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Biblegrafix bringt die Bibel auf anschauliche Weise ins Klassenzimmer oder in Gottesdienste. Wie diese Methode funktioniert, erlernten Zuger Religionslehrpersonen kürzlich an einem Weiterbildungsnachmittag in Baar.

Ein paar Striche und schon leben Abraham, Mose oder Paulus. Ein paar Striche und der Religionsunterricht oder ein Gottesdienst lebt wie eine Comicgeschichte. Die Idee hinter Biblegrafix ist es, mit einfachen, klaren Zeichnungen Bibelgeschichten zu erzählen und somit anschaulich und einprägsam zu vermitteln. Der Stil der Biblegrafix -Zeichnungen erinnert dabei an Comics – jedoch in einer simpleren Form. Kürzlich lud die Fachstelle Bildung, Katechese und Medien BKM Religionslehrpersonen ins Haus Sunnematt nach Baar ein, um Katechetinnen und Katecheten diese Methode für den Religionsunterricht näherzubringen.

Die Religionslehrpersonen erlernten, wie sie Biblegrafix-Figuren zeichnen können. Foto: Melanie Schnider

Zeichnungen als universelle Sprache

«Einfache Bilder helfen, die Bibelgeschichte zu verstehen und die Botschaft besser zu behalten», erklärte Claudia Kündig. Sie leitete die Veranstaltung gemeinsam mit ihrem Ehemann Ruedi Kündig. Claudia Kündig ist eine freischaffende Bilderbuch-Illustratorin, Motorsägerin, ModernArt-Künstlerin, Event-Malerin und Erfinderin von Biblegrafix. Die Methode ist besonders wertvoll, um Kindern oder auch Erwachsenen mit Migrationshintergrund oder Beeinträchtigungen den Zugang zu biblischen Inhalten zu erleichtern. «Zeichnungen sind eine universelle Sprache. Sie werden von den meisten Menschen sofort verstanden», fährt Kündig fort. Ausserdem helfen die Bilder dabei, sich die Geschichte und deren Botschaft einzuprägen. Neben dem Religionsunterricht eignet sich die Methode auch für Gottesdienste.

Eine Verbindung von visuellen und verbalen Elementen: Claudia Kündig zeichnet, während Ruedi Kündig erzählt. Foto: Melanie Schnider

Einfach – aber wirkungsvoll

Ein grosser Vorteil der Biblegrafix -Methode ist ihre Flexibilität. Sie erfordert keine umfangreiche Vorbereitung und kann auch spontan im Unterricht oder Gottesdienst integriert werden. Besondere zeichnerische Fähigkeiten braucht es für Biblegrafix nicht – die Figuren bestehen aus einfachen Formen wie Kreisen, Strichen und Ovalen. Wie diese zu biblischen Gestalten und ihren Geschichten angeordnet werden, erlernten die Religionslehrpersonen von Claudia Kündig. Sie zeichnete live vor den Teilnehmenden und erklärte ihnen Schritt für Schritt, wie sie eine Biblegrafix -Figur zu Papier bringen und mit ihnen Geschichten visualisieren können. Eines der Highlights war es, als Claudia und Ruedi Kündig mithilfe von Biblegrafix die biblische Wundergeschichte der Hochzeit zu Kana erzählten. Die Wirkung der simplen Methode war gross: Sie versetzte die Religionslehrpersonen in die Rolle eines Publikums und fesselte sie bereits zu Beginn des Erzählens.

Weiterführende Links

www.kuendigs.ch
www.biblepainting.ch

 

Anlässlich des Weltfrauentages lud die Zuger Frauenzentrale sechs beeindruckende Persönlichkeiten zu einer Living Library ein: eine Klosterfrau, eine Traderin, eine Spitzensportlerin, eine Aromatherapeutin, eine Leiterin der Bewährungsdienste und eine Sexualtherapeutin. Was genau eine Living Library ist, und welche faszinierenden Einblicke die Besuchenden erhielten, erfahren Sie in diesem Artikel.

Starke Frauen spielen in der Bibel eine zentrale Rolle. Ein herausragendes Beispiel ist Maria, die Mutter Jesu, ohne die es das Christentum nicht geben könnte. Oder Debora, die als Richterin Israels mittels kluger Kriegstaktik einen Krieg beendete. Auch die Königin Ester, die einen geplanten Völkermord an unzähligen Jüdinnen und Juden verhinderte, ist ein weiteres eindrucksvolles Beispiel. Trotz dieser und vieler anderer bedeutender Figuren haben Frauen in der katholischen Kirche sowie in der Wirtschaft und Gesellschaft noch immer nicht denselben Stellenwert wie Männer. Auf diesen Missstand weisst der Weltfrauentag hin, der jedes Jahr am 8. März gefeiert wird. Zu diesem Anlass organisierte die Frauenzentrale Zug eine besondere Veranstaltung: eine Living Library. «Wir wollten ein Format finden, bei dem Menschen miteinander ins Gespräch kommen, Fragen stellen können und so Vorurteile abbauen können», erklärte Alice Keller, Vorstandsmitglied der Frauenzentrale Zug und Organisatorin der des Anlasses.

Alice Keller (rechts) gestaltete den Anlass in Zusammenarbeit mit der Journalistin Gudrun Sachse. Foto: Melanie Schnider

Ein Nachmittag voller Geschichten und Begegnungen

An der Living Library zum Weltfrauentag konnten die Besuchenden mit sechs aussergewöhnlichen Frauen ins Gespräch kommen: der Klosterfrau Sr. Mattia Fähndrich, der UBS-Traderin Xenia-Sarah Meier, der Sexualtherapeutin Simone Haug, der Spitzensportlerin Nalani Buob, der Leiterin der Bewährungsdienste Obwalden Vanessa Krüger und der Aromatherapeutin Ursula Voneschen. Die sechs Frauen sassen am Samstagnachmittag, 8. März im Brocki Zug. Die Teilnehmenden hatten die Gelegenheit, sich zu ihnen zu setzen, zuzuhören und Fragen zu stellen. «Warum hast du dich für ein Leben im Kloster Heiligkreuz entschieden?», fragte beispielsweise eine Besucherin Priorin Sr. Mattia Fähndrich.

Klosterfrau Sr. Mattia Fähndrich. Foto: Melanie Schnider

So erzählte Fähndrich von ihrer Entscheidung zwischen einem Leben als Entwicklungshelferin oder als Nonne. «Ich habe damals beides ausprobiert: Ich besuchte für eine Woche eine Mission in Tansania. Auch ins Klosterleben schnupperte ich hinein. Bei letzterem wusste ich sofort: Das kann ich mir für längere Zeit vorstellen», erzählte sie. Inzwischen sind 38 Jahre vergangen und noch immer schätze sie die vielen Kleinigkeiten des alltäglichen Klosterlebens.

Sexualtherapeutin Simone Haug beim Erklären und Diskutieren. Foto: Melanie Schnider

Von einem ganz anderen Leben berichtete Simone Haug, Sexualtherapeutin bei eff-zett – das fachzentrum und in ihrer eigenen Praxis am Spital Limmattal. Gemeinsam mit den Besuchenden der Living Library philosophierte sie über die gängigen Bezeichnungen der Geschlechtsorgane. «Lange Zeit bezeichneten wir den weiblichen Intimbereich als ‹Scham›, während Männer meist stolz auf ihr Geschlechtsteil sind. Es ist mir wichtig, Frauen zu ermutigen, ihren Intimbereich mit weniger Abscheu zu betrachten.» Sie riet dazu, statt von «Schamlippen» lieber von «Vulva-» oder «Geschlechtslippen» zu sprechen. Statt «Schamhaare» besser «Intimhaare» zu sagen und die Menstruation nicht als «schmutzig» zu bezeichnen, sondern als natürliche Reinigung des Körpers zu verstehen.

Spitzensportlerin Nalani Buob im Gespräch. Foto: Melanie Schnider

«Ich habe nicht die Macht, das zu verändern»

Eine weitere Lebensgeschichte hörten die Besuchenden von Nalani Buob. Sie ist nicht nur Rollstuhltennisspielerin, sondern auch eine der Spitzensportlerinnen im Swiss Paralympic-Team. «Die Paraolympiade erhält in unserer Gesellschaft leider nicht die gleiche Aufmerksamkeit wie die Olympischen Spiele», sagte Nalani Buob. Das mediale Interesse sei weiterhin gering, oft kämen nur wenige Zuschauende zu den Wettkämpfen. «Ich habe nicht die Macht, das zu verändern, aber ich kann darauf aufmerksam machen und so etwas zur Veränderung beitragen.» Die Teilnehmenden der Living Library waren beeindruckt von der Stärke der jungen Frau und führten die Diskussion weiter.

Vanessa Krüger, Leiterin Bewährungsdienste Obwalden erzählt den Besuchenden der Living Library von ihrer Arbeit. Foto: Melanie Schnider

Doch warum wählte die Frauenzentrale Zug Nalani Buob, Simone Haug, Mattia Fähndrich, Vanessa Krüger, Ursula Voneschen und Xenia-Sarah Meier aus? «Wir haben uns vor der Living Library im Team gefragt, was Frauen besonders gut können», berichtete Alice Keller. Dabei seien sie auf bestimmte Stärken gekommen wie etwa den bewussten Umgang mit Geld. «Deshalb haben wir Xenia-Sarah Meier eingeladen, die erfolgreiche Traderin bei der UBS ist», fügte Alice Keller an. Die stark ausgeprägte Sinneswahrnehmung vieler Frauen verkörpert die Aromatherapeutin Ursula Voneschen. So stehe jede der sechs Frauen für eine besondere Stärke, so Keller.

Die Aromatherapeutin Ursula Voneschen in ihrem Element. Foto: Melanie Schnider

Das sagten die Teilnehmenden

Einer der Besuchenden der Living Library, Florian Rathgeber, meinte: «Ich bin heute hier, weil ich den Weltfrauentag unterstützen möchte. Es ist nicht nur die Verantwortung von Frauen, auf Missstände aufmerksam zu machen, sondern auch von Männern. Ich möchte Verantwortung übernehmen und etwas ändern.» Die Besucherin Leonie Ambühl fügte hinzu: «Heute habe ich ein Video auf Instagram gesehen, in dem Rosen zum Weltfrauentag verteilt wurden. Doch wir brauchen keine Rosen, sondern Gerechtigkeit.»

Traderin Xenia-Sarah Meier berichtet den Besuchenden vom Geldhandel bei der UBS. Foto: Melanie Schnider

Guggenmusik statt Orgelspiel, Schnitzelbankpredigt statt Bibeltexte und ganz viele verkleidete Gläubige: Das war der aussergewöhnliche Ökumenische Fasnachtsgottesdienst am Samstag in Steinhausen.

Hexen, Braunbären, Asterix und Obelix sowie weitere Fantasiefiguren mit glitzernden Sonnenbrillen tummelten sich im Zentrum Chilematt in Steinhausen. Über 100 Gläubige feierten gemeinsam den Ökumenischen Fasnachtsgottesdienst, viele von ihnen in ausgefallenen Kostümen. Doch nicht nur die Teilnehmenden waren verkleidet, sondern auch die beiden Geistlichen: Der reformierte Pfarrer Hubertus Kuhns und der katholische Priester Andreas Stüdli erschienen in einem Kuh- und einem Schafskostüm.

Andreas Stüdli und Hubertus Kuhns predigten nicht nur hinter dem Altar, sondern gingen in der Kirche umher. | © Melanie Schnider

Mit einem breiten Lächeln meinte Hubertus Kuhns: «Normalerweise gibt es keine Tiere in der Kirche. Aber heute sieht man an den vielen Verkleidungen: Es geht tierisch zu. Die Guggenmusikerinnen und -musiker sind als Lamas hier, dort drüben haben wir ein paar Ochsen und Esel, und ich sehe auch einige schräge Vögel.» Die Gläubigen schmunzelten amüsiert. Noch mehr lachten sie jedoch während der Schnitzelbankpredigt.

«So müends hüt scho Schöf und Küeh id Chile stelle»

Anstatt herkömmlich zu predigen, trugen Hubertus Kuhns und Andreas Stüdli ihre Gedanken in Reimen vor. Diese waren mit sehr viel Humor zu verstehen. Beim genauen Zuhören vermittelten sie jedoch eine tiefgründige Botschaft und bezogen sich auf das Gleichnis des verlorenen Schafes in der Bibel. Nachdem Hubertus Kuhns aufgezählt hatte, was neben Schafen alles verloren gehen kann, meinte Andreas Stüdli:

«I de Wirtschafts sinds au am sueche
Es Stichwort isch de Fachkräftemangel
Sie werbet mit guetem Lohn und feine Kueche
Trotzdem händ nur selte öpper Gschiits a de Angel.

DAS kännt Chile au nur zu guet.
Wer hät scho zum Schaffe als Pfaff oder Prieschter
Muet.
Es find sich eifach kei gueti Quelle.
So müends hüt scho Schöf und Küeh id Chile stelle.»

Die ganze Schnitzelbankpredigt gibt es hier zu lesen

«Muuuuh» und «Määäh»: Pfarrer Hubertus Kuhns als Kuh und Priester Andreas Stüdli als Schaf. | © Melanie Schnider

Fangis in der Kirche

Hubertus Kuhns forderte den diesjährigen Steivater aus Steinhausen, Lucas I. (Lucas Zingerli), auf, seine Schafherde zusammenzutreiben und sorgte so mit einem Fangis-Spiel in der Kirche für ein weiteres Highlight. Lucas I. rannte mit seinem Steivater-Zepter durch die Kirchgänge, versuchte einige verkleidete Gläubige zu einer Schar zusammenzutreiben – doch diese huschten schnell davon. Die Zuschauer lachten herzhaft.

Als grosse Überraschung stand nach der Schnitzelbankpredigt ein Mann auf, streckte die Arme in die Luft und rief: «Lieber Gott, die Zwei sind zum Lachen. Kannst du aus ihnen nicht eine Schnitzelbankgruppe machen?»

Die Guggenmusik Steischränzer während eines Auftritts im Zentrum Chilematt. | © Melanie Schnider

Fetzige Rhythmen der Guggenmusik Steischränzer

Nicht nur die Schnitzelbankpredigt machte den Ökumenischen Fasnachtsgottesdienst so besonders, sondern auch die Musik. Statt Orgelmusik erklangen am Samstagabend die fetzigen Rhythmen der Guggenmusik Steischränzer im Zentrum Chilematt. «Es ist immer schön, hier zu spielen», sagte Ramona Schönbächler, die Euphonium bei den Steischränzern spielt. «Es ist cool, dass die Leute in den Gottesdienst miteinbezogen werden.» Auch die Teilnehmenden zeigten sich begeistert. Dani Schwarz, Mitglied der Wagenbaugruppe Spasslüte meinte beispielsweise: «Der Gottesdienst war mega cool, offen und richtig fasnachtlich.» Esther Schönenberger, ehemalige Steimutter der Steinhauser Fasnacht, betonte: «Die beiden Pfarrer haben den Gottesdienst sehr gut und äusserst lustig gestaltet.»

Ein Fasnachtsgottesdienst mit Gott

Obwohl der Witz und das gemeinsame Lachen am Samstagabend im Vordergrund standen, war der Ökumenische Fasnachtsgottesdienst mehr als eine Spassveranstaltung. «Es ging auch um das Beten in der Gemeinschaft, um Worte aus der Bibel und gute Wünsche. Es war ein Fasnachtsgottesdienst mit Gott», sagte Pfarrer Hubertus Kuhns.

Aktuell hängen in der Kirche St. Johannes in Zug Jesusbilder, die der ukrainische Künstler Jevgeni Ennio Solomko mit künstlicher Intelligenz erstellt hat. Wie ist er vorgegangen und was will er uns mit den KI-Bildern sagen?

Die meisten kennen zwei klassische Darstellungen von Jesus: am Kreuz und beim Emporsteigen in den Himmel. Doch wie wäre es mit Jesus auf dem Motorrad, in einer silbrig glitzernden Hängematte oder am Smartphone? Genau so zeigt der ukrainische Künstler Jevgeni Ennio Solomko Gottes Sohn. Aktuell präsentiert er seine 14 Bilder im Rahmen der Ausstellung «Jesusbilder WELToffen» in der Kirche St. Johannes in Zug. Das Besondere an ihnen: Jevgeni Ennio Solomko hat alle mithilfe Künstlicher Intelligenz geschaffen. «Ich habe versucht, der Künstlichen Intelligenz meine Überzeugungen von Spiritualität und Glauben zu vermitteln», sagt Solomko im Interview, welches auf Englisch stattfindet. Wie ging er dabei vor?

Jesusbilder mit ChatGPT und Dall-E generieren

Zunächst gab der Künstler bei der textbasierten, künstlichen Intelligenz ChatGPT Prompts (Stichworte und Beschreibungen) ein. Diese verfeinerte der 38-jährige Künstler zusehends. Zur ästhetischen Gestaltung der Jesusbilder verwendete er das Computerprogramm Dall-E, welches Textbeschreibungen bzw. Prompts visuell umsetzt. So entstanden innert vier Monaten 14 KI-Bilder von Jesus, die ihn in der heutigen Welt zeigen. «Mein Ziel war es, Jesus in einer zeitgemässen und verständlicheren Form darzustellen. Meine Serie zeigt Jesus beispielsweise in einer städtischen Umgebung oder im Kontext moderner Technologien», sagt Jevgeni Ennio Solomko. Zugleich sei es ihm wichtig gewesen, «das Wesen seines Bildes zu wahren». «Jesus ist für mich ein Symbol für Wahrheit, Reinheit und das heilige Feuer, das unsere Laster durch die Kraft der Liebe verbrennt», beschreibt er. Jevgeni Ennio Solomko ist in einer christlich-orthodoxen Familie aufgewachsen. Heute versteht er sich als Agnostiker.

Jevgeni Ennio Solomkos Bilder lassen viel Raum für Interpretationen. | © Roman Ambühl

Buddha oder Jesus?

Betrachtet man Solomkos KI-Bilder fällt auf, dass er Jesus mehrmals im Schneidersitz zeigt, einer Sitzvariante, die an Buddha im Lotussitz erinnert. «Ich wollte Jesus bewusst sitzend und meditierend darstellen», betont er. Für viele Menschen bereichere die Meditation das Leben, meint der Künstler und fügt an: «Zudem spielt es keine Rolle, ob in jenen Bildern Jesus oder Buddha gezeigt wird. Im Endeffekt geht es um dieselbe höhere Energie.»

Gottes Sohn als Naturliebhaber

Weitere Jesusbilder greifen Naturelemente auf wie zum Beispiel ein Farnblatt. «Bei diesen Bildern habe ich untersucht, wie Jesus Energien und Organismen betrachtet», erklärt er. Dadurch stellt der Künstler eine Verbindung zur Natur her. «Diese Darstellungen zeigen die Universalität seiner Mission, denn seine Liebe und sein Opfer erstrecken sich auf alle Formen des Lebens», erklärt Jevgeni Ennio Solomko.

 

Nach dem Künstler symbolisiert der Kaktus die Schwierigkeiten und die Blüten die Schönheit des Lebens. | © Jevgeni Ennio Solomko

Pfarreiseelsorger hat die Ausstellung organisiert

Bereits seit dem 2. Februar hängen die KI-Bilder in der Kirche St. Johannes in Zug. Bis zum 15. April sind sie dort zu entdecken. Die Ausstellung «Jesusbilder WELToffen» hat Roman Ambühl, Pfarreiseelsorger der Kirche St. Johannes organisiert. Er beschreibt sie folgendermassen: «Die Ausstellung lädt zur Reflexion über das Ewige und die Gegenwart ein. Sie eröffnet eine metaphysische Reise, bei der die Besuchenden das Bild von Jesus neu betrachten können.»

Ganz anders als am Kreuz: Jesus in einer glitzernden Hängematte. | © Jevgeni Ennio Solomko

 

An ein bis zwei Freitagabenden pro Monat findet im Pfarreiheim St. Martin in Baar der Jugendtreff JAM statt. Das grosse Highlight am letzten Freitag war es, gemeinsam Konfetti-Cupcakes zu backen. Über 30 Kinder und Jugendliche waren dabei. Doch es sind nicht nur die Cupcakes, die die Jungen am JAM so schätzen.

Am Freitagabend war das Pfarreiheim St. Martin wohl einer der belebtesten Orte in ganz Baar. Über 30 Kinder und Jugendliche backten gemeinsam Cupcakes, spielten Fussball, knüpften Freundschaftsarmbänder oder setzten sich gemütlich zum Plaudern zusammen. «Würde der Jugendtreff heute Abend nicht stattfinden, dann sässen die Kinder und Jugendlichen zuhause vor TikTok oder Snapchat», sagt Bettina Fink, zuständige Fachperson für die Jugendarbeit der Pfarrei St. Martin. «Oder sie würden in der Kälte am Bahnhof Baar herumhängen.» Dies sei doch traurig, so Fink. Aus diesem Grund hat sie den Jugendtreff JAM ins Leben gerufen. Das Angebot existiert bereits seit zwei Jahren und richtet sich an alle Schülerinnen und Schüler der 5. Klasse bis und mit 3. Oberstufe in Baar. Der Jugendtreff ist jeweils an ein bis zwei Freitagabenden pro Monat geöffnet. Doch was motiviert die jungen Leute in den JAM zu kommen?

Das sagen die Kinder und Jugendlichen zum JAM

«Wenn ich nicht hierherkomme, ist es mir an einem Freitagabend langweilig – auch meinen Freunden. Dann gamen wir die ganze Zeit», sagt Kevin. Einen anderen Aspekt betont Melina: «Es kommen Kinder und Jugendliche von allen Schulen in Baar hierher. So kann man neue Freunde kennenlernen.» Eline sagt: «Hier im Jugendtreff JAM ist es chillig. Es gibt verschiedene Räume. In einem kann man mit einem Töggelikasten spielen, in einem anderen Raum Ping Pong. Wir machen immer etwas Anderes.»

Im Jugendraum im Untergeschoss steht dieser Töggelikasten bereit. | © Melanie Schnider

Konfetti-Cupcakes backen – das grosse Highlight

Neben diesen regulären Angeboten sorgt Bettina Fink an jedem JAM-Freitag für eine zusätzliche, besondere Aktivität. «Ich frage die Kinder und Jugendlichen jeweils nach ihren Wünschen und stelle anschliessend ein Programm zusammen», erklärt sie. Das grosse Highlight an diesem Freitagabend: gemeinsam Konfetti-Cupcakes backen.

Die Konfetti-Cupcakes greifen die Fasnachtszeit auf. | © Melanie Schnider

In Fünfergruppen mischten die jungen Leute nacheinander einen süssen Teig und gaben farbige Zuckerstreusel oder kleine Marshmallows bei, die die Konfettis symbolisierten. «Ich mag Cupcakes so», schwärmt Tristan, «und es ist cool, neue Sorten auszuprobieren.» Kochen und Backen sind bei den Kindern und Jugendlichen besonders beliebt, sagt Bettina Fink. Deshalb stehen diese öfters auf dem Programm. Ganz neu dagegen ist das Kioskprojekt.

 

Zuckersüsse Cupcakes – nicht gesund, doch es ist ja auch Freitagabend! | © Melanie Schnider

Demian leitet den neuen Kiosk

Seit diesem Freitag steht nun an jedem JAM-Freitag ein kleiner Kiosk im Eingang des Pfarreiheims. An diesem verkauft Demian Süssigkeiten, salzige Snacks und alkoholfreie Getränke. «Es motiviert mich extrem, wenn die Leute etwas bei mir kaufen und danach glücklich sind. Verkaufen ist eine Leidenschaft von mir», sagt Demian, der das 10. Schuljahr besucht und bereits eine Schnupperlehre im Bereich Verkauf absolviert hat. Die Kinder und Jugendliche schätzen den neuen Kiosk sehr. Immer wieder stellten sich weitere an. Dabei fiel auf, dass ihr Alter von 10 bis 16 Jahren reicht. Bergen so viele Altersstufen vereint in einem Jugendtreff kein Konfliktpotential?

 

Demians Kiosk ist beliebt. | © Melanie Schnider

«Ich kenne keinen Jugendtreff mit so vielen Räumen wie hier»

In den vergangenen zwei Jahren ist es noch nie zu einem Zwischenfall gekommen. Die jungen Leute verstehen sich gut. Der Jugendtreff für Lernende der 5. Klasse bis und mit 3. Oberstufe funktioniert so gut, weil sich die unterschiedlichen Altersgruppen in verschiedene Räume zurückziehen können. «Ich kenne keinen Jugendtreff mit so vielen Räumen wie hier», sagt Bettina Fink. Ein weiterer Vorteil des Pfarreiheims St. Martin: die Räume verteilen sich auf drei bis vier Stockwerke. Auf jedem herrscht reger Betrieb. Die jungen Leute rennen herum, treffen sich in den Gängen oder setzen sich spontan auf die Treppen. Auf den ersten Blick wirkt der Jugendtreff JAM wie ein grosses «Chäferfäscht». Doch hinter diesem steht viel mehr.

Zwei Mädchen präsentieren ihre neuen Freundschaftsarmbänder. | © Melanie Schnider

Tiefere Bedeutung

In Jugendtreffs mag es «chillig» sein, doch sie sind mehr als nur ein Ort zum Abhängen. «Neben der Schule haben sie hier die Möglichkeit, wichtige Sozialkompetenzen wie Teamarbeit, Konfliktlösung und respektvolles Miteinander zu trainieren», betont Bettina Fink, «Durch gemeinsame Projekte, kreative Aktivitäten und den Austausch mit Gleichaltrigen lernen sie, Verantwortung zu übernehmen, Empathie zu entwickeln und sich in einer Gemeinschaft zurechtzufinden.» Ausserdem vermittelt die kirchliche Jugendarbeit Werte wie Nächstenliebe und gegenseitigen Respekt.

 

Der Jugendtreff JAM bietet den Kindern und Jugendlichen verschiedenes Bastelmaterial. | © Melanie Schnider

«Im kirchlichen Umfeld eine tolle Zeit mit Freunden zu erleben oder auch spezielle Projekte wie der Kiosk motivieren die jungen Menschen dazu, einen Bezug zur Kirche aufrecht zu erhalten und sich ehrenamtlich zu engagieren», betont Bettina Fink. Ein schönes Beispiel dafür ist Demian. «Oberstufenschüler wie Demian schnuppern so ins Pfarreileben hinein und gewinnen dadurch einen Einblick in die kirchliche Gemeinschaft», erklärt sie und fügt an: Vielleicht werde er sich längerfristig engagieren. Doch dies sei kein Muss. Der JAM richtet sich an alle Schülerinnen und Schüler unabhängig eines zukünftigen Engagements und unabhängig ihres Glaubens.

Des Weiteren ist der Jugendtreff ein Ort für Sensibilisierungsarbeit. «Beobachte ich beispielsweise, dass ein Jugendlicher öfters Energy Drinks trinkt, spreche ich ihn darauf an», sagt Fink. Anschliessend kläre sie über das Koffein darin auf. Auch über die E-Zigaretten Vapes habe sie bereits mit den Jugendlichen gesprochen. Alkohol ist im Jugendtreff strikt untersagt und das Internet stellt Bettina Fink um 20 Uhr aus. «Der Jugendtreff JAM ist ein geschützter Ausgangsort für Kinder und Jugendliche. Das Bedürfnis nach solchen Orten des Zusammenseins ist bei ihnen gross», sagt Bettina Fink.

Mit einfachen Illusionstricks können Religionslehrpersonen biblische Botschaften auf faszinierende Weise vermitteln. Wie dies funktioniert, erklärte der Referent Marc Lendenmann am Weiterbildungsabend zu Gospel Magic im Pfarreisaal St. Michael in Zug.

Lodernde Flammen, die aus einer Bibel züngeln. Oder zerrissene Taschentücher, die sich in Sekundenschnelle wieder zusammenzusetzen scheinen. So kann Religionsunterricht aussehen. Das Konzept dahinter stammt aus Amerika und heisst Gospel Magic. «Bei Gospel Magic geht es um kreative Vermittlung», erklärte Marc Lendenmann, Kinderpfarrer aus dem Kanton Zürich und Mitglied des Bibellesebunds Schweiz. 17 Zuger Religionslehrpersonen nahmen am Weiterbildungsabend der Fachstelle Bildung, Katechese und Medien BKM teil. «Kreative Vermittlung hat den Vorteil, dass sie hervorsticht und in den Köpfen der Lernenden hängen bleibt», fuhr Lendenmann fort. Gospel Magic ist eine Möglichkeit, den Lernstoff oder auch Predigttexte mit originellen Tricks zu illustrieren, sodass sie in Erinnerung bleiben. «Die Tricks sollen Faszination für den Glauben und die Bibel wecken», sagte er. Doch sind Magie und Zaubern in der Bibel nicht verboten? Wie passt das Konzept zu einem wahrhaftigen Religionsunterricht?

Ein Spiel mit der Illusion – keine Zauberei

«Die Tricks sind keine Zauberei, sondern alle erklärbar. Sie beruhen auf Illusionen», beruhigte Lendenmann. Um nicht den Anschein des Zauberns zu erwecken, empfehle er, während den Tricks keine Zaubersprüche zu sagen. Vielmehr sollten die Tricks nebenbei passieren, um das Erzählte zu verbildlichen. «Es geht darum, eine Botschaft in den Mittelpunkt zu stellen», betonte der Referent. So beziehen sich bei Gospel Magic alle Tricks auf eine Botschaft aus der Bibel. Wie ein solcher botschaftstransportierender Illusionstrick funktioniert, zeigte er anhand eines simplen Beispiels.

Kleiner Trick, grosse Wirkung. | © Melanie Schnider

Aus «BIBEL» entsteht «LIEBE»

Vor den Augen der Religionslehrpersonen zerriss er das Wort «BIBEL», das auf einem Blatt Papier stand, in die einzelnen Buchstaben «B», «I», «B», «E» und «L». Auf einem Tisch ordnete er diese zum neuen Wort «LIEBE». Was niemand bemerkte: Aus seinem Ärmel zückte er innert Sekunden ein zusätzliches «E», damit der Trick aufging. Zeitgleich zu seiner Vorführung sagte er: «Zur Bibel gibt es allerlei reisserische Vorteile: dass man beispielsweise nicht gerne liest oder sie langweilig ist. Und so zerreisst man die Bibel, ohne je darin gelesen zu haben. Aber wenn man sie auftut und darin liest, entdeckt man ganz viel. Wie zum Beispiel Liebe». Die Religionslehrpersonen schmunzelten. Für grosse Spannung und aufgerissene Augen sorgte ein Trick mit einer Guillotine.

Klappt dieser Trick mit Sicherheit? | © Melanie Schnider

Tricks mit Gospel-Magic-Gegenständen

Marc Lendenmann zerhackte zunächst mit einer circa 50cm hohen Guillotine eine Karotte in kleine Stücke. Die Anspannung im Raum stieg, als er einen Religionslehrer nach vorne bat, dessen Hand sowie eine weitere Karotte in die Guillotine legte und am Seil mit der Klinge zog. Durch einen inneren Mechanismus der Guillotine hackte die Klinge nur ein Stück der zusätzlichen Karotte ab. Ein lautes Aufatmen ging durch die Runde im Pfarreisaal St. Michael. Lendenmann meinte: «Im Leben wird es oft brenzlig, doch Gott ist bei uns.»

Neben dieser Guillotine zeigte Lendenmann den Teilnehmenden weitere, spezialisierte Gospel-Magic-Gegenstände, wie zum Beispiel den «Bungalow». Dieses kleine Holzquadrat weist an den Seiten Öffnungen auf. In diese legte er zwei Seile und zog sie an. So entstand im Inneren ein Knäuel, das unentwirrbar wirkte. Die Seilenden gab er zwei Religionslehrerinnen. Währenddessen erzählte er von Jesus, der einen Gelähmten heilte. Als Lendenmann die beiden Lehrerinnen aufforderte, an den Seilen zu ziehen, löste sich der Bungalow spielend leicht. Staunende Gesichter waren das Resultat. «Wie dieser Trick funktioniert, verrate ich euch nicht. Mit dem Rätsel geht die Botschaft für euch weiter», sagte Marc Lendenmann.

Einige der Gospel-Magic-Tricks probierten die Religionslehrpersonen gleich selbst aus. | © Melanie Schnider

Weiterführende Links & Tipps

Tricks u.a. erhältlich bei: www.allerhandundgwand.ch

Tricks auf Youtube:

  • Anwendungsbeispiele findet man mit dem Stichwort «Gospel Magic»
  • Das Stichwort «revealed» weist auf Trick-Erklärungen hin

Im «Pilgermodus» verlasse ich an einem eiskalten Montagnachmittag in Cham den Zug. Die Januarsonne scheint milchig-weiss, in meinem Rucksack trage ich eine Kanne gefüllt mit heissem Tee und eine kleine Stärkung mit mir, in meinem Hosensack steckt ein kleiner Rosenkranz.

Gespannt blicke ich hoch zur Pfarrkirche. Hier soll mein Pilgerweg beginnen. Dieser führt während des Heiligen Jahres 2025 von der Kirche St. Jakob in Cham zur Kirche Gut Hirt in Zug. Eine Zeitlang betrachte ich den Jakobsbrunnen unmittelbar neben der Kirche, erstmals nehme ich ihn bewusst wahr. Danach lasse ich den Kirchenraum der barocken Kirche St. Jakob auf mich wirken. Vergebens suche ich nach einem Hinweis, dass hier der Pilgerweg beginnt. So verlasse ich mich auf die Navigation meines Mobiltelefons und breche auf.

Jakobsbrunnen. | © Marianne Bolt

Als Ortsunkundige konzentriere ich mich anfangs in erster Linie darauf, den Weg via Lorzenbach und Hirsgarten zu finden. Dennoch bin ich innerlich gesammelt. Der Weg führt an der Schlossanlage St. Andreas vorbei. Ich habe den Tipp erhalten, die Kapelle St. Andreas aufzusuchen. Im Innenraum treffe ich auf ein ein spätmittelalterliches Kleinod, das im Jahr 1488 einen frühmittelalterlichen Vorgängerbau an gleicher Stelle ersetzt hat. Unmittelbar vor dem Altarraum führt eine schmale Treppe ins Untergeschoss. Dort sind noch einige Überreste des frühmittelalterlichen Kirchbaus erkennbar. Dankbar wärme ich mich auf, während ich in einer Kirchenbank sitze, den typischen Duft alter Kirchenmauern einatme und den Kirchenraum betrachte. Und ebenso dankbar bin ich, als ich draussen vor der Kapelle meinen verloren geglaubten zweiten Handschuh wiederfinde.

Kapelle St. Andreas. | © Marianne Bolt

Nun führt mich der Weg aus Cham hinaus. Ich bin froh, mein Navigationsgerät in meine Tasche stecken zu können. Ein Wegstück zwischen Himmel und Erde, geht es mir durch den Kopf. Links das Eisenbahngleis, im Hintergrund ist die Strasse zu hören. Rechts von mir ein unbebauter Landstrich bis zum See.

Vergeblich versuche ich den Rosenkranz zu beten. Meinen klammen Fingern gelingt es nicht, nach den einzelnen Perlen zu greifen. So stecke ich ihn wieder in meinen Hosensack und lasse meine Schritte vom Bruder Klausen-Gebet und von der Stille begleiten.

Rastplatz am See. | © Marianne Bolt

Der Seeuferweg in Richtung Brüggli ist wunderschön. «Das Nacktbaden ist nur auf diesem Strandabschnitt gestattet», lese ich erstaunt und schmunzelnd auf einer Tafel. An einem folgenden Strandabschnitt mache ich Rast, trinke heissen Tee und lasse meinen Blick über das Wasser gleiten. Nicht unweit von mir sitzt eine ältere Dame, die meditiert. Der Ort passt, um im Gebet zu verweilen.

Später führt mich mein Weg an einer Schafweide vorbei. Beim Anblick der Tiere geht mir der Anfang von Psalm 23 durch den Kopf: Der HERR ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen.

Eine herzige Begegnung. | © Marianne Bolt

Beim Erreichen der Schutzengelkapelle sehe ich angsteinflössende Szenen vor meinem inneren Auge. Wer wurde auf der ehemaligen Richtstätte wohl alles hingerichtet, wofür wurden diese Frauen, Männer und Kinder beschuldigt? Die Kapelle ist geschlossen, so mache ich mich schnellen Schrittes in Richtung Gut Hirt auf den Weg. Die Sonne neigt sich, der Biswind ist in den Strassen stärker spürbar.

Mitten im geschäftigen Tun Gott finden – auch das ist möglich. Schülerinnen und Schüler machen sich auf dem Heimweg, im «Gubelloch», der Bahnhofunterführung in Zug, dröhnt der Strassenverkehr, oben fahren Züge durch. Endlich sehe ich die Pfarrkirche Gut Hirt, die Pilgerkirche im Kanton Zug während des Heiligen Jahres. Schon wieder Schafe, denke ich schmunzelnd, als ich die blauen Schafe vor der Kirche entdecke. Ja, der Herr ist wahrlich mein Hirt. Das Lachen kann ich mir fast nicht verkneifen, als ich vor dem Altarraum ein grosses Plakat mit dem Logo des Heiligen Jahres entdecke. Denn davor stehen viele wollene – Schafe.

In der Krypta steht der selbst zu öffnende Tabernakel bereits offen, als ich diese betrete. Es sind einige Personen da, die vor dem Allerheiligsten beten. Für eine Weile schliesse ich mich den Betenden an, dann breche ich auf. Um die Erfahrung reicher, dass auch am geschäftigen Zugersee gepilgert werden kann. Und erneut schmunzelnd. Die Pfarr- und Pilgerkirche Gut Hirt als Ende des Pilgerwegs – passender könnte der Name nach meinen Begegnungen mit den unterschiedlichen Schafen und dem dazu passenden Psalm 23 nicht sein.

Schafe in der Pfarrkirche Gut Hirt, die Pilgerkirche im Kanton Zug während des Heiligen Jahres. | © Marianne Bolt

Künstliche Intelligenz und Kirche – auf den ersten Blick zwei Welten, die wenig gemeinsam haben. Doch was, wenn KI nicht nur ein technisches Spielzeug, sondern ein wertvolles Werkzeug für die Arbeit in Kirchgemeinden sein könnte? Referent Spiro Mavrias zeigte an der 9. Pastoralkonferenz Zug Anwendungsmöglichkeiten auf, die überraschten.

Künstliche Intelligenz und Kirche scheinen zunächst wenig miteinander zu tun zu haben. Während die Kirche tief in Glauben und Spiritualität verwurzelt ist, dreht sich bei KI alles um technologische Innovationen. Doch bei der 9. Pastoralkonferenz Zug wurde genau diese Spannung aufgelöst und ein neuer Blick auf die Möglichkeiten geworfen, die KI für die Kirche bereithält. Unter dem Titel «Künstliche Intelligenz: Chancen für Kirche und Kirchgemeinden» versammelten sich am Donnerstagabend, 16. Januar 2025 rund 45 Teilnehmende im Pfarreizentrum St. Johannes in Zug. «Ziel des Abends ist es, herauszufinden, wie intelligent KI wirklich ist, und ob sie ein Tool für eine bessere Kirchenarbeit darstellt», erklärte Thomas Hausheer, Vorstandsmitglied der Pastoralkonferenz Zug und Leiter des Forums Kirche und Wirtschaft. «Man kann sich vor Künstlicher Intelligenz fürchten, aber sich auch auf sie einlassen», fügte er an.

Via Mentimeter konnten die Versammelten ihre bisherigen Erfahrungen und Meinungen zu KI teilen. | © Melanie Schnider

Keine Zauberei, sondern Stochastik

Dass KI keine bedrohliche Zauberei aus dem Netz ist, zeigte Spiro Mavrias gleich zu Beginn seines Referats auf: «Texte, die mit Künstlicher Intelligenz erstellt werden, sind reine Stochastik – sie beruhen auf Wahrscheinlichkeitsrechnungen.» Tools wie ChatGPT und Claude sind spezialisierte Formen der KI, die auf Sprache beruhen, sogenannte Large Language Models (LLM). Anhand von Sprachbefehlen, den Prompts, liefern sie ein Ergebnis. Somit seien keine komplizierten Programmiersprachen mehr notwendig. «So können Sie für Ihre Kirchgemeinde beispielsweise eine Predigt im Stil des berühmten katholischen Theologen Karl Rahner schreiben lassen», meinte er schmunzelnd.

 

KI-Experte und Theologe zugleich

Spiro Mavrias ist nicht nur ein Experte für KI-Tools, sondern auch Theologe. Er absolvierte sein Vikariat in Berlin-Neukölln. Seit knapp zwei Jahren lebt der 31-Jährige in der Schweiz und arbeitet als Verantwortlicher für Kirchenentwicklung «Neue kirchliche Orte und Formen» bei der Reformierten Kirche Kanton Zürich. «Künstliche Intelligenz entwickelt sich exponentiell weiter, jeden Tag und in einem äusserst rasanten Tempo», betonte er. KI sei ab dann wirklich intelligent, wenn sie selbstständig Lösungen findet für komplexe Probleme, für die sie nicht explizit programmiert wurde, und wenn sie sich selbst Ziele setze. Ganz so weit ist die Entwicklung aktuell noch nicht. Doch was ist heute schon möglich?

Spiro Mavrias demonstriert, wie Künstliche Intelligenz zur Simultanübersetzung genutzt werden kann. | © Melanie Schnider

 

Nützliche Tools

Spiro Mavrias stellte einige KI-gestützte Tools vor, die die Mitarbeitenden im Alltag in ihrer Kirchgemeinde einsetzen können: Simultanübersetzen mit ChatGPT via Handy während seelsorgerischen Gesprächen, KI-Podcasts mit Google NotebookLM für die Gläubigen erstellen, neue Kirchenlieder von Suno.com komponieren oder Bilder fürs Pfarreiblatt mit Fooocus oder Midjourney generieren lassen. KI-Bilder sind inzwischen so gut, dass sie kaum mehr von realen Bildern zu unterscheiden sind. Dies wirft zahlreiche ethische Fragen auf: Dürfen wir solche Bilder erstellen? Welche Folgen könnten sich daraus ergeben? «Die Kirche sollte eine Vorbildfunktion einnehmen und mit KI erstellte Bilder immer als solche kennzeichnen», empfahl Mavrias.

 

Verblüffend: All diese Bilder sind nicht echt, sondern von einer KI generiert. | © Melanie Schnider

 

Seelsorgegespräche mit Chatbots üben

Eine weitere Möglichkeit der KI sind Trainingschat-Bots, mit denen angehende Seelsorgerinnen und Seelsorger schwierige Gespräche üben können. Der Chat-Bot antwortet dabei schriftlich oder mündlich in der Rolle eines Menschen in einer herausfordernden Lebensphase. Als diese Anwendung besprochen wurde, herrschte eine ambivalente Stimmung im Pfarreizentrum St. Johannes: Faszination und Begeisterung, aber auch das beklemmende Gefühl, ersetzt zu werden.

 

Künstliche Intelligenz erfährt keine Gefühle

«KI sollte keinen menschlichen Kontakt in der Kirche ersetzen oder überflüssig machen, sondern Zeit schaffen für Zwischenmenschliches. Leben bedeutet Sein, genauer gesagt Zusammensein», sagte Spiro Mavrias. Eine KI könne nicht sein – sie sei nicht fähig, Beziehungen einzugehen. Eine KI wisse nichts von Leid, Liebe, Freude oder Trauer. «Diese tiefmenschlichen Erfahrungen sind nicht erlernbar – sie sind ausschliesslich erfahrbar. Eine KI mag in bestimmten Bereichen hilfreich sein, aber sie bleibt ein Werkzeug – und kann niemals das ersetzen, was es bedeutet, ein beziehungsreiches, fühlendes Wesen zu sein», verkündete Spiro Mavrias am Ende seines Referats. Anschliessend diskutierten die Teilnehmenden bei einem Apéro riche weiter. «Es ist gut zu wissen, dass Emotionen und Erfahrungen von der KI nicht ersetzbar sind», meinte eine Teilnehmerin. Eine andere Teilnehmerin sagte: «Die Vielfalt und die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz sind sehr faszinierend. KI ist ein Quantensprung, der uns vor ein neues Kapitel stellt.»

Grosse Neugierde herrschte im Pfarreizentrum St. Johannes. | © Melanie Schnider

 

Auch Thomas Hausheer weiss viel über KI. Im Rahmen der Weiterbildung Digital Ethics hat er seine Diplomarbeit über den Einsatz von Chatbots in der Seelsorge geschrieben. | © Melanie Schnider

 

Text und Fotos: Melanie Schnider

Die Erzählerin Brigitta Troller und die Violinistin Ines Rikli trugen den Patientinnen und Patienten des Zuger Kantonsspitals Weihnachtsgeschichten vor. Ohne Brigitta Trollers eigene Krankheitsgeschichte wäre dieser besondere Anlass jedoch nie entstanden.

Ein Krankenhaus ist ein Ort voller individueller Geschichten, die sich unweigerlich kreuzen. So kürzlich im Zuger Kantonsspital: Brigitta Troller, eine professionelle Geschichtenerzählerin, trug Geschichten vor, begleitet von Ines Rikli auf der Violine.

«Geschichten berühren uns immer wieder, vor allem in der Weihnachtszeit. Sie sollen den Zuhörenden einfach guttun», sagte Thomas Habegger, Pfarrer und reformierter Spitalseelsorger, der den Nachmittag gemeinsam mit dem Team der Spitalseelsorge organisiert hatte. Die Idee für diese Veranstaltung stammte jedoch von Brigitta Troller, die seit 30 Jahren als professionelle Geschichtenerzählerin tätig ist.

Beim Geschichtenerzählen entführte Brigitta Troller die Zuhörenden in eine andere Welt. | © Melanie Schnider

Von der eigenen Krankheit zur heilenden Erzählung

Im vergangenen Jahr war Brigitta Troller selbst Patientin im Zuger Kantonsspital. Während ihrer Therapie verbrachte sie oft Zeit im Raum der Stille – einem Ort für Einkehr, Besinnung und das Gebet. «Ich fühlte mich immer sehr wohl dort», erzählte Brigitta Troller. Ihren Aufenthalt im Spital erlebte sie sehr positiv und weckte in ihr den Wunsch, etwas zurückzugeben. So entstand die Idee, Weihnachtsgeschichten – sowohl heitere als auch tiefgründige – als Anlass im Raum der Stille vorzutragen. Die Wirkmächtigkeit von Geschichten widerspiegelte sich besonders in der Geschichte eines Jongleurs.

In der Kunst Gott erfahren

In einer Erzählung von Brigitta Troller erheiterte Giovanni, ein junger Italiener, die Marktbesuchenden stets mit seinen Jonglierkünsten. Nach vielen Jahren sprach er mit einem Mönch, der ihm offenbarte, dass sie beide dasselbe tun: «Indem du den Menschen mit deiner Kunst Freude schenkst, erzählst du ihnen wie ein Mönch von der Liebe und Herrlichkeit Gottes», sagte der Mönch zu Giovanni.

Solche erzählerischen Höhepunkte begleitete Ines Rikli stimmungsvoll mit ihrer Violine. Zu hören waren unter anderem Schweizer Volkslieder, eine italienische Tarantella und schwedische Tanzmusik. «Die Akustik im Raum der Stille ist wunderbar», schwärmte sie. Besonders bewegt hätte sie, wie präsent die Zuhörenden waren, fügte sie hinzu. Eine Patientin äusserte nach dem Geschichtennachmittag tief berührt: «In unserer hektischen Zeit haben wir oft keine Zeit mehr, uns Geschichten zu erzählen. Aber das Zuhören tut so gut und bringt uns zurück zur Schlichtheit des Lebens.»

Ines Riklis Violinspiel erfüllte den Raum der Stille mit wunderschöner Musik. | © Melanie Schnider

 

Text: Melanie Schnider

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Um die 200 Leute feierten am Freitag gemeinsam am traditionellen Adventsfenster in der Psychiatrischen Klinik in Oberwil. Der Anlass war viel mehr als ein klassischer Weihnachtsmarkt.

Am Freitagabend, 13. Dezember 2024 verwandelte sich der Kiesplatz vor der Psychiatrischen Klinik Oberwil in einen zauberhaften Ort. Mehrere Feuer knisterten in grossen Schalen, Tannenbäume waren mit Lichterketten und die Fenster der Klinik mit farbigen Motiven geschmückt. Weihnachtsmusik spielte im Hintergrund und an zwei Ständen teilten Mitarbeitende der Klinik Essen und warme Getränke aus. «Wir freuen uns sehr, auch dieses Jahr wieder Teil des Oberwiler Adventsfensters zu sein», teilte Yvonne Raudzus mit, Fachfrau Marketing und Kommunikation der Klinik. Gemäss der Tradition in Oberwil beleuchtet jeden Abend im Advent ein Privathaushalt oder eine Firma ein Fenster mit weihnachtlichen Bildern. Seit letztem Jahr ist auch die Klinik Oberwil dabei. Aus einem bestimmten Grund.

Von links: Die beiden Mitarbeiterinnen der Klinik Oberwil Patricia Scherrer, Praxislehrerin Pflege, und Lara Weingartner, stellvertretende Reinigungsleiterin, schenkten warme Getränke aus. | © Melanie Schnider

Ein Weihnachtsanlass für die Gemeinschaft

«Für die Patientinnen und Patienten ist es wichtig zu spüren, dass sie im Dorf Oberwil dazugehören. Das möchten wir ihnen mit dem Adventsfenster mitteilen», erklärte Seelsorger Johannes Utters-Jungen. Gemeinsam mit sieben weiteren Mitarbeitenden der Psychiatrie sowie dem Verein Treff.punkt hat er den Weihnachtsanlass organisiert. «Mit dem Anlass möchten wir auch dem Dorf etwas zurückgeben», betonte Dario Baggenstos, Mitarbeiter des technischen Diensts der Klinik und Teil des Organisationskomitees. So gestalteten die Patientinnen und Patienten als kleines Geschenk für die Gäste weisse Tonsterne. Auf diesen standen Begriffe wie «Freude», «Umsicht», «Mut», «Toleranz» oder «Liebe». «Das sind Wünsche für die Besuchenden», erklärte Astrid Neuweiler, Leiterin der Spezialtherapien. Die Wunschsterne waren jedoch nicht die einzige Überraschung beim Adventsfenster der Klinik Oberwil.

Astrid Neuweiler, Leiterin Spezialtherapien der Klinik Oberwil, initiierte die Weihnachtsüberraschung für die Besuchenden. | © Melanie Schnider

Von links: Seelsorger Johannes Utters-Jungen, Küchenchef Jürg Wegmüller und Pflegefachfrau Christa Bosshard reichten den Besuchenden Gerstensuppe, Wienerli und Brot. | © Melanie Schnider

Magische Märchenstunde

An der Wärme in der Klinik erzählte Isabelle Hauser, professionelle Geschichtenerzählerin aus Oberwil Weihnachtsmärchen. Zu Beginn der Märchenstunde durften sich alle Kinder ganz nach vorne setzen und die Oberwilerin stimmte mit einem Harfenstück auf die Geschichte ein. «Wer von euch weiss, wie man ins Zwergenland kommt?», fragte Isabelle Hauser die Kinder. Nach einigen Rufen aus dem Publikum erzählte sie von einem magischen Winterweihnachtsfest im Land der Zwerge. Die Kinder lauschten gebannt. «Ich konnte mich der Stimmung selbst kaum entziehen», meinte eine Grossmutter nach der Märchenstunde. Eine andere Frau sagte: «Die Geschichte passte bezaubernd. Das Adventsfenster ist wirklich ein zauberhafter Anlass.»

Die Oberwilerin Isabelle Hauser entführte die Zuhörenden mit ihren Weihnachtsmärchen in eine mystische Welt. | © Melanie Schnider

Text: Melanie Schnider

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