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14.02.2022, 07.40

Im ersten Corona-Lockdown hat Christian Kelter, Gemeindeleiter der Pfarrei Hünenberg, den Podcast «GlaubensZeit» lanciert. Inzwischen haben über 2’500 Menschen seine Online-Predigt fest abonniert. Mehr dazu im folgenden Interview.

 

Christian, wie würdest du selbst den Podcast «GlaubensZeit» umschreiben?

Mit der «GlaubensZeit» möchte ich zeigen, dass Glauben weder kompliziert, noch eng ist. Die Botschaft von Jesus ist auch nicht von gestern. Sie ist dauernd aktuell! Der Podcast möchte versuchen, den Menschen in knapp acht Minuten einen Impuls aus dem Evangelium mitzugeben. Etwas, worüber sie weiterdenken können und im Idealfall auch innerlich wachsen können. «GlaubensZeit» zeigt: Der Glaube hilft mir im Alltag. Er ist relevant.

 

Wann und weshalb ist die Idee entstanden?

Entstanden ist die «GlaubensZeit» im ersten Lockdown. Da waren ein bisschen mehr Zeit und innere Ruhe da. Ich dachte darüber nach, wie man Menschen im grösseren Stil erreichen könnte. André Sidler, ein Freund, der mit James FM sehr erfolgreich Radio macht, hat mich auf die Idee gebracht. Er ist auch für die Produktion verantwortlich.

 

Kannst du ein paar Beispiele nennen, was du jeweils thematisierst?

Der grösste Teil der Produktionen nahm bis Ende 2021 das Evangelium des jeweiligen Sonntags auf. Da war das Thema quasi vorgegeben. Der Podcast versteht sich in diesem Sinne als Predigt zum Nachhören. Während meines Sabbaticals im Frühsommer 2021 haben wir dann eine kleine «Special-Edition» eingeschoben. Die hiess «Mee(h)rSinn» – einfach, weil ich an der Ostsee war. Im Januar 2022 mache ich jetzt eine kurze thematische Serie: Es geht um die Frage, wie du Gott im eigenen Leben finden kannst und was dir helfen könnte, in seinem Sinne gute Entscheidungen zu treffen. Das gibt vielleicht drei bis vier Folgen. Mal sehen, wo wir rauskommen. Ich mache vieles intuitiv.

 

Was möchtest du mit dem Angebot erreichen?

Es gilt, das Evangelium in die Welt zu sprechen. Das scheint mit dem Podcast nicht schlecht zu klappen. Also ist das wichtigste Ziel erreicht: Mehr Evangelium wagen! Weiter haben wir auch gemerkt, dass Menschen sehr wohl ein Interesse an relevantem Glauben haben. Doch stehen die wenigsten dafür am Sonntagmorgen auf. Mit dem Podcast kann man die Botschaft auch im Auto hören, beim Staubsaugen oder abends mit einem Bier oder Tee auf dem Sofa. Die Botschaft kommt eigentlich genau dahin, wo sie hingehört: in den Alltag.

 

Welches Publikum willst du damit ansprechen? Eines, das sonst nicht in die Kirche kommt?

Die Hörerinnen und Hörer sind bunt gemischt. Einige unserer Firmlinge hören den Podcast, aber auch Leiter und Leiterinnen von Ministranten und Blauring. Sie geben öfters gutes Feedback. Überhaupt sind es tendenziell jüngere Menschen, die zuhören. Daneben gibt es auch solche, die in ihren eigenen Gemeinden nichts hören, was sie als relevant erachten. Auch zahlreiche Kolleginnen und Kollegen (katholisch und reformiert) hören mit. Der Podcast bewegt etwas. Darüber staune ich bis heute selbst.

 

Die Sprache und auch der Inhalt wirken erfrischend weltlich.

Na, hoffentlich klingt das «weltlich»! Dahinein – in die Welt – ist Gott ja schliesslich auch gekommen. Aber ich weiss, was du meinst. Der kirchlich-pastorale Ton ist ja tatsächlich nicht zum Anhören. Warum reden manche im Gottesdienst ganz anders als sie es daheim am Küchentisch tun? Kein Wunder, dass kirchliche Sprache oft als fremd und damit irrelevant empfunden wird. Mir ist das Evangelium schlicht zu heilig, um es zu Verkauderwelschen. Während der Vorbereitung stelle ich mir immer ein paar meiner kirchlich distanzierten Kolleginnen und Kollegen vor. Imaginär versuche ich, denen klarzumachen, was mir zu diesem Bibeltext einfällt und was das mit ihnen zu tun haben könnte. Erst wenn die es verstehen, ist ein Text gut und eine Predigt brauchbar.

 

Wie gut kommt der Podcast an?

Der Erfolg hat uns alle ein wenig überrascht. Bis heute wurden 69 Ausgaben von «GlaubensZeit» publiziert. Die wurden gesamthaft mehr als 60’000-mal abgerufen. Jede Ausgabe wurde im Durchschnitt rund 900 Mal angehört, einzelne Folgen erreichten bis zu 2’500 Aufrufe. Im Spätsommer waren es weniger. Aktuell haben jetzt rund 2’500 Menschen die «GlaubensZeit» fest abonniert.
Über die Hörerschaft insgesamt wissen wir nicht sehr viel. In letzter Zeit werde ich aber in Zug oder Luzern öfters von Unbekannten auf den Podcast angesprochen. Das finde ich schon enorm. Was wir wissen: 80% der Hörerinnen und Hörer leben in der Schweiz, 5% hören aus Deutschland zu, und sage und schreibe 10% leben in den USA. Dafür habe ich keine Erklärung. Ich freue mich aber darüber.

 

Der Podcast kann auf www.pfarrei-huenenberg.ch (ganz unten auf der Startseite) angehört und über iTunes und Spotify abonniert werden.

Schauen Sie sich auch die «Impulse aus der Stille» von Bernhard Lenfers, Gemeindeleiter Pfarrei St. Johannes, Zug, an.

 

Interview: Bernadette Thalmann