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Am Sonntag übertrug SRF live den Gottesdienst aus der Kirche St. Oswald Zug. Pfarreiseelsorgerin Gaby Wiss predigte im von Kindern und Erwachsenen sowie von einer Band gestalteten Gottesdienst über Engel.

Zum Thema Engel konnte sich Gaby Wiss an hunderten Bibelstellen orientieren. Sie zeigte mit Blick auf das Schutzengelfest, wie Engel eine Brücke zwischen Himmel und Erde schlagen.

https://www.srf.ch/play/tv/-/video/-?urn=urn:srf:video:0294725a-5e27-4cc3-8b60-aa0a42ea1fe7

Unmittelbar im Anschluss an den Gottesdienst wollte Norbert Bischofberger in der Sendung „Nachgefragt“ von Gaby Wiss wissen, was Engel sind und wo sie heute in unserem Alltag wirken.

https://www.srf.ch/play/tv/-/video/-?urn=urn:srf:video:61a3a9a6-ae35-41a5-b694-119fe5397436

Das Präsidium der Vereinigung der Katholischen Kirchgemeinden des Kantons Zug (VKKZ) unterstützt den Massnahmenkatalog, welchen die Römisch-katholische Zentralkonferenz RKZ als Forderung an die Bischöfe in den Raum stellt. Die Präsidien aller elf Kantonalkirchen des Bistums, darunter auch Stefan Doppmann, Präsident der VKKZ, haben letzte Woche Bischof Felix Gmür zu einer Aussprache getroffen.

Die Römisch-katholische Zentralkonferenz (RKZ), das oberste staatskirchenrechtliche Gremium der Kirche in der Schweiz hat allen Kantonalkirchen einen Massnahmenkatalog mit vier konkreten Forderungen zur Vernehmlassung vorgelegt. Zu den vier Forderungen, die zur Erneuerung der Kirche und mehr Transparenz beitragen sollen, gehören der Beizug einer externen Fachperson für die Voruntersuchung, die Bischof Joseph Maria Bonnemain gegen seine Kollegen zu leiten hat, das Einrichten einer unabhängigen Meldestelle für Missbrauchsfälle mit Kontrollfunktion, die Errichtung eines interdiözesanen kirchlichen Strafgerichts mit Beteiligung der RKZ und die Forderung, dass die privaten Lebensumstände von Angestellten nicht mehr anstellungs- oder kündigungsrelevant sein sollen.

Differenzierte finanzielle Konsequenzen sind denkbar

Das Präsidium der Vereinigung der Katholischen Kirchgemeinden des Kantons Zug VKKZ unterstützt diese Forderungen und signalisiert den Bischöfen auch, dass es bereit ist, diese für alle herausfordernde und belastende Situation zusammen zu tragen und durchzustehen. Die Androhung von Sanktionen erachtet das Zuger Leitungsgremium im jetzigen Zeitpunkt nicht als zielführend. Spezifische und differenzierte finanzielle Konsequenzen könnten allenfalls geprüft werden, wenn sich die Bischöfe nicht erkennbar bewegen sollten.

Aktuelle Situation mit hoher Sprengkraft

Ende letzter Woche haben sich die elf Präsidien der Kantonalkirchen des Bistums Basel in Solothurn mit Bischof Felix Gmür zu einer Aussprache getroffen. Übereinstimmend orteten die Vertreter aus den verschiedenen Bistumskantonen in der aktuellen Situation eine hohe Sprengkraft. Sie haben den Bischof und mit ihm die ganze Bischofskonferenz dringend aufgefordert, nun starke Zeichen zu setzen, um ihre Bereitschaft und Fähigkeit zur Erneuerung konkret zu belegen.

Bischof geht zuversichtlich an Weltsynode in Rom

Bischof Felix zeigte sich im Gespräch offen. Auch äusserte er sich zuversichtlich, dass der dringende Wunsch nach Dezentralisierung und Föderalisierung der Weltkirche an der Synode gehört wird und der dringende Reformbedarf regional angegangen werden kann.

Vreni Peterer, Missbrauchsbetroffene und Präsidentin der Interessengemeinschaft für missbrauchsbetroffene Menschen im kirchlichen Umfeld (IG-MikU), nennt die Pilotstudie einen wichtigen Schritt, dem weitere folgen müssen. Sie spricht über Vertrauensverlust und darüber, was für Betroffene von zentraler Bedeutung ist.

Vreni Peterer, am 12. September wurde die Pilotstudie zur Geschichte sexuellen Missbrauchs im Umfeld der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz publiziert. Was für eine Bedeutung hat diese Studie für Personen, die von Missbrauch in der katholischen Kirche betroffen sind?

Vreni Peterer: Eine sehr grosse, obschon wir der Pilotstudie ursprünglich sehr kritisch gegenüberstanden! Endlich steht schwarz auf weiss, dass versetzt und vertuscht wurde. Nun sollte es auch dem Hinterletzten klar sein, dass Missbräuche stattgefunden haben. Und wir nahmen mit Befriedigung zur Kenntnis, dass Bischof Joseph Bonnemain bereits präventive Massnahmen angekündigt hat.

Sie waren der Pilotstudie gegenüber kritisch eingestellt?

Viele Betroffene fragten sich, warum eine Pilotstudie erstellt werden muss, um herauszufinden, ob der sexuelle Missbrauch in einer umfangreichen Nachfolgestudie aufgearbeitet werden müsse. Das war für uns sehr verletzend. Aber nun sehen wir, dass die Pilotstudie eine gute Auslegeordnung ist.

Sie haben Bischof Bonnemains Massnahmen genannt. Sind diese in Ihren Augen ausreichend, um Missbrauch künftig zu verhindern?

Für den Moment sind wir zufrieden, dass die Massnahmen bis Ende 2024 umgesetzt werden sollen. Aber wir müssen dranbleiben. Denn wir sind uns bewusst, dass Menschen am Werk sind. Der Mensch ist die grosse Unbekannte. Es wird weiterhin Menschen geben, die anderen Menschen Leid zufügen.

Können Sie der katholischen Kirche unter solchen Bedingungen noch Vertrauen bezüglich der Bekämpfung von Missbrauch entgegenbringen?

Mein Vertrauen ist aufgrund der jüngsten Medienberichte zur Vertuschung von Übergriffen wieder stark gesunken. Ich wollte den Bettel hinwerfen und überlegte mir sogar, ob ich das an der Pressekonferenz tun soll, an welcher die Pilotstudie vorgestellt wurde.

Was für Auswirkungen hat dieser Vertrauensschwund auf die Zusammenarbeit mit kirchlichen Institutionen?

Ich werde künftig noch viel kritischer hinschauen und viel kritischer sein. Denn nicht nur die Medienberichte zum Versagen von amtierenden Bischöfen im Umgang mit Übergriffen hat sich negativ auf mein Vertrauen ausgewirkt, sondern auch die Tatsache, dass Bischof Bonnemain die Voruntersuchung gegen diese Bischöfe leiten wird. Er hätte diesen Auftrag nicht annehmen dürfen. Den Vertrauensschwund beobachte ich aber nicht nur bei Betroffenen, sondern sehr weit darüber hinaus.

Wie meinen Sie das?

Jetzt muss die ganze Gesellschaft aufgefangen werden. Und all jene Seelsorgenden, die gute Arbeit leisten und sich heute ohnmächtig fühlen und erschüttert sind. Wenn es jetzt zu Abgängen von solchen Seelsorgenden kommt, dann gehen einmal mehr die falschen!

Was sind für die IG-MikU die nächsten nötigen Schritte?

Betroffene müssen das Vertrauen haben, sich zu melden. Dazu benötigen sie Anlaufstellen, die stimmig sind und ihre Bedürfnisse erfüllen. Doch die Kirche wird auch tief in die Tasche greifen müssen. Sie hat die Missbräuche verursacht, nun soll sie auch für Therapien und weitere Unterstützungsformen aufkommen. Dazu ist die Genugtuung von maximal 20’000 Franken, welche die Kirche derzeit bezahlt, bei Weitem nicht ausreichend.

Worunter leiden Betroffene nach einem Missbrauch am meisten?

Viele sind traumatisiert, ihr Urvertrauen wurde zerstört. Einige leiden unter Angstzuständen und Schlaflosigkeit. Andere unter Depressionen und unter körperlichen und seelischen Schmerzen. Beziehungsunfähigkeit, Vereinsamung oder negative Auswirkungen auf das ganze familiäre Umfeld sind keine Seltenheit.

Ein Missbrauch muss auch den eigenen Glauben äusserst strapazieren…

Das ist sehr individuell, da kann ich nur für mich sprechen. Die katholische Kirche ist trotz allem auch heute noch meine Heimat.  Ich werde vorläufig nicht aus ihr austreten, denn ich habe nichts getan. Es sind die Täter, die gehen müssen. Geblieben ist bei mir aber die Angst vor dem Teufel. Der Pfarrer, der mich missbrauchte, hatte mir mit dem Teufel gedroht. Noch heute frage ich mich, wer nach meinem letzten Atemzug auf mich warten wird. Ist es Gott – oder doch der Teufel, weil ich den Namen des Pfarrers genannt habe?

 

Kirchliche und unabhängige Anlaufstellen finden sich unter diesem Link: www.missbrauch-kath-info.ch

Der Zuger Stadtpfarrer und Standesdomherr Reto Kaufmann ist als Priester Teil des Kirchen-Systems, das versagt und vertuscht hat. In einem kurzen und eindrücklichen Statement sagt er im aktuellen Pfarreiblatt, was ihn als Priester beschäftigt.

«Die Ergebnisse der Pilotstudie haben mich schockiert. Das Ausmass ist riesig – und dabei ist es ja erst eine Vorstudie. Verantwortliche in der Kirche haben versagt und unsägliches Leid verursacht sowie unsägliche Schuld auf sich geladen. Das ist nicht wiedergutzumachen. Meine Gedanken sind bei den Betroffenen.

Als Priester bin ich Teil des Systems, das Missbrauch und Vertuschen möglich gemacht hat und damit stehe ich seit heute auch unter Generalverdacht. Dies ist eine logische Konsequenz des Versagens auf der Leitungsebene und damit muss ich umgehen lernen.

Viele Gläubige und insbesondere auch ehrenamtlich Engagierte, die sich z.T. seit Jahrzehnten in den Pfarreien engagieren, sind verstört und verstehen ihre Kirche nicht mehr. Das Fehlverhalten von oben hat Auswirkungen auf die Basis und lässt viele sprachlos zurück. Viele Seelsorgerinnen und Seelsorger leisten tagtäglich gute Arbeit und sind für die Menschen da. Für uns Seelsorgende gilt, weiter gute Arbeit zu leisten und bestenfalls verlorenes Vertrauen wieder zurückgewinnen zu können.»

Diesen und weitere Beiträge zum Thema der Aufarbeitung des Missbrauchs finden Sie im aktuellen Pfarreiblatt hier

Die Erkenntnisse der Pilotstudie zum Missbrauch beschäftigen viele Menschen. Wie kann ich mit meiner eigenen Betroffenheit und Erschütterung umgehen? Ein offener Abend unter dem Titel «Demut in Stille» bietet am  28. September in Zug Raum und Möglichkeiten für Austausch.

Am Donnerstag, 28. September von 17.00 bis 20.00 Uhr stehen die Türen der Kirche St. Oswald in Zug für einen Moment des Austauschs und der Stille offen. Seelsorgerinnen und Seelsorger sind anwesend und stehen auf Wunsch für Gespräche bereit.

Programm

Um 17:30, 18.30 und 19.30 Uhr beginnen die gestalteten halbstündigen Momente mit musikalischem Intermezzo, Taizé-Liedern, Stille, einem kurzen Gebet und Vaterunser zum Abschluss.

Kontakt
pastoralraum@kath-zug.ch
Telefon 041 725 47 69

 

In Erinnerung an das Attentat von 2001 im Zuger Regierungsgebäude findet am Mittwoch, 27. September 2023, um 19 Uhr ein ökumenischer Gedenkanlass in der Kirche St. Oswald in Zug statt. Der Regierungsrat lädt die Bevölkerung zu dieser besinnlichen Andacht ein.

Am 27. September 2023 jährt sich das Attentat im Zuger Regierungsgebäude von 2001. Damals wurden drei Mitglieder des Regierungsrats und elf Mitglieder des Kantonsrats getötet.15 weitere Personen wurden teilweise schwer verletzt.

Besinnlicher Gedenkanlass

Wie in den vergangenen Jahren organisiert der Regierungsrat auch dieses Jahr einen schlichten und besinnlichen Gedenkanlass. Der Anlass findet um 19 Uhr in der Kirche St. Oswald in Zug statt. Der Zuger Stadtpfarrer Reto Kaufmann gestaltet die Besinnung zusammen mit dem reformierten Pfarrer Hans-Jörg Riwar. Organist Philipp Emanuel Gietl und der Cellist Jonas begleiten den Gedenkanlass musikalisch.

Kirchenglocken für den Frieden

Am 27. September 2023 sind noch weitere Zeichen des Gedenkens vorgesehen. So werden am Mittag im Kanton Zug die Kirchenglocken in Erinnerung an die Opfer des Zuger Attentats sowie an alle Opfer von Gewalt auf der Welt läuten. Ferner werden die Gräber der Verstorbenen sowie die Gedenkstätte «Einschnitt» beim Regierungsgebäude mit Blumen geschmückt. Und schliesslich wird auf dem Regierungsgebäude die Zuger Fahne auf Halbmast wehen.

In gut zwei Stunden arbeiteten am 19. September die Delegiertenversammlung der VKKZ die umfangreiche Traktandenliste ab. Sie hiessen alle Anträge einstimmig gut. Nach 33 Jahren markanten Wirkens in verschiedenen Funktionen trat Andreas Weber zurück. Für die aktuelle Situation nach Erscheinen der Pilotstudie zu sexuellem Missbrauch in der Kirche fanden die Verantwortlichen klare Worte.

Den Opfern sexuellen Missbrauchs im Umfeld der katholischen Kirche widmete Stefan Doppmann einleitende Gedanken zur Versammlung. Die Vertuschung vieler Fälle zeige, dass die Kirche ein Systemproblem habe. «Es ist gut, dass die Opfer heute endlich gehört und gesehen werden. Ihnen soll in dieser Phase die lange verweigerte Aufmerksamkeit gehören», so der Präsident der Vereinigung der Katholischen Kirchgemeinden Kanton Zug VKKZ. Respekt und Dank zollte er der Haltung der beiden frisch gewählten Domherren Reto Kaufmann und Wieslaw Reglinski, die ein starkes Zeichen setzen, indem sie auf eine Feier zu ihrer Einsetzung verzichten.

Reformen einfordern und anschieben

Der VKKZ-Präsident versprach, zusammen mit den Präsidenten der anderen Kantonalkirchen dringend notwendige Reformschritte wirksam einzufordern und anzuschieben. Dazu zählen eine unabhängige Meldestelle für Verdachtsfälle und eine unabhängige Untersuchungsinstanz.

Auch die Regionalverantwortliche des Bistums, Brigitte Glur-Schüpfer, gab ein sehr persönliches Statement ab: «Die sexuellen Übergriffe durch Kleriker haben bei den Betroffenen unsägliches Leid ausgelöst, Leben verstört und zerstört, haben Vertrauen zu den Menschen und ins Leben gebrochen. Die Betroffenen haben Anspruch auf Gerechtigkeit.»

Einstimmige Entscheide

In zügigen Schritten führte der VKKZ-Präsident anschliessend durch die Versammlung. Im Projekt des neuen Kirchgengesangbuchs engagiert sich die VKKZ bis 2027 finanziell. Das Budget für das Jahr 2024 passierte mit wenigen Rückfragen und auf Empfehlung der Rechnungsprüfungskommission einstimmig. Mit den neuen Anstellungsbedingungen hatte eine Kommission sich in Anlehnung an die kantonale Revision beschäftigt und empfahl den Kirchgemeinden eine Umsetzung des ausgearbeiteten Vorschlags. Eine Konsultativabstimmung zeigte einstimmige Unterstützung der Empfehlung.

Ein Rücktritt führte zu drei Wahlen

Mit der Verabschiedung des Baarer Finanzchefs Andreas Weber endete an diesem Abend auch ein Stück Geschichte der VKKZ. Seit 33 Jahren hatte er die Geschicke der VKKZ als Delegierter mitbestimmt und während 21 Jahren auch Verantwortung wahrgenommen, sei es als Mitglied der RPK, der Steuerausgleichskommission und als Präsident der beiden Gremien. Für die Revisionen des Steuerausgleichs hatte er ein hochkomplexes Reglement erarbeitet.

Andreas Weber war Meister der Zahlenakrobatik und der Excellisten | © Arnold Landtwing

Mit einem Präsent und anerkennendem Applaus wurde er verabschiedet. Für die drei frei gewordenen Sitze wählte die Versammlung die Chamer Kirchenrätin Tamara Bucher in die RPK, den Walchwiler Kirchenrat Rolf Reinhard in die Steuerausgleichskommission und den Unterägerer Kirchenrat Hubert Schuler für das Präsidium der beiden Kommissionen.

«Die Pilotstudie zum sexuellen Missbrauch in der Kirche fördert 1002 Fälle mit 921 Betroffenen zutage. Jeder einzelne Fall steht für ein menschliches Schicksal, für Leid und für Schmerz. Was die Ungeheuerlichkeit des Missbrauchs in der Biografie der Betroffenen und in deren Umfeld angerichtet hat, lässt sich kaum erahnen. Ich bin zutiefst erschüttert.

Im Moment bin ich in Gedanken bei den Opfern. Sie verdienen die Aufmerksamkeit, die ihnen durch Vertuschung und Verdrängung so lange vorenthalten wurde. Das gehört zur Wiedergutmachung, soweit eine solche überhaupt möglich ist.
Wir müssen uns fragen, was die Ergebnisse des wissenschaftlichen Pilotprojekts für die Kirche von morgen bedeuten. Bischof Joseph Maria Bonnemain sagte in der Medienkonferenz klar, dass nur eine gewaltfreie Kirche eine Daseinsberechtigung hat.

Wir stehen erst am Anfang eines noch langen Weges. Das dreijährige Folgeprojekt wird ein noch grösseres Ausmass dieser Tragödie aufdecken. Auch wenn es schier unerträglich ist, müssen wir uns der Aufarbeitung der Geschichte stellen. Zu lange wurde in der Kirche weggeschaut, sei es von pastoral Verantwortlichen wie auch von Kirchgemeinden. Der Forschungsprozess hätte schon vor 20 Jahren angestossen werden können und müssen.

Die seit einiger Zeit begonnene Präventionsarbeit müssen wir konsequent fortführen. In der Personalrekrutierung, der Ausbildung und der Personalführung ist eine Professionalisierung unabdingbar. Vor allem aber muss in der Kirche ein Kulturwandel stattfinden. Wir müssen grundlegende Mechanismen angehen, die den Missbrauch in diesem Ausmass überhaupt ermöglicht haben. Dazu gehören die Machtfrage, die Sexualmoral, das Priester- und das Frauenbild, die Personal sowie die Ausbildungs- und Personalpolitik. Auch als Verantwortliche von Kirchgemeinden sind wir in Pflicht genommen.
Auf diesem Weg kann die Kirche wieder das sein, was sie sein soll: Eine Institution, die für die Menschen da ist und dem Leben dient.

Stefan Doppmann
Präsident der Vereinigung der Katholischen Kirchgemeinden des Kantons Zug (VKKZ)

 

Der Schlussbericht der Universität Zürich zu den sexuellen Missbräuchen in der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz erschreckt und erschüttert. Er zeigt das persönliche Fehlverhalten einzelner Täter und gleichzeitig systemische Ursachen auf, für welche die Bischöfe, ihre Vorgänger und andere Führungspersonen in der Kirche geradestehen müssen.

Der «Bericht zum Pilotprojekt zur Geschichte sexuellen Missbrauchs im Umfeld der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz seit Mitte des 20. Jahrhunderts» umfasst 135 Seiten und bringt wissenschaftlich nüchtern formuliert Licht in ein sehr dunkles Kapitel der Kirche.

Das Projekt fördert

  • 1002 Fälle sexuellen Missbrauchs
  • mit 921 Betroffenen
  • und 510 Beschuldigten

ans Tageslicht.

Die Lektüre des Berichts und Darstellung konkreter Fälle lässt einen fassungslos und sprachlos zurück. Aus diesem Grund steht auf der Titelseite des Berichts eine Triggerwarnung: «In diesem Bericht geht es um sexuellen Missbrauch. Die Ausführungen bewegen sich auf einer allgemeinen Ebene, enthalten aber auch Schilderungen konkreter Fälle von sexuellem Missbrauch.» Link zum Bericht.

Systemische Ursachen

Der Schlussbericht des Pilotprojekts zeigt auf, dass sexueller Missbrauch und dessen Vertuschung auch in der katholischen Kirche Schweiz System hatte. Wichtige Grundzüge der katholischen Kirche haben sexuellen Missbrauch in diesem Ausmass überhaupt ermöglicht oder gar begünstigt.

Dazu gehören beispielsweise

  • klerikale Machtpositionen und
  • spiritueller Missbrauch,
  • das Priesterbild
  • sowie die Ausbildungs- und Personalpolitik, die künftige Seelsorgende in der Vergangenheit nur ungenügend bis gar nicht auf ihre professionelle Eignung im Umgang mit Menschen geprüft hat.
  • Ebenso ist damit eine Sexualmoral gemeint, die durch eine weitgehende Tabuisierung von Sexualität «verhinderte, dass über Missbräuche gesprochen wurde und diese sanktioniert wurden.»
  • Auch die Haltung gegenüber Frauen, die nicht selten als Arbeitskräfte ausgenutzt wurden, bildete gerade in den von Ordensgemeinschaften geführten Heimen und Schulen eine Grundlage für Überforderung und Gewalt.

Hier die Medienmitteilung der Universität Zürich

Konkrete Massnahmen, um Mängel zu beheben

Viele Kirchliche Institutionen haben in den letzten 20 Jahren bereits verschiedene Schritte unternommen, um das Geschehene aufzuarbeiten und dem Risiko von sexuellen Übergriffen präventiv zu begegnen. Die Schweizer Bischofskonferenz (SBK), die Römisch-Katholische Zentralkonferenz der Schweiz (RKZ) und KOVOS (Katholische Orden und weitere Gemeinschaften) haben neben der Fortführung der wissenschaftlichen Erforschung weitere Massnahmen beschlossen, um institutionelle Mängel auf nationaler Ebene anzugehen:

  1. Für Betroffene sowie Informantinnen und Informanten sollen schweizweit professionelle Angebote geschaffen werden, bei denen sie Missbräuche melden können.
  2. Künftige Priester, ständige Diakone, Mitglieder von Ordensgemeinschaften und Seelsorgende sollen im Rahmen ihrer Ausbildung standardisierte psychologische Abklärungen durchlaufen.
  3. Für die Führung von Personaldossiers und für die Weitergabe von relevanten Informationen über kirchliche Mitarbeitende werden Mindeststandards eingeführt.
  4. Die Mitglieder aller drei Auftraggeberinnen verpflichten sich, keine Akten mehr zu vernichten, die im Zusammenhang mit Missbrauchsfällen stehen oder den Umgang damit dokumentieren.

Versagen gestehen – Verantwortung übernehmen

Die Schweizer Bischofskonferenz nimmt die Forschungsergebnisse erschreckt und erschüttert entgegen und gesteht ein, dass zu viele kirchliche Führungspersonen jahrzehntelang verantwortungslos gehandelt haben: «Sie haben die Betroffenen nicht ernst genommen und die Täter geschützt. Sie standen auf der falschen Seite. Sie standen auf der Seite der Täter statt an der Seite der Betroffenen. Sie schützten das Ansehen der Kirche statt die Würde und Unversehrtheit der Menschen, die dadurch unsäglichem Leid ausgesetzt wurden. Sie liessen Täter versetzen und nahmen in Kauf, dass sich Missbräuche fortsetzten. Diese Schuld kann nicht einfach weggewischt werden. Sie ist aufzuarbeiten und muss dabei die Mechanismen der Macht, das Frauenbild, das Priesterbild und die Sexualmoral der Kirche angehen.»

Die Bischöfe anerkennen auch das Leid, das die sexuellen Missbräuche im Leben vieler Menschen, in Familien und deren Umfeld verursacht haben und «versichern, alles Menschenmögliche zu unternehmen, damit die Betroffenen Gerechtigkeit erfahren und sexuelle Missbräuche in Zukunft verhindert werden.» Link zum ganzen Statement der SBK.

In ihrem Statement schreibt die Römisch-Katholische Zentralkonferenz der Schweiz, sie sei «erschüttert über das unbeschreibliche Leid, das den von Missbrauch betroffenen Menschen im Umfeld der Kirche zugefügt worden ist. Anstelle von Hilfe, Segen und Respekt haben sie Gewalt und Erniedrigung erfahren. Viele Verantwortliche in der Kirche reagierten mit Schweigen und Vertuschen auf diese Verbrechen. Das ist zutiefst beschämend.» Link zum ganzen Statement der RKZ.

Abt Peter von Sury sagt als Vertreter der katholischen Orden und weiteren Gemeinschaften KOVOS: «Es ist offensichtlich, dass die Ordensinstitute und religiösen Gemeinschaften ein Teil des Problems sind (…) Es zeigt sich immer deutlicher, dass gewisse fehlgeleitete Formen des Ordenslebens den Nährboden bildeten für viele Formen von Grenzverletzungen, Manipulation, psychische Gewalt und Missbrauch. Schliesslich kam es auch in den von Ordensgemeinschaften geleiteten Schulen und Heimen zu Übergriffen durch Leitungs- und Lehrpersonen und Angestellte, aber ebenso aufseiten der Schülerinnen und Schüler untereinander.» Link zum ganzen Statement der KOVOS.

Die Medienkonferenz wurde live übertragen und steht hier zum Nachschauen zur Verfügung:

Alle Dokumente (Studie, Statements, Informationen für Betroffene etc.) finden Sie auf der Website www.missbrauch-kath-info.ch

Alle spirituellen Traditionen kennen heilige Orte. Ob draussen in der Natur, als Symbole oder religiöse Bauwerke haben eines gemeinsam: Sie verbinden mit dem Göttlichen. Der «Kalender der Religionen» lädt ein, sich auf den Weg zu machen und Spuren des Heiligen in der ganzen Welt zu entdecken.

Wissen fördert gegenseitigen Respekt

Jeweils im September erscheint der «Kalender der Religionen», der sechzehn Monate bis im Folgejahr abdeckt. Ziel des Kalenders ist es, den Fächer religiöser und kultureller Vielfalt zu öffnen und für das Fremde zu sensibilisieren. Wissen um kulturelle, religiöse und weltliche Wurzeln anderer Traditionen ist ein Schlüssel für gegenseitigen Respekt. Und diesen braucht unsere zunehmend pluralistischen Gesellschaft für ein fried- und respektvolles Zusammenleben. Erklärungen zu Festen und Feiertagen bieten einen achtsamen Zugang zu einem vielfältigen kulturellen und spirituellen Erbe.

Wege zu Spuren des Heiligen in allen Religionen

Der «Weg zu Spuren des Heiligen» führt zu Naturstätten wie die Bärenhütten, einem von nordamerikanischen Indianerstämmen verehrter Monolithen, oder weitläufige Gebiete wie die Zhongnan-Berge in China. Zu den religiösen Bauwerken zählt die Abtei Mont-Saint-Michel ebenso wie die Umayyaden-Moschee im Herzen der islamischen Welt. In Indien– der Wiege von Jainismus, Buddhismus und Hinduismus – steht ein Tempel vielfach dort, wo sich ein mythologisches oder historisches Gründungsgeschehen ereignet hat und in den Kanälen des Ghettos von Venedig spiegeln sich die Synagogen, die die Erinnerung an das Schicksal der jüdischen Gemeinden im 16. Jahrhundert wachhalten. Eine handliche Broschüre vermittelt zusätzliche Informationen und ein persönlicher Code zum Kalender schaltet den Zugang frei zu weiterem Material und Fotos.

Der Kalender kostet 15 Franken und ist erhältlich bei Iras Cotis. Ab 10 bestellten Exemplaren gibt es einen Rabatt.

Wir verlosen drei Exemplare des Kalenders der Religionen. Interessierte schicken ein Mail mit Namen und postalischer Adresse an kommunikation@zg.kath.ch

https://www.kalender-der-religionen.ch/home.php

 

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