch seelsam engagiert, die ökumenische Seelsorge für Menschen mit Behinderung leistet.
Die Leiterin von seelsam, Karin Schmitz-Güttinger, freut sich, «dass wir mit unserem inklusiven Gottesdienst ein Angebot im Kanton Zug beisteuern können und als spirituelles Angebot auch im Aktionsprogramm im Kanton Zug integriert sind.»
Die Abschlussfeier mit Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider findet am 15. Juni im Kanton Genf statt. Das Programm sowie sämtliche weiteren Informationen zu den Aktionstagen Behindertenrechte sind unter www.zukunft-inklusion.ch zu finden.
Am 6. Juni 1954 ging das erste «Wort zum Sonntag» auf Sendung, damals noch zeitlich unbeschränkt und es gibt Erinnerungen daran, dass es bis zu 20 Minuten dauern konnte. Heute sind es noch knapp vier Minuten.

Im Regieraum wird die Aufnahme gesichtet und geschnitten | © zVg
Der heutige Leiter der Fachstelle Kommunikation der Katholischen Kirche Zug, Arnold Landtwing, war 2016- 2018 zu sehen und zu hören. Hier sein Statement:
«Mit Kirche habe ich schon lange nichts mehr am Hut, aber das, was Du heute gesagt hast…». So begannen unmittelbar nach der Aufnahme etliche Reaktionen auf ein Wort zum Sonntag. Und dann begegnete ich im von Technik flirrenden Regieraum Lebensgeschichten und Schicksalen, die mich tief berührten. Das waren heilige Momente hinter den Kulissen. Solche gab es auch auf offener Strasse. Mehrere Jahre nach dem letzten Einsatz sprach eine Frau mich an und zu meinem grossen Erstaunen zählte sie mehrere Inhalte verschiedener Sendungen auf. Sie hatte die Gedanken als Ermutigung und Inspiration in den Alltag mitgenommen. Umgehend nach der Ausstrahlung eingegangene Mails und Beschwerden zeigten, dass das Wort zum Sonntag auch Stachel im Fleisch von Gesellschaft, Politik und Wirtschaft sein kann. Die Bandbreite der Reaktionen lag zwischen Inspiration für den Alltag und dem Wunsch, ich solle doch zur Hölle zu fahren. Das Wort zum Sonntag regt an oder regt auf. Gut so. Deshalb ist es auch mit 70 Jahren relevant. Punkt.
Das Katholische Medienzentrum widmet dem 70-Jahr-Jubiläum einen Beitrag, in welchem verschiedene Sprecherinnen und Sprecher auf ihre Erfahrungen zurückblicken. Den ganzen Beitrag gibt es hier zum Nachlesen:
Drei kirchliche Sozialberatungsstellen der Katholischen Kirche im Kanton Zug decken das gesamte Gebiet des Kantons ab und sind Anlaufstellen für Menschen in belastenden Lebenssituationen. Oftmals fangen sie Menschen in schwierigen Situationen auf, die durch die Maschen der staatlichen Sozialhilfe fallen.
Über 40 katholische Seelsorgerinnen und Seelsorger aus dem ganzen Kanton Zug trafen sich im Pfarreiheim St. Michael in Zug zur Pastoralkonferenz. Als Schwerpunktthema stellten sich die drei kirchlichen Sozialberatungsstellen vor, die das ganze Kantonsgebiet abdecken.
Simone Schelker (Co-Leiterin Leuchtturm Diakonie & Soziales Zug) Stefan Horvath (Sozial- und Beratungsdienst St. Martin Baar) und Gerd Zimmermann (Pfarreisozialdienst Cham-Hünenberg) gaben Einblick in den Alltag ihrer Sozialberatungsstellen.

Leisten kirchliche Sozialarbeit im Kanton Zug: Stefan Horvath, Simone Schelker und Gerd Zimmermann (v.l.n.r.) | © Arnold Landtwing
Im SOHO, dem Sozial-Höck, treffen sich die Sozialarbeitenden alle sechs Wochen zu einem fachlichen Austausch und prüfen, wo sie sich gegenseitig unterstützen können. Bei Bedarf leisten sie auch kollegiale Intervision und beraten sich, wie man spezielle Fälle bearbeiten kann. Zusammenarbeit, Vernetzung und Kommunikation stellen für die drei unverzichtbare Säulen dar. Gut vernetzt und in regelmässigem Austausch sind sie auch mit zahlreichen Institutionen und auch mit staatlichen Stellen im Kanton Zug. Für den Herbst ist eine Zusammenkunft und Besprechung mit Regierungsräten geplant.
Die kirchlichen Sozialberatungsstellen arbeiten professionell und unterstehen dem Datenschutz wie der Schweigepflicht. Die Beratungsangebote sind kostenlos und stehen allen Hilfesuchenden offen, unabhängig von Herkunft, sozialem Stand, Religion oder Weltanschauung.
«Im reichen Kanton Zug gibt es Obdachlose, auch wenn das niemand so recht wahrhaben will», weiss Sozialarbeiter Stefan Horvath aus seiner Beratungspraxis. Was er vermisst ist etwa ein Ort, wo Obdachlose duschen können und er ergänzt: «Grosse Not herrscht auch bei Wohnungen oder Notzimmern.»

Stefan Horvath berichtet von Obdachlosigkeit im Kanton Zug | © Arnold Landtwing
«Die Komplexität der Fälle nimmt stetig zu», stellt Simone Schelker vom Leuchtturm Diakonie & Soziales fest. Zunehmend ist auch die Einsamkeit und so können die kirchlich Sozialarbeitenden etwas bieten, was bei staatlichen Stellen eng begrenzt ist: Zeit für den Menschen gegenüber. Oftmals kommen Menschen bei den kirchlichen Stellen vorbei, um zu erzählen, was sie belastet und gehen ohne spezielle Unterstützung erleichtert weiter, weil einfach jemand soviel Zeit hatte, ihnen zuzuhören, bis sie fertig erzählt hatten.
«Dank dem Einsatz von 35 Freiwilligen ist es in Cham seit vielen Jahren möglich, jeden Donnerstag einen Mittagstisch anbieten zu können, wo es eine Mahlzeit für 7 Franken gibt», berichtete Gerd Zimmerman und freute sich, dass «die Zusammenarbeit mit einem Grossisten einerseits Foodwaste verhindert , weil die Lebensmittel für den Mittagstisch verarbeitet werden können und zusätzlich Armutsbetroffene unterstützt werden können, die übriggebliebene Lebensmittel mitnehmen dürfen.»
Wichtig zu wissen: Die kirchlichen Sozialberatungsstellen arbeiten subsidiär, das heisst, sie sind eng vernetzt mit staatlichen und anderen Stellen und sorgen dafür, dass zuerst ordentliche Hilfeleistungen in Anspruch genommen werden, bevor sie tätig werden.
Was an dieser Pastoralkonferenz einmal mehr deutlich wurde: die kirchlichen Sozialdienste leisten wertvolle Arbeit, die der ganzen Zuger Bevölkerung offenstehen und zugute kommen. Und was einige Seelsorgende mit Überraschung zur Kenntnis nahmen: Kirchliche Sozialberatungsstellen sind teilweise älter als die staatlichen, zu Beispiel in Baar.
Hier sind Informationen zu den einzelnen kirchlichen Sozialberatungsstellen zu finden:
Eine letzte Woche im Zuger Kantonsrat als erheblich erklärte Motion verlangt, der Kanton Zug soll das Konkordat mit dem Bistum Basel überdenken und Zahlungen einstellen. Der Historiker und Theologe Urban Fink-Wagner hat die Motion genauer angeschaut und erteilt mit seiner Analyse eine kleine Geschichtslektion mit interessanten Zusammenhängen und Hintergründen.
Unter anderem stellt er klar, dass der nichtresidierende Zuger Standesdomherr von der Kirchgemeinde besoldet wird und nicht, wie von den Motionären behauptet, vom Kanton. Ausserdem dürften die Zahlungen des Kantons ans Bistum Basel gemäss Fink nur einen Bruchteil der als sechsstellig vermuteten und medial verbreiteten Summe liegen. Diese und andere Analysen gibt es im Interview von Jacqueline Straub mit Urban Fink hier zu lesen. Der Zuger Regierungsrat hat jetzt ein Jahr Zeit, um die Motion zu beantworten.
Den Text der Motion findet sich hier
Rund 150 freiwillig Engagierte begleiten ebenso viele Frauen und Männer und unterstützen sie im Rahmen der Ökumenischen Wegbegleitung Kanton Zug.
Ob Gespräche, miteinander spielen, etwas vorlesen, Begleitung beim Einkaufen oder zum Arzt oder Integrationshilfe. Das Angebot der Ökumenischen Wegbegleitung ist vielseitig und individuell zugeschnitten. Laut Bruno Baumgartner, Co-Leiter des Angebots und Sozialdiakon in der Alters- und Erwachsenenarbeit der Reformierten Kirche Bezirk Baar Neuheim, sind Gespräche und Spaziergänge am meisten gefragt. «Wir wollen Menschen eine Gemeinschaft bieten», sagt er und stellt klar, dass es darum geht, Zeit zu schenken, und den sozialen Austausch. «Wir bieten keine Nachbarschaftshilfe, also kein Rasenmähen oder Einkaufen und auch keine Pflege.»
Regelmässige Weiterbildungsangebote für die Begleitenden sind sehr gefragt. Dies zeigt die grosse Teilnehmerzahl der letzten Weiterbildung. Zum Thema «Wenn Gespräche und Emotionen(heraus-)fordern – Wie schwierige Begleitungen gelingen können» nahmen an zwei Tagen über 40 Personen teil.

v.l.n.r.: Fabian Kraxner (Oberarzt Psychiatrie Spital Affoltern), Sandra Curschellas (Ärztin Geriatrie/ Palliative Care Spital Affoltern) und Volker Schmitt (katholischer Diakon und Seelsorger Spital Limmattal) | © Franz Lustenberger
Fabian Kraxner (Oberarzt Psychiatrie Spital Affoltern), Sandra Curschellas (Ärztin Geriatrie/ Palliative Care Spital Affoltern) und Volker Schmitt (katholischer Diakon und Spitalseelsorger Spital Limmattal) gaben wertvolle Impulse und stellten sich praxisnah den Fragen der Teilnehmenden.
In kleinen Runden tauschten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Erfahrungen aus. «Das Teilen von emotionalen Erlebnissen wurde durch die Intimität der Gruppengrössen möglich und zu spüren, dass ich mit meinen Fragen und Grenzen in vielfältigen Begleitungssituationen nicht allein bin, hat gutgetan. In der anschliessenden Plenumsrunde prägte sich eine wichtige Erkenntnis bei mir ein: jeder Mensch hat seine Insel, die er oder sie gestaltet. Ich kann die Insel von meinem Gegenüber nicht ändern, aber ich kann versuchen, Brücken zu bauen.» schaut Co-Leiterin Sandra Dietschi auf den Tag zurück, an dem sie als Teilnehmerin dabei war. Sie ist Co-Leiterin der Ökumenischen Wegbegleitung und Gesamtleiterin der Fach- und Spezialseelsorgestellen der Katholischen Kirche Zug.

Erfahrungsaustausch in Kleingruppen mit Volker Schmitt | © Franz Lustenberger
Mehrheitlich sind es ältere Personen, die Unterstützung suchen und ebenfalls ältere, die diese freiwillig anbieten wollen. In den letzten Jahren hat die Anzahl der jüngeren Menschen, die Hilfe anbieten, etwas zugenommen. Die Verantwortlichen sind immer auf der Suche nach neuen Wegbegleitenden. Um der heutigen Zeit gerecht zu werden, soll es zukünftig auch projektmässige, zeitlich limitierte Angebote, geben. Begleitende können sich nur für einen bestimmten Zeitraum verpflichten. Ziel der Ökumenischen Wegbegleitung ist, dass eine langfristige Beziehung zwischen Begleitenden und Begleitpersonen entstehen kann. Die Nachfrage nach Begleitung nimmt stetig zu. Vereinsamung ist ein grosses Thema. Oft sind es nicht die Personen selbst, die Hilfe suchten, sondern Pflegeleute, Ärzte oder Angehörige, die sich bei der Ökumenischen Wegbegleitung melden.
Finanziert wird die Ökumenische Wegbegleitung Kanton Zug von der reformierten und der katholischen Kirche im Kanton Zug. Wer sich für eine begrenzte Zeit als Wegbegleiter oder Wegbegleiterin engagieren möchte, findet in zahlreichen Pfarreien Anlaufstellen. Alle Informationen und Kontaktstellen finden sich auf der Homepage www.wegbegleitung-zug.ch
Heute haben die Schweizer Bischofskonferenz SBK, die Römisch-katholische Zentralkonferenz RKZ und die Konferenz der Ordensgemeinschaften und anderer Gemeinschaften des gottgeweihten Lebens in der Schweiz KOVOS in einem Zwischenbericht über den Stand der Massnahmen zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche Schweiz informiert.
Betroffene von sexuellem Missbrauch im kirchlichen Umfeld sollen künftig überall in der Schweiz professionelle und unabhängige Beratung erhalten, Täter zur Rechenschaft gezogen, Risiken für weitere Missbräuche auf allen Ebenen der Institutionen minimiert und Vertuschung verhindert werden.
Die drei nationalen kirchlichen Institutionen der Schweiz – SBK, RKZ und KOVOS – haben am 27. Mai 2024 folgende Punkte präsentiert:
Der aktuelle Stand des Projekts und alle bisherigen Informationen finden sich auf: Aufarbeitung Missbrauch Schweiz
Das Seelsorge-Café in der Bauhütte in Zug ist neu auch sonntags geöffnet. Hierher kommen Menschen, die sonst vereinsamen, die mit jemandem reden möchten oder auch professionelle Beratung suchen. Weil so viele Menschen das Angebot von freiwilligen Seelsorgerinnen, Seelsorgern, Psychologinnen oder Psychologen s nutzen, hat die Bauhütte jetzt neu auch am Sonntag offene Türen.
Tele1 war auf Besuch und hat mit Gästen und freiwillig Engagierten gesprochen. Das Video öffnet sich mit einem Klick auf das Bild: