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Mit hohem Tempo entwickeln sich digitale Technologien weiter. Doch wie wirken sich Smartphones, Chatboots und ChatGPT auf Familien aus? Damit beschäftigt sich aktuell die Pfarrei St. Martin in Baar und lud kürzlich zur Veranstaltung «Digitalisierung im Familienalltag aus biblisch-ethischer und pädagogischer Perspektive» ein.

Familienväter, Grossmütter, Mitarbeitende der Zuger Pfarreien, Lehrpersonen und weitere Fachpersonen aus dem Bildungsbereich, trafen sich am Samstag, 22. März nicht online, sondern im Pfarreiheim St. Martin in Baar. Sie verband das gemeinsame Interesse und die Sorge über die Herausforderungen der digitalen Transformation. Wie kann ein guter Umgang mit digitalen Technologien wie Smartphones und Künstlicher Intelligenz aussehen? Die Veranstaltungsreihe «Am Puls der Zeit» der Pfarrei St. Martin gibt Antworten auf aktuelle gesellschaftliche Fragen und nimmt dabei auch Bezug zur Bibel.

Die Veranstaltung begann mit einem spannenden Vortrag von Jenny Gmünder, Religionspädagogin in Ausbildung am Religionspädagogischen Institut Luzern und Organisatorin der Veranstaltungsreihe. Foto: Melanie Schnider

Das sagt die Bibel zur Digitalisierung

Obwohl die Bibel keine explizite Stellung zur digitalen Transformation nimmt, gibt es Erzählungen, die zum Nachdenken anregen und Analogien zulassen – etwa die Geschichte des Turmbaus zu Babel oder die Schöpfungsgeschichte. Letztere beschreibt, wie Gott den Menschen schuf und ihn beauftragte, die Erde zu bearbeiten und zu pflegen. «Mit diesem Auftrag gab uns Gott auch die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen», erklärte Jenny Gmünder, Religionspädagogin in Ausbildung am Religionspädagogischen Institut Luzern und Organisatorin der Veranstaltungsreihe. Sie fügte hinzu: «Aus einer jüdisch-religionsgesetzlichen Perspektive schuf Gott die Menschen, damit diese die Erde schützend pflegen, nicht aber aufgrund von Selbstsucht zerstören.» Aufgrund der rasanten technologischen Geschwindigkeit, der Komplexität und der Intransparenz falle der Mensch zusehends in eine Ohnmacht. «Wir geben unser Tun und unsere Verantwortung immer mehr digitalen Technologien ab», betonte sie.

Geschickt zog Jenny Gmünder das Publikum mit Fragen in ihr Referat ein. Foto: Melanie Schnider

Doch Maschinen und Künstliche Intelligenz können keine Verantwortung übernehmen. Weshalb dies so ist, illustrierte Prof. Peter G. Kirchschläger, einer der Gastreferenten: «Wenn ein selbstfahrendes Auto einen Unfall verursacht, macht es keinen Sinn, es als Strafe nicht mehr an den Strom zu hängen.» Verantwortung sollte stets bei den Menschen bleiben, die hinter der Technologie stehen – auch für die Auswirkungen, die die digitale Entwicklung auf Kinder hat.

Prof. Peter G. Kirchschläger und Jenny Gmünder während des Podiumsgesprächs. Foto: Melanie Schnider

Wie wirkt sich das Smartphone auf die Eltern-Kind-Beziehung aus?

Als gravierendes Phänomen nannte Jenny Gmünder Phubbing. Phubbing ist die flüchtige Interaktion mit dem Smartphone während eines persönlichen Gesprächs, das spontane Umschalten der Aufmerksamkeit von einem persönlichen Gespräch mit einer anderen Person zum Smartphone. «Beim Kind bewirkt dies zunächst ein Gefühl von Abgewiesen-Sein, was das Selbstwertgefühl schwächt und bis zu Depressionen führen kann», warnte Gmünder. In einem anschliessenden Workshop diskutierten die Teilnehmenden ihre Erfahrungen mit Phubbing sowie dem Umgang mit der Digitalisierung im Familienalltag. Und im Schulalltag?

 

Selbstwirksamkeit statt Abhängigkeit von Künstlicher Intelligenz

Die Digitalisierung in Schulen sollte laut der Gastreferentin Anita Schwegler, Lehrerin und Kindergärtnerin, ein reines Hilfsmittel bleiben. «Bevor Kinder lernen, wie sie Künstliche Intelligenz bedienen, sollten sie erfahren, wie es ist, selbst zu handeln und die Welt auf kleine Weise zu beeinflussen». Der Prorektor der Schulen Baar, Markus Brazerol, betonte: «Das höchste Gut in der Bildung sind zwischenmenschliche Beziehungen. Diese darf ein digitales Gerät nicht ersetzen.» Die Verantwortung für die Bildung müsse weiterhin beim Menschen bleiben. Jenny Gmünder sieht auch eine wichtige Verantwortung bei der Kirche: «Pfarreien sollen sich mit drängenden gesellschaftlichen Fragen befassen und den Menschen durch ihre Antworten neue Orientierung bieten.»

 

Ausblick
Die zweite Veranstaltung der Reihe «Am Puls der Zeit» findet am Samstag, 26. September 2026 in der Pfarrei St. Martin in Baar statt.

Uhrzeit: 08.45-12.00 Uhr
Thema:
 Technologische Innovation – Segen oder Fluch?
Fokus:
 Transhumanismus
Gastreferentin:
Frau Dr. theol. Alexandra Kaiser-Duliba, Wissenschaftliche Oberassistentin der Theologischen Fakultät an der Uni Luzern

Ex-Gardisten der Schweizergarde trafen sich kürzlich im Lassalle-Haus zu ihrer Generalversammlung. Dabei erlebten sie ein besonderes Highlight: Ein ehemaliger Gardist, der heute Priester ist, hielt die Heilige Messe.

Jedes Jahr treffen sich die ehemaligen Gardisten der Sektion Zentralschweiz zu ihrer Generalversammlung in einem anderen Kanton. Dieses Jahr war der Kanton Zug an der Reihe. Am Samstagnachmittag, 29. März trafen sie sich zusammen mit ihren Familien im Lassalle-Haus in Edlibach. «Es ist uns wichtig, unsere Generalversammlungen mit einer zu Messe beginnen», erklärte Erwin Niederberger, Präsident der ehemaligen Gardisten Sektion Zentralschweiz. So feierten die Versammelten in der Roten Kapelle des Lassalle-Hauses die Heilige Messe.

Ex-Gardist als Zelebrant

Der 34-jährige Ivan Šarić ist seit vier Jahren Priester im Bistum St. Gallen. Zuvor diente er als Gardist dem Papst. Nun stand Šarić vor seinen ehemaligen Kameraden und las die Heilige Messe. Einige von ihnen kannte er noch aus ihrer gemeinsamen Dienstzeit in Rom.  «Es war eine grosse Freude, dass wir Ivan Šarić gewinnen konnten, die Messe mit uns zu feiern. Das machte die 61. Generalversammlung zu einem ganz besonderen Ereignis», sagte Niederberger.

Im Gottesdienst erzählte Šarić das Gleichnis des verlorenen Sohnes. In dieser Erzählung aus dem Lukasevangelium verkündet Jesus, dass ein Kind immer zu seinem liebenden Vater zurückkehren darf – egal, was es zuvor angestellt hat.

Bedeutungsvolles Wiedersehen

Das Gleichnis passt zu einem Zitat von Johannes von Kreuz, das Ivan Šarić zu seiner persönlichen Lebenseinstellung gemacht hat: «Wo keine Liebe ist, bringen Sie Liebe hin, und Sie werden Liebe finden.» Es sei schön gewesen, wie der Priester die Freude über die Rückkehr des verlorenen Sohnes betont habe, meinte Erwin Niederberger. Dies habe die Messe in feierlichem Licht erscheinen lassen. Auch unter den Versammelten war Freude spürbar, denn viele der Ex-Gardisten hatten sich lange nicht gesehen.

Rückblick und Ausblick

Während der Generalversammlung blickte Erwin Niederberger auf das vergangene Vereinsjahr zurück, das Höhepunkte wie die Fronleichnamsprozession, das Familienpicknick und das Jass-Turnier bot. Die nächste GV der Ex-Gardisten der Sektion Zentralschweiz findet im Kanton Schwyz statt.

Der Vorstand der Ex-Gardisten Zentralschweiz (v. l.): Martin Weingartner (neu gewählter Armiere), David Schwegler (Kassier), Philipp Ziehlmann (Beisitzer), Erwin Niederberger (Präsident), Pierre Rohner (Aktuar) und Matthias Loppacher (Fähnrich). Foto: exgardisten.ch

Seit dem 1. November 2024 ist Franca Dalchow die neue Leiterin der Beratungsstelle «Leuchtturm, Diakonie & Soziales» der Katholischen Kirchgemeinde Zug. Zuvor arbeitete sie über 20 Jahre vorwiegend im Justizvollzugsbereich. Was motivierte die 43Jährige, nun im kirchlichen Bereich Menschen in herausfordernden Lebenssituationen zu begleiten? Das und Weiteres erzählt die gebürtige Berlinerin im Interview.

Wohlwollend schaut Franca Dalchow der Klientin ins Gesicht. Das Gespräch fällt der jungen Frau zunächst nicht leicht. Doch Franca Dalchow hört aufmerksam zu, als ihr die Klientin von den vielen Herausforderungen ihres Lebens erzählt. Dalchow macht sich einige Notizen, ermutigt die junge Frau und reicht ihr eine Broschüre – eine erste Hilfe zur Selbsthilfe. So oder ähnlich sieht eine Szene eines Beratungsgesprächs im Leuchtturm aus. Der Leuchtturm ist eine Beratungsstelle der Katholischen Kirchgemeinde Zug, die Menschen im Kanton Zug unabhängig von ihrer Herkunft, sozialem Stand, ihrer Religion oder Weltanschauung offensteht. Das Team des Leuchtturms unterstützt Menschen in herausfordernden Lebenssituationen. Seit dem 1. November 2024 ist Franca Dalchow die neue Leiterin des Leuchtturms. Zuvor arbeitete sie über 20 Jahre grösstenteils im Justizvollzugsbereich, zunächst als Sozialpädagogin, dann als Vollzugskoordinatorin.

Warum haben Sie sich entschieden, nach den beiden Jahrzehnten im Vollzugsbereich zu einer kirchlichen Beratungsstelle zu wechseln?
FRANCA DALCHOW: Über 20 Jahre habe ich grösstenteils im Zwangskontext gearbeitet, meist mit kriminellen, teils drogenabhängigen Jugendlichen oder jungen Erwachsenen in Heimen, Strafanstalten, aber auch der Jugendgerichts- und Jugendbewährungshilfe. Dieses Setting war immer besonders und ich stellte mich diesem gern. Gleichzeitig habe ich nach den vielen Erfahrungen das grosse Bedürfnis verspürt, mich selbst nochmals weiterzuentwickeln.

Was hat Sie neben der persönlichen Weiterentwicklung besonders für die Leitungsstelle des Leuchtturms motiviert?
Ich achte Menschen und interessiere mich sehr für sie und ihre Lebensgeschichten. Wer sie sind, wie sie leben, was sie brauchen und wie ich sie unterstützen kann. Jeder Mensch war und ist es mir wert, mit ihm neue Lebensperspektiven zu entwickeln. Zudem macht es mir grosse Freude, ein Team leiten zu dürfen. Das Herzblut des Leuchtturm-Teams spüre ich jeden Tag.

Mit welchen Herausforderungen kommen die Menschen aus dem Kanton Zug zu Ihnen?
Die Herausforderungen sind ganz vielfältig. Menschen suchen unsere Beratungsstelle mit Anliegen in folgenden Bereichen auf: Arbeit und Arbeitslosigkeit, psychische und physische Gesundheit, Problemstellungen in Familien und Beziehungen, Sucht sowie finanzielle Unterstützung in Notlagen. Oft geht es auch um alltagspraktische Themen. Wenn es beispielsweise jemand nicht mehr schafft, über Wochen die Post zu öffnen oder sich Behörden zu stellen. Der Leuchtturm unterstützt dabei, lässt die Hilfesuchenden jedoch autonom handeln. Was auffällt, die Probleme werden immer komplexer und setzen sich aus mehreren Faktoren zusammen.

Was könnte ein Grund für die immer komplexer werdenden Herausforderungen sein?
Unsere Gesellschaft ist sehr schnelllebig. Themen wie Leistungsdruck, Alltagsbewältigung, inflationärer Wohnungsmarkt, Social Media und politischer Wandel fliessen ineinander. Was unsere Gesellschaft benötigt, ist Stabilität.

Welche Entwicklungen wünschen Sie sich für den Leuchtturm in den kommenden Jahren?
Unser Ziel ist es, im Kleinen Grosses zu bewirken und Unterstützung und Stabilität zu bieten. Zudem möchte ich unsere Angebote ausbauen und unseren Bekanntheitsgrad erhöhen. Denn schon Mahatma Gandhi sagte treffend: «Die Zukunft basiert auf dem, was wir heute tun.»

 

Franca Dalchow verbringt ihre Freizeit oder ihre Mittagspause gerne am Zuger See. Foto: Melanie Schnider

Biblegrafix bringt die Bibel auf anschauliche Weise ins Klassenzimmer oder in Gottesdienste. Wie diese Methode funktioniert, erlernten Zuger Religionslehrpersonen kürzlich an einem Weiterbildungsnachmittag in Baar.

Ein paar Striche und schon leben Abraham, Mose oder Paulus. Ein paar Striche und der Religionsunterricht oder ein Gottesdienst lebt wie eine Comicgeschichte. Die Idee hinter Biblegrafix ist es, mit einfachen, klaren Zeichnungen Bibelgeschichten zu erzählen und somit anschaulich und einprägsam zu vermitteln. Der Stil der Biblegrafix -Zeichnungen erinnert dabei an Comics – jedoch in einer simpleren Form. Kürzlich lud die Fachstelle Bildung, Katechese und Medien BKM Religionslehrpersonen ins Haus Sunnematt nach Baar ein, um Katechetinnen und Katecheten diese Methode für den Religionsunterricht näherzubringen.

Die Religionslehrpersonen erlernten, wie sie Biblegrafix-Figuren zeichnen können. Foto: Melanie Schnider

Zeichnungen als universelle Sprache

«Einfache Bilder helfen, die Bibelgeschichte zu verstehen und die Botschaft besser zu behalten», erklärte Claudia Kündig. Sie leitete die Veranstaltung gemeinsam mit ihrem Ehemann Ruedi Kündig. Claudia Kündig ist eine freischaffende Bilderbuch-Illustratorin, Motorsägerin, ModernArt-Künstlerin, Event-Malerin und Erfinderin von Biblegrafix. Die Methode ist besonders wertvoll, um Kindern oder auch Erwachsenen mit Migrationshintergrund oder Beeinträchtigungen den Zugang zu biblischen Inhalten zu erleichtern. «Zeichnungen sind eine universelle Sprache. Sie werden von den meisten Menschen sofort verstanden», fährt Kündig fort. Ausserdem helfen die Bilder dabei, sich die Geschichte und deren Botschaft einzuprägen. Neben dem Religionsunterricht eignet sich die Methode auch für Gottesdienste.

Eine Verbindung von visuellen und verbalen Elementen: Claudia Kündig zeichnet, während Ruedi Kündig erzählt. Foto: Melanie Schnider

Einfach – aber wirkungsvoll

Ein grosser Vorteil der Biblegrafix -Methode ist ihre Flexibilität. Sie erfordert keine umfangreiche Vorbereitung und kann auch spontan im Unterricht oder Gottesdienst integriert werden. Besondere zeichnerische Fähigkeiten braucht es für Biblegrafix nicht – die Figuren bestehen aus einfachen Formen wie Kreisen, Strichen und Ovalen. Wie diese zu biblischen Gestalten und ihren Geschichten angeordnet werden, erlernten die Religionslehrpersonen von Claudia Kündig. Sie zeichnete live vor den Teilnehmenden und erklärte ihnen Schritt für Schritt, wie sie eine Biblegrafix -Figur zu Papier bringen und mit ihnen Geschichten visualisieren können. Eines der Highlights war es, als Claudia und Ruedi Kündig mithilfe von Biblegrafix die biblische Wundergeschichte der Hochzeit zu Kana erzählten. Die Wirkung der simplen Methode war gross: Sie versetzte die Religionslehrpersonen in die Rolle eines Publikums und fesselte sie bereits zu Beginn des Erzählens.

Weiterführende Links

www.kuendigs.ch
www.biblepainting.ch

 

Anlässlich des Weltfrauentages lud die Zuger Frauenzentrale sechs beeindruckende Persönlichkeiten zu einer Living Library ein: eine Klosterfrau, eine Traderin, eine Spitzensportlerin, eine Aromatherapeutin, eine Leiterin der Bewährungsdienste und eine Sexualtherapeutin. Was genau eine Living Library ist, und welche faszinierenden Einblicke die Besuchenden erhielten, erfahren Sie in diesem Artikel.

Starke Frauen spielen in der Bibel eine zentrale Rolle. Ein herausragendes Beispiel ist Maria, die Mutter Jesu, ohne die es das Christentum nicht geben könnte. Oder Debora, die als Richterin Israels mittels kluger Kriegstaktik einen Krieg beendete. Auch die Königin Ester, die einen geplanten Völkermord an unzähligen Jüdinnen und Juden verhinderte, ist ein weiteres eindrucksvolles Beispiel. Trotz dieser und vieler anderer bedeutender Figuren haben Frauen in der katholischen Kirche sowie in der Wirtschaft und Gesellschaft noch immer nicht denselben Stellenwert wie Männer. Auf diesen Missstand weisst der Weltfrauentag hin, der jedes Jahr am 8. März gefeiert wird. Zu diesem Anlass organisierte die Frauenzentrale Zug eine besondere Veranstaltung: eine Living Library. «Wir wollten ein Format finden, bei dem Menschen miteinander ins Gespräch kommen, Fragen stellen können und so Vorurteile abbauen können», erklärte Alice Keller, Vorstandsmitglied der Frauenzentrale Zug und Organisatorin der des Anlasses.

Alice Keller (rechts) gestaltete den Anlass in Zusammenarbeit mit der Journalistin Gudrun Sachse. Foto: Melanie Schnider

Ein Nachmittag voller Geschichten und Begegnungen

An der Living Library zum Weltfrauentag konnten die Besuchenden mit sechs aussergewöhnlichen Frauen ins Gespräch kommen: der Klosterfrau Sr. Mattia Fähndrich, der UBS-Traderin Xenia-Sarah Meier, der Sexualtherapeutin Simone Haug, der Spitzensportlerin Nalani Buob, der Leiterin der Bewährungsdienste Obwalden Vanessa Krüger und der Aromatherapeutin Ursula Voneschen. Die sechs Frauen sassen am Samstagnachmittag, 8. März im Brocki Zug. Die Teilnehmenden hatten die Gelegenheit, sich zu ihnen zu setzen, zuzuhören und Fragen zu stellen. «Warum hast du dich für ein Leben im Kloster Heiligkreuz entschieden?», fragte beispielsweise eine Besucherin Priorin Sr. Mattia Fähndrich.

Klosterfrau Sr. Mattia Fähndrich. Foto: Melanie Schnider

So erzählte Fähndrich von ihrer Entscheidung zwischen einem Leben als Entwicklungshelferin oder als Nonne. «Ich habe damals beides ausprobiert: Ich besuchte für eine Woche eine Mission in Tansania. Auch ins Klosterleben schnupperte ich hinein. Bei letzterem wusste ich sofort: Das kann ich mir für längere Zeit vorstellen», erzählte sie. Inzwischen sind 38 Jahre vergangen und noch immer schätze sie die vielen Kleinigkeiten des alltäglichen Klosterlebens.

Sexualtherapeutin Simone Haug beim Erklären und Diskutieren. Foto: Melanie Schnider

Von einem ganz anderen Leben berichtete Simone Haug, Sexualtherapeutin bei eff-zett – das fachzentrum und in ihrer eigenen Praxis am Spital Limmattal. Gemeinsam mit den Besuchenden der Living Library philosophierte sie über die gängigen Bezeichnungen der Geschlechtsorgane. «Lange Zeit bezeichneten wir den weiblichen Intimbereich als ‹Scham›, während Männer meist stolz auf ihr Geschlechtsteil sind. Es ist mir wichtig, Frauen zu ermutigen, ihren Intimbereich mit weniger Abscheu zu betrachten.» Sie riet dazu, statt von «Schamlippen» lieber von «Vulva-» oder «Geschlechtslippen» zu sprechen. Statt «Schamhaare» besser «Intimhaare» zu sagen und die Menstruation nicht als «schmutzig» zu bezeichnen, sondern als natürliche Reinigung des Körpers zu verstehen.

Spitzensportlerin Nalani Buob im Gespräch. Foto: Melanie Schnider

«Ich habe nicht die Macht, das zu verändern»

Eine weitere Lebensgeschichte hörten die Besuchenden von Nalani Buob. Sie ist nicht nur Rollstuhltennisspielerin, sondern auch eine der Spitzensportlerinnen im Swiss Paralympic-Team. «Die Paraolympiade erhält in unserer Gesellschaft leider nicht die gleiche Aufmerksamkeit wie die Olympischen Spiele», sagte Nalani Buob. Das mediale Interesse sei weiterhin gering, oft kämen nur wenige Zuschauende zu den Wettkämpfen. «Ich habe nicht die Macht, das zu verändern, aber ich kann darauf aufmerksam machen und so etwas zur Veränderung beitragen.» Die Teilnehmenden der Living Library waren beeindruckt von der Stärke der jungen Frau und führten die Diskussion weiter.

Vanessa Krüger, Leiterin Bewährungsdienste Obwalden erzählt den Besuchenden der Living Library von ihrer Arbeit. Foto: Melanie Schnider

Doch warum wählte die Frauenzentrale Zug Nalani Buob, Simone Haug, Mattia Fähndrich, Vanessa Krüger, Ursula Voneschen und Xenia-Sarah Meier aus? «Wir haben uns vor der Living Library im Team gefragt, was Frauen besonders gut können», berichtete Alice Keller. Dabei seien sie auf bestimmte Stärken gekommen wie etwa den bewussten Umgang mit Geld. «Deshalb haben wir Xenia-Sarah Meier eingeladen, die erfolgreiche Traderin bei der UBS ist», fügte Alice Keller an. Die stark ausgeprägte Sinneswahrnehmung vieler Frauen verkörpert die Aromatherapeutin Ursula Voneschen. So stehe jede der sechs Frauen für eine besondere Stärke, so Keller.

Die Aromatherapeutin Ursula Voneschen in ihrem Element. Foto: Melanie Schnider

Das sagten die Teilnehmenden

Einer der Besuchenden der Living Library, Florian Rathgeber, meinte: «Ich bin heute hier, weil ich den Weltfrauentag unterstützen möchte. Es ist nicht nur die Verantwortung von Frauen, auf Missstände aufmerksam zu machen, sondern auch von Männern. Ich möchte Verantwortung übernehmen und etwas ändern.» Die Besucherin Leonie Ambühl fügte hinzu: «Heute habe ich ein Video auf Instagram gesehen, in dem Rosen zum Weltfrauentag verteilt wurden. Doch wir brauchen keine Rosen, sondern Gerechtigkeit.»

Traderin Xenia-Sarah Meier berichtet den Besuchenden vom Geldhandel bei der UBS. Foto: Melanie Schnider

Der Verlust eines nahestehenden Menschen kann einen tiefen Einschnitt im Leben darstellen und den Umgang mit Trauer zu einem herausfordernden Prozess machen. Um Menschen in dieser schwierigen Zeit zu unterstützen, lancieren die ökumenische Seelsorge Palliative Care und Palliativ Zug ein neues Angebot: eine begleitete, feste und zeitlich befristete Trauergruppe.

Diese Trauergruppe bietet den Teilnehmenden die Möglichkeit, über acht aufeinanderfolgende Abende ihre persönliche Situation zu reflektieren und sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Die erfahrenen Trauerbegleiterinnen Rita Kälin aus Steinhausen und Irmgard Schmid-Schuler aus Baar werden die Gruppe leiten und den Teilnehmenden wertvolle Unterstützung bieten.
Flyer „Begleitung in der Trauer“

  • Daten: 2./9./16./23. April, 7./21. Mai, 4./18. Juni 2025, 17.30-20 Uhr,
  • Ort: Reformiertes Kirchenzentrum Zug
  • Kosten: CHF 400.-
  • Auskunft: Irmgard Schmid-Schuler (Mobile 079 777 37 04) Mail
  • Anmeldung bis 19. März 2025 an info@palliativ-zug.ch

Guggenmusik statt Orgelspiel, Schnitzelbankpredigt statt Bibeltexte und ganz viele verkleidete Gläubige: Das war der aussergewöhnliche Ökumenische Fasnachtsgottesdienst am Samstag in Steinhausen.

Hexen, Braunbären, Asterix und Obelix sowie weitere Fantasiefiguren mit glitzernden Sonnenbrillen tummelten sich im Zentrum Chilematt in Steinhausen. Über 100 Gläubige feierten gemeinsam den Ökumenischen Fasnachtsgottesdienst, viele von ihnen in ausgefallenen Kostümen. Doch nicht nur die Teilnehmenden waren verkleidet, sondern auch die beiden Geistlichen: Der reformierte Pfarrer Hubertus Kuhns und der katholische Priester Andreas Stüdli erschienen in einem Kuh- und einem Schafskostüm.

Andreas Stüdli und Hubertus Kuhns predigten nicht nur hinter dem Altar, sondern gingen in der Kirche umher. | © Melanie Schnider

Mit einem breiten Lächeln meinte Hubertus Kuhns: «Normalerweise gibt es keine Tiere in der Kirche. Aber heute sieht man an den vielen Verkleidungen: Es geht tierisch zu. Die Guggenmusikerinnen und -musiker sind als Lamas hier, dort drüben haben wir ein paar Ochsen und Esel, und ich sehe auch einige schräge Vögel.» Die Gläubigen schmunzelten amüsiert. Noch mehr lachten sie jedoch während der Schnitzelbankpredigt.

«So müends hüt scho Schöf und Küeh id Chile stelle»

Anstatt herkömmlich zu predigen, trugen Hubertus Kuhns und Andreas Stüdli ihre Gedanken in Reimen vor. Diese waren mit sehr viel Humor zu verstehen. Beim genauen Zuhören vermittelten sie jedoch eine tiefgründige Botschaft und bezogen sich auf das Gleichnis des verlorenen Schafes in der Bibel. Nachdem Hubertus Kuhns aufgezählt hatte, was neben Schafen alles verloren gehen kann, meinte Andreas Stüdli:

«I de Wirtschafts sinds au am sueche
Es Stichwort isch de Fachkräftemangel
Sie werbet mit guetem Lohn und feine Kueche
Trotzdem händ nur selte öpper Gschiits a de Angel.

DAS kännt Chile au nur zu guet.
Wer hät scho zum Schaffe als Pfaff oder Prieschter
Muet.
Es find sich eifach kei gueti Quelle.
So müends hüt scho Schöf und Küeh id Chile stelle.»

Die ganze Schnitzelbankpredigt gibt es hier zu lesen

«Muuuuh» und «Määäh»: Pfarrer Hubertus Kuhns als Kuh und Priester Andreas Stüdli als Schaf. | © Melanie Schnider

Fangis in der Kirche

Hubertus Kuhns forderte den diesjährigen Steivater aus Steinhausen, Lucas I. (Lucas Zingerli), auf, seine Schafherde zusammenzutreiben und sorgte so mit einem Fangis-Spiel in der Kirche für ein weiteres Highlight. Lucas I. rannte mit seinem Steivater-Zepter durch die Kirchgänge, versuchte einige verkleidete Gläubige zu einer Schar zusammenzutreiben – doch diese huschten schnell davon. Die Zuschauer lachten herzhaft.

Als grosse Überraschung stand nach der Schnitzelbankpredigt ein Mann auf, streckte die Arme in die Luft und rief: «Lieber Gott, die Zwei sind zum Lachen. Kannst du aus ihnen nicht eine Schnitzelbankgruppe machen?»

Die Guggenmusik Steischränzer während eines Auftritts im Zentrum Chilematt. | © Melanie Schnider

Fetzige Rhythmen der Guggenmusik Steischränzer

Nicht nur die Schnitzelbankpredigt machte den Ökumenischen Fasnachtsgottesdienst so besonders, sondern auch die Musik. Statt Orgelmusik erklangen am Samstagabend die fetzigen Rhythmen der Guggenmusik Steischränzer im Zentrum Chilematt. «Es ist immer schön, hier zu spielen», sagte Ramona Schönbächler, die Euphonium bei den Steischränzern spielt. «Es ist cool, dass die Leute in den Gottesdienst miteinbezogen werden.» Auch die Teilnehmenden zeigten sich begeistert. Dani Schwarz, Mitglied der Wagenbaugruppe Spasslüte meinte beispielsweise: «Der Gottesdienst war mega cool, offen und richtig fasnachtlich.» Esther Schönenberger, ehemalige Steimutter der Steinhauser Fasnacht, betonte: «Die beiden Pfarrer haben den Gottesdienst sehr gut und äusserst lustig gestaltet.»

Ein Fasnachtsgottesdienst mit Gott

Obwohl der Witz und das gemeinsame Lachen am Samstagabend im Vordergrund standen, war der Ökumenische Fasnachtsgottesdienst mehr als eine Spassveranstaltung. «Es ging auch um das Beten in der Gemeinschaft, um Worte aus der Bibel und gute Wünsche. Es war ein Fasnachtsgottesdienst mit Gott», sagte Pfarrer Hubertus Kuhns.

Aktuell hängen in der Kirche St. Johannes in Zug Jesusbilder, die der ukrainische Künstler Jevgeni Ennio Solomko mit künstlicher Intelligenz erstellt hat. Wie ist er vorgegangen und was will er uns mit den KI-Bildern sagen?

Die meisten kennen zwei klassische Darstellungen von Jesus: am Kreuz und beim Emporsteigen in den Himmel. Doch wie wäre es mit Jesus auf dem Motorrad, in einer silbrig glitzernden Hängematte oder am Smartphone? Genau so zeigt der ukrainische Künstler Jevgeni Ennio Solomko Gottes Sohn. Aktuell präsentiert er seine 14 Bilder im Rahmen der Ausstellung «Jesusbilder WELToffen» in der Kirche St. Johannes in Zug. Das Besondere an ihnen: Jevgeni Ennio Solomko hat alle mithilfe Künstlicher Intelligenz geschaffen. «Ich habe versucht, der Künstlichen Intelligenz meine Überzeugungen von Spiritualität und Glauben zu vermitteln», sagt Solomko im Interview, welches auf Englisch stattfindet. Wie ging er dabei vor?

Jesusbilder mit ChatGPT und Dall-E generieren

Zunächst gab der Künstler bei der textbasierten, künstlichen Intelligenz ChatGPT Prompts (Stichworte und Beschreibungen) ein. Diese verfeinerte der 38-jährige Künstler zusehends. Zur ästhetischen Gestaltung der Jesusbilder verwendete er das Computerprogramm Dall-E, welches Textbeschreibungen bzw. Prompts visuell umsetzt. So entstanden innert vier Monaten 14 KI-Bilder von Jesus, die ihn in der heutigen Welt zeigen. «Mein Ziel war es, Jesus in einer zeitgemässen und verständlicheren Form darzustellen. Meine Serie zeigt Jesus beispielsweise in einer städtischen Umgebung oder im Kontext moderner Technologien», sagt Jevgeni Ennio Solomko. Zugleich sei es ihm wichtig gewesen, «das Wesen seines Bildes zu wahren». «Jesus ist für mich ein Symbol für Wahrheit, Reinheit und das heilige Feuer, das unsere Laster durch die Kraft der Liebe verbrennt», beschreibt er. Jevgeni Ennio Solomko ist in einer christlich-orthodoxen Familie aufgewachsen. Heute versteht er sich als Agnostiker.

Jevgeni Ennio Solomkos Bilder lassen viel Raum für Interpretationen. | © Roman Ambühl

Buddha oder Jesus?

Betrachtet man Solomkos KI-Bilder fällt auf, dass er Jesus mehrmals im Schneidersitz zeigt, einer Sitzvariante, die an Buddha im Lotussitz erinnert. «Ich wollte Jesus bewusst sitzend und meditierend darstellen», betont er. Für viele Menschen bereichere die Meditation das Leben, meint der Künstler und fügt an: «Zudem spielt es keine Rolle, ob in jenen Bildern Jesus oder Buddha gezeigt wird. Im Endeffekt geht es um dieselbe höhere Energie.»

Gottes Sohn als Naturliebhaber

Weitere Jesusbilder greifen Naturelemente auf wie zum Beispiel ein Farnblatt. «Bei diesen Bildern habe ich untersucht, wie Jesus Energien und Organismen betrachtet», erklärt er. Dadurch stellt der Künstler eine Verbindung zur Natur her. «Diese Darstellungen zeigen die Universalität seiner Mission, denn seine Liebe und sein Opfer erstrecken sich auf alle Formen des Lebens», erklärt Jevgeni Ennio Solomko.

 

Nach dem Künstler symbolisiert der Kaktus die Schwierigkeiten und die Blüten die Schönheit des Lebens. | © Jevgeni Ennio Solomko

Pfarreiseelsorger hat die Ausstellung organisiert

Bereits seit dem 2. Februar hängen die KI-Bilder in der Kirche St. Johannes in Zug. Bis zum 15. April sind sie dort zu entdecken. Die Ausstellung «Jesusbilder WELToffen» hat Roman Ambühl, Pfarreiseelsorger der Kirche St. Johannes organisiert. Er beschreibt sie folgendermassen: «Die Ausstellung lädt zur Reflexion über das Ewige und die Gegenwart ein. Sie eröffnet eine metaphysische Reise, bei der die Besuchenden das Bild von Jesus neu betrachten können.»

Ganz anders als am Kreuz: Jesus in einer glitzernden Hängematte. | © Jevgeni Ennio Solomko

 

Nach zweijähriger Planungs- und Umsetzungsphase hat der Kirchenschatz von St. Oswald in der Kapelle Maria Hilf seinen neuen Bestimmungsort gefunden.

 Der Kirchenschatz der Stadtzuger Kirche St. Oswald umfasst eine beachtliche Sammlung bis zu 500 Jahre alter, herausragender Gold- und Silberschmiedearbeiten sowie andere Kunstschätze. Nach einer zwei Jahre dauernden Planungs- und Umsetzungsphase ist er ab anfangs März in der Kapelle Maria Hilf im Rahmen von Führungen öffentlich zugänglich.

Rare Kunstschätze zugänglich gemacht

«Die qualitativ ausserordentlich hochwertigen und beeindruckenden Kunstschätze, insbesondere die Silberstatue des heiligen Michael, sind in dieser Art sehr rar» erklärt Elisabeth Feiler, Kuratorin für Kunst- und Kulturgüter der Katholischen Kirchgemeinde Zug. Entsprechend war es dem Kirchenrat und der Pastoral ein Anliegen, diese einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Der neue, barrierefreie Standort in der Kapelle Maria Hilf ist ideal. Im bestehenden historischen Schrank wurde eine speziell gefertigte, mehrfach gesicherte, klimatisierte Vitrine integriert. Um die Kapelle weiterhin als Andachtsort zu respektieren, wird die Vitrine nur im Rahmen von Führungen geöffnet.

Silberstatue des heiligen Michael. Foto: Beni Suter

Einsegnung und Führungen

Die Einsegnung mit anschliessender Führung findet am Sonntag, 2. März 2025, 11.15 Uhr in der Kapelle Maria Hilf statt. Die Einsegnung nimmt Pfarrer Reto Kaufmann vor. Die Führung übernimmt Kuratorin Elisabeth Feiler.

Die nächsten Führungen finden

  • am Internationalen Museumstag vom 18. Mai,
  • am 23. Mai anlässlich der langen Nacht der Kirchen
  • und am 1. August 2025 statt.

Private Führungen sind auf Anfrage möglich via info@kath-zug.ch.

Alte Tradition

Die Tradition, Kunstschätze in Schränken zu bewahren, reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück, als fürstliche und wohlhabende Bürger repräsentative Sammlungen anlegten, die nur zu besonderen Anlässen gezeigt wurden. Die im Gottesdienst verwendeten Objekte wie Monstranzen oder Kelche, wurden meistens in der Sakristei der jeweiligen Kirche aufbewahrt.

An ein bis zwei Freitagabenden pro Monat findet im Pfarreiheim St. Martin in Baar der Jugendtreff JAM statt. Das grosse Highlight am letzten Freitag war es, gemeinsam Konfetti-Cupcakes zu backen. Über 30 Kinder und Jugendliche waren dabei. Doch es sind nicht nur die Cupcakes, die die Jungen am JAM so schätzen.

Am Freitagabend war das Pfarreiheim St. Martin wohl einer der belebtesten Orte in ganz Baar. Über 30 Kinder und Jugendliche backten gemeinsam Cupcakes, spielten Fussball, knüpften Freundschaftsarmbänder oder setzten sich gemütlich zum Plaudern zusammen. «Würde der Jugendtreff heute Abend nicht stattfinden, dann sässen die Kinder und Jugendlichen zuhause vor TikTok oder Snapchat», sagt Bettina Fink, zuständige Fachperson für die Jugendarbeit der Pfarrei St. Martin. «Oder sie würden in der Kälte am Bahnhof Baar herumhängen.» Dies sei doch traurig, so Fink. Aus diesem Grund hat sie den Jugendtreff JAM ins Leben gerufen. Das Angebot existiert bereits seit zwei Jahren und richtet sich an alle Schülerinnen und Schüler der 5. Klasse bis und mit 3. Oberstufe in Baar. Der Jugendtreff ist jeweils an ein bis zwei Freitagabenden pro Monat geöffnet. Doch was motiviert die jungen Leute in den JAM zu kommen?

Das sagen die Kinder und Jugendlichen zum JAM

«Wenn ich nicht hierherkomme, ist es mir an einem Freitagabend langweilig – auch meinen Freunden. Dann gamen wir die ganze Zeit», sagt Kevin. Einen anderen Aspekt betont Melina: «Es kommen Kinder und Jugendliche von allen Schulen in Baar hierher. So kann man neue Freunde kennenlernen.» Eline sagt: «Hier im Jugendtreff JAM ist es chillig. Es gibt verschiedene Räume. In einem kann man mit einem Töggelikasten spielen, in einem anderen Raum Ping Pong. Wir machen immer etwas Anderes.»

Im Jugendraum im Untergeschoss steht dieser Töggelikasten bereit. | © Melanie Schnider

Konfetti-Cupcakes backen – das grosse Highlight

Neben diesen regulären Angeboten sorgt Bettina Fink an jedem JAM-Freitag für eine zusätzliche, besondere Aktivität. «Ich frage die Kinder und Jugendlichen jeweils nach ihren Wünschen und stelle anschliessend ein Programm zusammen», erklärt sie. Das grosse Highlight an diesem Freitagabend: gemeinsam Konfetti-Cupcakes backen.

Die Konfetti-Cupcakes greifen die Fasnachtszeit auf. | © Melanie Schnider

In Fünfergruppen mischten die jungen Leute nacheinander einen süssen Teig und gaben farbige Zuckerstreusel oder kleine Marshmallows bei, die die Konfettis symbolisierten. «Ich mag Cupcakes so», schwärmt Tristan, «und es ist cool, neue Sorten auszuprobieren.» Kochen und Backen sind bei den Kindern und Jugendlichen besonders beliebt, sagt Bettina Fink. Deshalb stehen diese öfters auf dem Programm. Ganz neu dagegen ist das Kioskprojekt.

 

Zuckersüsse Cupcakes – nicht gesund, doch es ist ja auch Freitagabend! | © Melanie Schnider

Demian leitet den neuen Kiosk

Seit diesem Freitag steht nun an jedem JAM-Freitag ein kleiner Kiosk im Eingang des Pfarreiheims. An diesem verkauft Demian Süssigkeiten, salzige Snacks und alkoholfreie Getränke. «Es motiviert mich extrem, wenn die Leute etwas bei mir kaufen und danach glücklich sind. Verkaufen ist eine Leidenschaft von mir», sagt Demian, der das 10. Schuljahr besucht und bereits eine Schnupperlehre im Bereich Verkauf absolviert hat. Die Kinder und Jugendliche schätzen den neuen Kiosk sehr. Immer wieder stellten sich weitere an. Dabei fiel auf, dass ihr Alter von 10 bis 16 Jahren reicht. Bergen so viele Altersstufen vereint in einem Jugendtreff kein Konfliktpotential?

 

Demians Kiosk ist beliebt. | © Melanie Schnider

«Ich kenne keinen Jugendtreff mit so vielen Räumen wie hier»

In den vergangenen zwei Jahren ist es noch nie zu einem Zwischenfall gekommen. Die jungen Leute verstehen sich gut. Der Jugendtreff für Lernende der 5. Klasse bis und mit 3. Oberstufe funktioniert so gut, weil sich die unterschiedlichen Altersgruppen in verschiedene Räume zurückziehen können. «Ich kenne keinen Jugendtreff mit so vielen Räumen wie hier», sagt Bettina Fink. Ein weiterer Vorteil des Pfarreiheims St. Martin: die Räume verteilen sich auf drei bis vier Stockwerke. Auf jedem herrscht reger Betrieb. Die jungen Leute rennen herum, treffen sich in den Gängen oder setzen sich spontan auf die Treppen. Auf den ersten Blick wirkt der Jugendtreff JAM wie ein grosses «Chäferfäscht». Doch hinter diesem steht viel mehr.

Zwei Mädchen präsentieren ihre neuen Freundschaftsarmbänder. | © Melanie Schnider

Tiefere Bedeutung

In Jugendtreffs mag es «chillig» sein, doch sie sind mehr als nur ein Ort zum Abhängen. «Neben der Schule haben sie hier die Möglichkeit, wichtige Sozialkompetenzen wie Teamarbeit, Konfliktlösung und respektvolles Miteinander zu trainieren», betont Bettina Fink, «Durch gemeinsame Projekte, kreative Aktivitäten und den Austausch mit Gleichaltrigen lernen sie, Verantwortung zu übernehmen, Empathie zu entwickeln und sich in einer Gemeinschaft zurechtzufinden.» Ausserdem vermittelt die kirchliche Jugendarbeit Werte wie Nächstenliebe und gegenseitigen Respekt.

 

Der Jugendtreff JAM bietet den Kindern und Jugendlichen verschiedenes Bastelmaterial. | © Melanie Schnider

«Im kirchlichen Umfeld eine tolle Zeit mit Freunden zu erleben oder auch spezielle Projekte wie der Kiosk motivieren die jungen Menschen dazu, einen Bezug zur Kirche aufrecht zu erhalten und sich ehrenamtlich zu engagieren», betont Bettina Fink. Ein schönes Beispiel dafür ist Demian. «Oberstufenschüler wie Demian schnuppern so ins Pfarreileben hinein und gewinnen dadurch einen Einblick in die kirchliche Gemeinschaft», erklärt sie und fügt an: Vielleicht werde er sich längerfristig engagieren. Doch dies sei kein Muss. Der JAM richtet sich an alle Schülerinnen und Schüler unabhängig eines zukünftigen Engagements und unabhängig ihres Glaubens.

Des Weiteren ist der Jugendtreff ein Ort für Sensibilisierungsarbeit. «Beobachte ich beispielsweise, dass ein Jugendlicher öfters Energy Drinks trinkt, spreche ich ihn darauf an», sagt Fink. Anschliessend kläre sie über das Koffein darin auf. Auch über die E-Zigaretten Vapes habe sie bereits mit den Jugendlichen gesprochen. Alkohol ist im Jugendtreff strikt untersagt und das Internet stellt Bettina Fink um 20 Uhr aus. «Der Jugendtreff JAM ist ein geschützter Ausgangsort für Kinder und Jugendliche. Das Bedürfnis nach solchen Orten des Zusammenseins ist bei ihnen gross», sagt Bettina Fink.

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