Erster Schultag nach den Sommerferien. Da steht für einige auch der Religionsunterricht auf dem Stundenplan. Obwohl das Fach Religion nicht versetzungsrelevant ist, ist es dennoch elementar, so Katechet Rainer Uster im Portrait auf kath.ch.
Seit Mai dieses Jahres leitet Toni Kurmann SJ (59) das Lassalle-Haus, Bildungsstätte und spirituelles Zentrum der Jesuiten in Bad Schönbrunn, oberhalb von Zug. Im Interview gibt er Einblicke in sein aktuelles Wirken.
Toni Kurmann, das Lassalle-Haus ist mit seiner offenen spirituellen Ausrichtung eine gefragte Weiterbildungsstätte. Wie fühlen Sie sich als neuer Leiter dieses Hauses nach den ersten 100 Tagen?
Es geht mir gut. Ich bin rundum am Entdecken, lerne Menschen innerhalb und ausserhalb des Hauses kennen sowie die betriebswirtschaftlichen Herausforderungen. Gerne mache ich Führungen für die Gäste, um von ihnen Rückmeldungen zu erhalten. So erfahre ich, was ankommt und was weniger. Auch mit der Nachbarschaft pflege ich Kontakte, beispielsweise den Bauern, die uns die Milch bringen, und der Gärtnerei der Zuwebe, die Lebensmittel für die Küche liefert. Ausserdem geniesse ich jeden Tag die wunderbare Landschaft, die unser Haus umgibt.
Wie viele Menschen arbeiten im Lassalle-Haus?
Das Lassalle-Haus wird von vielen Menschen mitgetragen. Das sind 30 Angestellte, 5 Jesuiten, gut 80 Kursleitende und rund 15 bis 20 Freiwillige. Zu ihnen zählen beispielsweise unsere Blumenfrauen, die Blumen aus der hauseigenen Umgebung pflücken und kreativ zusammenstellen. Wir nennen es «Meditation in Blumenform».
Was macht das Lassalle-Haus zum Kraftort?
1860 als Kurhaus erstellt, ist das Lassalle-Haus eingebettet in eine bezaubernde Landschaft mit vielen, auch sehr alten Bäumen und rund 20 Quellen. Von einem Zipfel des Grundstücks aus geniesst man eine herrliche Sicht auf den Zugersee. Von seiner Architektur her ist das Haupthaus vom Architekten André Studer wie eine Parabel gebaut, eine geometrische Form, die sich gleichmässig in die Unendlichkeit ausbreitet. Auf dem Gelände sind nirgends Zäune, die das Grundstück abgrenzen. Es vereint sich gewissermassen mit der Umgebung. Der Scheitelpunkt der Parabel, bzw. der zentrale Ort des Hauses, ist die Kapelle. Wer auf ihrem Boden steht, steht auf Jura-Kalkstein mit fossilen Versteinerungen, also auf dem uns allen gemeinsamen Fundament der Evolution des Lebens.
Das Angebot Ihres Hauses erfreut sich mit jährlich rund 250 Kursen grosser Nachfrage. Was macht dieses Angebot einzigartig?
Im Lassalle-Haus geht es um Spiritualität, Heilung, Versöhnung, um den Dialog zwischen verschiedenen Konfessionen. Unsere Angebote vereinen dreierlei unter einem Dach: Kognitives Lernen durch die Vermittlung von Inhalten, Gruppenprozesse, in denen Neues erarbeitet wird, und Orte für Meditation, Gottesdienste und Rituale. Die Konstruktion des Hauses und seine Infrastruktur stehen ganz im Dienst dieser Angebote. So beispielsweise unsere 4 Speisesäle, die den Gruppen geschützte Arbeitsprozesse auch während der gemeinsamen Mahlzeiten ermöglichen.
Die Kirchenbänke leeren sich, Ihr Jahresprogramm hingegen wird umfangreicher? Was machen Sie anders?
Wir sind Teil der Kirchen und arbeiten nicht isoliert, sondern eng mit ihnen zusammen. Aber sind wir anders aufgestellt, haben Experimentierraum, denn wir sind nicht einem Bistum unterstellt. An unseren Weiterbildungen nehmen viele Kirchenleute teil. Oft bilden sie sich in Exerzitien weiter und bieten dann in den Pfarreien eigene Kurse an. Die beiden Jesuiten Bruno Brantschen wie auch Wilfried Dettling begleiten Seelsorgerinnen und Seelsorger ausserdem in ihrer eigenen spirituellen Entwicklung, beispielsweise zu den Themen «Nähe und Distanz», «Begleitung in Trauer» und Vorbereitung für die Pensionierung. Dies im Auftrag des Bistums.
Haben Sie schon Ideen und Pläne für die Zukunft?
Vorerst will ich die Tradition des Hauses, die Quellen vor Ort verstehen, freilegen und optimal zum Wirken bringen. Im stetigen Austausch mit unseren Besucherinnen und Besuchern möchte ich dann herausfinden, welche weiteren Orientierungshilfen wir den Menschen anbieten könnten. Dazu werde ich mich auch mit den grossen Trends in der Gesellschaft und in der Spiritualität beschäftigen und mich fragen, mit welchen Formaten wir darauf antworten wollen.
Können Sie ein konkretes Beispiel machen, wo Sie noch aktiver werden wollen?
Eine Frage wird beispielsweise sein, mit welchen Angeboten wir die «Babyboomer»-Generation, die jetzt ins Pensionsalter kommt, in der kommenden Lebensphase begleiten wollen. Dann haben offensichtlich seit der Coronazeit sehr viele junge Menschen in den Social Media Meditations-Apps zu nutzen begonnen. Wir möchten dieser Generation bei ihrer Suche in der Spiritualität Wegbegleitung anbieten. Gerne weise ich auf den neuen Podcast «Einfach beten» der Jesuiten hin.
Interview: Bernadette Thalmann
Jahrzehntelang haben sie in Stadtzuger Pfarreien als Hauswartin und als Sakristane gewirkt, dieses Jahr sind sie alle in den Ruhestand gegangen. Rückblickend erzählen von bewegenden Erfahrungen ihrer Berufstätigkeit.
Zufrieden blicken sie auf die vergangenen zwanzig bis dreissig Jahre Berufstätigkeit in zwei Stadtzuger Pfarreien zurück, im Verlauf dieses Jahres wurden sie pensioniert. Eine Laufbahn als Sakristan oder als Hauswartin hatte niemand von ihnen bewusst geplant, es waren vielmehr der Zufall, gesundheitliche Gründe und ein Stellenverlust, der ihnen anfangs der Neunziger- und Nullerjahre diesen Weg geebnet hatte. Die vier – sie sind Jacqueline und Giuseppe Capaldo, die in der Pfarrei Gut Hirt tätig waren, Markus Jeck, der in der Kirche St. Oswald als Hauptsakristan und Hauswart der Kanzlei wirkte, und Toni Schwegler, Hauptsakristan der Kirche St. Michael und Hauswart des Pfarreizentrums.
«Ich hockte stundenlang im Beichtstuhl»
Markus Jeck war der Kontakt zu den Menschen sehr lieb. Ihnen nahe zu sein in der Trauer, in der Freude oder mit den Ministranten, das sei für ihn das Grösste gewesen. Auch Toni Schwegler ist seiner Arbeit gerne nachgegangen. Vor allem die Hochfeste, Taufen, Konzerte und Veranstaltungen mochte er sehr. Giuseppe Capaldo betont die Vielseitigkeit seines Berufs. Besonders habe er die Nähe zur Theologie, das Mitwirken in den Gottesdiensten und die Zusammenarbeit mit anderen Personen geschätzt. Den Kontakt zu Leuten, den hebt auch Jacqueline Capaldo hervor. Sie und Giuseppe seien aus dem Gastgewerbe gekommen und hätten auch in der Kirche stets gewollt, dass es den Leuten gut geht.
Im Gespräch wird deutlich, dass der Alltag der vier nicht einer langweiligen Routine zum Opfer gefallen war, sondern immer wieder von aussergewöhnlichen Vorfällen durchzogen wurde. Schmunzelnd erzählt Jacqueline Capaldo, wie Bauarbeiter neben der Kirche in der Mittagspause waren, und wie sie immer wieder zur Kirchenuhr hochblickten, um zu sehen, wann es 13 Uhr sei. Dass die Kirchenuhr um 12.45 Uhr wegen Revisionsarbeiten stehengeblieben war, hatten die Bauarbeiter bis 13.30 Uhr nicht bemerkt. Ein andermal, als in der Kirche die Marienstatue von Unbekannten immer wieder mit flüssigem Wachs bespritzt wurde, wollte Giuseppe Capaldo herausfinden, wer dahintersteckte. «Ich hockte täglich stundenlang im Beichtstuhl, da ich sie erwischen wollte», sagt er. Sein Ausharren war erfolgreich, er ertappte zwei Frauen in flagranti. Er sei ihnen hinterhergerannt. Eine entkam, die andere erwischte er. Am heiterhellen Tag auf dem Vorplatz der Kirche. Ein Passant meinte, Capaldo wolle sich an der Frau vergehen und hielt ihn fest. So sei auch die zweite Frau entkommen.
Diebstahl und Alpensegler in der Kirche
Markus Jeck erzählt von Trauerkarten, die jemand an einer Beerdigung aus einem Körbchen in der Kirche St. Oswald geklaut hatte. Einige Tage später seien die aufgerissenen Karten in der Kirche Gut Hirt gefunden worden und konnten doch noch der Trauerfamilie überreicht werden. Seither wird im St. Oswald für die Trauerkarten eine diebstahlsichere Kiste aufgestellt. Und mit einem Schmunzeln erwähnt er die Alpensegler, die jedes Jahr im Turm von St. Oswald nisten. Einer von ihnen habe ein so starkes Bedürfnis gehabt, in der Kirche herumzufliegen, dass er sage und schreibe drei Tage lang im Kirchenraum hin und her flog und sich an der Messe beteiligte, indem er immer wieder dazwischen zwitscherte, bis er endlich eingefangen und in die Freiheit entlassen werden konnte.
Einschneidend war für Toni Schwegler das Zuger Attentat. Er schildert, wie die Polizei die Kirche vor dem Trauergottesdienst akribisch untersuchte. Und wie eine Trauerfamilie einen Einbruchalarm auslöste. Sie wollten am Abend vor dem Trauergottesdienst die Kirche sehen, hatten dazu aber fälschlicherweise einen Schlüssel erhalten, der nur via Sakristei in die Kirche führt. Ein andermal, erzählt Toni Schwegler lachend, sei ein Mann beauftragt worden, Bilder aus der St. Verena-Kapelle zu restaurieren. Als er diese habe entfernen wollen, habe eine aufmerksame Passantin gedacht, er wolle die Bilder stehlen. Kurzerhand habe sie ihn in der Kapelle eingeschlossen, bis die Polizei vor Ort war.
Sakristane sind eine Art Seelsorger geworden
Was alle vier beobachtet haben, ist, dass Anlässe in den vergangenen Jahren zeitintensiver und anspruchsvoller geworden sind. Auch werden die Kirchen heute häufiger für Konzerte genutzt. Ebenfalls bestätigen sie, dass sich der Beruf als Sakristan zu einer Art Seelsorger entwickelt habe, da sie stets vor Ort seien. Immer wieder habe es Situationen gegeben, in denen sie festgestellt hätten, dass es jemandem nicht gut geht und dass man dieser Person zuhören müsse. Und: Einhellig sagen sie, dass sie denselben Weg erneut gehen würden. Was sie ihren Nachfolgern mit auf den Weg gegeben haben? Markus Jeck: «Denk dran, das Wichtigste hier drin sind die Menschen da draussen!» (Gespräch Marianne Bolt im Pfarreiblatt 34/35)
Bereits als Teenager engagierte sich Roman Ambühl für die Umwelt. Jüngst hat er nun eine Weiterbildung in Umweltmanagement beim «Grünen Güggel» abgeschlossen und will den Zuger Pfarreien helfen, sich zertifizieren zu lassen.
Er trägt er das Umweltbewusstsein in den Genen. Denn das Engagement von Roman Ambühl, heute Seelsorger bei der Pfarrei St. Johannes, beginnt bereits in der frühen Jugend, wie er erzählt: Schon mit 14 Jahren arbeitet er im Weltladen Cham (heute «Claro»). Geprägt von der ab 1989 aktiven «Bewegung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung» organisiert er Aktionen fürs «Fastenopfer» (heute «Fastenaktion»), beispielsweise indem er zusammen im andern an der Kantonsschule «Fastenburger» verkauft.
Mit dieser Ethik im Rucksack verspürt er später dann auch den Wunsch, Theologie zu studieren. Denn Kirche und Nachhaltigkeit sind eng miteinander verbunden. «Gott trägt die Schöpfung», so begründet er, «und jede Gefährdung von Leben bedeutet demnach eine Infragestellung des Göttlichen. Gott und Leben sind eins». Auch Papst Franziskus setze sich in der Enzyklika «Laudatio si» klar für Massnahmen gegen den Klimawandel und die damit verbundenen sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen ein.
«Die Zuger Kirchen sind weit weg von einer Vorbildrolle, was den Stand ihrer Emissionen betrifft», so Roman Ambühl. Deshalb will er handeln, den «Handabdruck» vergrössern, damit der «Fussabdruck» kleiner wird. Nur so kann die Kirche ihrem ethischen Anspruch gerecht werden.
Als frisch gebackener «Berater für kirchliches Umweltmanagement» ist er bestens aufgestellt dafür. Denn das Umweltmanagement «Grüner Güggel» hilft Kirchgemeinden bei der Verbesserung ihrer Umweltleistung. Es dient der Optimierung des Ressourcenverbrauchs, spart Betriebskosten und wirkt langfristig über die Gemeindegrenzen hinaus.

Der Prozess bis zur Zertifizierung verläuft in 10 Schritten, erklärt Roman Ambühl. Er beginnt mit der Beschreibung des Ist-Zustands, dann werden Ziele und Prioritäten formuliert, gefolgt von konkreten Massnahmen. Schliesslich wird ein Umweltbericht verfasst. Wenn dann die Experten alles überprüft und für gut befunden haben, erfolgt die Zertifizierung. Insgesamt dauert das 1,5 bis zwei Jahre.
Der Prozess ist nie abgeschlossen. Ständig wird mit neuen Zielen verbessert, der aktuellen Umweltsituation und dem technologischen Stand entsprechend. Ein Nachhaltigkeitsprojekt braucht eben auch nachhaltig Aufmerksamkeit.
Und welches sind die wirksamsten Hebel zu einer besseren Umweltbilanz? Da braucht Roman Ambühl nicht lange nachzudenken: «Primär müssen wir mit unseren Immobilien weg von fossilen Brennstoffen beim Heizen. Das bedeutet derzeit, vermehrt Wärmepumpen in Kombination mit Solar, Wind oder Wasser einzusetzen. Parallel dazu helfen Dämmungsmassnahmen gegen die Energieverschwendung». Er beginnt, sein Konzept detailliert darzulegen und das Engagement des «SINNsorgers» – wie er sich selbst versteht – steigt. Seine Augen leuchten. Man spürt es: Er würde am liebsten gleich loslegen.
Auf persönlicher Ebene hat er längst loggelegt. Sein bestehendes und neu erworbenes Wissen setzt er laufend auf allen Ebenen im Alltag um, in persönlichen wie auch als Moderator in «Klimagesprächen», angeboten von «Fastenaktion»/Heks, oder auch in der Politik.
In welcher Form, welchem Umfang, mit welchen Zielen und für welche Pfarreien Roman Ambühl das Umweltmanagement der Kirchen mitgestalten wird, wird sich bald entscheiden. Die Abklärungen sind im Gange. (Das Gespräch führte Bernadette Thalmann)
Bereits seit drei Jahren lebt Michèle Adam zusammen mit ihrem Mann als Pastoralraumleiterin und Gemeindeleiterin im katholischen Pfarrhaus in Risch. Lesen Sie im Beitrag von kath.ch, weshalb sie sich hier so wohl fühlt.
Der 1. August löst bei vielen Schweizerinnen und Schweizern Ur-Heimatgefühle aus. Doch was bedeutet Heimat für Menschen im Kanton Zug, die flüchten mussten? Das Pfarreiblatt hat nachgefragt.

«Heimat ist für mich dort, wo ich geboren wurde. Es ist der Ort, wo sich meine Wurzeln und meine Kultur befinden, unabhängig davon, wie es mir dort geht. Hier in der Schweiz habe ich Schutz gefunden – und letztendlich auch eine zweite Heimat.» Elbrus (Herkunft: Tschetschenien)

«Heimat ist nicht nur das, was mein Herz ausfüllt, sondern alles, was ich im Leben lerne und erhalte. Heimat ist meine Basis. Davon träume ich, das vermisse ich. Heute ist auch die Schweiz eine Heimat für mich – denn hier führe ich mein Leben.» Yohana (Herkunft: Eritrea)

«Wenn ich an Heimat denke, denke ich an meine Familie, an das Essen und die Natur zu Hause. Das alles vermisse ich. Ich bin noch neu hier. Hier herrschen eine andere Kultur und eine andere Religion vor, das ist für mich manchmal komisch.» Hamda (Herkunft: Somalia)

«Heimat ist für mich der Ort, an dem ich mich sicher fühle. Dort, wo Menschen respektvoll und freundlich miteinander leben. Früher erlebte ich Ungerechtigkeit, nur der Stärkere überlebte. In der Schule hörte ich von den Menschenrechten, hier erlebe ich sie in der Praxis. Als Flüchtling habe ich hier eine neue Heimat gefunden.» Adam (Herkunft: Tschad)

«Wenn ich an meine Heimat denke, tut mir mein Herz weh. Meine fünf Kinder sind meine Heimat; ich vermisse sie. Meinen jüngsten Sohn habe ich letztes Jahr nach 17 Jahren zum ersten Mal wieder gesehen. Ohne politische Probleme hätte ich mein Land nicht verlassen.» Tursunay (Herkunft: Usbekistan)

«Meine Heimat befindet sich in meinem Herz. Heimat ist meine Familie. Wenn jemand in ein anderes Land gehen muss, ist es sehr schwierig. Ich bin immer traurig und hoffe, dass ich eines Tages zurückkehren kann.» Özal (Herkunft: Kurde aus der Türkei)

«Ich vermisse mein Land, aber meine Familie noch mehr. Ich bin allein hier. Ich bin verheiratet, mein Mann lebt in der Türkei, meine Kinder sind in Europa, aber nicht in der Schweiz.» Hülya (Herkunft: Kurdin aus der Türkei)
(Copyright alle Bilder: G.F.S.)
Lesen Sie den vollständigen Artikel dazu im Pfarreiblatt
Zwei Dutzend Menschen mit einer Beeinträchtigung genossen Ende Juli eine herrliche Ferienwoche im Wallis, begleitet von der ökumenischen Seelsorge «seelsam». Tolles Wetter und spannende Ausflüge sorgten für viel Spass.
Gut gelaunt und erwartungsvoll trafen sich am Samstag, 22. Juli 2023 in Zug insgesamt 24 Menschen mit einer Beeinträchtigung und 12 Begleitpersonen zur Abfahrt in die diesjährige «seelsam»-Ferienwoche. Sie stand unter der Leitung von Susan Staub und Karin Schmitz von «seelsam»-ökumenische Seelsorge für Behinderte. Mit vier Kleinbussen ging es via Brünig- und Grimselpass Richtung Wallis, wo uns das Team in St. Jodern im Laufe des Nachmittags erwartete. In einem schönen Haus mit grosszügigem Umschwung und grosszügigen Räumen verbrachten wir eine tolle Woche.
Diverse Ausflüge machten die Ferientage kurzweilig: So beispielsweise das Velofahren für behinderte und betagte Menschen mit Tandem 91, ein Ausflug nach Saas Almagell mit Minigolf, der Besuch des Donnschtig-Jass in Raron, ein Besuch des World Natur Forums in Naters sowie Lädele, Kaffee trinken und Spaziergänge.
Natürlich durfte auch Kino im Haus, Spielen und Basteln nicht fehlen. Beim Raclette-Abend mit musikalischer Unterhaltung ging die Feierfreude durch die Decke…. Das Wetter war uns die ganze Woche gut gesonnen. Dankbar und mit vielen schönen Erlebnissen kehrten wir am Samstag, 29. Juli nach Zug zurück.
Allen Beteiligten und freiwillig Engagierten an dieser Stelle ein grosses Dankeschön! Wir freuen uns heute schon auf die «seelsam»-Ferienwoche 2024.



Bericht und Fotos Karin Schmitz, seelsam
Ende Juni ist Alfredo Sacchi als Domherr des Kantons Zug zurückgetreten. Stefan Doppmann würdigt als Präsident der VKKZ das zehnjährige Engagement.
Danke, Alfredo!
Mehr als zehn Jahre lang warst Du «unser» Domherr für den Kanton Zug und damit der direkte Draht in die Bistumsleitung. Beide Seiten – die pastorale und die staatskirchenrechtliche – konnten darauf vertrauen, dass Du ihre Interessen und Bedürfnisse aufmerksam wahrnimmst und sie diplomatisch austariert einbringst. Wir konnten darauf zählen, dass Du als Domherr für uns da warst, wenn wir ein Anliegen hatten.
Wer dich kennt und schätzt, nimmt dich wahr als offen, ehrlich, interessiert, engagiert, kommunikativ, herzlich, unkompliziert, kompetent, glaubwürdig und noch vieles mehr.
Ende Juni hast Du kräftebedingt Deinen Rücktritt als Domherr eingereicht und Du übergibst diese Verantwortung einem jüngeren Priester. Im Namen der VKKZ danke ich Dir herzlich für all das, was Du als Domherr für den Kanton Zug geleistet und bewirkt hast. Wir wünschen Dir viel Zeit, die Du als Künstler in Deinem Atelier und ganz einfach als Alfredo mit anderen Menschen verbringen und geniessen kannst.
Stefan Doppmann
Präsident VKKZ
Thomas Hausheer, Leiter der Fachstelle «Forum Kirche und Wirtschaft» hat soeben seine Weiterbildung im Bereich «Digitale Ethik» erfolgreich abgeschlossen. Im folgenden Interview teilt er seine Erkenntnisse.
Thomas, herzliche Gratulation zum erfolgreich absolvierten CAS «Digitale Ethik» an der Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ)! Was hat dich bewogen, diese Weiterbildung zu machen?
Ich habe mich bereits im vergangenen Jahr mit der digitalen Transformation auseinandergesetzt. Das war im Rahmen der von mir durchgeführte Veranstaltung «Ethik und Moral in der digitalen Welt – Wer trägt die Verantwortung?». Die Frage, ob das technisch Mögliche auch das moralisch Vertretbare und das gesellschaftlich Richtige ist, beschäftigt mich nachhaltig. Mich interessierte vor allem die nächste Stufe der Digitalisierung, die Etablierung von Künstlicher Intelligenz (KI). Dabei wollte ich der Frage nachgehen, wie die Grundsätze der Ethik auch auf kognitive Technologien angewendet werden können.
Zu welchem Thema hast du deine CAS-Arbeit geschrieben?
Meine Zertifikatsarbeit untersucht den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Seelsorge, konkret die Verwendung von einem Chatbot zur Unterstützung der Seelsorgenden. Dieser ist zeitlich unbegrenzt verfügbar, niederschwellig zugänglich und wahrt erst noch Anonymität. Das lässt vordergründig seinen Einsatz interessant erscheinen.
Zu welchen Erkenntnissen bist du gekommen?
Der Lehrgang verschaffte mir vertiefte Einblicke in die digitale Welt, insbesondere in das, was KI wirklich kann und was nicht. Aufgrund der Technologie, die dem Chatbot ChatGPT zu Grunde liegt, sind für mich KI und Seelsorge unvereinbar. Wohl liefert ChatGPT erstaunliche Ergebnisse, diese sind und bleiben aber vorerst unpräzis und fehleranfällig.
Dies deshalb, weil sie auf Wahrscheinlichkeiten und Muster aufbauen. Die grosse Datenmenge und die schnellen Rechenleistungen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass lediglich eine Simulation stattfindet, die kein Bewusstsein hat. Daher ist sie nicht in der Lage, einen Menschen wahrzunehmen. Das fehlende Bewusstsein ist mit dem Fehlen der Seele gleichzusetzen. Die Seele ist aber unabdingbare Voraussetzung für das seelsorgerische Gespräch.
Weshalb und in welchen Einsatzbereichen der Künstlichen Intelligenz braucht es ethische Guidelines?
Die KI basiert auf Daten der Vergangenheit, ist also ein Abbild der Gesellschaft mit allen Fehlern und Unzulänglichkeiten. Themen wie Diskriminierung, Rassismus, Radikalisierung, Datenschutz, etc. sind noch zu wenig erkannt und nicht genügend geregelt. Es stellt sich die zentrale Frage: Wie beeinflussen wir, was uns beeinflusst? Grundsätzlich braucht es für alle Schnittstellen, wo der Mensch auf die Maschine respektive auf KI trifft, entsprechende Richtlinien.
Wie können solche Guidelines aussehen? Wie weit sollen sie gehen?
Die digitale Welt ist eine globale Welt, solche Guidelines greifen nur, wenn sie weltweit Beachtung und Anwendung finden. Dies scheint mir auf rechtlicher Basis ein utopisches Ziel zu sein. Es gibt aber Bestrebungen, auf der Ebene von Richtlinien und Kodexen Rahmenbedingungen zu schaffen und auch umzusetzen. Die EU ist im Bereich des Datenschutzes und der Anwendung von «vertrauenswürdiger KI» sehr aktiv. Grossunternehmen, die international tätig sind, verpflichten sich im Rahmen ihrer Governance, Risk und Compliance zur Einhaltung solcher Guidelines. Die Krux der Sache sind allerdings die Verpflichtung zur Einhaltung, deren Kontrolle und die Sanktionierung von Verstössen.
Wo und wie willst du dein erworbenes Wissen einsetzen?
Ich werde die Erfahrung aus diesem Lehrgang in Projekte und Angebote meiner Fachstelle einbringen, weitere Aspekte und Fragestellungen im Rahmen der Kappeler Anlässe diskutieren. Im Austausch mit den Pfarreien und Kirchgemeinden möchte ich das Bewusstsein für diese Themen schärfen und sie ermutigen, ihre Überzeugung aus christlich-ethischer Sicht aktiv einzubringen.
Ethik lebt vom Dialog und der Debatte. Diesen Dialog würde ich gerne mit Exponenten der Zuger Wirtschaft oder einzelnen Firmen führen, denn die Herausforderungen in der digitalen Transformation werden in Zukunft nicht kleiner sein. Hier kann ich mir auch eine beratende Funktion der Fachstelle als konkrete Dienstleistung für Zuger Firmen vorstellen.
Interview: Bernadette Thalmann
Nächste Veranstaltungen Forum Kirche und Wirtschaft
30. September 2023
«Älterwerden würdig gestalten» in Cham
6./7. Oktober 2023
«Oasentag» (Einführung in die Christliche Meditation) in Waldkirch/DE