17.02.2025, 19.09
Ein Esstisch, an welchem die Portionen die Weltbevölkerung widerspiegeln – das gibt es am Risky Dinner. Das Los entscheidet, wer ein üppiges Mehrgangmenu, ein Menu, das der Mittelschicht entspricht oder aber ein ganz einfaches Essen der ärmsten Bevölkerungsschicht erhält. Im März wird in Oberwil ein Risky Dinner durchgeführt.
Pfarreiblatt: Barbara Vollmeier-Widler, die Pfarreiräte Oberwil und St. Michael führen in der Fastenzeit ein «Risky Dinner» durch. Der Name bedeutet auf Deutsch «risikoreiches Abendessen». Was hat es damit auf sich?
Barbara Vollmeier-Widler: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lassen sich auf einen Abend ein, an dem sie nicht wissen, was und wie viel sie zu essen kriegen. Aber keine Angst, bei diesem Experiment muss niemand hungrig nach Hause gehen.
Wie kommt es, dass unterschiedlich grosse Speisen aufgetischt werden?
Die Speisen widerspiegeln die Mahlzeiten gemessen an der Weltbevölkerung. Eine kleine Oberschicht isst gut, abwechslungsreich und viel. Die Mittelschicht erhält eine eher gewohnte Portion, und eine grosse – von Armut betroffene – Schicht erhält beispielsweise einen Teller Reis oder Polenta.

Beim Risky Dinner erfahren die Teilnehmenden erst am Tisch, zu welcher Gesellschaftsschicht sie an diesem Abend gehören. Foto: zVg
Wer entscheidet, wer welches Menu erhält?
Bei der Ankunft bezahlen alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer 25 Franken und setzen sich dorthin, wo sie möchten. Dann ist es das Los, das über das Mahl entscheidet. Die Sitzplätze werden nicht getauscht, und so sitzen die verschiedenen Gesellschaftsschichten bunt gemischt zusammen.
Sie haben letztes Jahr gemeinsam mit einer anderen Pfarreirätin an einem Risky Dinner teilgenommen. Wie haben Sie das erlebt?
Es war für mich ein spannender Abend. Ich fand es sehr angenehm, dass wir Wissen vermittelt bekamen, ohne dass uns ein schlechtes Gewissen gemacht wurde. Dieser Anlass hat mir vor Augen geführt, was für Glückspilze wir sind, dass wir in der Schweiz geboren wurden.
In welcher Gesellschaftsschicht hatten Sie gegessen?
Ich hatte das 5-Gang-Menu der Oberschicht gewonnen. Das empfand ich maximal unangenehm, weil mir die meisten beim Essen zuschauen mussten. Unmittelbar neben mir sass eine Person der untersten Schicht, die ziemlich lange warten musste, bis sie endlich auch etwas zu Essen bekam. Wenigstens dürfen sich am Schluss alle am Dessertbuffet bedienen.
Durften Sie das Essen mit anderen teilen?
Ich habe einem Herrn meinen Wein zugunsten von Mary’s Meals verkauft. Die Portionen beim 5-Gang-Menü sind aber so gewählt, dass man es gut allein schafft. Ich denke, es geht an diesem Abend vor allem darum, ein «Was-wäre-wenn-Gefühl» zu entwickeln.
Das Risky Dinner ist von der Organisation «Mary’s Meals» ins Leben gerufen worden. Ist an diesem Abend etwas von Mary’s Meals spürbar?
Während den Essenspausen gibt es Minivorträge von Mary’s Meals mit Videos, Bildern und Grafiken. Dabei wird über die Ziele der Organisation und ihre Wirkungsorte berichtet.
Die 25 Franken Teilnahmegebühr dürften weitestgehend für die Kosten des Abendessens verwendet werden. Wie profitiert Mary’s Meals dennoch davon?
Alles, was von den Teilnahmegebühren übrigbleibt, wird an Mary’s Meals gespendet. Da zwischen den verschiedenen Gängen über die Organisation berichtet wird, entscheiden sich jeweils viele dazu, anschliessend für Mary’s Meals zu spenden.
Im März findet nun in Oberwil ein Risky Dinner statt. Wer darf daran teilnehmen?
Es dürfen alle kommen, die sich für ein Risky Dinner interessieren! Wir haben Platz für 100 Personen. Aufgrund der begrenzten Personenzahl und um zu wissen, ob sich jemand vegetarisch ernährt oder Lebensmittelunverträglichkeiten hat, ist eine Anmeldung erforderlich.
Interview: Marianne Bolt
Freitag, 21. März, 18.30 Uhr, Pfarreizentrum Bruder Klaus, Oberwil. Anmeldung bis 14. März unter www.marysmeals.ch/machen-sie-mit/risky-dinner-oberwil-zug oder via Pfarramt Oberwil, Tel. 041 726 60 10.
Mary’s Meals
Die Organisation Mary’s Meals versorgt täglich mehr als 2’400’000 Kinder mit einer guten Mahlzeit an ihrer Schule. Dadurch werden viele Kinder zum Schulbesuch ermutigt und erhalten die Bildung, die sie dereinst aus der Armut herausführen kann. Für 24.50 Franken kann ein Kind ein Jahr lang an der Schule gesättigt werden. www.marysmeals.ch
Erst am Tisch erfahren die Teilnehmenden, zu welcher Gesellschaftsschicht sie an diesem Abend gehören.