02.05.2025, 07.19
Im Mai werden das Leben und damit die Fruchtbarkeit im Summen und Zwitschern hörbar und im leuchtenden Blühen und Wachstum sichtbar. Im Kirchenjahr ist der Mai daher Maria gewidmet. Das jüngste Bild von der Zugerin Andrea Roder Honegger zeigt Maria als Licht der Liebe. Die Künstlerin erzählt, was Maria für sie bedeutet.
Eine moderne, leuchtende Mariendarstellung aus der Hand einer Künstlerin, die sich ansonsten nicht christlichen Motiven widmet? Das gibt’s. «Maria ist einfach zu mir gekommen», sagt die Zugerin Andrea Roder Honegger*. Sie blickt zurück und erzählt, dass es kein bewusster Entscheid gewesen sei, Maria darzustellen.
Ohne zu wissen, was entstehen will, habe sie zu malen begonnen. Nach und nach sei die Silhouette eines Menschen aufgetaucht. Aus dem Menschen ging eine Frau hervor und daraus eine Frau, die einen blauen Schleier trägt. «Das sieht ja aus wie Maria!», habe sie bei diesem Anblick erstaunt festgestellt. Erst von diesem Moment an war es für Andrea Roder ein bewusster Prozess, Maria zu malen. «Sie kam still, weich, stark und leuchtend. Ich bin ihr gefolgt, mit Farbe, mit Intuition und mit meiner ganzen Weiblichkeit.»

«The light of love», Andrea Roder Honegger
Die Künstlerin verbindet unterschiedliche Erinnerungen, Gefühle und Rollen mit Maria. «Meine Mutter sang jeweils Marienlieder an meinem Bett. Und als Kind lernte ich Mariengebete.» Dieses Bild hat sich in der erwachsenen Künstlerin verändert. Maria ist für sie ein Urbild, eine Urfrau. Ein Archetyp, eine Erinnerung an das, was Frauen sind: tief verbunden mit dem Leben, mit Mutter Erde und miteinander. Maria steht für sie für das Mütterliche in allen Frauen: Wie sie halten, hüten, fühlen und lieben. Und Maria wurde mit Schicksalen konfrontiert, sodass sie in jeder Lebenssituation Ansprechpartnerin ist.
In der lauten, schnellen und harten Welt sieht Andrea Roder die Notwendigkeit von weichen, weiblichen Räumen, in denen sich Frauen echt, verletzlich und kraftvoll begegnen. Und sie äussert den Wunsch, dass sich Frauen gegenseitig sehen, nähren und feiern. Dass sie nicht gegeneinander, sondern miteinander wirken. «Und dass wir wieder vermehrt in Kreisen sitzen, um einander in unsere Grösse zu begleiten, uns gegenseitig an das zu erinnern, was wir schon immer waren. Und ja ich glaube, Maria würde sich spontan dazu setzen. Ohne Vorurteil. Von Frau zu Frau, von Herz zu Herz.»
Das Marienbild – Andrea Roder nennt es «The light of love», das Licht der Liebe. Es soll an das Heilige im Weiblichen erinnern.
Text: Marianne Bolt
*Andrea Roder Honegger stammt aus Zug und ist auch heute noch hier wirksam.
Das 1,2 x 1,7 Meter grosse Bild «The light of love» ist vom 1. bis 31. Mai jeweils von 7.00 bis 18.30 Uhr in der Kapelle Mariahilf zu sehen. Die Mariahilfkapelle liegt zwischen der St. Oswaldskirche und dem Parkhaus Casino in Zug.