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06.05.2025, 06.00

Die Internationalen Zuger Orgeltage bringen jeweils unbekannte Literatur anderer Länder nach Zug. Vor mehr als 40 Jahren führte Olivier Eisenmann diese Konzertreihe erstmals durch, dieses Jahr finden sie in dieser Form zum letzten Mal statt. Eigene Orgelkonzerte von ihm und eingeladenen Gast-Solisten im Kanton Zug sind aber auch in Zukunft möglich.

Seit 1983 führt Olivier Eisenmann im Frühling die Internationalen Zuger Orgeltage durch, stets darauf bedacht, auch unbekannte Literatur zum Klingen zu bringen. Eingeladen waren und sind Organistinnen und Organisten aus anderen Staaten, deren Repertoire an den Internationalen Zuger Orgeltagen mindestens zu einem Drittel aus hierzulande unbekannter Literatur aus ihrer Heimat bestehen soll. So wird, unabhängig von der Epoche, authentisch die eigene Kultur wiedergegeben.

Die Anfänge der Internationalen Zuger Orgeltage reichen in die 1970er Jahre zurück, als Olivier Eisenmann – zuerst als Pianist, dann als Organist – in nord- und osteuropäischen Staaten Orgelkonzerte spielte. Der Reichtum der dortigen musikalischen Literatur beeindruckte ihn, sodass er nach und nach begann, Orgelkonzerte zu organisieren und die Werke zu erklären.

Dieses Jahr führt Olivier Eisenmann die Internationalen Zuger Orgeltage zum letzten Mal durch. Damit die vielen Werkserklärungen erhalten bleiben, die er in den vergangenen 43 Jahren verfasst hat, schliesst er nicht aus, diese zusammenzutragen und zu veröffentlichen.

Olivier Eisenmann lehrte jahrelang am Gymnasium der Kantonsschule Zug und spielte Orgelkonzerte in fast allen europäischen Ländern wie auch in den USA, Südamerika und Asien. Von der Stadt Zug erhielt er den Ehrenpreis der Zuger Kulturschärpe 2022 für sein Engagement für die von ihm gegründeten und künstlerisch geleiteten Internationalen Zuger Orgeltage.

Text: Marianne Bolt

 

Programm der Internationalen Zuger Orgeltage 2025

Zum Auftakt am 4. Mai interpretierten die Estin Marju Riisikamp und die Dänin Viola Chiekezi in der Pfarrkirche Rotkreuz vierhändig, an zwei Orgeln und solistisch neben Werken aus dem 18. Jahrhundert auch folkloristisch geprägte Kompositionen.

Neben J.S. Bachs Triosonate BWV 525 und «Toccata, Adagio und Fuge BWV 564 sowie zwei Sätzen aus Charles-Marie Widors 6. Orgel-Symphonie befinden sich auf dem Programm des deutschen Organisten Frank Scheffler aus Bad Nauheim, der am 11. Mai um 17.00 Uhr in der Pfarrkirche Baar spielt, auch eine Fantasie im empfindsamen Stil von Gottlieb Müthel sowie der hierzulande selten aufgeführte «Tanz der Schulamit» aus den «Biblischen Tänzen» von Petr Eben.

Stark vertreten sind Kompositionen aus Finnland, die Riikka Viljakainen aus ihrem Heimatland am 18. Mai um 15 Uhr in der Klosterkirche Frauenthal in Hagendorn präsentieren wird: von Kaj-Erik Gustafsson, Armas Maasalo, Harri Viitanen, Jonas Kokkonen und Osmo Honkanen. Sie erklingen nach vertrauten Werken von J.S. Bach, G.A. Homilius und Felix Mendelssohn.

Am Orgelkonzert in St. Jakob in Cham am 21. Mai um 19.30 Uhr spielt die Organistin Ursula Grahm neben begeisternden Stücken von J.S. Bach, Bedřich Janáček, Henri Mulet und H.B. Orlinski virtuose und emotional berührende Kompositionen aus ihrem Wirkungsfeld Schweden: von Johan-Magnus Sjöberg und Oskar Fredrik Lindberg.

Am 15. Juni um 19.00 Uhr bringt Alessandra Mazzanti aus Bologna in der Bruder Klaus Kirche Oberwil neben beliebten und virtuosen Werken von J.S.Bach, den Spätromantikern J.G. Rheinberger und Théodore Dubois hier selten aufgeführte Stücke von drei Italienern, darunter Marco Enrico Bossi, zu Gehör.

Das Schaffen dieses berühmten Orgelpioniers, der vor 100 Jahren starb und die Musikbegeisterten in seiner Heimat mit der romantischen Musik aus Deutschland und Frankreich bekannt machte, steht auch im Zentrum des Abschlusskonzerts am 22. Juni um 11.00 Uhr in der reformierten Kirche in Zug. An diesem Duo-Konzert mit der Flötistin Verena Steffen konzentriert sich Olivier Eisenmann auf Werke von Bossi: die Idylle, ein an César Franck erinnerndes Charakterstück, sowie sein letztes Orgelwerk von 1922, die mehrteilige, stilistisch schon durch impressionistische Klangatmosphäre geprägte «Meditation in einer Kathedrale». Attraktiv sind auch die Duo-Werke von Rheinberger, Dubois und vor allem die Uraufführung der «Lurnfelder Miniaturen» des Österreichers Helmuth Franz Luksch. Von ihm spielte das Duo schon letztes Jahr in Zug eine Uraufführung. Für Abwechslung sorgt auch ein melodiöses, technisch anspruchsvolles Flötensolo von Jacques Ibert. Umrahmt wird die Matinee von zwei virtuosen Orgel-solo-Delikatessen: eine Passacaglia von Rheinberger als Auftakt und als fulminantes Finale die brillante «Marche triomphale» von Théodore Dubois.

Alle Konzerte sind frei zugänglich. Kollekte am Ausgang.

Dr. Olivier Eisenmann