In der Pfarrei Gut Hirt in Zug startet Kurt Schaller als Pfarradministrator. Er tritt in die Fussstapfen von Urs Steiner, der seine Dienste 19 Jahre der Pfarrei zur Verfügung gestellt hat.
Kurt Schaller beginnt seine Arbeit in der Pfarrei Gut Hirt per 28. November und wird sich Mitte nächstes Jahr der Kirchgemeinde zur Wahl als Pfarrer stellen. Der Kirchenrat freut sich, mit ihm einen erfahrenen Seelsorger gefunden zu haben, wie er in seiner Medienmitteilung bekannt gibt, und wünscht ihm viel Erfolg und Erfüllung in seiner neuen Aufgabe.
Karen Curjel heisst − stellvertretend für das Team Gut Hirt − Kurt Schaller herzlich willkommen: «Nachdem du drei Monate in den USA gelebt hast, bist du nun bereit, deine neue Aufgabe als Pfarradministrator der Pfarrei Gut Hirt und als Pastor von Good Shepherd’s anzutreten. Während deines USA-Aufenthaltes hast du deine Englischkenntnisse erweitern können und dir Gedanken darüber gemacht, was du nach Zug für deine neue Tätigkeit «mitbringen» möchtest… Wir sind «One Church – Many Languages». In dieser Vielfalt möchten wir gemeinsam mit dir weitergehen und als Kirche wachsen.» /Mitg./Bth
Bereits im Juni hat die Gemeindeversammlung der Katholischen Kirchgemeinde Zug einen Fond von 300 000 Franken gutgeheissen, mit welchem wohltätige Institutionen unterstützt werden sollen. Nun hat der Kirchenrat entschieden, wie die Gelder verteilt werden.
Der Fond stammt aus dem Ertragsüberschuss aus dem Jahr 2020. Der Kirchenrat hat mit einem Zirkularbeschluss vom 29. September 2021 die Aufteilung der Spenden definiert. Folgende Institutionen und Projekte werden unterstützt:
Der Kirchenrat ist überzeugt, mit diesen Spenden einen wichtigen Beitrag zur Wohlfahrt der Zuger Bevölkerung zu leisten. Die begünstigten Institutionen arbeiten «an der Front» und haben direkten Kontakt zu Bedürftigen. Bei den Kunstprojekten werden regionale Künstler berücksichtigt. Die Kunstprojekte sind als dringend einzustufen, wie in der Medienmitteilung kommuniziert wird.
Medienmitteilung der Katholischen Kirchgemeinde Zug vom 19. November 2021
Wie steht es um die Gleichstellung von Frauen und Männern in den Kantonalkirchen? Recherchen von kath.ch zeigen: In den Kantonen Basel-Stadt, Jura und Zug ist der Frauenanteil in der kirchlichen Regierung mit 60 Prozent überdurchschnittlich hoch.
Ein vielseitig engagiertes Frauenquintett debattierte am jüngsten Anlass des Forum Kirche und Wirtschaft vom 20. Oktober in Kappel das Thema «Vereinbarkeit von Beruf und Familie». Man war sich einig, dass Corona das Dilemma eher noch verschärft hat, insbesondere für die Mütter.
Das Input-Referat hielt Prof. Dr. Jutta Rump. Dabei sparte die Professorin für allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule in Ludwigshafen nicht mit Kritik an der belastenden Berufs- und Familiensituation vieler berufstätiger Eltern. Das Corona-Regime habe die Situation eher noch akzentuiert. Die Einschränkungen haben aber auch alte Denk- und Verhaltensmuster aufgebrochen. Neue Organisationsformen, die Agilität, Mobilität und Flexibilität von den Beteiligten voraussetzen, hielten Einzug ins Erwerbsleben und beeinflussten auch das Familienleben. Rump vertrat die Überzeugung, dass dem auch die Unternehmen Rechnung tragen sollten, wenn sie keinen Fachkräftemangel riskieren wollen.
Steigende Anzahl von Müttern mit Burnout-Symptomen
An der anschliessenden Gesprächsrunde nahmen nebst der Referentin die Psychiaterin und Burnout-Spezialistin Barbara Hochstrasser, die Marketingfachfrau, Bloggerin und Mutter Muriel Urechs Tsamis aus Zug, die Unternehmerin und Mutter Julia Cebreros sowie der Zuger Schulpräsidentin Vroni Straub-Müller (Mutter und frühere Hebamme) teil. Als Moderatorin wirkte Helene Aecherli, Reporterin und Redaktorin der Annabelle. Man war sich einig, dass das ewige Dilemma auch nach Corona anhalten wird und Mütter dabei besonders gefordert sind. Die Corona-Massnahmen haben die Situation noch verschärft, was sich gemäss Hochstrasser in der steigenden Anzahl Mütter mit Burnout-Symptomen manifestiert. Denn im Spannungsfeld zwischen Familienbetreuung, Homeschooling und beruflicher Arbeit haben Frauen während der Lockdowns zuhause die Hauptarbeit geleistet.
Leitungswechsel vollzogen
Den Abend hatte für einmal Karl Huwyler, Präsident der Vereinigung der Katholischen Kirchgemeinden des Kantons Zug, eröffnet. Es war die letzte Veranstaltung des Forum Kirche und Wirtschaft als Fachstelle der Katholischen Kirche Zug unter der Leitung von Christoph Balmer, der den Anlass vor elf Jahren ins Leben gerufen hatte. Huwyler richtete seinen Dank an Balmer und begrüsste dessen Nachfolger Thomas Hausheer. In Anspielung auf das Thema des Abends sagte Huwyler augenzwinkernd: «Ich bin Teil der Lösung, da ich vor kurzem Grossvater geworden bin» und erntete dafür einen schönen Applaus.
Martin Platter
Am vergangenen Wochenende fand in Zug das Adoray Festival statt. Es bot über vier Tage hinweg eine geniale Mischung aus Lobpreis, Stille, Gebet, Inputs, aber auch herzhafter Unterhaltung, Theater und Gemeinschaft. Der Leitspruch hiess «Ihr seid zur Freiheit berufen».
Das Festival ist das alljährliche Highlight für die Adorayler. Rund 500 Jugendliche aus allen Teilen der Schweiz zog es in diesem Jahr an. Die vier Tage waren gespickt mit vielen Höhepunkten: das Theaterstück «Krabat» stimmte am Freitagabend auf das Thema Freiheit ein, im Big Adoray am Samstagabend ging es darum, Gott im Lobpreis und der eucharistischen Anbetung ganz nahe zu sein. Die heiligen Messen, am Samstag mit Jugendbischof Alain de Raemy und am Sonntag zusammen Abt Urban und der Pfarrei St.Michael, waren sehr bereichernd.
In den Impulsen von Stefan und Magdalena Ulrich, Pfarrer Marcus Scheiermann, Mother Clare und Father Gregory Pine durften wir die verschiedensten Facetten von Freiheit betrachten. In den Impulsen konnten wir erfahren, wie schön Gott uns Menschen geschafft hat, welche wunderbaren Pläne er mit jedem von uns hat, aber auch, wie er uns in allem die totale Freiheit lässt. Über viele weitere, wichtige Themen wie Beziehung, Berufung und auch Sexualität wurde ausführlich gesprochen und in Austauschgruppen intensiv diskutiert. Trotz der Ernsthaftigkeit dieser Themen kam in den Gesprächen darüber auch sehr viel Freude und Dankbarkeit auf.
Es war wahrhaftig wieder einmal ein grossartiges Fest des Glaubens, das uns alle zwar müde, aber im Herzen gestärkt und voller Hoffnung am Sonntagnachmittag heimgehen liess. Nun gilt es, die vielen Eindrücke, guten Vorsätze und Versprechen in den Alltag mitzunehmen und in die Tat umzusetzen. Wir freuen uns alle bereits wieder auf das nächste Adoray Festival vom 20.-23.10.2022.
Severin Koller
Nach mehr als zwei Jahren Einsatz der Arbeitsgruppe «Grüner Güggel» hat die Kirchgemeinde Unterägeri in einem externen Audit bewiesen, dass sie die Anforderungen an ein kirchliches Umweltmanagement erfüllt.
Die katholische Kirche Unterägeri ist eine von derzeit 34 Institutionen in der Schweiz, die mit dem «grünen Güggel» ausgezeichnet sind. Im Kanton Zug ist sie sogar die einige.
Der Auftrag bestand darin, anhand von 7 Handlungsfeldern mögliche Verbesserungen in die Wege zu leiten:
Einiges davon ist gar nicht so einfach umzusetzen. Nehmen wir das Beispiel Energie sparen. Die Kirchengebäude in Unterägeri stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert und hatten ursprünglich gar keine Heizung. Ebenso wenig waren sie isoliert. Trotzdem war auch hier über intelligentes Energiemanagement noch einiges zu erreichen.
Die Kirchgemeinde will sich auf dem Erreichten nicht ausruhen. Das Audit hat Verbesserungspotenzial aufgezeigt. In drei Jahren wird in einem Wiederholaudit gezeigt werden müssen, dass weitere Fortschritte erzielt wurden. Mitg./bth
An der Gedenkfeier vom 27. September zum Zuger Attentat vor 20 Jahren ist auch Pfarrer Reto Kaufmann aufgetreten. Er sprach über die Wunden und Narben, welche die Gewalttat bei den Menschen hinterlassen hatte.
Das Gedenken fand in der St. Michaelskirche in Zug statt. Es wurde per Livestream übertragen und ist bei SRF weiterhin aufgeschaltet. Während die Politiker – Regierungspräsident Martin Pfister, Kantonsratspräsidentin Esther Haas und Bundespräsident Guy Parmelin – vor allem die Gewalt verurteilten, ihr Mitgefühl ausdrückten und zu Solidarität aufriefen, ging der katholische Pfarrer Reto Kaufmann auf die Wunden ein, die diese Tat bei den Menschen hinterlassen hat.
Ausgehend von Jesu Heilung des Blinden aus dem Markusevangelium hat er folgende Worte an die Betroffenen gerichtet: «Heilt die Zeit Wunden? Ja, die Zeit heilt Wunden. Aber es bleiben Narben zurück. Narben die sichtbar und manchmal auch spürbar bleiben. Narben, die mich immer wieder an das Geschehene erinnern. Und heilt die Zeit auch seelische Wunden?
Wenn mit der Zeit auch diese Wunden verheilen können, so bleiben doch auch gerade hier Narben zurück. Nicht sichtbar wie körperliche Narben. Aber auch sie und gerade sie können weh tun und erinnern an das Erlittene.
In der Geschichte aus dem Markusevangelium wird der Blinde geheilt. Der Heilung aber geht voraus, dass Jesus sich ihm zuwendet. Ihm Zeit schenkt und mit ihm redet. Auch die Berührung ist für den Blinden heilsam. Er spürt, da ist jemand da für mich. Ich werde wahrgenommen, ich bin wichtig. Und indem Jesus ihn von der Masse der Menschen wegnimmt, indem er ihn berührt, kann Heilung geschehen. Und darum schickt er ihn nach Hause. Derselbe Mensch wie vorher und doch ein ganz anderer.
Mit Erfahrungen, Erlebnissen, die unserer Seele Wunden zugefügt haben, müssen wir zunächst alleine klarkommen. Jede und jeder von uns findet hoffentlich ihren, seinen ganz persönlichen Weg. Vielleicht sind es ebenfalls Begegnungen, Berührungen, Gespräche, die helfen. Vielleicht ist es das Alleinsein und das Schweigen. Das Erlebte schmerzt immer wieder. Und trotzdem lebe ich. Oder wie es eine deutsche Dichterin, die selber Opfer von Gewalt wurde, ausdrückt: «Aufrecht gehe ich, auf wunden Füssen. Mit Gottes Stärke im Rücken.»
Wenn wir heute hier sind, 20 Jahre nach dem schrecklichen Ereignis, dann stehen viele von uns auf wunden Füssen. Aber wir stehen – im Leben. Und damit bezeugen wir, dass das Erlebte und Erfahrene als Narbe bleibt, wir aber trotzdem Tag für Tag das Leben wagen. Dazu stärken uns Menschen den Rücken. Mit ihrem Dasein, ihrem Mitgefühlt, mit ihrem Reden und Schweigen. Und mit ihnen ist auch der Gott des Lebens uns Stärke und Zuversicht. Jener Gott, der uns in Jesus Christus heilsam nahegekommen ist.» /kath.ch (rp)
Am 18. September wurden im Kirchenzentrum Zug zwei Jahrzehnte ökumenische Seelsorge für Menschen mit Behinderung gefeiert. Bei bestem Wetter machten mehr als 100 Besucher der wichtigen Einrichtung seelsam ihre Aufwartung.
Regierungsrat Andreas Hostettler und Ständerat Matthias Michel sprachen zu den Gästen und versicherten, dass sie sich für ein barrierefreies Miteinander in der Gesellschaft einsetzen. Ganz im Sinne des Selbstverständnisses von seelsam, das sich als konfessionsübergreifendes kirchliches Angebot sieht. Nicht in Konkurrenz zu anderen Organisationen im Behindertenwesen, sondern als Ergänzung. Wichtigster Kern von seelsam ist dabei die Ausrichtung auf spirituelle Bedürfnisse.
Ein Höhepunkt des Tages war der Auftritt des Mimenchors der Gehörlosengemeinde Zürich. Diese Darbietung ohne Worte, nur mit Gesten, war ein grossartiges Beispiel, wie Einschränkungen eben nicht einschränken und begeisterte sehr viele. Die Musikgruppe Girovaganti spielte zudem auf und lud auch zum gemeinsamen Singen ein. Ein Aufruf, dem viele Besucher nur zu gerne folgten. Ein gemeinsamer Ballonflug-Wettbewerb und ein feierlicher ökumenischer Gottesdienst rundeten das Fest ab.
Das Jubiläum benötigte eine lange Vorbereitungszeit und die Durchführung war nur möglich dank der vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die pausenlos im Einsatz waren. Die sehr positiven Rückmeldungen der Besucher waren ein beredtes Zeugnis dafür, dass sich die Arbeit gelohnt hat. Eine Teilnehmerin schrieb an seelsam: «Das Fest war einmalig und sehr, sehr schön. Wir haben es genossen.» So bleibt es allen in Erinnerung und wer möchte, kann es nochmals auf YouTube anschauen und durch die Fotogalerie gehen.
Ruedi Hofer, Seelsorger und Co-Leiter seelsam
Lesen Sie auf den Artikel Nik Hartmann: «Ich habe heute Freude pur gesehen»
Mit einer zwei Jahre lang dauernden Synode will Papst Franziskus weltweit alle Gläubigen zu Wort kommen lassen. Bischof Felix setzt grosse Hoffnungen in diese globale, gemeinsame Wegsuche und schildert, wie sich die Katholikinnen und Katholiken im Bistum Basel einbringen können.
Welche Chance sehen Sie in dieser Synode?
Bischof Felix Gmür: Die Bischofssynode 2023 beginnt jetzt, und zwar weltweit, nicht nur in Rom. Papst Franziskus will die Synode nicht mehr als Event in Rom, sondern als Prozess gestalten: Die Chance besteht also darin, möglichst viele Leute einzubeziehen und klarzumachen: Zum synodalen Prozess gehören alle. Das ist neu.
Warum sollen die Gläubigen an dieser Umfrage teilnehmen?
Sie sollen teilnehmen, um miteinander in Dialog zu treten. Es geht nicht in erster Linie darum, dass die Leute ein Statement für den Bischof oder für den Papst abgeben, sondern dass sie aufeinander hören, die Fragen miteinander diskutieren und dann gemeinsam vorangehen. Synode heisst gemeinsames Gehen. Zum Leben als Christin und Christ gehört, dass man sich miteinander über den Glauben austauschen kann, über den Ort, den die Kirche in meinem Leben oder in der Gesellschaft und im Staat haben soll.
Wie erreichen Sie anderssprachige Menschen aus den Missionen?
Wer die Fragen auf Deutsch nicht versteht, muss sie sich übersetzen lassen. In den Missionen gibt es ja viele Zweisprachige. Das ist ein erster Schritt, aufeinander zu hören und einander zu unterstützen. Unsere Dokumente sind auf Deutsch, für den Jura gibt es eine adaptierte Fassung auf Französisch. Die römischen Dokumente sind in der Regel auf Spanisch, Englisch, Italienisch und Französisch.
Und Kirchenferne?
Jede und jeder kann sich einbringen, es braucht keine Nähe zur Pfarrei. Man muss sich lediglich für die Sache interessieren und sich zu fünft zusammentun.
Jede Person kann sich frei vier weitere suchen?
Ja. Um aufeinander hören zu können, braucht es eine Gruppe. Es sollten mindestens fünf sein, um nicht einfach Einzelmeinungen zu hören. Je grösser die Gruppe ist, desto besser, sie ist nach oben offen. Die Gruppe spürt vielleicht: Hier gab es Austausch, da war zuerst Unverständnis und dann Verständnis. Darum geht es.
Die Fünfergruppe diskutiert die Fragen und gibt ihre Antworten elektronisch ein.
Ja, es gibt jeweils pro Frage eine Gruppenantwort. Die Gruppe kann auch sagen: «Wir haben keine Einigung gefunden». Sie kann auswählen zwischen verschiedenen vorgegebenen Antworten, die nach statistischen Methoden als die wahrscheinlichsten gelten und die über Fokusgruppen im Vorfeld bestimmt werden. Bei einigen Fragen wird zusätzlich ein Textfeld zur Verfügung stehen.
Rom hat zehn Themenfelder mit Fragen vorgegeben. Können Sie diese in konkrete, für die Schweiz relevante Fragen umformulieren?
Der Auftrag lautet nun, die Fragen aus Rom für unsere Bistümer zu adaptieren. Bei Nummer fünf geht es um «Mitverantwortung in der Sendung», bei Nummer neun um «Unterscheiden und Entscheiden». In diesen Punkten können wir sicherlich auf spezifisch für den Schweizer Kontext wichtige Themen eingehen.
Bleibt es beim «Aufeinander-Hören»? Wann geht der Prozess ins Handeln über?
Aufeinander-Hören ist bereits Handeln. Wenn ich weiss, was mein Gegenüber findet, gehe ich mit diesen Gedanken in mich und verändere mich vielleicht, und umgekehrt. Eine Handlungsoption könnte sein, dass eine Pfarrei sagt: In unserem Gebiet gibt es so viele Marginalisierte, wir müssen diese Menschen einbinden. Handlungsoptionen sind nicht nur von Rom zur Basis, sie sind gleichzeitig von unten nach oben.
Dennoch gibt es Themen, die nur in Rom entschieden werden können, etwa die bekannten heissen Eisen: mehr Mitbestimmung von Laien, Frauenordination, Umgang mit Homosexuellen. Was ist mit solchen Themen?
Diese Themen werden in Rom entschieden. Die Grundstruktur der Kirche ist nicht in Frage gestellt. Der Papst ist der Garant der Einheit dieser Kirche. Was die ganze Welt betrifft, etwa die Frauenordination, entscheidet am Schluss der Papst. Aber Rom will eben auch hören: Ist das wirklich das Wichtigste? Betrifft das viele Leute? Und was würde das ändern? Dazu haben wir diesen Prozess.
Die abschliessende Antwort des Papstes kann ganz anders aussehen als das, was den Schweizerinnen und Schweizern unter den Nägeln brennt. Gibt es Signale aus Rom, dass regionale Lösungen denkbar sind?
Die Steuergruppe zum Synodalen Prozess des Bistums Basel wird die Antworten, die das gfs liefert, anschauen und sich fragen: Was realisieren wir in unserem Bistum? Wo müssen wir handeln und was betrifft uns weniger? Diesen Prozess der Erneuerung innerhalb des Bistums gehen wir weiter. Wie, das werden wir nach Abschluss der Befragung anschauen.
Rom hat 2014 bei der Umfrage zu Ehe und Familie aus der Schweiz die Antwort gehört, die Gleichbehandlung von Homosexuellen sei hier ein wichtiges Thema. Passiert ist nichts. Weshalb soll ich also nun wiederum an einer Umfrage teilnehmen?
Man versucht zu differenzieren und das mit einer unterschiedlichen Optik anzuschauen. Nehmen wir ein queeres Paar, das gesegnet werden möchte. Hier gilt es, auf einem gemeinsamen Weg herauszufinden, was sie mit dem Segen genau wollen: Möchten sie eine Anerkennung durch die Kirche, durch die Gesellschaft, den Beistand Gottes? Das gilt auch für Leute, die heiraten wollen. Dieses Differenzieren haben wir ein bisschen vernachlässigt, weil wir in Kategorien von Recht und Pflicht denken. Dieser Prozess wird zeigen, wie fruchtbar das ist.
Müsste man nicht bei manchen Themen auch die Theologie neu denken und sich die Frage stellen: Ist die heutige Handhabung auch theologisch noch gerechtfertigt?
Interessant ist, dass die westliche Theologie sich ziemlich eingeschossen hat auf Gebote und Verbote. Der synodale Prozess hingegen hat nicht diese Frage im Blick, sondern er fragt eher: Hilft es, das Reich Gottes zu fördern oder nicht? Die Frage lautet nicht: Darf man? Sondern: Hilft es? Das ist es, was man einen geistlichen Prozess nennt. Dieses Ringen ist etwas spezifisch Christliches. Die Jüngerinnen und Jünger, die mit Jesus unterwegs waren, haben immer wieder gerungen. Sie haben Jesus nicht verstanden und nach Erklärungen gefragt. Er hat es erklärt, aber sie haben immer noch nicht verstanden. Dieses Ringen ist nicht in erster Linie resultat-orientiert, sondern prozess-orientiert.
Sie hatten 2016 um konkrete Vorschläge gebeten, wie eine geschwisterliche Kirche aussehen könnte. Die Landeskirche Luzern hat Ihnen mit 10 Schritten geantwortet. Ihre Reaktion darauf war recht kritisch. Wie werden Sie dieses Mal mit Antworten umgehen, die Ihnen vielleicht nicht gefallen?
In diesem Fall fand ich das Vorgehen nicht gut. Es waren vor allem Forderungen an den Bischof. Ich habe wenig von diesem Ringen gemerkt. Bei einer Erneuerung der Kirche müssen sich alle bewegen. Wenn etwas geändert wird, müssen sich zuerst Personen ändern und dann muss man zusammen schauen, was man umsetzen kann. Dafür gibt es unsere diözesane Steuergruppe. Denn das bestimmt nicht einfach der Bischof oder eine einzelne kantonale Synode, sondern es sollen möglichst alle einbezogen werden. Die Anfrage geht in erster Linie an jeden und jede Einzelne selbst. Im Markus-Evangelium heisst es: «Kehrt um.» Das beginnt bei mir.
Wie müsste die Umfrage ausfallen, damit Sie sagen könnten: Wow, toll!
Wenn sich ganz viele und verschiedene Gruppen eingeben, das würde mich freuen.
Was wäre der schlimmste Fall?
Ich wäre enttäuscht, wenn sich niemand dafür interessieren würde. Dann müssen wir uns fragen: Was bedeutet das jetzt zum Beispiel für unsere Struktur? Für unsere Relevanz? Was müssen wir ändern?
Freuen Sie sich auf den Prozess?
Ich bin ganz begeistert davon! Mich freut es, dass diese Synode wirklich versucht, das Ganze als einen Prozess zu führen. Der Einbezug aller Leute ist der Königsweg der Kirche. Die Kirche hat nach diesem Dokument offensichtlich den Auftrag, alle Leute einzubeziehen. Ich erhoffe mir, dass dieser Prozess uns alle betreffen wird. Und ich bin überzeugt, dass wir Handlungsfelder sehen, die für unser Bistum oder möglicherweise für die Schweiz von Belang sind, die aber nicht unbedingt den römischen Prozess betreffen.
Marianne Bolt (Pfarreiblatt des Kantons Zug)
Sylvia Stam (Pfarreiblätter der Kantone Bern und Luzern)
Zum 50-Jahre-Jubiläum des Sozialdienstes St. Martin in Baar hat die Katholische Kirchgemeinde Baar eine Festschrift herausgegeben. Diese stellt die Angebote des Sozialdienstes vor und zeigt, wie er im Netzwerk agiert. Die Festschrift kann kostenlos bezogen werden.
Was ist Diakonie eigentlich? Welche Aufgaben nimmt der Sozialdienst St. Martin wahr? Welches sind derzeit die grossen Herausforderungen? Auf diese und viele andere Fragen geht die Festschrift ein. In einem Gespräch entwickeln Stefan Horvath, Leiter Sozialdienst St. Martin, und Kirchgemeindepräsident Thomas Inglin Ideen und Visionen für die kirchliche Sozialarbeit von morgen.
Die Festschrift kann kostenlos im Pfarreisekretariat St. Martin und auf der Verwaltung der Katholischen Kirchgemeinde Baar bezogen werden.
Hier können sie die elektronische Version der
Festschrift 50 Jahre Sozialdienst St. Martin herunterladen.
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