Alle spirituellen Traditionen kennen heilige Orte. Ob draussen in der Natur, als Symbole oder religiöse Bauwerke haben eines gemeinsam: Sie verbinden mit dem Göttlichen. Der «Kalender der Religionen» lädt ein, sich auf den Weg zu machen und Spuren des Heiligen in der ganzen Welt zu entdecken.
Jeweils im September erscheint der «Kalender der Religionen», der sechzehn Monate bis im Folgejahr abdeckt. Ziel des Kalenders ist es, den Fächer religiöser und kultureller Vielfalt zu öffnen und für das Fremde zu sensibilisieren. Wissen um kulturelle, religiöse und weltliche Wurzeln anderer Traditionen ist ein Schlüssel für gegenseitigen Respekt. Und diesen braucht unsere zunehmend pluralistischen Gesellschaft für ein fried- und respektvolles Zusammenleben. Erklärungen zu Festen und Feiertagen bieten einen achtsamen Zugang zu einem vielfältigen kulturellen und spirituellen Erbe.
Der «Weg zu Spuren des Heiligen» führt zu Naturstätten wie die Bärenhütten, einem von nordamerikanischen Indianerstämmen verehrter Monolithen, oder weitläufige Gebiete wie die Zhongnan-Berge in China. Zu den religiösen Bauwerken zählt die Abtei Mont-Saint-Michel ebenso wie die Umayyaden-Moschee im Herzen der islamischen Welt. In Indien– der Wiege von Jainismus, Buddhismus und Hinduismus – steht ein Tempel vielfach dort, wo sich ein mythologisches oder historisches Gründungsgeschehen ereignet hat und in den Kanälen des Ghettos von Venedig spiegeln sich die Synagogen, die die Erinnerung an das Schicksal der jüdischen Gemeinden im 16. Jahrhundert wachhalten. Eine handliche Broschüre vermittelt zusätzliche Informationen und ein persönlicher Code zum Kalender schaltet den Zugang frei zu weiterem Material und Fotos.
Der Kalender kostet 15 Franken und ist erhältlich bei Iras Cotis. Ab 10 bestellten Exemplaren gibt es einen Rabatt.
Wir verlosen drei Exemplare des Kalenders der Religionen. Interessierte schicken ein Mail mit Namen und postalischer Adresse an kommunikation@zg.kath.ch
https://www.kalender-der-religionen.ch/home.php
Vom 7. September bis am 9. September findet in Bern die Synodale Versammlung statt. Unter den 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ist auch eine Vertretung aus dem Kanton Zug dabei. In der Cafeteria im Haus Sunnematt brennt während der Synodalen Versammlung eine Kerze. Die VKKZ lädt ein mit einem besinnlichen Text von Lothar Zenetti einen Moment innezuhalten und sich so symbolisch mit dem Prozess in Bern zu verbinden.
Der Liedermacher Konstantin Wecker hat diesen Text erfolgreich musikalisch umgesetzt:
Unter den 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Synodalen Versammlung bringen acht Personen die Stimme der Katholische Kirche im Kanton Zug ein: Roman Ambühl , Rita Bieri-Luthiger, Sandra Dietschi, Sr. Mattia Fähndrich, Christian Kelter, Susanne Klass-Auf der Maur, Peter Lüthi und Lea Schlienger. Das Treffen beginnt um 18 Uhr mit einem öffentlichen Gebet in der Deifaltigkeits-Basilika und schliesst am Samstag um 15.30 Uhr mit einem Gebet in der Heiliggeist-Kirche
In einem intensiven Programm erarbeitet die Versammlung pastorale Wegweiser auf Grundlage von Herausforderungen und Chancen in Gesellschaft und Kirche der Zukunft und sucht nach optimierten synodalen Strukturen im Bistum Basel. Die Vorbereitungsdokumente haben durchaus das Potenzial für einen synodalen Mutausbruch, der Veränderungen in der Kirche anstossen kann.

Im Haus Sunnematt begleitet eine Kerze die Synodale Versammlung in Bern | © Arnold Landtwing
Pater Martin Schmid zog im 18. Jahrhundert in die Jesuiten-Mission in Bolivien. Bis heute ist sein Name dort ein Begriff und die Kirchen, die er im bolivianischen Tiefland Chiquitania errichtet hat, gehören heute zum UNESCO-Weltkulturerbe. Eine multidisziplinäre Inszenierung regt zum Erinnern und Nachdenken an.
„Berühmte Baarerinnen und Baarer? Da kommen viele ins Grübeln. Hans Waldmann vielleicht, der Haudegen aus Blickensdorf, der es als Heerführer bis zum Bürgermeister von Zürich gebracht hatte. Aber Pater Martin Schmid – bei den allermeisten hierzulande Fehlanzeige.“ schreibt Franz Lustenberger einleitend in seinem zweiseitigen Pfarreiblatt-Beitrag zum Baarer Jesuiten.
Franziska Schmid hat sich in Bolivien auf Spurensuche gemacht und ist als Nachfahrin von P. Martin Schmid mit Dankbarkeit und als Ehrengast willkommen geheissen worden. Alles zur Geschichte dieses Baarers und dem Kulturprojekt, das im Monat September eine vertiefte Auseinandersetzung mit dessen Missionstätigkeit ermöglicht, finden Sie hier im aktuellen Pfarreiblatt (Seite 6 und 7).
Vom 5. September bis 1. Oktober 2023 widmet sich ein dreiteiliges Kulturintermezzo in Baar und Zug dem Baarer Jesuiten. Mit zwei Ausstellungen «Pater Martin Schmid – Auf den kolonialen Spuren seines Erbes» und «Pater Martin Schmid – Menschen bauen Welten!» beleuchtet der Verein Pater Martin Schmid dessen Geschichte, Rollen und Wirken.
Alle Informationen finden Sie hier auf der Website Pater Martin Schmid.
Nach elf Jahren hat P. Antonio Enerio kürzlich die Leitung der deutschschweizerischen philippinischen Mission seinem Nachfolger Julipros Dolotallas übergeben. Im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes in der vollen Kirche Maria-Lourdes in Zürich-Seebach wurde er verabschiedet.
Weil er in der gesamten Deutschschweiz Gottesdienste feierte, war für den philippinischen Priester viel Reisen angesagt und das Zugabteil wie ein zweites Zuhause. Im Namen der Katholischen Kirche Zug bedanket sich Geschäftsstellenleiterin Melanie Hürlimann für die intensive Zeit: «Du warst für Gottesdienste unterwegs in Aarau, Basel, Bern, Brugg, Lucerne, Thun, Wil, Winterthur, Zürich sowie bei uns im Kanton Zug. Dabei war es Dir immer wichtig, für die Menschen da zu sein, ihre Bedürfnisse und Anliegen wahrzunehmen.» Für den neuen Abschnitt als Seelsorger in einer österreichischen Pfarrei wünsche sie ihm alles Gute und dem neuen Leiter der Philippinenmission viel Geduld, Kraft für die neuen Aufgaben und freudige Begegnungen. Beiden Seelsorgern überreichte als Reiseproviant einen Korb mit typischen Schweizer Produkten.
Über 20 Jahre war Guido Estermann für die Katholische Kirche im Kanton Zug tätig: Zuerst zwölf Jahre als Redaktor des Pfarreiblatts und anschliessend zehn Jahre als Leiter der Fachstelle Bildung Katechese Medien BKM. Jetzt verlässt er die VKKZ und wechselt ins Generalvikariat Zürich-Glarus.
In den vergangenen zehn Jahren hat Guido Estermann als Leiter das Gesicht der BKM geprägt und mit der Fachstelle über den Kanton Zug hinaus als Kompetenzzentrum ausgestrahlt. Er engagierte sich für Entwicklungen von Strategien und Projekten, welche auf der Grundlage des «Leitbildes Katechese im Kulturwandel» und des «Lehrplans Religionsunterricht und Katechese» – in Fachkreisen bekannt unter dem Kürzel «LeRuKA» – umgesetzt wurden.
Neben Aufgaben wie dem Entwickeln, Konzipieren und Durchführen von Ausbildungsmodulen wirkte er auch in der Ausbildungsleitung im Zentralschweizer Bildungsraum Modu-IAK mit. Mit seiner «Vision 2030» verfolgte er das Ziel, «mündiges Christsein zu leben, damit die Faszination des Christentums wach bleibt.» Konkret hatte er damit eine neue Rolle der katechetisch Tätigen vor Augen, die sich aktiv in die Gestaltung der Pastoral einbringen sollen und damit Katechese und Religionsunterricht Teil einer gesamtpastoralen Entwicklung werden.
«Die Kirche muss sich als eine Garantin christlicher Werte und christlicher Menschenbilder stark machen. Deshalb muss sie ihre eigenen Hausaufgaben machen, die Kritik zum Anlass nehmen, sich zu verändern. Sie darf sich nicht in Strukturdiskussion verlieren und stagnieren. Dazu braucht es alle: Sie, du, wir -arbeiten wir an dieser Vision.» Guido Estermann
Das vielfältige Wirken von Guido Estermann kann nur summarisch gewürdigt werden – die Liste reicht von ökumenischer Zusammenarbeit über die Vernetzung mit der Direktion für Bildung und Kultur bis hin zur Rektorenkonferenz des Kantons Zug. Sehr wertvoll und für beide Seiten erkenntnisbereichernd war auch seine Tätigkeit als Dozent an der Pädagogischen Hochschule Schwyz.
Besondere Erwähnung verdient abschliessend das Projekt «Kulturpunkte Zug», welches spannende Geschichten und Hintergrundinformationen zu katholischen Kulturstätten im ganzen Kanton Zug vermittelt. Historisch, kulturgeschichtlich, theologisch: typisch Guido Estermann.

Guido Estermann verabschiedet sich von Kolleginnen und Kollegen | © Arnold Landtwing
Im Namen aller Mitarbeitenden der VKKZ und des Präsidiums dankte Gesamtstellenleiterin Sandra Dietschi in einer Abschiedsfeier Guido Estermann für sein enormes Schaffen und Wirken, «für deine hohe Kompetenz, für dein Da-Sein und So-Sein».
Ab September übernimmt Guido Estermann im Generalvikariat der Bistumsregion Zürich und Glarus die Verantwortung als «Beauftragter des Generalvikars für Pastoral».
Ein ausführliches Interview mit Guido Estermann unter dem Titel «Die BKM hat mich fachlich weitergebracht» finden Sie im Pfarreiblatt Seite 5 hier.
Erster Schultag nach den Sommerferien. Da steht für einige auch der Religionsunterricht auf dem Stundenplan. Obwohl das Fach Religion nicht versetzungsrelevant ist, ist es dennoch elementar, so Katechet Rainer Uster im Portrait auf kath.ch.
Seit Mai dieses Jahres leitet Toni Kurmann SJ (59) das Lassalle-Haus, Bildungsstätte und spirituelles Zentrum der Jesuiten in Bad Schönbrunn, oberhalb von Zug. Im Interview gibt er Einblicke in sein aktuelles Wirken.
Toni Kurmann, das Lassalle-Haus ist mit seiner offenen spirituellen Ausrichtung eine gefragte Weiterbildungsstätte. Wie fühlen Sie sich als neuer Leiter dieses Hauses nach den ersten 100 Tagen?
Es geht mir gut. Ich bin rundum am Entdecken, lerne Menschen innerhalb und ausserhalb des Hauses kennen sowie die betriebswirtschaftlichen Herausforderungen. Gerne mache ich Führungen für die Gäste, um von ihnen Rückmeldungen zu erhalten. So erfahre ich, was ankommt und was weniger. Auch mit der Nachbarschaft pflege ich Kontakte, beispielsweise den Bauern, die uns die Milch bringen, und der Gärtnerei der Zuwebe, die Lebensmittel für die Küche liefert. Ausserdem geniesse ich jeden Tag die wunderbare Landschaft, die unser Haus umgibt.
Wie viele Menschen arbeiten im Lassalle-Haus?
Das Lassalle-Haus wird von vielen Menschen mitgetragen. Das sind 30 Angestellte, 5 Jesuiten, gut 80 Kursleitende und rund 15 bis 20 Freiwillige. Zu ihnen zählen beispielsweise unsere Blumenfrauen, die Blumen aus der hauseigenen Umgebung pflücken und kreativ zusammenstellen. Wir nennen es «Meditation in Blumenform».
Was macht das Lassalle-Haus zum Kraftort?
1860 als Kurhaus erstellt, ist das Lassalle-Haus eingebettet in eine bezaubernde Landschaft mit vielen, auch sehr alten Bäumen und rund 20 Quellen. Von einem Zipfel des Grundstücks aus geniesst man eine herrliche Sicht auf den Zugersee. Von seiner Architektur her ist das Haupthaus vom Architekten André Studer wie eine Parabel gebaut, eine geometrische Form, die sich gleichmässig in die Unendlichkeit ausbreitet. Auf dem Gelände sind nirgends Zäune, die das Grundstück abgrenzen. Es vereint sich gewissermassen mit der Umgebung. Der Scheitelpunkt der Parabel, bzw. der zentrale Ort des Hauses, ist die Kapelle. Wer auf ihrem Boden steht, steht auf Jura-Kalkstein mit fossilen Versteinerungen, also auf dem uns allen gemeinsamen Fundament der Evolution des Lebens.
Das Angebot Ihres Hauses erfreut sich mit jährlich rund 250 Kursen grosser Nachfrage. Was macht dieses Angebot einzigartig?
Im Lassalle-Haus geht es um Spiritualität, Heilung, Versöhnung, um den Dialog zwischen verschiedenen Konfessionen. Unsere Angebote vereinen dreierlei unter einem Dach: Kognitives Lernen durch die Vermittlung von Inhalten, Gruppenprozesse, in denen Neues erarbeitet wird, und Orte für Meditation, Gottesdienste und Rituale. Die Konstruktion des Hauses und seine Infrastruktur stehen ganz im Dienst dieser Angebote. So beispielsweise unsere 4 Speisesäle, die den Gruppen geschützte Arbeitsprozesse auch während der gemeinsamen Mahlzeiten ermöglichen.
Die Kirchenbänke leeren sich, Ihr Jahresprogramm hingegen wird umfangreicher? Was machen Sie anders?
Wir sind Teil der Kirchen und arbeiten nicht isoliert, sondern eng mit ihnen zusammen. Aber sind wir anders aufgestellt, haben Experimentierraum, denn wir sind nicht einem Bistum unterstellt. An unseren Weiterbildungen nehmen viele Kirchenleute teil. Oft bilden sie sich in Exerzitien weiter und bieten dann in den Pfarreien eigene Kurse an. Die beiden Jesuiten Bruno Brantschen wie auch Wilfried Dettling begleiten Seelsorgerinnen und Seelsorger ausserdem in ihrer eigenen spirituellen Entwicklung, beispielsweise zu den Themen «Nähe und Distanz», «Begleitung in Trauer» und Vorbereitung für die Pensionierung. Dies im Auftrag des Bistums.
Haben Sie schon Ideen und Pläne für die Zukunft?
Vorerst will ich die Tradition des Hauses, die Quellen vor Ort verstehen, freilegen und optimal zum Wirken bringen. Im stetigen Austausch mit unseren Besucherinnen und Besuchern möchte ich dann herausfinden, welche weiteren Orientierungshilfen wir den Menschen anbieten könnten. Dazu werde ich mich auch mit den grossen Trends in der Gesellschaft und in der Spiritualität beschäftigen und mich fragen, mit welchen Formaten wir darauf antworten wollen.
Können Sie ein konkretes Beispiel machen, wo Sie noch aktiver werden wollen?
Eine Frage wird beispielsweise sein, mit welchen Angeboten wir die «Babyboomer»-Generation, die jetzt ins Pensionsalter kommt, in der kommenden Lebensphase begleiten wollen. Dann haben offensichtlich seit der Coronazeit sehr viele junge Menschen in den Social Media Meditations-Apps zu nutzen begonnen. Wir möchten dieser Generation bei ihrer Suche in der Spiritualität Wegbegleitung anbieten. Gerne weise ich auf den neuen Podcast «Einfach beten» der Jesuiten hin.
Interview: Bernadette Thalmann
Jahrzehntelang haben sie in Stadtzuger Pfarreien als Hauswartin und als Sakristane gewirkt, dieses Jahr sind sie alle in den Ruhestand gegangen. Rückblickend erzählen von bewegenden Erfahrungen ihrer Berufstätigkeit.
Zufrieden blicken sie auf die vergangenen zwanzig bis dreissig Jahre Berufstätigkeit in zwei Stadtzuger Pfarreien zurück, im Verlauf dieses Jahres wurden sie pensioniert. Eine Laufbahn als Sakristan oder als Hauswartin hatte niemand von ihnen bewusst geplant, es waren vielmehr der Zufall, gesundheitliche Gründe und ein Stellenverlust, der ihnen anfangs der Neunziger- und Nullerjahre diesen Weg geebnet hatte. Die vier – sie sind Jacqueline und Giuseppe Capaldo, die in der Pfarrei Gut Hirt tätig waren, Markus Jeck, der in der Kirche St. Oswald als Hauptsakristan und Hauswart der Kanzlei wirkte, und Toni Schwegler, Hauptsakristan der Kirche St. Michael und Hauswart des Pfarreizentrums.
«Ich hockte stundenlang im Beichtstuhl»
Markus Jeck war der Kontakt zu den Menschen sehr lieb. Ihnen nahe zu sein in der Trauer, in der Freude oder mit den Ministranten, das sei für ihn das Grösste gewesen. Auch Toni Schwegler ist seiner Arbeit gerne nachgegangen. Vor allem die Hochfeste, Taufen, Konzerte und Veranstaltungen mochte er sehr. Giuseppe Capaldo betont die Vielseitigkeit seines Berufs. Besonders habe er die Nähe zur Theologie, das Mitwirken in den Gottesdiensten und die Zusammenarbeit mit anderen Personen geschätzt. Den Kontakt zu Leuten, den hebt auch Jacqueline Capaldo hervor. Sie und Giuseppe seien aus dem Gastgewerbe gekommen und hätten auch in der Kirche stets gewollt, dass es den Leuten gut geht.
Im Gespräch wird deutlich, dass der Alltag der vier nicht einer langweiligen Routine zum Opfer gefallen war, sondern immer wieder von aussergewöhnlichen Vorfällen durchzogen wurde. Schmunzelnd erzählt Jacqueline Capaldo, wie Bauarbeiter neben der Kirche in der Mittagspause waren, und wie sie immer wieder zur Kirchenuhr hochblickten, um zu sehen, wann es 13 Uhr sei. Dass die Kirchenuhr um 12.45 Uhr wegen Revisionsarbeiten stehengeblieben war, hatten die Bauarbeiter bis 13.30 Uhr nicht bemerkt. Ein andermal, als in der Kirche die Marienstatue von Unbekannten immer wieder mit flüssigem Wachs bespritzt wurde, wollte Giuseppe Capaldo herausfinden, wer dahintersteckte. «Ich hockte täglich stundenlang im Beichtstuhl, da ich sie erwischen wollte», sagt er. Sein Ausharren war erfolgreich, er ertappte zwei Frauen in flagranti. Er sei ihnen hinterhergerannt. Eine entkam, die andere erwischte er. Am heiterhellen Tag auf dem Vorplatz der Kirche. Ein Passant meinte, Capaldo wolle sich an der Frau vergehen und hielt ihn fest. So sei auch die zweite Frau entkommen.
Diebstahl und Alpensegler in der Kirche
Markus Jeck erzählt von Trauerkarten, die jemand an einer Beerdigung aus einem Körbchen in der Kirche St. Oswald geklaut hatte. Einige Tage später seien die aufgerissenen Karten in der Kirche Gut Hirt gefunden worden und konnten doch noch der Trauerfamilie überreicht werden. Seither wird im St. Oswald für die Trauerkarten eine diebstahlsichere Kiste aufgestellt. Und mit einem Schmunzeln erwähnt er die Alpensegler, die jedes Jahr im Turm von St. Oswald nisten. Einer von ihnen habe ein so starkes Bedürfnis gehabt, in der Kirche herumzufliegen, dass er sage und schreibe drei Tage lang im Kirchenraum hin und her flog und sich an der Messe beteiligte, indem er immer wieder dazwischen zwitscherte, bis er endlich eingefangen und in die Freiheit entlassen werden konnte.
Einschneidend war für Toni Schwegler das Zuger Attentat. Er schildert, wie die Polizei die Kirche vor dem Trauergottesdienst akribisch untersuchte. Und wie eine Trauerfamilie einen Einbruchalarm auslöste. Sie wollten am Abend vor dem Trauergottesdienst die Kirche sehen, hatten dazu aber fälschlicherweise einen Schlüssel erhalten, der nur via Sakristei in die Kirche führt. Ein andermal, erzählt Toni Schwegler lachend, sei ein Mann beauftragt worden, Bilder aus der St. Verena-Kapelle zu restaurieren. Als er diese habe entfernen wollen, habe eine aufmerksame Passantin gedacht, er wolle die Bilder stehlen. Kurzerhand habe sie ihn in der Kapelle eingeschlossen, bis die Polizei vor Ort war.
Sakristane sind eine Art Seelsorger geworden
Was alle vier beobachtet haben, ist, dass Anlässe in den vergangenen Jahren zeitintensiver und anspruchsvoller geworden sind. Auch werden die Kirchen heute häufiger für Konzerte genutzt. Ebenfalls bestätigen sie, dass sich der Beruf als Sakristan zu einer Art Seelsorger entwickelt habe, da sie stets vor Ort seien. Immer wieder habe es Situationen gegeben, in denen sie festgestellt hätten, dass es jemandem nicht gut geht und dass man dieser Person zuhören müsse. Und: Einhellig sagen sie, dass sie denselben Weg erneut gehen würden. Was sie ihren Nachfolgern mit auf den Weg gegeben haben? Markus Jeck: «Denk dran, das Wichtigste hier drin sind die Menschen da draussen!» (Gespräch Marianne Bolt im Pfarreiblatt 34/35)
Bereits als Teenager engagierte sich Roman Ambühl für die Umwelt. Jüngst hat er nun eine Weiterbildung in Umweltmanagement beim «Grünen Güggel» abgeschlossen und will den Zuger Pfarreien helfen, sich zertifizieren zu lassen.
Er trägt er das Umweltbewusstsein in den Genen. Denn das Engagement von Roman Ambühl, heute Seelsorger bei der Pfarrei St. Johannes, beginnt bereits in der frühen Jugend, wie er erzählt: Schon mit 14 Jahren arbeitet er im Weltladen Cham (heute «Claro»). Geprägt von der ab 1989 aktiven «Bewegung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung» organisiert er Aktionen fürs «Fastenopfer» (heute «Fastenaktion»), beispielsweise indem er zusammen im andern an der Kantonsschule «Fastenburger» verkauft.
Mit dieser Ethik im Rucksack verspürt er später dann auch den Wunsch, Theologie zu studieren. Denn Kirche und Nachhaltigkeit sind eng miteinander verbunden. «Gott trägt die Schöpfung», so begründet er, «und jede Gefährdung von Leben bedeutet demnach eine Infragestellung des Göttlichen. Gott und Leben sind eins». Auch Papst Franziskus setze sich in der Enzyklika «Laudatio si» klar für Massnahmen gegen den Klimawandel und die damit verbundenen sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen ein.
«Die Zuger Kirchen sind weit weg von einer Vorbildrolle, was den Stand ihrer Emissionen betrifft», so Roman Ambühl. Deshalb will er handeln, den «Handabdruck» vergrössern, damit der «Fussabdruck» kleiner wird. Nur so kann die Kirche ihrem ethischen Anspruch gerecht werden.
Als frisch gebackener «Berater für kirchliches Umweltmanagement» ist er bestens aufgestellt dafür. Denn das Umweltmanagement «Grüner Güggel» hilft Kirchgemeinden bei der Verbesserung ihrer Umweltleistung. Es dient der Optimierung des Ressourcenverbrauchs, spart Betriebskosten und wirkt langfristig über die Gemeindegrenzen hinaus.

Der Prozess bis zur Zertifizierung verläuft in 10 Schritten, erklärt Roman Ambühl. Er beginnt mit der Beschreibung des Ist-Zustands, dann werden Ziele und Prioritäten formuliert, gefolgt von konkreten Massnahmen. Schliesslich wird ein Umweltbericht verfasst. Wenn dann die Experten alles überprüft und für gut befunden haben, erfolgt die Zertifizierung. Insgesamt dauert das 1,5 bis zwei Jahre.
Der Prozess ist nie abgeschlossen. Ständig wird mit neuen Zielen verbessert, der aktuellen Umweltsituation und dem technologischen Stand entsprechend. Ein Nachhaltigkeitsprojekt braucht eben auch nachhaltig Aufmerksamkeit.
Und welches sind die wirksamsten Hebel zu einer besseren Umweltbilanz? Da braucht Roman Ambühl nicht lange nachzudenken: «Primär müssen wir mit unseren Immobilien weg von fossilen Brennstoffen beim Heizen. Das bedeutet derzeit, vermehrt Wärmepumpen in Kombination mit Solar, Wind oder Wasser einzusetzen. Parallel dazu helfen Dämmungsmassnahmen gegen die Energieverschwendung». Er beginnt, sein Konzept detailliert darzulegen und das Engagement des «SINNsorgers» – wie er sich selbst versteht – steigt. Seine Augen leuchten. Man spürt es: Er würde am liebsten gleich loslegen.
Auf persönlicher Ebene hat er längst loggelegt. Sein bestehendes und neu erworbenes Wissen setzt er laufend auf allen Ebenen im Alltag um, in persönlichen wie auch als Moderator in «Klimagesprächen», angeboten von «Fastenaktion»/Heks, oder auch in der Politik.
In welcher Form, welchem Umfang, mit welchen Zielen und für welche Pfarreien Roman Ambühl das Umweltmanagement der Kirchen mitgestalten wird, wird sich bald entscheiden. Die Abklärungen sind im Gange. (Das Gespräch führte Bernadette Thalmann)