Die Katholische Kirche Zug sieht bei einer Annahme der Selbstbestimmungsinitiative die Menschenrechte gefährdet. Sie empfiehlt deshalb, am 25. November 2018 mit «Nein» abzustimmen.
Unter dem Schlagwort der Selbstbestimmung soll das Schweizer Verfassungsrecht über das Völkerrecht gestellt werden. Dies gefährdet die Einhaltung bestehender internationaler Verträge durch die Schweiz, insbesondere der Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten, welche die Schweiz 1974 unterzeichnete.
Die Europäische Menschenrechtskonvention ist eine notwendige Rückversicherung für den Schutz vor Folter, Sklaverei, Zwangsarbeit und Diskriminierung. In unserer Kirche steht die Geschwisterlichkeit als Vorbild für die menschliche Gemeinschaft über Grenzen hinweg. Die christlichen Werte und Traditionen erfordern den Einsatz für die Menschenrechte.
Die Mitbestimmung der Bürgerinnen und Bürger ist zweifelsohne ein wichtiger Pfeiler des Erfolgsmodells Schweiz. Dabei muss aber sichergestellt sein, dass Mehrheiten nicht ausschliesslich und alleine bestimmen. Auch Schwächere brauchen eine Möglichkeit, ihre Rechte einzuklagen. Dies garantiert die Menschenrechtskonvention.
Dass der Schutz dieser Grundrechte in der Schweiz weiterhin Vorrang hat, ist der Katholischen Kirche Zug ein Anliegen. Sie empfiehlt deshalb, die Selbstbestimmungsinitiative abzulehnen.
Medienmitteilung vom 7. November 2018
Seelsorgeräte aus allen Kantonen und Diözesen der Schweiz haben sich an ihrer alljährlichen Tagung über Innovationen in kirchlichen Strukturen informiert. Nicht nur theologisch, sondern auch anhand praktischer Beispiele.
Der diesjährige Auftritt der Katholischen Kirche Zug an der Zuger Messe stiess an der Tagung auf grosses Interesse, da die Sichtbarkeit der Kirche in der Öffentlichkeit als wichtig erachtet wird. Die Kirche müsse dort sein, wo die Menschen sind.
„Foodsave Bern“ heisst das Projekt der Kirche in der Stadt Bern. Ausgangspunkt war die Frage, wie feiert Kirche Erntedank in einer Zeit, in der hierzulande rund ein Drittel aller Lebensmittel im Abfall landet. Die Idee: Es werden nicht einfach Lebensmittel verteilt; man macht daraus ein Bankett-Essen in der Öffentlichkeit, an einem Werktag-Abend gleich neben Bahnhof und Heiliggeist-Kirche, ökumenisch mit einer breiten Trägerschaft. Dazu gehören auch kulturelle Impulse und ein spiritueller Abschluss in der Kirche. «Es muss nicht so riesig werden wie in Bern mit 1‘500 Teilnehmenden», erklärte Katharina Boerlin vom Organisationskomitee. Man könne auch im Kleinen starten, etwa ein mit einem regelmässigen Food-Save-Essen in einer Pfarrei.
Ein anderes Projekt präsentierte Barbara Winter Werner aus Winterthur, wo die Kirche vor der Frage stand, wie sie im anonymen Neubauquartier Neuhegi mit gut 3‘000 Bewohnerinnen und Bewohnern präsent sein wolle. Geschaffen wurde ein Begegnungszentrum ausserhalb der kirchlichen Traditionen mit dem Namen «Anhaltspunkt». Ähnlich dem Foodsave in Bern verbindet das Team in Neuhegi die Möglichkeit von Begegnungen und Essen mit kulturellen und spirituellen Angeboten.
Die anwesenden Seelsorgerätinnen und Seelsorgeräte waren sich einig, dass es darum gehe, die Kirche zukunftsfähig zu machen. Eine neu gestaltete Homepage oder die Präsenz auf Social Media würden da nicht ausreichen. Es gehe darum, mit allem Tun „ein wenig dazu beizutragen, dass Menschen gestärkt werden in ihrer Hoffnung auf die neue Welt Gottes. Die Kirche müsse sich von einer Institution zu einer lernenden Organisation wandeln, welche die Zeichen der Zeit erkennt und die Sehnsüchte der Menschen aufnimmt.
Franz Lustenberger, Präsident Seelsorgerat Katholische Kirche Zug
«Erde-Wasser-Luft-Feuer» war das Thema am Besinnungswochenende von seelsam – Seelsorge für Menschen mit Handicap in St. Niklausen. Mit dabei waren 17 Teilnehmende und sechs Betreuende. Anna-Marie Fürst berichtet.
Es gab Regen an diesem Besinnungswochende. Er war langersehnt und ein Segen für die ganze Natur. Der Segen lag auch über unseren Aktiviäten in St. Niklausen, dem Obwaldner Kraftort. Auf sinnliche Art und Weise begegneten wir den Elementen Erde, Luft, Wasser und Feuer.
Die Erde spürten wir besonders bewusst beim Tanzen. Irische Melodien nahmen uns mit. Selbst auf dem Rollstuhl konnte man den Boden ertasten, der uns trägt. Das Klavier, die Flöte, die Lieder und die Orgel begleiteten uns auf eine innere Reise. Und das Wasser kam vom Himmel, in Strömen. Wir tauchten die Hände in den Brunnen. Welche Erfrischung im Gesicht! Anschliessend zeichneten wir mit Wasser ein Kreuzzeichen auf die Stirn unseres Nachbarn oder der Nachbarin. Eine solch frische Luft konnten wir schon wochenlang nicht mehr einatmen. Unsere Lunge wurde mit den Bewegungen und der Frische der Luft weit. So machte das Singen besonders Spass.
Natürlich hatten wir auch ein paar Holzscheite für das Feuer bei uns. Das war das einzige, das wir nicht entzünden konnten. Statt dessen reichten wir einander in der Abenddämmerung ein Licht weiter. Es stand für das Licht, das in uns brennt und wir so oft vergessen. Am Sonntag feierten wir dann mit den beiden Klostergemeinschaften Gottesdienst. Die grosse Konzentration der Menschen mit einer Beeinträchtigung machen mir immer wieder Eindruck, besonders auch in den Gottesdiensten und beim Miteinanderreden in der Runde. Jedes Mal gehe ich ruhig und beschenkt nach Hause.
Anna-Marie Fürst, seelsam
Der Hünenberger Pfarrei Heilig Geist gelang es, innerhalb von zwei Wochen fast 200 Menschen an 15 Abenden daheim bei Gastgebern ins Gespräch zu bringen. Moderatoren begleiteten die Diskussionen über Lebenskonzepte und Wertvorstellungen.
Er stand dem Tod nah und hat sich intensiv mit ihm auseinandergesetzt. Und doch gibt es zur Überraschung von Jesuit und Zen-Meister Niklaus Brantschen auch einen Bereich, über den er noch nicht viel nachgedacht hat.
Wer im Rummel der Zuger Messe nach Entschleunigung sucht, findet am Stand der Katholischen Kirche eine Oase der Ruhe. Die heiligen Öle sind das Thema in diesem Jahr. Franz Lustenberger schildert seine Eindrücke.
«Gesalbt unterwegs» – hoch hängt das Banner in olivgrün über dem Stand der Katholischen Kirche Zug. Gott hat uns Menschen gesalbt. Konkret heisst es im Gebet, das Thomas Betschart für den Auftritt an der Messe formuliert hat: «Gesalbt unterwegs bin ich, ich höre die Rufe dieser Welt.».
Die Kirche in der Welt – das ist der Sinn der kirchlichen Präsenz an der Messe. Ein paar Stände vorher gibt es Kambly-Guetzli aus dem Emmental oder Wandervorschläge von Zug Tourismus. Und dann die Katholische Kirche, die zum zehnten Mal an der Messe dabei ist: Ein grosses Wandbild mit Olivenbäumen, ein anderes mit der Stadtansicht von Jerusalem vom Ölberg aus umrahmen den Stand. Der Teppich mit kleinen Kieselsteinen nimmt die karge Landschaft des Heiligen Landes auf. Alle Jahre ist die Kirche da, und jedes Mal überrascht sie mit einer kreativen Umsetzung – dies der Tenor vieler Besucherinnen und Besucher.
Taufe, Firmung, Krankensalbung – mit drei grossen Fotos samt Erläuterungen dazu wird die Bedeutung der geweihten Öle und der Salbung in diesen drei Sakramenten in Erinnerung gerufen. In tönernen Krügen werden diese Öle jeweils am Montag vor Ostern durch den Bischof geweiht. Sie sind nicht nur ausgestellt, in kleinen Gefässen können die Besucherinnen und Besucher die unterschiedlichen Öle auch riechen. Was wohl im Chrisam-Öl alles drin steckt?
Kinder und Jugendliche können an einem Tisch Mandalas ausmalen, an einem anderen Tisch kann man sich zu Gesprächen bei Brot, Salz und Olivenöl niederlassen: Zeichen der Gastfreundschaft seit den Ursprüngen der Menschheit. Und ganz hinten können sich Besucherinnen und Besucher ihr eigenes Fläschchen abfüllen – nicht mit Weihwasser, wie viele schnell vermuteten, sondern mit Olivenöl, das an den Auftrag der Kirche erinnert. Oder, um nochmals zwei Abschnitte aus dem Gebet zu zitieren: «Gesalbt unterwegs bin ich, ich teile meine Fähigkeiten, gesalbt unterwegs bin ich, ich spüre meine Kräfte.»
Franz Lustenberger, Mitglied Arbeitsgruppe Zuger Messe und Präsident des Seelsorgerats
Die drei heiligen Öle sind das Thema der Katholischen Kirche Zug am Stand der Zuger Messe vom 20. bis zum 27. Oktober. Auch die Pfarreien stellen in ihren Pfarrkirchen bereits jetzt die Öle aus, die sie vor Ort einsetzen.
Neben Brot, Wein und Wasser gehören Öle zu den Grundsubstanzen der christlichen Liturgie. Bei der Spendung von Sakramenten finden Salbungen statt, um die Menschen an die stärkende Hand Gottes über ihnen zu erinnern, die einst auch dem «Messias» (= «Gesalbten») Kraft schenkte.
Die Messebesucher werden am Stand der Katholischen Kirche Zug nicht nur mehr über die verschiedenen heiligen Öle erfahren, sondern auch selbst in den Genuss eines kraftspendenden Öls kommen.
Sie sind herzlich willkommen am Messestand A3.51!
Lesen Sie zum Thema der heiligen Öle den Hintergrundartikel im Pfarreiblatt «Würde, Heilung, Stärkung» zur Salbung in der Tadition der Kirche.
Viele Angebote der katholischen Kirche wären nicht mehr möglich ohne die Mitarbeit von Freiwilligen. Und Studien zur Freiwilligenarbeit lassen den Schluss zu, dass das Potenzial für die Kirche noch bei weitem nicht ausgeschöpft ist.
Anlässlich des Welt-Palliative-Care-Tags vom 13. Oktober finden an verschiedenen Orten im Kanton Zug moderierte Gespräche zum Thema Lebensende statt. Fachpersonen aus Medizin, Seelsorge und Beratung diskutieren und beantworten Fragen der Bevölkerung.
Das Thema Sterben und Tod anzusprechen fällt vielen Menschen schwer. Palliativ Zug und Hospiz Zug haben in Zusammenarbeit mit Hospiz Zentralschweiz die Initiative ergriffen und wollen das Thema «Medizinische Betreuung am Lebensende – den letzten Lebensabschnitt gestalten» öffentlich thematisieren. Die Bevölkerung des Kantons Zug wird dazu ermutigt, an modierierten Gesprächen mit Fachleuten teilzunehmen und Ideen, Anregungen und Vorschläge einzubringen.
Die Organisatoren weisen darauf hin, dass in der Schweiz über 70% der Menschen zu Hause sterben möchten, aber nur 35% der Menschen ihre Wünsche für das Lebensende jemandem mitgeteilt haben. Übers Sterben und die letzte Lebensphase zu sprechen, bringt Klarheit und Erleichterung. Wenn wir rechtzeitig voneinander wissen, was wir uns für unser Lebensende wünschen, können wir die letzte Phase aktiv gestalten.
Am Samstag, 13. Oktober öffnen das Podium 41 in Zug (9-12 Uhr), der Mandelhof in Cham (9-12 Uhr) und das Restaurant Rössli in Oberägeri (13-16 Uhr) ihre Türen für die Veranstaltungen. Die Anlässe werden von der katholischen und reformierten Kirche mitunterstützt.
Weitere Informationen: Palliativ Zug, www.palliativ-zug.ch, T 041 729 29 20
Ein Vierteljahrhundert ist es her, seit das Bildungshaus Bad Schönbrunn nicht nur einen neuen Namen, sondern auch ein neues Programm erhielt. Am 14. Oktober wird gefeiert.
Ein Ort, ein Name, ein Programm – so hiess es 1993 in den «Schönbrunner Nachrichten», als das Bildungshaus Bad Schönbrunn seinen neuen Namen «Lassalle-Haus» bekam. Der Jesuit Hugo Enomiya Lassalle erhielt als einer der ersten Europäer in Japan Zugang zur Zen-Meditation und gilt als Wegbereiter für den Dialog zwischen Zen und Christentum. Niklaus Brantschen, damals Direktor von Bad Schönbrunn, war selber Schüler von Pater Lassalle und wollte mit dem neuen Namen ein Zeichen setzen: «Lassalle ist sozusagen der Patron von Bad Schönbrunn. Für mich war der Name zeichenhaft für die neue Ausrichtung des Hauses: Ost-West, Innen-Aussen, Kontemplation-Aktion» erzählt er.
Dieses Jahr wäre Pater Lassalle 100 Jahre alt geworden – zu seinem Geburtstag wird sein Buch «Mein Weg zum Zen» neu aufgelegt. Auch Niklaus Brantschen hat ein neues Buch geschrieben: «Ich habe zu wenig geflucht». Darin sind acht Wanderungen oder Spaziergänge an Orte festgehalten, die ihn geprägt haben und für jeweils zehn Jahre seines Lebens stehen. Im Dialog mit der Journalistin Ursula Eichenberger lernt man den Jesuiten und Zen-Meister von einer ganz persönlichen Seite kennen.
Am Anfang steht das Quellwasser: Von 1860 bis zum 1. Weltkrieg blühte das Kurhaus «Wasserheil-Anstalt Bad Schönbrunn», 1929 übernahm der Jesuitenorden die Gebäude und gründete das erste Exerzitienhaus der Schweiz. Vor fünfzig Jahren ersetzte ein Neubau das alte Kurhaus – entworfen durch den Zürcher Architekt André M. Studer nach den Prinzipien der harmonikalen Architektur. 2014 stellte die Denkmalpflege des Kantons Zug das Lassalle-Haus unter Schutz. 2015 schliesslich entschied die Schweizer Jesuiten-Provinz, das Haus in die nächste Generation zu führen. Das Bildungshaus wurde umfassend renoviert, das Programm geschärft und mit der Botschaft «Stille bewegt» neu ausgerichtet.
Was ist die Aufgabe eines spirituellen Zentrums und Bildungshauses im 21. Jahrhundert? Auch wenn die religiöse Sozialisierung in unsere Gesellschaft zurückgeht, sehnen sich die Menschen nach Spiritualität. Die Erfahrung der Stille, die im Kursangebot des Lassalle-Hauses im Mittelpunkt steht, ist gerade in einem fordernden, beschleunigten Alltag sehr wertvoll. Neben den Schwerpunkten Zen, Exerzitien, Kontemplation und Yoga bilden auch Fasten in der Stille und die Auszeit zur rechten Zeit wichtige Pfeiler des Angebotes.
Jubiläumsveranstaltung 25 Jahre Lassalle-Haus
So, 14. Oktober 2018, 15.00 – 17.30 Uhr, Lassalle-Haus, Edlibach.
Anmeldung: info@lassalle-haus.org oder Tel. 041 757 14 14