Wie können Spiele den Religionsunterricht strukturieren? Das erlernten die Zuger Religionslehrpersonen kürzlich an der Weiterbildung «Rhythmisieren mit Spielen».
Acht Zuger Religionslehrerinnen und ein einziger mutiger Religionslehrer warten mit grosser Neugier und Vorfreude am Mittwochnachmittag, 30. April auf die Spielpädagogin Suzie Fuchs. Was erwartet sie? Die Religionslehrpersonen werden nicht enttäuscht sein. Die Weiterbildung begann mit einem Spiel, welches das Eis brauch und den Einstieg in den Nachmittag erleichterte.

Bei diesem Einstiegsspiel mussten sich die Teilnehmenden Gegenstände einprägen, die Suzie Fuchs anschliessend mit einem Tuch verdeckte. Foto: Melanie Schnider
Ein zentraler Punkt für Suzie Fuchs ist, dass Spiele zweckfrei, aber niemals sinnlos sind. Natürlich können Lerninhalte auch in Form eines Spiels vermittelt werden. An diesem Nachmittag steht jedoch etwas anderes im Fokus: Es geht darum, wie der Unterricht mithilfe von Spielen strukturiert, rhythmisiert oder auch unterbrochen werden kann.
Bei den sogenannten «Kim-Spielen» geht es um die Fokussierung. Kim-Spiele helfen den Schülerinnen und Schülern, sich während des Unterrichts wieder auf etwas zu konzentrieren. Gelingt es, alle zehn Gegenstände aufzählen, sobald sie wieder vom Tuch verdeckt sind? Ist es möglich schnell herauszufinden, welche Jass-Karte vertauscht oder weggenommen worden ist?

«Kim-Spiele»: Der Name Kim geht auf den Hauptcharakter des gleichnamigen Romans von Ruyard Kipling zurück. In dieser Geschichte lernt der Waisenjunge Kim mithilfe seines Mentors spielerisch, seine Sinne und sein Gedächtnis besser einzusetzen. Foto: Melanie Schnider
Die vorgestellten Spiele sind toll, weil sie mit wenig Material auskommen. Stühle, ein Set Jasskarten, Streichhölzer oder ein Blatt-Papier und Stift. Dinge, die auch eine schwer beladene Katechetin oder ein Katechet noch schnell in die Tasche stecken kann.

Spielen macht einfach Freude. Foto: Melanie Schnider
Es war zum Schmunzeln, dass sich die anwesenden Erwachsenen in ihrem Verhalten nicht sehr von dem der Schülerinnen und Schüler unterschieden. Nachdem die Religionslehrpersonen zahlreiche Spiele ausprobiert hatten, erörterten sie lebhaft, welche Art von Spiel für welche Situation geeignet ist. Welches Spiel eignet sich für den Einstieg, welches ist geeignet, um die Kinder und Jugendlichen wieder zu fokussieren, welches kann als Lückenfüller verwendet werden, um schnelle Schülerinnen und Schüler zu beschäftigen? Welches hilft in schwierigen Situationen, um anschließend mit der geplanten Lektion fortfahren zu können? Für all diese Unterrichtssituationen hatte die Spielpädagogin eine Idee und Beispiel dabei. So stand dieser gelungene Nachmittag ganz unter dem Motto «Gespielt ohne Siegerehrung aber mit Sinn».
War es bis in den späten Nachmittag noch regnerisch, rissen die Wolken gegen den frühen Abend auf und die Sonne blinzelte rechtzeitig zum Start in die «Lange Nacht der Kirchen» durch. Im ganzen Kanton öffneten die Pfarreien die Türen und zeigten mit 89 verschiedensten Angeboten, wie überraschend anders Kirche auch ist.

Heiliges Brimborium mit Text und Musik in Oberägeri. Foto: Arnold Landtwing
Da dürften viele Engagierte aufgeatmet haben, als sich die Wolken verzogen und eine zwar eher kühle, aber trockene «Lange Nacht der Kirchen» ankündigte, denn zahlreiche Angebote fanden unter freiem Himmel statt und luden zum Verweilen ein. Ob begeistertes Publikum beim Musical «Die Sintflut» in Baar, dem Kirchenkrimi in Steinhausen oder dem Entdecken überraschender Bilder mit musikalischer Begleitung in der Pfarrkirche Oberägeri, fröhlichem Beisammensitzen auf dem Kirchenplatz oder einem kreativen Angebot: Die Vielfalt der Angebote war gross und wurde rege genutzt.
Für den reformierten Pfarrer Manuel Bieler ist dies nicht überraschend, denn für ihn schafft die «Lange Nacht der Kirchen» in einer Zeit der Vereinsamung wirkliche Gemeinschaft. «In einer Zeit der oberflächlichen Rastlosigkeit, so Bieler, «sorgen wir für Momente des Verweilens bei Kunst und Kultur. Und in einer Zeit der Schnelllebigkeit laden wir ein, innerlich zur Ruhe und damit zu sich selbst zu kommen.»
Der Hünenberger Gemeindeleiter Christian Kelter stellt fest, dass an Events wie der «Langen Nacht der Kirchen» Verstand und Herz gleichermassen angesprochen werden und dass wir solche Momente als wesentlich erleben.
Unsere Bildergalerie gibt einen Einblick in die vielfältigen Anlässe der Pfarreien an der «Langen Nacht der Kirchen 2025»

Stärkung und Spiel in Rotkreuz. Foto: Arnold Landtwing

Thomas Inglin zu Freundschaft und Liebe in der Kirche Unterägeri. Foto: Arnold Landtwing

Spys und Trank in Steinhausen. Foto: Arnold Landtwing

Serenade mit dem Mandolinenorchester in Walchwil. Foto: Melanie Schnider

Riesen-Webrahmen in Oberwil. Foto: Melanie Schnider

Kirchenkrimi In Steinhausen. Foto: Arnold Landtwing

Kirchen-Bar mit Örgeli-Rockern in Oberägeri. Foto: Arnold Landtwing

Israelische Tänze in Zug. Foto: Melanie Schnider

Besichtigung des Glockenturms St. Michael in Zug. Foto: Melanie Schnider

Aluminium-Giessen in Oberwil. Foto: Melanie Schnider

Gemütliches Zusammensein in Allenwinden. Foto: Arnold Landtwing
Seit 100 Jahren begleitet das Kompetenzzentrum Sonnenberg in Baar Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Verhaltensauffälligkeiten oder Beeinträchtigungen wie beispielsweise Blindheit auf ihrem Lebensweg. Anlässlich dieses Jubiläums gibt der Religions- und Erlebnispädagoge Reto Weiss Einblick in die bewegte Geschichte des Sonnenbergs. Und er verrät, wie religiöse und spirituelle Begleitung für junge Menschen mit besonderen Bedürfnissen aussehen kann.
Grüne Laubdächer, ein knisterndes Lagerfeuer und viele tiefgründige Lebensfragen. So sieht Religionsunterricht im Wald mit Reto Weiss aus. Er ist Katechet und Erlebnispädagoge in der sonderpädagogischen Organisation Sonnenberg in Baar, die Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Verhaltensauffälligkeiten und Beeinträchtigungen begleitet. Neben dem wissensvermittelnden Religionsunterricht im Klassenzimmer und persönlichen Begegnungen mit Angehörigen der Weltreligionen zieht Reto Weiss mit den jungen Menschen immer wieder ins Grün los.
Das Spannende dabei: Auf dem Weg zum Waldplatz und beim gemeinsamen Kochen kommen bei den jungen Menschen viele religiöse und spirituelle Fragen auf. «Den Kindern und Jugendlichen, wie auch uns Erwachsenen hilft diese erdende Basis, um sich mit Sinnfragen auseinanderzusetzen», sagt Reto Weiss. Der Religionsunterricht sah im Sonnenberg jedoch nicht immer so aus.

Reto Weiss während eines Waldtages. Foto: Sonnenberg Archiv
Welche Rolle spielt die katholische Kirche in der Geschichte des Sonnenbergs?
RETO WEISS: «Vor 100 Jahren wurde das Blinden-Institut Sonnenberg in Freiburg gegründet. Die Franziskanerinnen des Klosters Baldegg leiteten es. Damals gab es fünf Lernende. 1981 wurde der Standort in Baar eingeweiht und blieb durch die Arbeit der Ordensleute lange Zeit katholisch geprägt. Heute ist der Sonnenberg – wie auch die Gesellschaft – von religiöser und spiritueller Vielfalt geprägt.»
Wie sieht der Religionsunterricht im Sonnenberg aktuell aus?
«Einen klassischen Religionsunterricht, wie die meisten Erwachsenen ihn erlebt haben, gibt es nicht mehr. In den sehr unterschiedlichen Schulklassen und Lerngruppen lebt mein Unterricht nach Pestalozzis Prinzip ‹Kopf, Herz und Hand›. Lernende, die kognitiv stark sind, erwerben Wissen in den fünf Weltreligionen und lernen auch biblische Geschichten kennen. Seit meinem Stellenantritt 2012 wurden die Waldtage für den gemeinschaftsbildenden Charakter immer wichtiger. Die Religions- und Erlebnispädagogik soll die jungen Menschen in ihrer Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft bestärken und ihnen helfen, im Alltag eine spirituelle Heimat für ihr Herz zu finden. Zudem stehe ich den Menschen im Sonnenberg als Seelsorger zur Seite.»
Wie hat sich das religionspädagogische Angebot in den 100 Jahren verändert?
«Die riesigen gesellschaftlichen Entwicklungen haben meine Arbeit gewandelt und es braucht jeden Tag die Offenheit des Herzens, mich auf die neuen Lebenssituationen verbindend einzulassen, den Frieden im Kleinen zu fördern und gemeinsam zu leben. Dabei gibt es die klassische Volkskirche schlicht nicht mehr und es ist Neugier und gemeinsames Entdecken des Lebendigen angesagt.»
Im Sonnenberg gibt es alle paar Jahre ein grosses kirchliches Fest mit verschiedenen konfessionellen Feiern. Können Sie mir von diesem erzählen?
«Diese kirchliche Feier im Sonnenberg verbindet für die jungen Menschen mit besonderen Bedürfnissen und komplexen Beeinträchtigungen die Erstkommunion, das Abendmahl, die Firmung und die Konfirmation in einem Fest. Dies findet bewusst nicht in einer Kirche statt, sondern in unserer bekannten Aula, was Sicherheit gibt. Dabei sind Musik, Farben, Lieder und wenig Worte ein zentraler Bestandteil, um das Eingebettet-Sein in das grosse Ganze des Göttlichen auszudrücken. Das verbindende Menschsein steht im Vordergrund – daher leben und feiern wir mit unterschiedlichsten Wurzeln zusammen.»
Fotos: Sonnenberg Archiv
Künstliche Intelligenz erstellt verlässliche Diagnosen, Roboter operieren immer präziser und Patienten werden virtuell betreut. Und wo bleibt der Mensch? Ein hochkarätiges Podium des Forums Kirche und Wirtschaft widmete sich im Kloster Kappel am Albis dem Spannungsfeld zwischen technologischer Machbarkeit, ethischer Verantwortung und menschlicher Fürsorge.
Bereits zum 27. Mal lud die Fachstelle Forum Kirche und Wirtschaft der katholischen Kirche Kanton Zug zu einer Veranstaltung in der Reihe «Wirtschaft und Werte» ein. Über 130 Gäste liessen sich von einem prominent besetzten Podium inspirieren. Mit einer Besinnung zu drei biblischen Heilungsgeschichten stimmte der Psychiatrieseelsorger Johannes Utters im Zusammenspiel von Wort und Musik das Publikum auf das Thema Gesundheit ein.
Den Impuls zur Eröffnung des Abends lieferte Ludwig Hasler, der als Physiker, Philosoph und Publizist aus dem Vollen schöpfen konnte. Mit der Feststellung «Alle halten mich für unverwüstlich, aber alle im Spital kennen mich» spannte der 81-Jährige humorvoll den grossen Bogen zum Thema Gesundheit und dem dreifachen Lob, zu dem er referierte: Dem Lob der Medizin, dem Lob der Endlichkeit und dem Lob der Gelassenheit.

Ludwig Hasler, Physiker, Philosoph und Publizist. Foto: Thomas Müller
Dank den Fortschritten der Medizin hat sich die Lebenserwartung innerhalb des vergangenen Jahrhunderts beinahe verdoppelt. Darin sieht Hasler auch ein Problem, «denn statistisch gesehen serbeln wir die letzten 10-12 Jahre des Lebens herum». Was einerseits eine Lebensverlängerung bedeute, löse auch Entwicklungen wie Longevity aus, welche die Gesundheitsspanne verlängern will. «Die technische Entwicklung sehe ich positiv, sie stellt jedoch die Frage, wie man eine sinnvolle Symbiose zwischen medizinischer Diagnostik und Therapie bilden kann. Bei Letzterer soll der Mensch die Oberhand behalten.» Medizin, so Hasler, soll der Stärkung des Lebens dienen und nicht Selbstzweck sein.
Die Gegenwart sieht Ludwig Hasler kritisch, «weil die alternde Wohlstandsgesellschaft die Vertikale verloren hat.» Mit dem Wegfall der metaphysischen oder religiösen Ebene sei das Alter nicht mehr Übergang, sondern Endstation. Dies führe dazu, dass man rausholen wolle, was das Leben noch hergebe und dass die Gesundheit letzter Lebenszweck werde. «Der Glaube hat konkrete Folgen für das Leben» betonte der Referent mehrfach «und wenn wir uns unserer Endlichkeit nicht bewusst sind, verliert jede Minute im Leben ihre Bedeutung.»
Für Ludwig Hasler ist das Schicksal eher ertragbar, wenn der Glaube eine Rolle spielt. «Die Hoffnung, mit der Modernisierung dem Schicksal zu entkommen, ist ein Projekt zur Abschaffung des Schicksals.» Wo Menschen das Schicksal abschaffen, würden sie selbst Schicksal spielen und sich eine Verantwortung aufbürden, die zu tragen sie gar nicht imstande seien. «Menschen sind keine Götter, wir überblicken die Folgen dessen nicht, wenn wir schicksalshaft eingreifen.» Gelassenheit und Trost gibt es für Hasler nur in Verbundenheit mit einer Resonanz, dem Glauben oder einer metaphysischen Ebene, die unverfügbar sind.

Über 130 Leute liessen sich vom Referat und dem Podium inspirieren. Foto: Thomas Müller
Die ehemalige Regierungsrätin und Präsidentin der Stiftung für Patientenorganisation, Susanne Hochuli, moderierte das anschliessende Podium. Im Gespräch waren Basil Caduff, der über 20 Jahre lang Chefarzt am Spital Limmattal war, Luca Emmenegger, Oberarzt und Palliativmediziner am Zuger Kantonsspital, der Psychiatrieseelsorger Johannes Utters und eine Mutter, deren Kind 13 Monate nach der Geburt an einem Hirntumor starb.
Die Diskussion zeigte auf, wie hilfreich einerseits die heute zur Verfügung stehenden technischen und medizinischen Möglichkeiten sind, gleichzeitig aber menschliche Faktoren wie Empathie heilsam wirken. «Als Seelsorger im Spital kann ich ein Luxusgut anbieten: Zeit und Gespräche», verwies der Psychiatrieseelsorger Johannes Utters auf die stille Rolle der Seelsorge im Spital- und Klinikbetrieb. Verschiedene persönliche Beispiele und Erfahrungen aus der Runde zeigten selbstkritisch auf, wie der Arztberuf zunehmend unter einer Sinnentleerung leidet, weil 80% der Arbeit am Computer stattfindet menschlicher Kontakt mit den Patientinnen und Patienten immer weniger wird. Basil Caduff brach hier eine Lanze für Änderungen in der Ausbildung, stellte den Numerus Clausus in Frage und verwies auf Anstrengungen, die bereits unternommen werden, um die Administration zu verringern. Luca Emmenegger ist davon überzeugt, dass künstliche Intelligenz künftig administrative Arbeiten übernehmen werde. Offen blieb die Frage in der Runde, ob das Ausmass an Administration ein Symptom für fehlendes Vertrauen sei.

v.l.n.r.: Ludwig Hasler, Johannes Utters, Luca Emmenegger, Susanne Hochuli, A.V. Basil Caduff, Thomas Hausheer. Foto: Thomas Müller
«Mit dem Thema Gesundheit haben wir an diesem Abend einen Nerv der Zeit getroffen, es bietet Stoff für mehrere kommende Veranstaltungen. Heute Abend wurde sehr persönlich und vertieft diskutiert. Das hat betroffen gemacht und gleichzeitig wertvolle Gedankengänge ausgelöst», schloss Thomas Hausheer, Leiter der Fachstelle Forum Kirche und Wirtschaft, den Abend ab. Der anregende Abend leistete mit Blick auf die Zukunft der Gesundheit einen wichtigen Beitrag zur Meinungsbildung.
Die nächste Veranstaltung der Fachstelle Forum Kirche und Wirtschaft findet am 12. November 2025 zum Thema Innovation und Spiritualität statt.
Das Konklave hat am 8. Mai Kardinal Robert Francis Prevost zum neuen Papst gewählt. Dieser hat den Namen Leo XIV. angenommen.
Gross war der Jubel auf dem Petersplatz, als kurz nach 18 Uhr aus dem Kamin der sixtinischen Kapelle weisser Rauch aufstieg und kurz darauf die Glocken des Petersdomes zu läuten begannen.
Der 1955 in Chicago geborene Kardinal Robert Francis Prevost gehört dem Augustinerorden an. Nach der Begrüssung der Gläubigen mit dem Friedensgruss nahm er mehrfach Bezug auf das Thema Frieden. Er dankte auch seinem Vorgänger Papst Franziskus und betonte, die Kirche müsse Dialog herstellen und eine synodale Kirche sein. In seiner kurzen, in einfacher Sprache und flüssig gehaltenen Ansprache erinnerte er auch an ein Zitat des Ordensgründers Augustinus: «Mit euch bin ich Christ, für euch bin ich Bischof». Seine marianische Frömmigkeit zeigte sich, indem er zusammen mit den Gläubigen nicht etwa ein Vaterunser, sondern ein Ave Maria betete.
Schliesslich spendete er seinen ersten päpstlichen Segen.

Papst Leo XIV erteilt seinen ersten päpstlichen Segen. Screenshot VaticanNews
Mit seinem ersten Auftreten setzte Papst Leo XIV. mehrere Zeichen, die seine Ausrichtung andeuten könnten. Der letzte Papst Leo, der XIII. gilt als Arbeiterpapst. Er hatte 1891 die erste Sozialenzyklika «Rerum Novarum» geschrieben, welche damals als revolutionär galt und den Grundstein für die kirchliche Soziallehre legte. Papst Leo XIII. zeichnete sich auch durch eine tiefe Marienfrömmigkeit aus, ie in mehreren Schreiben zum Ausdruck kam.
Einsatz für die einfachen Menschen, Vertrauen in die Fürsprache Mariens und die Kirche zur Synodalität anstossen – das waren auch Merkmale des verstorbenen Papstes Franziskus. Führt die Namenswahl Leo XIV. programmatisch das Erbe seines Vorgängers weiter? Es bleibt spannend.
Die Internationalen Zuger Orgeltage bringen jeweils unbekannte Literatur anderer Länder nach Zug. Vor mehr als 40 Jahren führte Olivier Eisenmann diese Konzertreihe erstmals durch, dieses Jahr finden sie in dieser Form zum letzten Mal statt. Eigene Orgelkonzerte von ihm und eingeladenen Gast-Solisten im Kanton Zug sind aber auch in Zukunft möglich.
Seit 1983 führt Olivier Eisenmann im Frühling die Internationalen Zuger Orgeltage durch, stets darauf bedacht, auch unbekannte Literatur zum Klingen zu bringen. Eingeladen waren und sind Organistinnen und Organisten aus anderen Staaten, deren Repertoire an den Internationalen Zuger Orgeltagen mindestens zu einem Drittel aus hierzulande unbekannter Literatur aus ihrer Heimat bestehen soll. So wird, unabhängig von der Epoche, authentisch die eigene Kultur wiedergegeben.
Die Anfänge der Internationalen Zuger Orgeltage reichen in die 1970er Jahre zurück, als Olivier Eisenmann – zuerst als Pianist, dann als Organist – in nord- und osteuropäischen Staaten Orgelkonzerte spielte. Der Reichtum der dortigen musikalischen Literatur beeindruckte ihn, sodass er nach und nach begann, Orgelkonzerte zu organisieren und die Werke zu erklären.
Dieses Jahr führt Olivier Eisenmann die Internationalen Zuger Orgeltage zum letzten Mal durch. Damit die vielen Werkserklärungen erhalten bleiben, die er in den vergangenen 43 Jahren verfasst hat, schliesst er nicht aus, diese zusammenzutragen und zu veröffentlichen.
Olivier Eisenmann lehrte jahrelang am Gymnasium der Kantonsschule Zug und spielte Orgelkonzerte in fast allen europäischen Ländern wie auch in den USA, Südamerika und Asien. Von der Stadt Zug erhielt er den Ehrenpreis der Zuger Kulturschärpe 2022 für sein Engagement für die von ihm gegründeten und künstlerisch geleiteten Internationalen Zuger Orgeltage.
Text: Marianne Bolt
Zum Auftakt am 4. Mai interpretierten die Estin Marju Riisikamp und die Dänin Viola Chiekezi in der Pfarrkirche Rotkreuz vierhändig, an zwei Orgeln und solistisch neben Werken aus dem 18. Jahrhundert auch folkloristisch geprägte Kompositionen.
Neben J.S. Bachs Triosonate BWV 525 und «Toccata, Adagio und Fuge BWV 564 sowie zwei Sätzen aus Charles-Marie Widors 6. Orgel-Symphonie befinden sich auf dem Programm des deutschen Organisten Frank Scheffler aus Bad Nauheim, der am 11. Mai um 17.00 Uhr in der Pfarrkirche Baar spielt, auch eine Fantasie im empfindsamen Stil von Gottlieb Müthel sowie der hierzulande selten aufgeführte «Tanz der Schulamit» aus den «Biblischen Tänzen» von Petr Eben.
Stark vertreten sind Kompositionen aus Finnland, die Riikka Viljakainen aus ihrem Heimatland am 18. Mai um 15 Uhr in der Klosterkirche Frauenthal in Hagendorn präsentieren wird: von Kaj-Erik Gustafsson, Armas Maasalo, Harri Viitanen, Jonas Kokkonen und Osmo Honkanen. Sie erklingen nach vertrauten Werken von J.S. Bach, G.A. Homilius und Felix Mendelssohn.
Am Orgelkonzert in St. Jakob in Cham am 21. Mai um 19.30 Uhr spielt die Organistin Ursula Grahm neben begeisternden Stücken von J.S. Bach, Bedřich Janáček, Henri Mulet und H.B. Orlinski virtuose und emotional berührende Kompositionen aus ihrem Wirkungsfeld Schweden: von Johan-Magnus Sjöberg und Oskar Fredrik Lindberg.
Am 15. Juni um 19.00 Uhr bringt Alessandra Mazzanti aus Bologna in der Bruder Klaus Kirche Oberwil neben beliebten und virtuosen Werken von J.S.Bach, den Spätromantikern J.G. Rheinberger und Théodore Dubois hier selten aufgeführte Stücke von drei Italienern, darunter Marco Enrico Bossi, zu Gehör.
Das Schaffen dieses berühmten Orgelpioniers, der vor 100 Jahren starb und die Musikbegeisterten in seiner Heimat mit der romantischen Musik aus Deutschland und Frankreich bekannt machte, steht auch im Zentrum des Abschlusskonzerts am 22. Juni um 11.00 Uhr in der reformierten Kirche in Zug. An diesem Duo-Konzert mit der Flötistin Verena Steffen konzentriert sich Olivier Eisenmann auf Werke von Bossi: die Idylle, ein an César Franck erinnerndes Charakterstück, sowie sein letztes Orgelwerk von 1922, die mehrteilige, stilistisch schon durch impressionistische Klangatmosphäre geprägte «Meditation in einer Kathedrale». Attraktiv sind auch die Duo-Werke von Rheinberger, Dubois und vor allem die Uraufführung der «Lurnfelder Miniaturen» des Österreichers Helmuth Franz Luksch. Von ihm spielte das Duo schon letztes Jahr in Zug eine Uraufführung. Für Abwechslung sorgt auch ein melodiöses, technisch anspruchsvolles Flötensolo von Jacques Ibert. Umrahmt wird die Matinee von zwei virtuosen Orgel-solo-Delikatessen: eine Passacaglia von Rheinberger als Auftakt und als fulminantes Finale die brillante «Marche triomphale» von Théodore Dubois.
Alle Konzerte sind frei zugänglich. Kollekte am Ausgang.
Dr. Olivier Eisenmann
Im Mai werden das Leben und damit die Fruchtbarkeit im Summen und Zwitschern hörbar und im leuchtenden Blühen und Wachstum sichtbar. Im Kirchenjahr ist der Mai daher Maria gewidmet. Das jüngste Bild von der Zugerin Andrea Roder Honegger zeigt Maria als Licht der Liebe. Die Künstlerin erzählt, was Maria für sie bedeutet.
Eine moderne, leuchtende Mariendarstellung aus der Hand einer Künstlerin, die sich ansonsten nicht christlichen Motiven widmet? Das gibt’s. «Maria ist einfach zu mir gekommen», sagt die Zugerin Andrea Roder Honegger*. Sie blickt zurück und erzählt, dass es kein bewusster Entscheid gewesen sei, Maria darzustellen.
Ohne zu wissen, was entstehen will, habe sie zu malen begonnen. Nach und nach sei die Silhouette eines Menschen aufgetaucht. Aus dem Menschen ging eine Frau hervor und daraus eine Frau, die einen blauen Schleier trägt. «Das sieht ja aus wie Maria!», habe sie bei diesem Anblick erstaunt festgestellt. Erst von diesem Moment an war es für Andrea Roder ein bewusster Prozess, Maria zu malen. «Sie kam still, weich, stark und leuchtend. Ich bin ihr gefolgt, mit Farbe, mit Intuition und mit meiner ganzen Weiblichkeit.»

«The light of love», Andrea Roder Honegger
Die Künstlerin verbindet unterschiedliche Erinnerungen, Gefühle und Rollen mit Maria. «Meine Mutter sang jeweils Marienlieder an meinem Bett. Und als Kind lernte ich Mariengebete.» Dieses Bild hat sich in der erwachsenen Künstlerin verändert. Maria ist für sie ein Urbild, eine Urfrau. Ein Archetyp, eine Erinnerung an das, was Frauen sind: tief verbunden mit dem Leben, mit Mutter Erde und miteinander. Maria steht für sie für das Mütterliche in allen Frauen: Wie sie halten, hüten, fühlen und lieben. Und Maria wurde mit Schicksalen konfrontiert, sodass sie in jeder Lebenssituation Ansprechpartnerin ist.
In der lauten, schnellen und harten Welt sieht Andrea Roder die Notwendigkeit von weichen, weiblichen Räumen, in denen sich Frauen echt, verletzlich und kraftvoll begegnen. Und sie äussert den Wunsch, dass sich Frauen gegenseitig sehen, nähren und feiern. Dass sie nicht gegeneinander, sondern miteinander wirken. «Und dass wir wieder vermehrt in Kreisen sitzen, um einander in unsere Grösse zu begleiten, uns gegenseitig an das zu erinnern, was wir schon immer waren. Und ja ich glaube, Maria würde sich spontan dazu setzen. Ohne Vorurteil. Von Frau zu Frau, von Herz zu Herz.»
Das Marienbild – Andrea Roder nennt es «The light of love», das Licht der Liebe. Es soll an das Heilige im Weiblichen erinnern.
Text: Marianne Bolt
*Andrea Roder Honegger stammt aus Zug und ist auch heute noch hier wirksam.
Das 1,2 x 1,7 Meter grosse Bild «The light of love» ist vom 1. bis 31. Mai jeweils von 7.00 bis 18.30 Uhr in der Kapelle Mariahilf zu sehen. Die Mariahilfkapelle liegt zwischen der St. Oswaldskirche und dem Parkhaus Casino in Zug.
Erwin Niederberger diente 15 Jahre lang in der Schweizergarde. Er erlebte drei Päpste hautnah – doch Franziskus war anders. Unkonventionell, menschlich und nahbar. In diesem Interview blickt der ehemalige Wachtmeister auf prägende Begegnungen mit dem kürzlich verstorbenen Papst zurück, erzählt von bewegenden Momenten und davon, was von Franziskus bleibt.
Wie haben Sie Papst Franziskus im Vergleich zu Johannes Paul II. und Benedikt XVI. erlebt?
ERWIN NIEDERBERGER: «Was mich bei Franziskus sofort überrascht hat: Er hat sich bewusst gegen die päpstliche Wohnung im Vatikan entschieden. Nicht, weil sie ihm zu luxuriös war, sondern weil er befürchtete, den Kontakt zu den Menschen zu verlieren. Stattdessen zog er ins Gästehaus Domus Sanctae Marthae – und genau dort dienten dann auch wir Gardisten. Das war für uns Neuland – plötzlich lebten und arbeiteten wir unter einem Dach mit dem Papst.»
Können Sie sich an Ihre erste Begegnung mit Franziskus erinnern?
«Nicht genau – aber eine Anekdote ist mir geblieben: Einmal trug ich ihm einen Stapel Bücher, die er geschenkt bekommen hatte. Wir standen gemeinsam vor dem Lift, und ich sagte im Scherz, dass ich seit zwölf Jahren in Rom sei, aber noch nie mit einem Papst Lift gefahren sei. Da grinste er und meinte nur: ‹Dann wird es Zeit.› Und tatsächlich – wir fuhren gemeinsam nach oben. Für uns Gardisten war das eine völlig neue Nähe zu einem Papst.»
War Papst Franziskus ein Kontrast zu Papst Benedikt XVI.?
«Ja und nein. Auch Benedikt war uns sehr zugewandt. Ich erinnere mich an gemeinsame Mahlzeiten mit ihm in der Sommerresidenz Castel Gandolfo. Doch Franziskus war nochmal anders – er lebte richtig mit uns im Haus. Er ass täglich mit den Gästen im Speisesaal des Domus Sanctae Marthae, kam nachmittags selbst in die Küche, um sich einen Kaffee zu holen. Ich glaube, Papst Franziskus brauchte den Kontakt zu den Menschen, um geerdet zu bleiben.»
Eine Begegnung von Ihnen mit dem Heiligen Vater machte Schlagzeilen: Im November 2014 durften Sie und Gardist David Geisser Ihr Kochbuch Päpstliche Schweizergarde – Buon Appetito Franziskus auf dem Petersplatz persönlich übergeben. Wie war dieser Moment für Sie?
«Es war für uns unglaublich schön, ihm unser Buch zu überreichen. Es hat mir grosse Freude bereitet, das Projekt zu betreuen. David und ich hatten während der Entstehungsphase des Kochbuchs Franziskus’ Sekretär nach dessen Lieblingsgerichten befragt. Als der Heilige Vater den lateinamerikanischen Karamell-Brotaufstrich Dulche de leche entdeckte, meinte er begeistert: ‹Mi piace molte› – ‹Das habe ich sehr gerne›.»
Gab es eine weitere Begegnung mit Franziskus, die für Sie sehr eindrücklich war?
«Ganz viele. Aber besonders bewegend war für mich ein Moment, bei dem ich gar nicht mehr im Dienst war: Während der Coronapandemie stand Franziskus auf dem menschenleeren Petersplatz und sprach den Segen Urbi et orbi. Diese Geste der Hoffnung und Menschlichkeit werde ich nie vergessen. Auch meine Abschiedsaudienz ist mir sehr in Erinnerung geblieben: Ich durfte zu ihm ins Büro, wir setzten uns an den Tisch und redeten über meine Zukunft. Zum Schluss meinte er, ich solle ihn wieder mal besuchen.»
Und? Haben Sie ihn später besucht?
«Ja, mehrmals. Ich hatte sogar das Privileg, im Gästehaus übernachten zu dürfen. Jedes Mal erkannte er mich wieder, reichte mir die Hand. Das Gefühl, willkommen zu sein, war einfach überwältigend.»
Wie war es für Sie, als Sie am Ostermontag vom Tod des Papstes erfuhren?
«Es kam überraschend – am Vortag hatte er noch den Segen gesprochen und war über den Petersplatz gefahren. Aber ich habe dabei gedacht, dass es ihm wirklich nicht gut ging. Ich glaube, es war eine Erlösung für ihn, gehen zu dürfen.»
Was bedeutet der Tod eines Papstes für den Alltag der Gardisten?
«Auf die Gardisten kommt sehr viel Arbeit und Verantwortung zu. Für die Beerdigung erwartet der Vatikan Gäste aus der ganzen Welt. Zudem sind die Gardisten während dem Konklave verantwortlich für die Sicherheit der Kardinäle. Für uns Gardisten galten damals auch Ausgangsrestriktionen – aber kein absolutes Verbot. Ob das heute noch so ist, kann ich nicht sagen.»
Haben Gardisten beim Tod eines Papstes auch Zeit zum Trauern?
«Ja. Sie dürfen sich persönlich vom verstorbenen Papst verabschieden. Mit Pater Kolumban haben wir einen Seelsorger, der die Gardisten geistlich begleitet und Messen für sie zelebriert.»
Sie sind heute Präsident der Zentralschweizer Sektion ehemaliger Gardisten. Was bedeutet der Tod des Papstes für die Ehemaligen?
«Viele von uns haben ihm gedient – entsprechend tief sitzt die Trauer. Unsere Wallfahrtskerze, die der Heilige Vater letztes Jahr gesegnet hat, brennt aktuell für ihn in Einsiedeln. Einige ehemalige Gardisten hatten vor, für die Vereidigungsfeier der Schweizergarde im Mai nach Rom zu reisen. Diese wurde wegen des Konklaves in den Herbst verschoben. Ich selbst werde trotzdem im Mai hinfahren – vielleicht kann ich dann bereits sein Grab besuchen.»
Was ändert sich für die Gardisten, wenn ein neuer Papst gewählt wird?
«Die grosse Frage wird sein: Wo wird der Papst wohnen? In der päpstlichen Wohnung im Vatikan oder im Gästehaus Domus Sanctae Marthae? Jeder Papst bringt eigene Gewohnheiten und Bedürfnisse mit. Kommt der neue Papst aus der römischen Kurie, wird sich wohl weniger ändern – jemand von aussen könnte neue Impulse setzen.»
Was nehmen Sie von Papst Franziskus mit auf Ihrem weiteren Lebensweg?
«Er hat mich durch seine Einfachheit, Freude, Menschlichkeit und durch seine Güte sehr berührt. Er war im wahrsten Sinne des Wortes ein Seelsorger: Er interessierte sich für die Menschen und setzte sich für Arme ein. Diese Haltung will ich in meinem Leben weitertragen.»
Was erhoffen oder wünschen Sie sich von einem neuen Papst?
«Ich vertraue darauf, dass der Heilige Geist den richtigen findet. Ob konservativ oder progressiv – das ist für mich zweitrangig. Viel wichtiger ist, dass er Menschen für den Glauben gewinnen und begeistern kann.»
Weiterführende Links
Kochbuch Päpstliche Schweizergarde – Buon Appetito
Ehemaligen Gardisten Sektion Zentralschweiz

Das Foto zeigt Erwin Niederberger in voller Uniform (Wachtmeister) am 6.5.2013 im Innenhof (Cortile San Damaso) des Papstpalasts bei Ankunft des damaligen Bundespräsidenten Ueli Maurer. Foto: Oliver Sittel
Wie leben jüdische und muslimische Menschen ihre Religion im Alltag? Neun Gäste erzählten den Zuger Katechetinnen und Katecheten an der Weiterbildung «Begegnungen mit den abrahamitischen Religionen» von ihrer Glaubenspraxis.
Im Kanton Zug leben gemäss dem Bundesamt für Statistik 66’292 Menschen mit christlichem Glauben, 4’945 Musliminnen und Muslime, 147 Jüdinnen und Juden, 36’654 Atheistinnen und Atheisten und 2’079 Menschen mit anderer oder unbekannter Religionszugehörigkeit. Viel spannender als diese Zahlen ist jedoch die Frage, wie Mitmenschen ihren Glauben im Alltag leben. Diese Frage thematisierte die Ökumenische Weiterbildung «Begegnungen mit den abrahamitischen Religionen».

Amina Ahmeti (links) schätzt es, dass «alle Teilnehmenden so offen für Gespräche sind und die eigene Religion nicht als einzig wahre sehen.» Foto: Melanie Schnider
Lernen durch persönliche Begegnungen
Am Mittwochabend, 2. April trafen sich katholische und reformierte Religionslehrpersonen aus dem Kanton Zug mit fünf muslimischen und vier jüdischen Menschen. Eine Art gelebte Ringparabel, wie man den Abend im Reformierten Kirchenzentrum Zug interpretieren könnte. Neben Akzeptanz zwischen den drei monotheistischen Weltreligionen verfolgte die Weiterbildung ein weiteres Ziel: «Wissen über andere Religionen sollte man sich nicht nur durch Lehrbücher aneignen, sondern vor allem durch persönliche Begegnungen», meinte Marlen Schärer von der katholischen Fachstelle Bildung, Katechese und Medien. Sie hat den Abend gemeinsam mit Roland Mühlemann von der reformierten Fachstelle Religionspädagogik organisiert. «Ziel ist es, dass die Gespräche und Erkenntnisse aus den Begegnungen in den Religionsunterricht einfliessen», fuhr sie fort.

Die muslimischen und jüdischen Gäste (v.l.): Fetija Hamzic, Hajrudin Mujkanović, Amina Ahmeti, Micha Guskin, Claudia Bollag, Anel Hadzic, Muharem Mujkic und Lili Nordmann. Foto: Melanie Schnider
Zum Einstieg haben sich die Teilnehmenden mit der Erzählung von Abraham und Isaak – im Islam Ibrahim und Ismael – auseinandergesetzt, die in allen drei Religionen wichtig ist. «Die Auslegung der Erzählung zeigt, dass die drei Religionen nicht nur von verschiedenen Versionen des Stoffs ausgehen, sondern die Deutungen auch innerhalb der Religionen weit auseinandergehen», sagte Mühlemann, «Diese unterschiedlichen Sichtweisen gehören zu jeder Religion dazu.» In diesem Geist hat auch der interreligiöse Dialog stattgefunden. Doch worüber diskutierten die Religionslehrpersonen mit den muslimischen und jüdischen Gästen?

Wozu dient im Judentum eine Mesusa? Das erklärt Claudia Bollag (rechts). Foto: Melanie Schnider
Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Durch die Gespräche erfuhren die Teilnehmenden faszinierende Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Religionen. So wird beispielsweise die Religionszugehörigkeit in den drei monotheistischen Weltreligionen jeweils anders bestimmt. Während ein Mensch durch die Taufe christlich wird, bestimmt der Glaube der Mutter (im Judentum) oder des Vaters (im Islam) die Religion der Kinder. Während den Gesprächsrunden hörten sich die Teilnehmenden aktiv zu, schauten sich gegenseitig an und fragten nach. Spürbares Interesse, Kopfnicken, überraschtes Stirnrunzeln und gegenseitiges Zulächeln prägten den Austausch. «Das Kommunizieren der verschiedenen Religionen ist für mich das Wichtigste», sagte Hajrudin Mujkanović, Imam und Mitglied des Islamischen Vereins des Kantons Zug (IVKZ).
Diskutieren bis in die Nacht hinein
Die Teilnehmenden diskutierten derart vertieft, sodass Roland Mühlemann und Marlen Schärer das Programm des Abends kurzerhand abänderten: Die jüdischen und muslimischen Gäste blieben länger und der Reflexionsteil der Katechetinnen und Katecheten an Flipcharts wurde gestrichen. Bis es draussen stockdunkel war, sassen alle zusammen, tauschten sich über ihren Glauben aus und teilten gemeinsam einen Apéro.
Während des interreligiösen Dialogs

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Am Montag hat das Bistum Basel in der Stadtkirche St. Nikolaus die drei heiligen Öle geweiht – ein sichtbares Zeichen der Nähe Gottes im Leben der Menschen. Bischof Felix Gmür rief die Gläubigen dazu auf, im Heute zu leben und mit wacher Präsenz auf die Welt zu schauen – so wie Jesus es getan hat.
Im Christentum haben drei Öle eine besondere Bedeutung: das Katechumenenöl, das Krankenöl und das Chrisamöl. Sie werden in der katholischen Kirche bei verschiedenen Sakramenten verwendet. Das Katechumenenöl, das zart nach Zitrone riecht, wird zur Salbung von Kindern und Erwachsenen vor der Taufe verwendet. Es soll den Täuflingen Kraft schenken auf dem Vorbereitungsweg zur Taufe. Das Krankenöl mit seinem Duft nach Zimt dient der Krankensalbung und bringt Heilung und Stärkung in der Krankheit und im Sterben. Und das Chrisamöl bezeichnet die Verbundenheit aller Getauften mit Christus. Es wird bei der Taufe, der Firmung, der Priester-, Bischofs-, Altar- und Glockenweihe verwendet. Einmal im Jahr, traditionell in der Karwoche, weiht der Bischof diese drei Öle mit einer festlichen Liturgie: der Chrisam-Messe.

Das Chrisamöl besteht aus hochwertigem Olivenöl, dem Balsam beigemischt wird. Foto: Melanie Schnider
Feierliche Messe in Frauenfeld
Am Montag, 14. April, versammelten sich Gläubige aus dem ganzen Bistum Basel in der Stadtkirche St. Nikolaus in Frauenfeld. Die Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt, was die Messe in besonders feierliche Atmosphäre tauchte. Bischof Felix Gmür, Weihbischof Josef Stübi und Erzbischof Martin Krebs, Apostolischer Nuntius, nahmen die Weihe der Öle vor. «In der Chrisam-Messe geht es darum, Gott um seine Nähe zu bitten», sagte Bischof Felix. Es sei nicht nur die Salbung mit den heiligen Ölen, sondern auch das Zusammenkommen und das gemeinsame Feiern, das die Gegenwart Gottes wiederum spürbar mache.

Von links: Zeremoniar David Hug, Diakon Mathias Mütel und apostolischer Nuntius Erzbischof Martin Krebs bei der Weihe des Krankenöls. Foto: Melanie Schnider
Leben im Heute – wie Jesus
In seiner Predigt betonte Bischof Felix, wie wichtig es ist, im Heute zu leben. Christinnen und Christen sollten sich dafür interessieren, was auf der Welt und bei den Menschen geschehe – denn nur so könnten sie wirklich präsent sein wie Jesus. «Er ist immer da im Jetzt. Er verkündet, heilt und hört zu – mit ganzer Aufmerksamkeit.» Diese achtsame Präsenz lässt sich auch auf das Heilige Jahr übertragen: «Jeder Tag im Heiligen Jahr ist heilig. Gehen wir jeden Tag einen Schritt weiter», sagte Bischof Felix Gmür.
Mit der feierlichen Weihe der drei heiligen Öle endete eine Messe, die nicht nur durch ihre liturgische Tiefe, sondern auch durch die eindringliche Botschaft berührte: Durch ein Leben im Hier und Jetzt sind wir Gott nahe, weil er uns nahe kommt.
Ausblick
Die nächste Chrisam-Messe findet am Montag, 30. März 2026, um 10.45 Uhr in der Kathedrale St. Urs und Viktor in Solothurn statt.
Weitere Impressionen zur Chrisam-Messe


