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18.12.2024, 17.09

Die Erzählerin Brigitta Troller und die Violinistin Ines Rikli trugen den Patientinnen und Patienten des Zuger Kantonsspitals Weihnachtsgeschichten vor. Ohne Brigitta Trollers eigene Krankheitsgeschichte wäre dieser besondere Anlass jedoch nie entstanden.

Ein Krankenhaus ist ein Ort voller individueller Geschichten, die sich unweigerlich kreuzen. So kürzlich im Zuger Kantonsspital: Brigitta Troller, eine professionelle Geschichtenerzählerin, trug Geschichten vor, begleitet von Ines Rikli auf der Violine.

«Geschichten berühren uns immer wieder, vor allem in der Weihnachtszeit. Sie sollen den Zuhörenden einfach guttun», sagte Thomas Habegger, Pfarrer und reformierter Spitalseelsorger, der den Nachmittag gemeinsam mit dem Team der Spitalseelsorge organisiert hatte. Die Idee für diese Veranstaltung stammte jedoch von Brigitta Troller, die seit 30 Jahren als professionelle Geschichtenerzählerin tätig ist.

Beim Geschichtenerzählen entführte Brigitta Troller die Zuhörenden in eine andere Welt. | © Melanie Schnider

Von der eigenen Krankheit zur heilenden Erzählung

Im vergangenen Jahr war Brigitta Troller selbst Patientin im Zuger Kantonsspital. Während ihrer Therapie verbrachte sie oft Zeit im Raum der Stille – einem Ort für Einkehr, Besinnung und das Gebet. «Ich fühlte mich immer sehr wohl dort», erzählte Brigitta Troller. Ihren Aufenthalt im Spital erlebte sie sehr positiv und weckte in ihr den Wunsch, etwas zurückzugeben. So entstand die Idee, Weihnachtsgeschichten – sowohl heitere als auch tiefgründige – als Anlass im Raum der Stille vorzutragen. Die Wirkmächtigkeit von Geschichten widerspiegelte sich besonders in der Geschichte eines Jongleurs.

In der Kunst Gott erfahren

In einer Erzählung von Brigitta Troller erheiterte Giovanni, ein junger Italiener, die Marktbesuchenden stets mit seinen Jonglierkünsten. Nach vielen Jahren sprach er mit einem Mönch, der ihm offenbarte, dass sie beide dasselbe tun: «Indem du den Menschen mit deiner Kunst Freude schenkst, erzählst du ihnen wie ein Mönch von der Liebe und Herrlichkeit Gottes», sagte der Mönch zu Giovanni.

Solche erzählerischen Höhepunkte begleitete Ines Rikli stimmungsvoll mit ihrer Violine. Zu hören waren unter anderem Schweizer Volkslieder, eine italienische Tarantella und schwedische Tanzmusik. «Die Akustik im Raum der Stille ist wunderbar», schwärmte sie. Besonders bewegt hätte sie, wie präsent die Zuhörenden waren, fügte sie hinzu. Eine Patientin äusserte nach dem Geschichtennachmittag tief berührt: «In unserer hektischen Zeit haben wir oft keine Zeit mehr, uns Geschichten zu erzählen. Aber das Zuhören tut so gut und bringt uns zurück zur Schlichtheit des Lebens.»

Ines Riklis Violinspiel erfüllte den Raum der Stille mit wunderschöner Musik. | © Melanie Schnider

 

Text: Melanie Schnider