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Immer mehr Menschen suchen den Zugang zu Glaubensinhalten via Social Media. Auf Plattformen wie Instagram gewähren religiöse Influencerinnen Einblicke in ihr religiöses Leben und ihre Glaubensüberzeugungen. Unsere Mitarbeiterin Melanie Schnider hat während ihres Bachelorstudiums Kommunikation an der ZHAW in Winterthur eine umfassende Arbeit zu diesem Phänomen verfasst. Was sie über religiöse Influencerinnen herausgefunden hat, präsentierte sie in einer kleinen Sommerserie hier im Pfarreiblatt.

Social Media hat die Art und Weise, wie Glaubensinhalte vermittelt werden, grundlegend verändert. Besonders auf Instagram – einer Plattform, die durch Bilder, Videos und kurze Texte geprägt ist – nutzen immer mehr Menschen die Chance, ihren Glauben sichtbar zu machen. Religiöse Influencerinnen und Influencer teilen Alltagserlebnisse, religiöse Botschaften und praktische Glaubenspraxis mit einer wachsenden Community. Die Nutzenden von Instagram nehmen dadurch die religiösen Influencer oft als Repräsentanten einer bestimmten Glaubensgemeinschaft wahr – obwohl diese oft keine theologische Ausbildung haben.

Deshalb sollte man das Phänomen kennen

Die Anzahl an Glaubensvertretern in den Sozialen Medien hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Da religiöse Influencerinnen und Influencer mit ihren teils hohen Reichweiten die Macht haben, die Meinungsbildung vieler Menschen zu beeinflussen, ist es wichtig, das Phänomen zu kennen. Deshalb untersuchte ich in meiner Bachelorarbeit «Religiöse Influencerinnen auf Instagram», warum jüdische, christliche und muslimische Influencerinnen Content auf Instagram veröffentlichen und welches Ziel sie verfolgen. Zudem ging ich der Frage nach, welche Beiträge sie auf Instagram posten und zu analysieren, ob auf Instagram Mechanismen auftreten, die in allen drei monotheistischen Weltreligionen gleich sind.

Interviews mit religiösen Influencerinnen

Um Antworten auf diese Fragen zu finden, interviewte  ich vier religiöse Influencerinnen: die jüdische Studentin und Antisemitismusaktivistin Tanya Raab (@oy_jewish_mamma), die christliche Autorin und Theologin Sarah Vecera (@moyo.me), die muslimische Influencerin und Unternehmerin Seher Danisman (@seher.fitspirated) sowie die muslimische Sozialpädagogin und Empowerment-Trainerin Dalal Mahra (@kopftuchmaedchen). Ursprünglich wollte ich nur drei Influencerinnen interviewen, doch da die zwei angefragten muslimischen Influencerinnen zusagten, interviewte ich beide. Neben den Interviews habe ich von jeder Influencerin einen Instagram-Post analysiert

Meine Forschung ergab, dass die Influencerinnen aus religiösen, kognitiven und gesellschaftlichen Gründen Content posten, aber auch aus wirtschaftlichen Interessen und aufgrund von plattformspezifischen Gegebenheiten. Besonders häufig gaben sie an, dass es sie motiviert, wenn ihnen die Follower oder die Profilbesuchenden mitteilen, dass sie sich wegen ihres religiösen Contents getrauen würden, ihr Verhalten zu ändern wie beispielsweise eine Kippa (jüdische Kopfbedeckung der Männer) zu tragen. Das meistgenannte Ziel war «Denkanstösse mitgeben». Die religiöse Influencerinnen möchten ihre Followerinnen und Profilbesucher zum Denken und Reflektieren anregen.

Die Analyse der vier Posts zeigt, dass die religiösen Influencerinnen Inhalte veröffentlichen, die Herausforderungen ihrer Glaubensgemeinschaft oder der Gesellschaft aufgreifen. So thematisiert beispielsweise der Post von Sarah Vecera den Rassismus gegenüber People of Color in der Kirche.

Auftakt zur neuen Sommerserie

Dieser Beitrag bildet den ersten Teil unserer neuen Sommerserie zum Phänomen religiöser Influencerinnen auf Instagram. In den nächsten drei Teilen stelle ich die Influencerinnen Tanya Raab, Sarah Vecera und Seher Danisman genauer vor. In einem abschliessenden Teil ordnet der Luzerner Religionslehrer Fritz Reinhard das Phänomen aus einer religionswissenschaftlichen Perspektive ein.

 

Hinweis

Der Artikel bezieht sich auf die Bachelorarbeit «Religiöse Influencerinnen auf Instagram», einer Qualifizierungsarbeit der ehemaligen ZHAW-Studentin Melanie Schnider.

Erstmals wurde am Fussball-Grümpelturnier im Hirsgarten ein Gottesdienst gefeiert. Die Verbindung von Kirche, Sport und Gemeinschaft erwies sich als stimmig und inspirierend.

Der Feldgottesdienst am Chamer Dorfturnier feierte eine gelungene Premiere. Die Festwirtschaft des Fussball-Grümpelturniers war gut besucht – auch das Wetter spielte mit und bot einen würdigen Rahmen für diesen Anlass. Der Gottesdienst unterstrich eindrücklich, dass Jesus überall ist, wo die Menschen sind. Pfarrer Thomas Rey feierte die Messe auf der eigentlichen Bühne, die sonst der musikalischen Unterhaltung am Turnier dient. Trotz der erstmaligen Durchführung war es ein Heimspiel für ihn: Im paradiesisch anmutenden Umfeld des Hirsgartens am Zugersee nimmt Thomas Rey jedes Frühjahr die sehr beliebte Töffsegnung vor.

Die Kirchgemeinde Cham-Hünenberg und der Sportclub Cham hatten die Idee für den Feldgottesdienst gemeinsam entwickelt. Das Zusammenspiel funktionierte bestens: Interessierte stiessen spontan zum Gottesdienst hinzu, während im Anschluss viele Messbesucherinnen und -besucher am Brunch des Sportclubs teilnahmen.

Und wer anschliessend dem Treiben auf den beiden Fussballplätzen folgte, fühlte sich an die Worte des Propheten Jesaja erinnert: «Aber die ihre Hoffnung auf den Herrn setzen, gewinnen neue Kraft; sie heben die Schwingen empor wie die Adler, sie laufen und ermatten nicht, sie gehen und ermüden nicht.»

Text: Raphael Biermayr

Wie können Spiele den Religionsunterricht strukturieren? Das erlernten die Zuger Religionslehrpersonen kürzlich an der Weiterbildung «Rhythmisieren mit Spielen».

Acht Zuger Religionslehrerinnen und ein einziger mutiger Religionslehrer warten mit grosser Neugier und Vorfreude am Mittwochnachmittag, 30. April auf die Spielpädagogin Suzie Fuchs. Was erwartet sie? Die Religionslehrpersonen werden nicht enttäuscht sein. Die Weiterbildung begann mit einem Spiel, welches das Eis brauch und den Einstieg in den Nachmittag erleichterte.

Bei diesem Einstiegsspiel mussten sich die Teilnehmenden Gegenstände einprägen, die Suzie Fuchs anschliessend mit einem Tuch verdeckte. Foto: Melanie Schnider

Wozu dienen Spiele?

Ein zentraler Punkt für Suzie Fuchs ist, dass Spiele zweckfrei, aber niemals sinnlos sind. Natürlich können Lerninhalte auch in Form eines Spiels vermittelt werden. An diesem Nachmittag steht jedoch etwas anderes im Fokus: Es geht darum, wie der Unterricht mithilfe von Spielen strukturiert, rhythmisiert oder auch unterbrochen werden kann.

«Kim-Spiele»

Bei den sogenannten «Kim-Spielen» geht es um die Fokussierung. Kim-Spiele helfen den Schülerinnen und Schülern, sich während des Unterrichts wieder auf etwas zu konzentrieren. Gelingt es, alle zehn Gegenstände aufzählen, sobald sie wieder vom Tuch verdeckt sind? Ist es möglich schnell herauszufinden, welche Jass-Karte vertauscht oder weggenommen worden ist?

«Kim-Spiele»: Der Name Kim geht auf den Hauptcharakter des gleichnamigen Romans von Ruyard Kipling zurück. In dieser Geschichte lernt der Waisenjunge Kim mithilfe seines Mentors spielerisch, seine Sinne und sein Gedächtnis besser einzusetzen. Foto: Melanie Schnider

Die vorgestellten Spiele sind toll, weil sie mit wenig Material auskommen. Stühle, ein Set Jasskarten, Streichhölzer oder ein Blatt-Papier und Stift. Dinge, die auch eine schwer beladene Katechetin oder ein Katechet noch schnell in die Tasche stecken kann.

Spielen macht einfach Freude. Foto: Melanie Schnider

Ein Nachmittag zum Schmunzeln

Es war zum Schmunzeln, dass sich die anwesenden Erwachsenen in ihrem Verhalten nicht sehr von dem der Schülerinnen und Schüler unterschieden. Nachdem die Religionslehrpersonen zahlreiche Spiele ausprobiert hatten, erörterten sie lebhaft, welche Art von Spiel für welche Situation geeignet ist. Welches Spiel eignet sich für den Einstieg, welches ist geeignet, um die Kinder und Jugendlichen wieder zu fokussieren, welches kann als Lückenfüller verwendet werden, um schnelle Schülerinnen und Schüler zu beschäftigen? Welches hilft in schwierigen Situationen, um anschließend mit der geplanten Lektion fortfahren zu können? Für all diese Unterrichtssituationen hatte die Spielpädagogin eine Idee und Beispiel dabei. So stand dieser gelungene Nachmittag ganz unter dem Motto «Gespielt ohne Siegerehrung aber mit Sinn».

Weitere Einblicke

Seit 100 Jahren begleitet das Kompetenzzentrum Sonnenberg in Baar Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Verhaltensauffälligkeiten oder Beeinträchtigungen wie beispielsweise Blindheit auf ihrem Lebensweg. Anlässlich dieses Jubiläums gibt der Religions- und Erlebnispädagoge Reto Weiss Einblick in die bewegte Geschichte des Sonnenbergs. Und er verrät, wie religiöse und spirituelle Begleitung für junge Menschen mit besonderen Bedürfnissen aussehen kann.

Grüne Laubdächer, ein knisterndes Lagerfeuer und viele tiefgründige Lebensfragen. So sieht Religionsunterricht im Wald mit Reto Weiss aus. Er ist Katechet und Erlebnispädagoge in der sonderpädagogischen Organisation Sonnenberg in Baar, die Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Verhaltensauffälligkeiten und Beeinträchtigungen begleitet. Neben dem wissensvermittelnden Religionsunterricht im Klassenzimmer und persönlichen Begegnungen mit Angehörigen der Weltreligionen zieht Reto Weiss mit den jungen Menschen immer wieder ins Grün los.

Das Spannende dabei: Auf dem Weg zum Waldplatz und beim gemeinsamen Kochen kommen bei den jungen Menschen viele religiöse und spirituelle Fragen auf. «Den Kindern und Jugendlichen, wie auch uns Erwachsenen hilft diese erdende Basis, um sich mit Sinnfragen auseinanderzusetzen», sagt Reto Weiss. Der Religionsunterricht sah im Sonnenberg jedoch nicht immer so aus.

Reto Weiss während eines Waldtages. Foto: Sonnenberg Archiv

Welche Rolle spielt die katholische Kirche in der Geschichte des Sonnenbergs?
RETO WEISS: «Vor 100 Jahren wurde das Blinden-Institut Sonnenberg in Freiburg gegründet. Die Franziskanerinnen des Klosters Baldegg leiteten es. Damals gab es fünf Lernende. 1981 wurde der Standort in Baar eingeweiht und blieb durch die Arbeit der Ordensleute lange Zeit katholisch geprägt. Heute ist der Sonnenberg – wie auch die Gesellschaft – von religiöser und spiritueller Vielfalt geprägt.»

Wie sieht der Religionsunterricht im Sonnenberg aktuell aus?
«Einen klassischen Religionsunterricht, wie die meisten Erwachsenen ihn erlebt haben, gibt es nicht mehr. In den sehr unterschiedlichen Schulklassen und Lerngruppen lebt mein Unterricht nach Pestalozzis Prinzip ‹Kopf, Herz und Hand›. Lernende, die kognitiv stark sind, erwerben Wissen in den fünf Weltreligionen und lernen auch biblische Geschichten kennen. Seit meinem Stellenantritt 2012 wurden die Waldtage für den gemeinschaftsbildenden Charakter immer wichtiger. Die Religions- und Erlebnispädagogik soll die jungen Menschen in ihrer Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft bestärken und ihnen helfen, im Alltag eine spirituelle Heimat für ihr Herz zu finden. Zudem stehe ich den Menschen im Sonnenberg als Seelsorger zur Seite.»

Wie hat sich das religionspädagogische Angebot in den 100 Jahren verändert?
«Die riesigen gesellschaftlichen Entwicklungen haben meine Arbeit gewandelt und es braucht jeden Tag die Offenheit des Herzens, mich auf die neuen Lebenssituationen verbindend einzulassen, den Frieden im Kleinen zu fördern und gemeinsam zu leben. Dabei gibt es die klassische Volkskirche schlicht nicht mehr und es ist Neugier und gemeinsames Entdecken des Lebendigen angesagt.»

Im Sonnenberg gibt es alle paar Jahre ein grosses kirchliches Fest mit verschiedenen konfessionellen Feiern. Können Sie mir von diesem erzählen?
«Diese kirchliche Feier im Sonnenberg verbindet für die jungen Menschen mit besonderen Bedürfnissen und komplexen Beeinträchtigungen die Erstkommunion, das Abendmahl, die Firmung und die Konfirmation in einem Fest. Dies findet bewusst nicht in einer Kirche statt, sondern in unserer bekannten Aula, was Sicherheit gibt. Dabei sind Musik, Farben, Lieder und wenig Worte ein zentraler Bestandteil, um das Eingebettet-Sein in das grosse Ganze des Göttlichen auszudrücken. Das verbindende Menschsein steht im Vordergrund – daher leben und feiern wir mit unterschiedlichsten Wurzeln zusammen.»

 

Einige Impressionen aus der 100-jährigen Geschichte des Sonnenbergs:

Fotos: Sonnenberg Archiv

 

Erwin Niederberger diente 15 Jahre lang in der Schweizergarde. Er erlebte drei Päpste hautnah – doch Franziskus war anders. Unkonventionell, menschlich und nahbar. In diesem Interview blickt der ehemalige Wachtmeister auf prägende Begegnungen mit dem kürzlich verstorbenen Papst zurück, erzählt von bewegenden Momenten und davon, was von Franziskus bleibt.

Wie haben Sie Papst Franziskus im Vergleich zu Johannes Paul II. und Benedikt XVI. erlebt?
ERWIN NIEDERBERGER: «Was mich bei Franziskus sofort überrascht hat: Er hat sich bewusst gegen die päpstliche Wohnung im Vatikan entschieden. Nicht, weil sie ihm zu luxuriös war, sondern weil er befürchtete, den Kontakt zu den Menschen zu verlieren. Stattdessen zog er ins Gästehaus Domus Sanctae Marthae – und genau dort dienten dann auch wir Gardisten. Das war für uns Neuland – plötzlich lebten und arbeiteten wir unter einem Dach mit dem Papst.»

Können Sie sich an Ihre erste Begegnung mit Franziskus erinnern?
«Nicht genau – aber eine Anekdote ist mir geblieben: Einmal trug ich ihm einen Stapel Bücher, die er geschenkt bekommen hatte. Wir standen gemeinsam vor dem Lift, und ich sagte im Scherz, dass ich seit zwölf Jahren in Rom sei, aber noch nie mit einem Papst Lift gefahren sei. Da grinste er und meinte nur: ‹Dann wird es Zeit.›  Und tatsächlich – wir fuhren gemeinsam nach oben. Für uns Gardisten war das eine völlig neue Nähe zu einem Papst.»

War Papst Franziskus ein Kontrast zu Papst Benedikt XVI.?
«Ja und nein. Auch Benedikt war uns sehr zugewandt. Ich erinnere mich an gemeinsame Mahlzeiten mit ihm in der Sommerresidenz Castel Gandolfo. Doch Franziskus war nochmal anders – er lebte richtig mit uns im Haus. Er ass täglich mit den Gästen im Speisesaal des Domus Sanctae Marthae, kam nachmittags selbst in die Küche, um sich einen Kaffee zu holen. Ich glaube, Papst Franziskus brauchte den Kontakt zu den Menschen, um geerdet zu bleiben.»

Eine Begegnung von Ihnen mit dem Heiligen Vater machte Schlagzeilen: Im November 2014 durften Sie und Gardist David Geisser Ihr Kochbuch Päpstliche Schweizergarde – Buon Appetito Franziskus auf dem Petersplatz persönlich übergeben. Wie war dieser Moment für Sie?
«Es war für uns unglaublich schön, ihm unser Buch zu überreichen. Es hat mir grosse Freude bereitet, das Projekt zu betreuen. David und ich hatten während der Entstehungsphase des Kochbuchs Franziskus’ Sekretär nach dessen Lieblingsgerichten befragt. Als der Heilige Vater den lateinamerikanischen Karamell-Brotaufstrich Dulche de leche entdeckte, meinte er begeistert: ‹Mi piace molte› – ‹Das habe ich sehr gerne›.»

Gab es eine weitere Begegnung mit Franziskus, die für Sie sehr eindrücklich war?
«Ganz viele. Aber besonders bewegend war für mich ein Moment, bei dem ich gar nicht mehr im Dienst war: Während der Coronapandemie stand Franziskus auf dem menschenleeren Petersplatz und sprach den Segen Urbi et orbi. Diese Geste der Hoffnung und Menschlichkeit werde ich nie vergessen. Auch meine Abschiedsaudienz ist mir sehr in Erinnerung geblieben: Ich durfte zu ihm ins Büro, wir setzten uns an den Tisch und redeten über meine Zukunft. Zum Schluss meinte er, ich solle ihn wieder mal besuchen.»

Und? Haben Sie ihn später besucht?
«Ja, mehrmals. Ich hatte sogar das Privileg, im Gästehaus übernachten zu dürfen. Jedes Mal erkannte er mich wieder, reichte mir die Hand. Das Gefühl, willkommen zu sein, war einfach überwältigend.»

Wie war es für Sie, als Sie am Ostermontag vom Tod des Papstes erfuhren?
«Es kam überraschend – am Vortag hatte er noch den Segen gesprochen und war über den Petersplatz gefahren. Aber ich habe dabei gedacht, dass es ihm wirklich nicht gut ging. Ich glaube, es war eine Erlösung für ihn, gehen zu dürfen.»

Was bedeutet der Tod eines Papstes für den Alltag der Gardisten?
«Auf die Gardisten kommt sehr viel Arbeit und Verantwortung zu. Für die Beerdigung erwartet der Vatikan Gäste aus der ganzen Welt. Zudem sind die Gardisten während dem Konklave verantwortlich für die Sicherheit der Kardinäle. Für uns Gardisten galten damals auch Ausgangsrestriktionen – aber kein absolutes Verbot. Ob das heute noch so ist, kann ich nicht sagen.»

Haben Gardisten beim Tod eines Papstes auch Zeit zum Trauern?
«Ja. Sie dürfen sich persönlich vom verstorbenen Papst verabschieden. Mit Pater Kolumban haben wir einen Seelsorger, der die Gardisten geistlich begleitet und Messen für sie zelebriert.»

Sie sind heute Präsident der Zentralschweizer Sektion ehemaliger Gardisten. Was bedeutet der Tod des Papstes für die Ehemaligen?
«Viele von uns haben ihm gedient – entsprechend tief sitzt die Trauer. Unsere Wallfahrtskerze, die der Heilige Vater letztes Jahr gesegnet hat, brennt aktuell für ihn in Einsiedeln. Einige ehemalige Gardisten hatten vor, für die Vereidigungsfeier der Schweizergarde im Mai nach Rom zu reisen. Diese wurde wegen des Konklaves in den Herbst verschoben. Ich selbst werde trotzdem im Mai hinfahren – vielleicht kann ich dann bereits sein Grab besuchen.»

Was ändert sich für die Gardisten, wenn ein neuer Papst gewählt wird?
«Die grosse Frage wird sein: Wo wird der Papst wohnen? In der päpstlichen Wohnung im Vatikan oder im Gästehaus Domus Sanctae Marthae? Jeder Papst bringt eigene Gewohnheiten und Bedürfnisse mit. Kommt der neue Papst aus der römischen Kurie, wird sich wohl weniger ändern – jemand von aussen könnte neue Impulse setzen.»

Was nehmen Sie von Papst Franziskus mit auf Ihrem weiteren Lebensweg?
«Er hat mich durch seine Einfachheit, Freude, Menschlichkeit und durch seine Güte sehr berührt. Er war im wahrsten Sinne des Wortes ein Seelsorger: Er interessierte sich für die Menschen und setzte sich für Arme ein. Diese Haltung will ich in meinem Leben weitertragen.»

Was erhoffen oder wünschen Sie sich von einem neuen Papst?
«Ich vertraue darauf, dass der Heilige Geist den richtigen findet. Ob konservativ oder progressiv – das ist für mich zweitrangig. Viel wichtiger ist, dass er Menschen für den Glauben gewinnen und begeistern kann.»

 

 

Weiterführende Links
Kochbuch Päpstliche Schweizergarde – Buon Appetito
Ehemaligen Gardisten Sektion Zentralschweiz

 

Das Foto zeigt Erwin Niederberger in voller Uniform (Wachtmeister) am 6.5.2013 im Innenhof (Cortile San Damaso) des Papstpalasts bei Ankunft des damaligen Bundespräsidenten Ueli Maurer. Foto: Oliver Sittel

Wie leben jüdische und muslimische Menschen ihre Religion im Alltag? Neun Gäste erzählten den Zuger Katechetinnen und Katecheten an der Weiterbildung «Begegnungen mit den abrahamitischen Religionen» von ihrer Glaubenspraxis.

Im Kanton Zug leben gemäss dem Bundesamt für Statistik 66’292 Menschen mit christlichem Glauben, 4’945 Musliminnen und Muslime, 147 Jüdinnen und Juden, 36’654 Atheistinnen und Atheisten und 2’079 Menschen mit anderer oder unbekannter Religionszugehörigkeit. Viel spannender als diese Zahlen ist jedoch die Frage, wie Mitmenschen ihren Glauben im Alltag leben. Diese Frage thematisierte die Ökumenische Weiterbildung «Begegnungen mit den abrahamitischen Religionen».

Amina Ahmeti (links) schätzt es, dass «alle Teilnehmenden so offen für Gespräche sind und die eigene Religion nicht als einzig wahre sehen.» Foto: Melanie Schnider

Lernen durch persönliche Begegnungen

Am Mittwochabend, 2. April trafen sich katholische und reformierte Religionslehrpersonen aus dem Kanton Zug mit fünf muslimischen und vier jüdischen Menschen. Eine Art gelebte Ringparabel, wie man den Abend im Reformierten Kirchenzentrum Zug interpretieren könnte. Neben Akzeptanz zwischen den drei monotheistischen Weltreligionen verfolgte die Weiterbildung ein weiteres Ziel: «Wissen über andere Religionen sollte man sich nicht nur durch Lehrbücher aneignen, sondern vor allem durch persönliche Begegnungen», meinte Marlen Schärer von der katholischen Fachstelle Bildung, Katechese und Medien. Sie hat den Abend gemeinsam mit Roland Mühlemann von der reformierten Fachstelle Religionspädagogik organisiert. «Ziel ist es, dass die Gespräche und Erkenntnisse aus den Begegnungen in den Religionsunterricht einfliessen», fuhr sie fort.

Die muslimischen und jüdischen Gäste (v.l.): Fetija Hamzic, Hajrudin Mujkanović, Amina Ahmeti, Micha Guskin, Claudia Bollag, Anel Hadzic, Muharem Mujkic und Lili Nordmann. Foto: Melanie Schnider

Zum Einstieg haben sich die Teilnehmenden mit der Erzählung von Abraham und Isaak – im Islam Ibrahim und Ismael – auseinandergesetzt, die in allen drei Religionen wichtig ist. «Die Auslegung der Erzählung zeigt, dass die drei Religionen nicht nur von verschiedenen Versionen des Stoffs ausgehen, sondern die Deutungen auch innerhalb der Religionen weit auseinandergehen», sagte Mühlemann,  «Diese unterschiedlichen Sichtweisen gehören zu jeder Religion dazu.» In diesem Geist hat auch der interreligiöse Dialog stattgefunden. Doch worüber diskutierten die Religionslehrpersonen mit den muslimischen und jüdischen Gästen?

Wozu dient im Judentum eine Mesusa? Das erklärt Claudia Bollag (rechts). Foto: Melanie Schnider

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Durch die Gespräche erfuhren die Teilnehmenden faszinierende Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Religionen. So wird beispielsweise die Religionszugehörigkeit in den drei monotheistischen Weltreligionen jeweils anders bestimmt. Während ein Mensch durch die Taufe christlich wird, bestimmt der Glaube der Mutter (im Judentum) oder des Vaters (im Islam) die Religion der Kinder. Während den Gesprächsrunden hörten sich die Teilnehmenden aktiv zu, schauten sich gegenseitig an und fragten nach. Spürbares Interesse, Kopfnicken, überraschtes Stirnrunzeln und gegenseitiges Zulächeln prägten den Austausch. «Das Kommunizieren der verschiedenen Religionen ist für mich das Wichtigste», sagte Hajrudin Mujkanović, Imam und Mitglied des Islamischen Vereins des Kantons Zug (IVKZ).

Diskutieren bis in die Nacht hinein

Die Teilnehmenden diskutierten derart vertieft, sodass Roland Mühlemann und Marlen Schärer das Programm des Abends kurzerhand abänderten: Die jüdischen und muslimischen Gäste blieben länger und der Reflexionsteil der Katechetinnen und Katecheten an Flipcharts wurde gestrichen. Bis es draussen stockdunkel war, sassen alle zusammen, tauschten sich über ihren Glauben aus und teilten gemeinsam einen Apéro.

 

Während des interreligiösen Dialogs

 

Weiterführende Links

Islamischer Verein Kanton Zug (IVKZ)

Jüdisches Dialog- und Aufklärungsprojekt Likrat

Am Montag hat das Bistum Basel in der Stadtkirche St. Nikolaus die drei heiligen Öle geweiht – ein sichtbares Zeichen der Nähe Gottes im Leben der Menschen. Bischof Felix Gmür rief die Gläubigen dazu auf, im Heute zu leben und mit wacher Präsenz auf die Welt zu schauen – so wie Jesus es getan hat.

Im Christentum haben drei Öle eine besondere Bedeutung: das Katechumenenöl, das Krankenöl und das Chrisamöl. Sie werden in der katholischen Kirche bei verschiedenen Sakramenten verwendet. Das Katechumenenöl, das zart nach Zitrone riecht, wird zur Salbung von Kindern und Erwachsenen vor der Taufe verwendet. Es soll den Täuflingen Kraft schenken auf dem Vorbereitungsweg zur Taufe. Das Krankenöl mit seinem Duft nach Zimt dient der Krankensalbung und bringt Heilung und Stärkung in der Krankheit und im Sterben. Und das Chrisamöl bezeichnet die Verbundenheit aller Getauften mit Christus. Es wird bei der Taufe, der Firmung, der Priester-, Bischofs-, Altar- und Glockenweihe verwendet. Einmal im Jahr, traditionell in der Karwoche, weiht der Bischof diese drei Öle mit einer festlichen Liturgie: der Chrisam-Messe.

Das Chrisamöl besteht aus hochwertigem Olivenöl, dem Balsam beigemischt wird. Foto: Melanie Schnider

Feierliche Messe in Frauenfeld

Am Montag, 14. April, versammelten sich Gläubige aus dem ganzen Bistum Basel in der Stadtkirche St. Nikolaus in Frauenfeld. Die Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt, was die Messe in besonders feierliche Atmosphäre tauchte. Bischof Felix Gmür, Weihbischof Josef Stübi und Erzbischof Martin Krebs, Apostolischer Nuntius, nahmen die Weihe der Öle vor. «In der Chrisam-Messe geht es darum, Gott um seine Nähe zu bitten», sagte Bischof Felix. Es sei nicht nur die Salbung mit den heiligen Ölen, sondern auch das Zusammenkommen und das gemeinsame Feiern, das die Gegenwart Gottes wiederum spürbar mache.

Von links: Zeremoniar David Hug, Diakon Mathias Mütel und apostolischer Nuntius Erzbischof Martin Krebs bei der Weihe des Krankenöls. Foto: Melanie Schnider

Leben im Heute – wie Jesus

In seiner Predigt betonte Bischof Felix, wie wichtig es ist, im Heute zu leben. Christinnen und Christen sollten sich dafür interessieren, was auf der Welt und bei den Menschen geschehe – denn nur so könnten sie wirklich präsent sein wie Jesus. «Er ist immer da im Jetzt. Er verkündet, heilt und hört zu – mit ganzer Aufmerksamkeit.» Diese achtsame Präsenz lässt sich auch auf das Heilige Jahr übertragen: «Jeder Tag im Heiligen Jahr ist heilig. Gehen wir jeden Tag einen Schritt weiter», sagte Bischof Felix Gmür.

Mit der feierlichen Weihe der drei heiligen Öle endete eine Messe, die nicht nur durch ihre liturgische Tiefe, sondern auch durch die eindringliche Botschaft berührte: Durch ein Leben im Hier und Jetzt sind wir Gott nahe, weil er uns nahe kommt.

Ausblick
Die nächste Chrisam-Messe findet am Montag, 30. März 2026, um 10.45 Uhr in der Kathedrale St. Urs und Viktor in Solothurn statt.

 

Weitere Impressionen zur Chrisam-Messe

Die diesjährige Chrisam-Messe zog Gläubige aus dem Bistum Basel in die Stadtkirche St. Nikolaus in Frauenfeld.

Mit hohem Tempo entwickeln sich digitale Technologien weiter. Doch wie wirken sich Smartphones, Chatboots und ChatGPT auf Familien aus? Damit beschäftigt sich aktuell die Pfarrei St. Martin in Baar und lud kürzlich zur Veranstaltung «Digitalisierung im Familienalltag aus biblisch-ethischer und pädagogischer Perspektive» ein.

Familienväter, Grossmütter, Mitarbeitende der Zuger Pfarreien, Lehrpersonen und weitere Fachpersonen aus dem Bildungsbereich, trafen sich am Samstag, 22. März nicht online, sondern im Pfarreiheim St. Martin in Baar. Sie verband das gemeinsame Interesse und die Sorge über die Herausforderungen der digitalen Transformation. Wie kann ein guter Umgang mit digitalen Technologien wie Smartphones und Künstlicher Intelligenz aussehen? Die Veranstaltungsreihe «Am Puls der Zeit» der Pfarrei St. Martin gibt Antworten auf aktuelle gesellschaftliche Fragen und nimmt dabei auch Bezug zur Bibel.

Die Veranstaltung begann mit einem spannenden Vortrag von Jenny Gmünder, Religionspädagogin in Ausbildung am Religionspädagogischen Institut Luzern und Organisatorin der Veranstaltungsreihe. Foto: Melanie Schnider

Das sagt die Bibel zur Digitalisierung

Obwohl die Bibel keine explizite Stellung zur digitalen Transformation nimmt, gibt es Erzählungen, die zum Nachdenken anregen und Analogien zulassen – etwa die Geschichte des Turmbaus zu Babel oder die Schöpfungsgeschichte. Letztere beschreibt, wie Gott den Menschen schuf und ihn beauftragte, die Erde zu bearbeiten und zu pflegen. «Mit diesem Auftrag gab uns Gott auch die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen», erklärte Jenny Gmünder, Religionspädagogin in Ausbildung am Religionspädagogischen Institut Luzern und Organisatorin der Veranstaltungsreihe. Sie fügte hinzu: «Aus einer jüdisch-religionsgesetzlichen Perspektive schuf Gott die Menschen, damit diese die Erde schützend pflegen, nicht aber aufgrund von Selbstsucht zerstören.» Aufgrund der rasanten technologischen Geschwindigkeit, der Komplexität und der Intransparenz falle der Mensch zusehends in eine Ohnmacht. «Wir geben unser Tun und unsere Verantwortung immer mehr digitalen Technologien ab», betonte sie.

Geschickt zog Jenny Gmünder das Publikum mit Fragen in ihr Referat ein. Foto: Melanie Schnider

Doch Maschinen und Künstliche Intelligenz können keine Verantwortung übernehmen. Weshalb dies so ist, illustrierte Prof. Peter G. Kirchschläger, einer der Gastreferenten: «Wenn ein selbstfahrendes Auto einen Unfall verursacht, macht es keinen Sinn, es als Strafe nicht mehr an den Strom zu hängen.» Verantwortung sollte stets bei den Menschen bleiben, die hinter der Technologie stehen – auch für die Auswirkungen, die die digitale Entwicklung auf Kinder hat.

Prof. Peter G. Kirchschläger und Jenny Gmünder während des Podiumsgesprächs. Foto: Melanie Schnider

Wie wirkt sich das Smartphone auf die Eltern-Kind-Beziehung aus?

Als gravierendes Phänomen nannte Jenny Gmünder Phubbing. Phubbing ist die flüchtige Interaktion mit dem Smartphone während eines persönlichen Gesprächs, das spontane Umschalten der Aufmerksamkeit von einem persönlichen Gespräch mit einer anderen Person zum Smartphone. «Beim Kind bewirkt dies zunächst ein Gefühl von Abgewiesen-Sein, was das Selbstwertgefühl schwächt und bis zu Depressionen führen kann», warnte Gmünder. In einem anschliessenden Workshop diskutierten die Teilnehmenden ihre Erfahrungen mit Phubbing sowie dem Umgang mit der Digitalisierung im Familienalltag. Und im Schulalltag?

 

Selbstwirksamkeit statt Abhängigkeit von Künstlicher Intelligenz

Die Digitalisierung in Schulen sollte laut der Gastreferentin Anita Schwegler, Lehrerin und Kindergärtnerin, ein reines Hilfsmittel bleiben. «Bevor Kinder lernen, wie sie Künstliche Intelligenz bedienen, sollten sie erfahren, wie es ist, selbst zu handeln und die Welt auf kleine Weise zu beeinflussen». Der Prorektor der Schulen Baar, Markus Brazerol, betonte: «Das höchste Gut in der Bildung sind zwischenmenschliche Beziehungen. Diese darf ein digitales Gerät nicht ersetzen.» Die Verantwortung für die Bildung müsse weiterhin beim Menschen bleiben. Jenny Gmünder sieht auch eine wichtige Verantwortung bei der Kirche: «Pfarreien sollen sich mit drängenden gesellschaftlichen Fragen befassen und den Menschen durch ihre Antworten neue Orientierung bieten.»

 

Ausblick
Die zweite Veranstaltung der Reihe «Am Puls der Zeit» findet am Samstag, 26. September 2026 in der Pfarrei St. Martin in Baar statt.

Uhrzeit: 08.45-12.00 Uhr
Thema:
 Technologische Innovation – Segen oder Fluch?
Fokus:
 Transhumanismus
Gastreferentin:
Frau Dr. theol. Alexandra Kaiser-Duliba, Wissenschaftliche Oberassistentin der Theologischen Fakultät an der Uni Luzern

Ex-Gardisten der Schweizergarde trafen sich kürzlich im Lassalle-Haus zu ihrer Generalversammlung. Dabei erlebten sie ein besonderes Highlight: Ein ehemaliger Gardist, der heute Priester ist, hielt die Heilige Messe.

Jedes Jahr treffen sich die ehemaligen Gardisten der Sektion Zentralschweiz zu ihrer Generalversammlung in einem anderen Kanton. Dieses Jahr war der Kanton Zug an der Reihe. Am Samstagnachmittag, 29. März trafen sie sich zusammen mit ihren Familien im Lassalle-Haus in Edlibach. «Es ist uns wichtig, unsere Generalversammlungen mit einer zu Messe beginnen», erklärte Erwin Niederberger, Präsident der ehemaligen Gardisten Sektion Zentralschweiz. So feierten die Versammelten in der Roten Kapelle des Lassalle-Hauses die Heilige Messe.

Ex-Gardist als Zelebrant

Der 34-jährige Ivan Šarić ist seit vier Jahren Priester im Bistum St. Gallen. Zuvor diente er als Gardist dem Papst. Nun stand Šarić vor seinen ehemaligen Kameraden und las die Heilige Messe. Einige von ihnen kannte er noch aus ihrer gemeinsamen Dienstzeit in Rom.  «Es war eine grosse Freude, dass wir Ivan Šarić gewinnen konnten, die Messe mit uns zu feiern. Das machte die 61. Generalversammlung zu einem ganz besonderen Ereignis», sagte Niederberger.

Im Gottesdienst erzählte Šarić das Gleichnis des verlorenen Sohnes. In dieser Erzählung aus dem Lukasevangelium verkündet Jesus, dass ein Kind immer zu seinem liebenden Vater zurückkehren darf – egal, was es zuvor angestellt hat.

Bedeutungsvolles Wiedersehen

Das Gleichnis passt zu einem Zitat von Johannes von Kreuz, das Ivan Šarić zu seiner persönlichen Lebenseinstellung gemacht hat: «Wo keine Liebe ist, bringen Sie Liebe hin, und Sie werden Liebe finden.» Es sei schön gewesen, wie der Priester die Freude über die Rückkehr des verlorenen Sohnes betont habe, meinte Erwin Niederberger. Dies habe die Messe in feierlichem Licht erscheinen lassen. Auch unter den Versammelten war Freude spürbar, denn viele der Ex-Gardisten hatten sich lange nicht gesehen.

Rückblick und Ausblick

Während der Generalversammlung blickte Erwin Niederberger auf das vergangene Vereinsjahr zurück, das Höhepunkte wie die Fronleichnamsprozession, das Familienpicknick und das Jass-Turnier bot. Die nächste GV der Ex-Gardisten der Sektion Zentralschweiz findet im Kanton Schwyz statt.

Der Vorstand der Ex-Gardisten Zentralschweiz (v. l.): Martin Weingartner (neu gewählter Armiere), David Schwegler (Kassier), Philipp Ziehlmann (Beisitzer), Erwin Niederberger (Präsident), Pierre Rohner (Aktuar) und Matthias Loppacher (Fähnrich). Foto: exgardisten.ch

Seit dem 1. November 2024 ist Franca Dalchow die neue Leiterin der Beratungsstelle «Leuchtturm, Diakonie & Soziales» der Katholischen Kirchgemeinde Zug. Zuvor arbeitete sie über 20 Jahre vorwiegend im Justizvollzugsbereich. Was motivierte die 43Jährige, nun im kirchlichen Bereich Menschen in herausfordernden Lebenssituationen zu begleiten? Das und Weiteres erzählt die gebürtige Berlinerin im Interview.

Wohlwollend schaut Franca Dalchow der Klientin ins Gesicht. Das Gespräch fällt der jungen Frau zunächst nicht leicht. Doch Franca Dalchow hört aufmerksam zu, als ihr die Klientin von den vielen Herausforderungen ihres Lebens erzählt. Dalchow macht sich einige Notizen, ermutigt die junge Frau und reicht ihr eine Broschüre – eine erste Hilfe zur Selbsthilfe. So oder ähnlich sieht eine Szene eines Beratungsgesprächs im Leuchtturm aus. Der Leuchtturm ist eine Beratungsstelle der Katholischen Kirchgemeinde Zug, die Menschen im Kanton Zug unabhängig von ihrer Herkunft, sozialem Stand, ihrer Religion oder Weltanschauung offensteht. Das Team des Leuchtturms unterstützt Menschen in herausfordernden Lebenssituationen. Seit dem 1. November 2024 ist Franca Dalchow die neue Leiterin des Leuchtturms. Zuvor arbeitete sie über 20 Jahre grösstenteils im Justizvollzugsbereich, zunächst als Sozialpädagogin, dann als Vollzugskoordinatorin.

Warum haben Sie sich entschieden, nach den beiden Jahrzehnten im Vollzugsbereich zu einer kirchlichen Beratungsstelle zu wechseln?
FRANCA DALCHOW: Über 20 Jahre habe ich grösstenteils im Zwangskontext gearbeitet, meist mit kriminellen, teils drogenabhängigen Jugendlichen oder jungen Erwachsenen in Heimen, Strafanstalten, aber auch der Jugendgerichts- und Jugendbewährungshilfe. Dieses Setting war immer besonders und ich stellte mich diesem gern. Gleichzeitig habe ich nach den vielen Erfahrungen das grosse Bedürfnis verspürt, mich selbst nochmals weiterzuentwickeln.

Was hat Sie neben der persönlichen Weiterentwicklung besonders für die Leitungsstelle des Leuchtturms motiviert?
Ich achte Menschen und interessiere mich sehr für sie und ihre Lebensgeschichten. Wer sie sind, wie sie leben, was sie brauchen und wie ich sie unterstützen kann. Jeder Mensch war und ist es mir wert, mit ihm neue Lebensperspektiven zu entwickeln. Zudem macht es mir grosse Freude, ein Team leiten zu dürfen. Das Herzblut des Leuchtturm-Teams spüre ich jeden Tag.

Mit welchen Herausforderungen kommen die Menschen aus dem Kanton Zug zu Ihnen?
Die Herausforderungen sind ganz vielfältig. Menschen suchen unsere Beratungsstelle mit Anliegen in folgenden Bereichen auf: Arbeit und Arbeitslosigkeit, psychische und physische Gesundheit, Problemstellungen in Familien und Beziehungen, Sucht sowie finanzielle Unterstützung in Notlagen. Oft geht es auch um alltagspraktische Themen. Wenn es beispielsweise jemand nicht mehr schafft, über Wochen die Post zu öffnen oder sich Behörden zu stellen. Der Leuchtturm unterstützt dabei, lässt die Hilfesuchenden jedoch autonom handeln. Was auffällt, die Probleme werden immer komplexer und setzen sich aus mehreren Faktoren zusammen.

Was könnte ein Grund für die immer komplexer werdenden Herausforderungen sein?
Unsere Gesellschaft ist sehr schnelllebig. Themen wie Leistungsdruck, Alltagsbewältigung, inflationärer Wohnungsmarkt, Social Media und politischer Wandel fliessen ineinander. Was unsere Gesellschaft benötigt, ist Stabilität.

Welche Entwicklungen wünschen Sie sich für den Leuchtturm in den kommenden Jahren?
Unser Ziel ist es, im Kleinen Grosses zu bewirken und Unterstützung und Stabilität zu bieten. Zudem möchte ich unsere Angebote ausbauen und unseren Bekanntheitsgrad erhöhen. Denn schon Mahatma Gandhi sagte treffend: «Die Zukunft basiert auf dem, was wir heute tun.»

 

Franca Dalchow verbringt ihre Freizeit oder ihre Mittagspause gerne am Zuger See. Foto: Melanie Schnider

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