Seit Juli wirkt Markus Casagrande als Geschäftsstellenleiter/Kirchenschreiber der Katholischen Kirchgemeinde Zug. Bereits im April übernahm er das Finanz- und Rechnungswesen, eine Aufgabe, welche er auch weiterhin ausführen wird.
Als eidgenössisch diplomierter Experte in Rechnungslegung und Controlling startete Markus Casagrande seine berufliche Laufbahn in der Region Basel. Nach mehreren Auslandaufenthalten kam er schliesslich im Jahr 2011 an den europäischen Hauptsitz eines Industriekonzerns nach Baar. In den kommenden 30 Jahren übernahm er verschiedene anspruchsvolle Führungspositionen und konnte dabei zusammen mit Menschen unterschiedlichster Kulturen viele Herausforderungen meistern.
Markus Casagrande ist zudem in seiner Wohngemeinde im Kanton Zürich seit 12 Jahren Mitglied der Kirchenpflege. Er ist somit mit den Strukturen und Aufgaben in der katholischen Kirche bestens vertraut. Markus Casagrande ist verheiratet, Vater zweier erwachsener Söhne und wohnt in Uetikon am See.
Der Kirchenrat freut sich darüber, mit Markus Casagrande eine ausgezeichnete Besetzung für das Amt des Kirchenschreibers gefunden zu haben und wünscht ihm viel Erfolg und Zufriedenheit bei der Ausführung seines Amtes.
Medienmitteilung der Katholischen Kirchgemeinde der Stadt Zug vom 1. Juli 2022
Die Teilnehmerinnen der modularisierten Innerschweizer Ausbildung zur Katechetin/zum Katecheten nach ForModula haben am 24. Juni ihren Fachausweis erhalten. In der Kirche Bruder Klaus in Altdorf fand eine eindrückliche liturgische Feier statt.
Die Feier stand unter dem Titel „Schritt für Schritt auf dem Weg“ und wurde von den kirchlichen Vertretungen der Bistümer Chur und Basel mitgestaltet.
Die Kursteilnehmerinnen haben sich während den letzten gut drei Jahren eingehend mit der Bibel und dem Wie, Woher, Wozu und Wohin der christlichen Existenz befasst. Sie lernten verschiedene spirituelle Elemente kennen und setzten sich mit der eigenen Spiritualität auseinander, um selbst spirituelle Anlässe durchführen zu können.
Die Grundlagen der Religionspädagogik standen im zweiten und dritten Ausbildungsjahr im Mittelpunkt. So lernten die Katechetinnen, wie im Religionsunterricht Kompetenzen mittels Inhalten aufgebaut, vertieft und gefördert werden. Dazu sammelten sie im Rahmen der Praxismodule auch Erfahrungen.
Die ausgebildeten Katechetinnen wissen aufgrund ihrer Ausbildung, wie Gottesdienste gestaltet werden können. Sie haben weiter erfahren, welche Chancen die Zusammenarbeit mit Eltern birgt, und schliesslich besuchten sie mindestens ein Modul, in dem erarbeitet wurde, wie Kinder auf Sakramente vorbereitet werden. Die Ausbildung versucht, möglichst praxisorientiert zu sein.
Es liegt eine sehr intensive, aber auch interessante Zeit hinter den neuen Katechetinnen. Alle Teilnehmerinnen haben die Abschlussprüfung erfolgreich absolviert. Dazu mussten sie im Rahmen einer Einzel- und Gruppenprüfung ihre gesamten erlernten Kompetenzen zeigen.
Der Fachausweis berechtigt zum Tragen des von der Schweizerischen Bischofskonferenz anerkannten Titels «Katechetin mit Fachausweis».
Die modularisierte Innerschweizer Ausbildung zur Katechetin/zum Katecheten wird von den kantonalen Fachstellen für Katechese der Kantone Zug, Schwyz, Uri, Ob- und Nidwalden gemeinsam verantwortet.
Guido Estermann, Fachstellenleiter Bildung-Katechese-Medien (BKM)
Nach zwei Jahren Unterbruch feierten die Menschen in Zug wieder mit grosser Freude das Fronleichnamsfest. Pfarrer Reto Kaufmann trug die Monstranz vom Landsgemeindeplatz durch die Altstadt bis zur Liebfrauenkapelle und viele Menschen folgten ihm.
Kaplan Boris Schlüssel erklärte die Bedeutung des Festgeheimnisses: Wir folgen Jesus Christus durch unsere Stadt und lassen etwas aufleuchten vom Geheimnis, von der Ehrfurcht und der
Leidenschaft, die wir spüren, wenn wir das heilige Brot empfangen. Durch die Gegenwart von Jesus Christus dürfen wir mit Zuversicht und Hoffnung in die Zukunft blicken.
Vier Kilo wiegt die Monstranz von St. Michael, das kostbare Gefäss, das an Fronleichnam zum Einsatz kommt. Noch schwerer wiegt der Inhalt: Die Hostie, die zuvor in die prächtige Monstranz eingesetzt worden war, steht für den gegenwärtigen Jesus Christus. Pfarrer Reto Kaufmann trug ihn vom Landsgemeindeplatz durch die Altstadt bis zur Liebfrauenkapelle und eine Menschenmenge, die bereits den besonderen Gottesdienst mitgefeiert hatte, folgte ihm und liess sich segnen.
Die Harmoniemusik Zug und die vereinigten Kirchenchöre der vier katholischen Stadtpfarreien brachten die Fronleichnamsmesse von Sales Kleeb zur Aufführung. Es war ein grandioses Bild und
eine festliche Stimmung auf dem Landsgemeindeplatz: die Erstkommunionkinder, die Seelsorgenden, die Ordensleute, die Ehrengäste aus der Politik, die Trachtenfrauen, die Standartenträger/innen und die vielen Menschen, die bei herrlichstem Sonnenschein mitfeierten und etwas vom Geheimnis des Festes erahnen liessen.
Nach dem Grusswort von Kirchenratspräsident Patrice Riedo waren alle zum Apéro eingeladen, den die Kirchgemeinde Zug traditionell offerierte. Eine Tradition, die nach zwei Jahren coronabedingter Pause wieder leidenschaftlich auflebte, denn Gemeinschaft, Brot und Wein halten die Gesellschaft zusammen.
Gaby Wiss, Pastoralraum Zug Walchwil
Beat Schlatter predigte am 12. Juni auf Einladung der CityKircheZug im Sonntagsgottesdienst der Reformierten Kirche. Er tat dies in launiger, tiefsinniger und bibelbasierter Art. Damit vermochte er die Zuhörenden zu begeistern.
Schlatter verglich die Bibel mit einem Drehbuch. Solange sie verstaubt im Regal steht, bleibt sie totes Material. Auch ein Drehbuch wird erst erfolgreich, wenn Schauspieler oder Schauspielerinnen die gedruckten Worte mit Leben füllen. Genauso werden die in der Bibel enthaltenen Weisheiten erst durch die Menschen lebendig. Und was das Drehbuch auch mit der Bibel verbindet: Bei beiden geht es um Mord, Betrug, Gewalt, aber auch um Trost und Liebe. Was der Hammer für den Handwerker, das ist die Bibel für die Menschen: ein intelligentes, menschenfreundliches Hilfsmittel.
Kritisch fragt Schlatter: Wo ist Gott bei einem Zerwürfnis im nächsten Umfeld, wo ist er in der Ukraine? Diese Fragen sind auch theologisch nicht ganz einfach zu begründen, aber Schlatter hat einen Weg gefunden. Um die Ebenbildlichkeit von Gott zu erreichen, muss der Mensch lernen, Gier, Geiz, Rachsucht und Dummheit zu überwinden, reifer und weiser zu werden. Das gehört zum Menschwerden. Leben ist Veränderung, und im Tod geschieht die grösste Veränderung.
Schliesslich gesteht Schlatter: Ich kann Gott nur erahnen. «Wenn Gott gewollt hätte, dass wir ihn definieren können, dann hätte er das so eingerichtet. Aber wenn Sie den Buschauffeur, die Kassierin oder den Pöstler wie Gott behandeln, machen Sie nichts falsch und es geschehen grosse und kleine Wunder».
Gaby Wiss für die CityKircheZug
Die Kirche St. Thomas in Inwil feiert am 3. Juli ihr 50-Jahre Jubiläum. Als «Fastenopferkirche» hat sie eine besondere Geschichte. Geniessen Sie die folgenden historischen Bilder mit Kommentaren dazu.

Ursprünglich war die Errichtung der Pfarrei St. Markus in Blickensdorf geplant. Doch mit dem Bau der vier Scheibenhäuser und weiteren Überbauungen in Inwil merkte man, wie rasant diese Gegend wuchs. Darum wurde die neue Kirche nicht in Blickensdorf gebaut, sondern in Inwil.
Bild: Hermann Ruetschi

Nachdem der Standortentscheid gefällt war, musste man sich um die finanziellen Aspekte eines Kirchenbaus kümmern. Um Geld und Zeit zu sparen, entschied man sich für den Bau einer sogenannten Fastenopferkirche. Die Fastenopfer-Kirche ist ein Typus einer Notkirche, der in der Schweiz in den 1960er Jahren im Auftrag des Hilfswerks Fastenopfer entworfen und bis in die 1970er Jahre 17-mal erbaut wurde.
Bild: Heilig Kreuz Kirche in Zürich-Altstetten, Archiv Pfarrei

Die von Hanns Anton Brütsch entworfenen Fastenopferkirchen bestehen aus einem Baukörper, der ein Zeltdach im 45-Grad-Winkel aufweist. Dieses Dach zieht sich bis zum Boden, wodurch auf Seitenwände verzichtet werden kann. Sowohl das Dach als auch die Frontflächen der Kirche wurden ursprünglich mit Eternitplatten bedeckt, die als solid, aber auch leicht demontierbar und wiederverwendbar galten. Diese Kirchen waren aus vorgefertigten Bauteilen und konnten so in kurzer Zeit für wenig Geld errichtet werden.
Bild: Kirche Franziskus Bassersdorf, Charly Bernasconi

In den Jahren nach der Jahrhundertwende zeichneten sich allmählich bauliche Schäden und Platzmangel ab. So wurden ab 2008 Pläne für ein neues Bauprojekt ausgearbeitet.
Ultramodern hätte das neue Begegnungszentrum St. Thomas aussehen sollen.
Bild: Architektengemeinschaft blue architects & Rupprecht Architekten GmbH

Insgesamt rund 10,4 Millionen Franken hätte das Projekt gekostet. Doch es wurde abgelehnt. «Kein neues Begegnungszentrum St. Thomas», so lautete die Schlagzeile am 26.02.2012 in der Zuger Zeitung. Die Stimmberechtigten der katholischen Kirchgemeinde Baar sagten mit 1905 gegen 1430 Stimmen Nein zum Neubau des Begegnungszentrums St. Thomas Inwil.
Bild: Architektengemeinschaft blue architects & Rupprecht Architekten GmbH

Anstelle einer neuen Kirche kam es in der Folge zu einer Renovation der alten. Bei der Renovationsarbeiten 2015/2016 wurden die hinteren Räume abgerissen, damit ein neuer Anbau erstellt werden konnte.
Bild: Ernst Bürge

Die Kosten der Sanierung, inklusive Anbau der Gemeinschaftsräume, Erweiterung der Orgel und Bau der Fotovoltaikanlage betrugen 5,86 Millionen Franken. Die Kirche ist mit Ausnahme der Dachkonstruktion neu gebaut worden.
Bild: Ernst Bürge

So präsentiert sich das Zentrum St. Thoms heute von aussen…
Bild: Büro Fritz und Partner

…und so von innen.
Bild: Silvia Bürge Kreimer

Die Kirche verfügt über 300 Sitzplätze.
Bild: Ernst Bürge

Am Palmsonntag, 20. März 2016, wurde das neue Gotteshaus eingesegnet…
Bild: Ernst Bürge

…durch Bischofsvikar Ruedi Heim.
Bild: Ernst Bürge

Die Kirche St. Thomas ist am. 3. Juli 2022 50 + 1 Jahr alt.
St. Thomas ist aber nicht in erster Linie ein Gebäude…
Bild: Ernst Bürge

…sondern vielmehr eine Gemeinschaft…
Bild: Ernst Bürge

… die zusammen mit Jesus Christus …
Bild: Ernst Bürge

… die Kirche aufbaut und immer wieder neu gestaltet.
Bild: Ernst Bürge
Roger Kaiser/Bernadette Thalmann
Einen Überblick über alle Feierlichkeiten gibt der Artikel Feiern zum 50-Jahre-Jubiläum der Kirche St. Thomas
Zum Gebet für den Frieden in aller Welt haben vor Pfingsten die katholische und die reformierte Kirche in Menzingen eingeladen. Auch eine Gruppe von Ukrainerinnen und Ukrainern nahm teil.
Die Feier wurde geleitet vom katholischen Gemeindeleiter Christof Arnold, Pfarreiseelsorgerin Eva Maria Müller und dem reformiertem Pfarrerehepaar Barbara und Christoph Baumann. Christof Arnold verzichtete angesichts der Kriege auf langes Reden. Er verwies auf das Miteinandersein mit Gebet und Lied. Das Gesangstrio mit Tetyana Boyko aus Edlibach führte mit einem feinen, berührenden Gesang in eine andere Welt. Die Lesung von den verzweifelten Jüngern Jesu auf ihrem Gang mit dem Auferstandenen nach Emmaus wurde auf Ukrainisch wiederholt.
Das Privileg von Zweifelnden und Glaubenden ist es, im Gebet Ohnmacht und Not zu teilen sowie Solidarität und Zuversicht zu erfahren.
Nach der Feier standen Ukrainerinnen und Ukrainer gestärkt zusammen. Das jüngste Kind war sieben Wochen alt; es ist gleich nach der Flucht seiner Mutter hier in der Schweiz geboren.
Hans Ruedi Kilchsperger
Die ökumenische Gefängnisseelsorge im Kanton Zug bietet Gefangenen auf Wunsch eine spirituelle Begleitung in Form von Gesprächen an. Marianne Wiedmer und Stefan Gasser-Kehl geben im folgenden Interview Einblicke.
Marianne Wiedmer ist reformierte Seelsorgerin im Bostadel, Menzingen. Stefan Gasser-Kehl ist katholischer Seelsorger im Bostadel und in der Kantonalen Strafanstalt in Zug, wo er für beide Konfessionen tätig ist.
Marianne, seit wann arbeitest du in der Gefängnisseelsorge?
Ich bin seit anfangs 2018 in der Gefängnisseelsorge tätig, im Bostadel seit September 2021.
Was hat dich dazu bewogen, diese Aufgabe zu übernehmen?
Im Kanton Bern arbeitete ich 6 Jahre lang im Justizvollzug. Zum Erarbeiten des persönlichen Vollzugsplanes von Gefangenen gehörten auch Gespräche zur Tatwiedergutmachung. Besonders darin zeigte sich mir die Einsamkeit der Insassen und das Hadern mit ihren Biografien. Darauf einzugehen, hatte jedoch keinen Platz im Justizauftrag. Die Grenzen des Justizvollzugs machten mir zu schaffen. So entschied mich für eine Neuorientierung, denn die Seelsorge hat das Privileg, sich um die Seele zu kümmern.
Stefan, du hast in der Gefängnisseelsorge bis anhin mit männlichen Kollegen zusammengearbeitet. Wie empfindest du es, nun mit einer Frau zusammenzuarbeiten?
In den Bereichen, in denen Marianne und ich zusammenarbeiten, hat die emotionale Komponente an Gewicht dazugewonnen. Das schätze ich sehr. Wir achten vermehrt auf Atmosphäre bei Gottesdiensten, dass der Raum ansprechend eingerichtet ist oder dass wir die Teilnehmenden zu Beginn persönlich begrüssen. Die Insassen dürfen den Gottesdienst auch mitgestalten, indem sie in ihrer Sprache aus der Bibel vorlesen.
Wir können uns ausserdem auf die gegenseitige Loyalität verlassen, wenn wir bei der Direktion wichtige Interessen der Seelsorge gemeinsam vertreten. Das festigt die sehr guten Beziehungen, die seit Jahren zum Management bestehen.
Marianne, worüber wollen die Gefangenen konkret reden, wenn sie ein Gespräch wünschen?
Die Anliegen sind ausgesprochen vielfältig, manchmal sind es die alltäglichen Mühen im Vollzug, die zwischenmenschlichen Reibereien auf der Etage oder am Arbeitsplatz, ein Urinprobenresultat und die dazugehörige Sanktion, ein missglücktes Telefonat mit der Freundin, ein abgelehnter Ausgang oder ein negativer Therapiebericht. Oft sind auch Schuld und Sühne ein Thema. Gefangene vertrauen darauf, in der Seelsorge Erleichterung zu finden. Sie suchen Trost, Zerstreuung, Erklärungen, Vergebung oder den Dialog für ihre eigene Reflexion.
Werden auch sehr persönliche Probleme angesprochen?
Ja, unbedingt! Die meisten Gespräche haben einen sehr persönlichen Rahmen. Kürzlich sagte mir ein junger Mann, er habe eigentlich nicht über sein innerstes Versagen sprechen wollen, doch nun sei es ihm doch «passiert». Ich empfand das als heiligen Moment. Wenn die Gefangenen eine Vertrauensbasis erfahren und über ihre zum Teil schwersten Verbrechen zu reflektieren beginnen, kann der immense innere Druck etwas gelöst werden. Oft machen die Männer diese Erfahrung zum ersten Mal in ihrem Leben.
Stefan, welches Ziel verfolgt die Gefängnisseelsorge?
Wir leisten – wie alle anderen, die im Bostadel arbeiten – einen Mehrwert für die Organisation. In unserem Fall besteht dieser darin, die Welt der Spiritualität zu vertreten. Wenn die Insassen sich in Gesprächen uns gegenüber öffnen, hat dies Ventilfunktion, sie bauen Frustrationen ab, entwickeln neue Perspektiven. Weil alle Gespräche absolut vertraulich sind, schaffen wir für die Gefangenen einen Raum der Freiheit. Und weil wir thematisch keinerlei Vorgaben machen, erleben sie unsere bedingungslose Zuwendung.
Marianne, kannst du jederzeit auf der sachlichen Ebene wirken, oder spielt mitunter beim männlichen Gegenüber der Faktor Frau eine Rolle?
Man kann professionell und herzlich zugleich sein. Im Gespräch versuche ich herauszuspüren, was für eine Art Mensch mir gegenübersitzt. Manche können – auch kulturbedingt – mit Fürsorge schlecht umgehen, wollen sie ausnützen, werden fordernd, nehmen eine Opferhaltung ein oder lehnen sie ab. Die meisten sind dankbar oder bitten um Beistand.
Fantasien und Träume machen vor den Gefängnismauern nicht Halt. Ich habe gelernt, mir meiner verbalen Ausdrucksweise und Gestik bewusst zu sein. Den Gefangenen begegne ich von Beginn an mit Respekt und führe Gespräche auf Augenhöhe. Diese Haltung spiegelt sich im Gegenüber und schafft eine gegenseitig respektvolle Basis.
Stefan, wohin entwickelt sich die Gefängnisseelsorge methodisch?
In den vergangenen Jahren hat sich der Ansatz der sogenannte «restaurativen Justiz» durchgesetzt. Er ist versöhnungs- und beziehungsorientiert. Es geht um «Wiederherstellung» oder «Wiedergutmachung» von menschlichen, seelischen Schäden, aber auch von materiellen. Das Ziel dahinter ist die Resozialisierung, die Integration in die Gesellschaft. Voraussetzung dafür ist aber auch eine innere Entwicklung. Die Gefangenen machen sich beispielsweise Gedanken darüber, wie sie um Entschuldigung bitten könnten, besprechen mit uns Briefe, Ängste vor ersten Begegnungen oder Möglichkeiten einer finanziellen Wiedergutmachung.
Interview: Bernadette Thalmann
Lesen Sie dazu auch den Artikel «Fokus auf Versöhnung statt Schuld und Strafe»
Eindeutig zweideutig sind die grossen Banner am Baugerüst der Pfarrkirche in Oberägeri zu verstehen. Gemeindeleiter und Diakon Urs Stierli hat aus der Not eine Tugend gemacht und die nötige Sanierung der Kirche mit einer Aktion verbunden. Machen Sie mit!
«Wo ist die katholische Kirche renovationsbedürftig? Welchen Gedanken, welches Anliegen möchten Sie der Kirche mitteilen?“, fragt Urs Stierli seine Pfarreiangehörigen und darüber hinaus. Machen Sie mit und geben Sie Antwort. Er freut sich auf Ihre Rückmeldungen. /bth
Schicken Sie Ihre Antworten bitte an info@pfarrei-oberaegeri.ch
Zum Thema «Freiheit im Strafvollzug» gab Dr. Frank Stüfen am 24. Mai in der CityKircheZug interessante Einblicke. Zum einen praktische aus dem Alltag als Gefängnisseelsorger, zum andern auch wissenschaftliche aus seiner Dissertation.
Frank Stüfens Erfahrungen sind nicht nur praktische Beispiele aus der Strafanstalt Pöschwies im Kanton Zürich, sondern auch wissenschaftlich erforscht. In seiner Dissertation «Freiheit im Strafvollzug» diskutiert er Forschungsergebnisse aus 40 Jahren Gefängnisseelsorge. Er vertritt die Ansicht, dass das theologische Konzept von Schuld, Strafe und Vergebung nicht mehr zeitgemäss ist. Das sieht man unter anderem daran, dass Täter, die ihre Strafe verbüsst haben, nicht mit offenen Armen von der Gesellschaft empfangen werden. «Sühne beginnt meistens erst nach der Haftentlassung», sagt Frank Stüfen.
Aus christlicher Sicht ist es schwierig, Strafe zu legitimieren. Jesus lebt Gewaltfreiheit vor. Und aus der Ebenbildlichkeit Gottes lässt sich ableiten, dass Menschen die Freiheit haben, das zu tun, was Gott will und eine Umkehr jederzeit möglich ist. Frank Stüfen hat Täter immer wieder gefragt, ob ihnen vor der Tat bewusst war, dass sie einen Fehler begehen. Und fast alle bejahten. Karl Barth sagt dazu: «Was Gott will, weisst du immer ganz genau». Wie wichtig Väter in der Gewaltprävention sind, zeigt der Umstand, dass praktisch alle Täter keine oder eine schlechte Beziehung zum Vater leben, hingegen ein gutes Verhältnis zur Mutter pflegen.
Aus Opfersicht ist es meistens wichtig, dass Täter hart bestraft werden. Dem widerspricht der französische Philosoph Paul Ricoeur, der sagt, dass kein Übel damit ausgelöscht werden kann, wenn einem anderen Übel zugefügt wird. Frank Stüfen befürwortet eine explizite Opfer-Seelsorge. Er aber ist Gefängnisseelsorger, der den Menschen im Gefängnis auf Augenhöhe begegnet, Brüche in der Biografie thematisiert und die Versöhnung ins Zentrum stellt. Wichtig ist ihm auch das Engagement für Täterfamilien, die meistens mit-stigmatisiert sind. Zusammenfassend lässt sich mit Karl Barth sagen: «Die gerechteste Strafe ist die, welche die umfassendste Fürsorge für den Täter und die Gesellschaft bringt».
Gaby Wiss, CityKircheZug
In diesem Jahr findet die Zuger Messe wieder statt. Auch die Katholische Kirche Zug wird präsent sein. «Das ist Kirche!» heisst ihr Thema mit der Botschaft, dass es vor allem die Menschen sind, die Kirche ausmachen.
Unter dem Stichwort «Kirche» stellt sich jeder etwas anders vor: Die meisten denken an Gottesdienste, Predigten, Sakramente, Priester oder andere Vertreter der kirchlichen Organisationen, verbunden mit positiven oder negativen Erinnerungen. Dass die Kirche viel mehr ist, will die Arbeitsgruppe Zuger Messe der Katholischen Kirche Zug unter der Leitung von Franz Lustenberger in diesem Jahr zeigen. Die Kirche machen alle Menschen aus, die in irgendeiner Form mit ihr zu tun haben. Beispielsweise die vielen Freiwilligen, die mit verschiedensten Engagements für die Kirche tätig sind, die Gottesdienstbesucherinnen und -Besucher, die Teilnehmenden und auch Leitenden von Jungwacht/Blauring und nicht zuletzt auch die eher Distanzierten, die hin und wieder zuhause in der Stille ihr Gebet an Gott richten.
Wer den Messestand der Katholischen Kirche Zug vom 22. bis zum 30. Oktober besucht, wird überrascht sein, wie gross und vielfältig die kirchliche Gemeinschaft letztlich ist, und wie viele Gründe und Möglichkeiten es gibt, bei der Kirche aktiv zu sein. Entdecken Sie, was Kirche wirklich ist! Die Betreuerinnen und Betreuer am Stand der katholischen Kirche freuen sich auf die Begegnung mit Ihnen.
Bernadette Thalmann