Egli-Figuren schmücken nicht nur zahlreiche Krippen in Kirchen der Schweiz. Sie erklären auf anschauliche Art die Bibel. Eine der Schöpferinnen hatte nach Baar geheiratet. Diesen Sommer ist sie, die diesem biblischen Personal aus Stoff, Draht und Holz den Namen gegeben und sie berühmt gemacht hat, verstorben: Doris Egli. Eine Würdigung.
Egli-Figuren sind etwas ganz Besonderes. Zwar haben sie alle keine Gesichter. Und trotzdem verfügen sie über einen höchst individuellen Ausdruck, der durch die jeweilige Körperhaltung der Figuren entsteht – sodass sich jeweils in der Fantasie des Betrachters eine ganz eigene Person herausbildet.
Sie sind gemacht aus Draht, Stoff, Holz und ähnlichem Material. Diese bis zu 130 Zentimeter grossen biblischen Erzählfiguren sind nicht nur biegsam. Da sie von oben bis unten mit Stoff überzogen sind, können ihre Kleider auch beliebig gewechselt werden. Ihre im wahrsten Sinne des Wortes stoffliche Aura und ihre wuscheligen Mähnen verleihen ihnen eine angenehm bescheidene und demütige Ausstrahlung. Gleichzeitig wirken sie knuffig, gesellig, herzlich. Man findet sie sofort sympathisch. Sympathisch menschlich.
Die Frau, nach der die Figuren benannt sind und die sie zwar nicht erfunden, aber massgeblich in den 1960er Jahren entwickelt hat – zusammen mit ihrem Mann – erklärte einmal: «Die fertigen Figuren sind bereit, geführt, geformt, verändert, lebendig zu werden. Gerade die ausserordentliche Beweglichkeit des Materials und die grosse Standfestigkeit ermöglichen es, die Figuren immer wieder anders zu uns sprechen zu lassen.»
Die gebürtige Ostdeutsche Doris Egli schuf in den Sechzigerjahren erste bewegliche Figuren, um ihren Kindern biblische Geschichten besser erzählen zu können. Doris Egli hatte nach Baar geheiratet und dort eine der wenigen Frauen kennengelernt, die damals als erste die beweglichen Krippenfiguren herstellten. Ihren Ursprung hatte diese neue Art der Figur im Sommer 1964 im Schweizer Kloster Ilanz.
Der Name Egli wurde zum Markenzeichen der Figuren. Und Doris Egli perfektionierte Aufbau und Funktion konsequent weiter. Die Künstlerin sah in der Beweglichkeit der Figuren und ihrer vielseitigen Nutzbarkeit einen grossen pädagogischen Wert: «Sie helfen uns, komplizierte Texte besser zu verstehen. Wir lernen, die Dramatik eines Textes in die Bildersprache zu übersetzen.» Von Doris Egli stammt der schöne Satz: «Je mehr wir spielen, desto weiter kommen wir.»
«Es war für mich ein besonderes Erlebnis, als ich als kleiner Junge in den 1970er Jahren das Christkind in die Krippe der Egli-Figuren in der Kirche St. Thomas in Inwil legen durfte», erinnert sich der 58-jährige Sohn Bernardo Egli gegenüber kath.ch.
Mit seinen drei älteren Schwestern sei er mit den biegsamen Stofffiguren seiner Mutter quasi aufgewachsen. «Dies hat unsere Familie zweifellos mitgeprägt.» Jahrzehnte später habe er dann in der Schweiz die Materiallieferungen für die Puppen seiner Mutter übernommen. «In rund 50 Kirchen der Schweiz sind die universalen Egli-Figuren im Einsatz.»
Heute stellt die Stiftung Brändi in Horw die Figurengestelle auf Nachfrage her. Die Gestelle für die biblischen Erzählfiguren werden von behinderten Menschen an geschützten Arbeitsplätzen produziert. Allerdings hat die Produktion in den vergangenen Jahren nachgelassen.
Ebenso gibt es immer weniger Kurse, um das Herstellen der kleinen, bis zu 30 Zentimeter grossen Egli-Figuren zu erlernen. Die grosse Zeit der Egli-Figuren ist sicher vorbei. Diese Entwicklung schmälert nicht die grosse Leistung und die Leidenschaft des Ehepaars Doris und Primo Egli, die sich jahrelang der Entwicklung der Figuren gewidmet haben. Im Sommer ist Doris Egli im Alter von 87 Jahren verstorben. Nur drei Wochen später schied ihr Ehemann Primo, der ursprünglich gelernter Innenarchitekt war, an seinem 94. Geburtstag aus dem Leben.
Kennengelernt hatten sich die beiden 1955 in Stuttgart, geheiratet haben sie 1959 in der Schweiz. Ab 1985 haben sie sich dann beide vollumfänglich den Erzählfiguren gewidmet. Eine Ehe im Dienst der Bibel, quasi.
Kath.ch/Wolfgang Holz
Direkthilfe, die ankommt: In der Adventszeit nehmen katholische und reformierte Pfarrämter Lebensmittel und weitere Produkte für den alltäglichen Gebrauch entgegen, die im neuen Jahr an Bedürftige im Kanton Zug verteilt werden.
Nicht alle Bewohnerinnen und Bewohner im Kanton Zug können sorgenfrei einkaufen gehen. In der Adventszeit ist das besonders schmerzlich. Viele Frauen und Männer sind von Armut betroffen, sodass sie es sich zweimal überlegen müssen, was sie sich leisten können und was nicht. Um diese Menschen zu unterstützen, wird im Rahmen von «Zuger für Zuger» gesammelt. In der Adventszeit nehmen katholische und reformierte Pfarrämter Spenden entgegen, die im neuen Jahr im Rahmen der wöchentlichen Lebensmittelabgabe von «Tischlein deck dich» an die Empfängerinnen und Empfänger verteilt werden.
Was sich gut eignet sind Getreideprodukte, Tee, Kaffee, Reis, Öl, Essig und alle weiteren lang haltbaren Lebensmittel. Ebenso sind Hygieneartikel und Putzmittel sehr willkommen. Wenn möglich ist auf XXL-Packungen zu verzichten, damit die Spenden gerecht verteilt werden können. Was die Annahmestellen nicht entgegennehmen können sind Alkohol, Tabakwaren, Milchprodukte, eingefrorene Lebensmittel, schnell verderbliche und selbst hergestellte Lebensmittel.
Hinter dem Projekt «Zuger für Zuger» stehen die Zuger Woche, die reformierte und die katholische Kirche des Kantons Zug und GGZ@Work.
In der Mediothek im Haus Sunnematt in Baar hält der Advent Einzug. Die Leiterin der Mediothek, Martina Schneider, verrät, wie man den Weihnachtszauber trotz Hektik erleben kann, und welche Medien sich dafür besonders eignen.
Martina Schneider, in rund zwei Wochen beginnt der Advent. Welche Bücher sind in dieser Zeit besonders beliebt?
Gefragt sind vor allem Bilderbücher mit Weihnachtsgeschichten oder Erzählungen zum Samichlaus. Es gibt viele, wunderschöne Adventsgeschichten. Mir persönlich gefällt das Bilderbuch «Der Schuster Martin» von Leo Tolstoi sehr gut. Diese Geschichte ist wirklich berührend. Der Schuster Martin träumt, dass Gott ihn besucht. Während er auf Gott wartet, kommen verschiedene Menschen bei ihm vorbei, denen er hilft. Abends ist er enttäuscht, dass Gott nicht gekommen ist. In seinem nächsten Traum erfährt er, dass Gott durch diese verschiedenen Menschen zu Besuch war.
Ein weiteres besinnliches Bilderbuch heisst «Die Botschaft der Vögel». In dieser Weihnachtswundergeschichte offenbaren Vögel den Kindern singend die Botschaft von Weihnachten.
Hast du Tipps zu passenden Büchern und Filmen für die Weihnachtszeit?
Ein faszinierendes Buch ist «Vom Engel und dem Heiligen Kind», in welchem die Weihnachtsgeschichte aus der Perspektive von Maria erzählt wird. Dies mag zu Beginn ungewöhnlich sein, doch die Lesenden können so eine ganz neue Sichtweise einnehmen und erfahren zugleich viel über das Judentum. Wer auf der Suche nach spirituellen Weihnachtstexten ist, der oder dem lege ich das Buch «Eigentlich ist Weihnachten ganz anders» ans Herz.
Zwei schöne Weihnachtsfilme sind «Es begab sich aber zu der Zeit» und «Die Legende vom Weihnachtsstern».

Die Leiterin der Mediothek Martina Schneider präsentiert drei von vielen weiteren Adventskalendern. | © Melanie Schnider
Hast du «nur» Filme, Bücher und Bilderbücher zur Adventszeit in der Mediothek?
Nein, natürlich nicht. In der Mediothek gibt es auch verschiedene Adventsspiele wie beispielsweise ein Memory, auf dessen Karten Weihnachtsbräuche abgebildet sind. Für ältere Kinder und Jugendliche haben wir das amüsante Kartenspiel «Das total verrückte Emoji-Quizzen». Bei diesem müssen Begriffe zum Thema Weihnachten anhand von Emojis erraten werden. Für den Schulunterricht bietet sich ein Escape-Spiel zum Thema Weihnachten an. Bei diesem geht es darum, dass die Klasse gemeinsam mehrere Rätsel zur Weihnachtsgeschichte löst.
Wie haben sich die Angebote in der Mediothek in den letzten Jahren verändert, gerade im Hinblick auf digitale Medien während der Weihnachtszeit?
Im Vergleich zu früher bietet die Mediothek viel mehr haptisches Material an wie beispielsweise Krippenfiguren, Erzählsteine oder Schattentheater. Denn diese können online nicht heruntergeladen werden.
Für viele Menschen ist der Advent eine stressige Zeit. Hast du Tipps, wie man trotz Hektik in die weihnachtliche Stimmung eintauchen kann?
In der Mediothek gibt es sogenannte Hosentaschenadventskalender. Diese bestehen aus kleinen Karten mit je einem Bild und einem besinnlichen Spruch. Sie passen in jede Hosentasche und können überall hin mitgenommen und jederzeit hervorgeholt werden. Wenn man den Spruch liest und sich ein paar Minuten Zeit nimmt, können die Worte wirken. So schaffen die Hosentaschenadventskalender kleine Auszeiten.
Gibt es in der Mediothek auch grössere Adventskalender?
Ja. Als Inspiration habe ich verschiedenste Adventskalender zusammengetragen. Einige kann man auch in der Mediothek beziehen.

Eintauchen in die Weihnachtszeit: Diese Adventskalender in der Mediothek helfen dabei. | © Melanie Schnider
Wie bietet die Mediothek den Besucherinnen und Besuchern im Advent eine Auszeit?
Wir hoffen, dass uns dies gelingt. Um einen möglichst stimmungsvollen Raum zu schaffen, hängen wir im Advent Leuchtsterne auf und in der Cafeteria vor der Mediothek leuchtet jeweils ein Adventskranz.
Wie hoffst du, dass die Besuchenden der Mediothek die Adventszeit erleben?
Ich wünsche, dass sie sich kurz aus dem Alltag nehmen können, um zur Ruhe zu kommen und den Zauber des Wartens und Erwartens zu spüren, dass an Weihnachten Gott Mensch wird.
Die Medienstelle der Fachstelle BKM ist eine öffentliche Fachmediothek und bietet Materialien zu kirchlichen religiösen, biblischen, ethischen, philosophischen und pädagogischen oder didaktischen Themen. Über 7000 Medien als Bücher, CDs, DVDs, Zeitschriften, Materialkoffer, Realgegenständen, Legematerial, Spiele oder Kamishibais (Schattentheater) stehen zur Ausleihe zur Verfügung. Für kirchlich angestellte Personen gehören Filme, e-Kamishibais, e-journals und e-Bilder zum Herunterladen oder Streamen ebenfalls zum Angebot. Die BKM bietet auch persönliche und fachliche Beratung für kirchlich Tätige sowie Personen im pädagogischen oder theologischen Bereich.
Interview: Melanie Schnider
Die über 40-köpfige Gruppe unter Leitung von Italienermissionar Mimmo Basile und Guthirt-Pfarrer Kurt Schaller erlebte eine Entdeckungsreise durch wunderbare Landschaften und tausendjährige Kultur. Eine Teilnehmerin schwärmte davon, welch gewaltiges Erlebnis die Akropolis war und ihre italienischsprachige Kollegin ergänzte: «Quello che mi ha piacuto tantissimo è la celebrazione nei luoghi dove è stato San Paolo. E stato un belissimo viaggio con tutti i sensi.»
Eine andere Reiseteilnehmerin, die sich vor allem für Altertumsgeschichte und Mythologie interessierte, kam auf der Rundreise auch auf ihre Rechnung. Was sie im Unterwegssein mit der Gruppe jedoch speziell berührt hat, war, wie hilfsbereit die Leute waren.
«Was mich immer wieder fasziniert ist, wie die Pilgerinnen und Pilger dazu beitragen, dass alles ein Ganzes wird. Auf dieser Reise war es sehr eindrücklich und wertvoll, wie man das Verbindende entdeckt. Unterwegs auf den Spuren von Paulus passt deshalb der Gedanke des mystischen Leibes von Christus, bei dem jeder einzelne seine Charismen einbringt und so ein grosses Ganzes entstehen kann», stellte auch Pfarrer Kurt Schaller beeindruckt fest. Für ihn als Priester bedeutete die Reise jedoch auch eine andere Erfahrung: «Paulus hat Mut gebraucht, um in der pulsierenden Stadt Korinth Jesus Christus als Erlöser zu verkünden. Das ermutigt mich, auch in der Schweiz mit grosser Freude und Zuversicht für das einzustehen, was ich glaube, hoffe und liebe. Diese Pilgerreise hat mich sehr in meinem Glauben bestärkt, dass Gott uns liebt.»

Am Ort, wo Lydia, die erste Christin Europas getauft worden ist, feierte die Pilgergruppe einen Gottesdienst unter freiem Himmel | © MCLI
Drei Aspekte von Religion, Kultur und Sozialem waren für einen der Reiseteilnehmer im Rückblick wichtig: «Ich erlebte die tiefsten religiösen Gefühle während den Gottesdiensten unter freiem Himmel. Kulturell hat Griechenland viel zu bieten und es gibt viel zu entdecken, etwa die Klöster in Meteora, die Akropolis oder die orthodoxen Kirchen.» und mit Blick auf das Soziale betonte er: «Wir waren aus Spanien, der Schweiz, Griechenland und Italien – und es herrschte ein gutes Zusammenleben.»
Für Italienermissionar Mimmo Basile hat die Pilgerreise auf den Spuren von Paulus auch einen nachhaltigen Aspekt, der zuhause weiterwirken wird: «Im Mittelpunkt der Predigt des heiligen Paulus stand immer der Name Jesu; und der Hymnus auf die Liebe, den wir in 1Kor 13,1-13 finden und den wir gerade in Korinth gelesen und meditiert haben, hat mir noch einmal bestätigt, dass Paulus trotz allem den Weg aufgezeigt hat, den Christus selbst gelehrt hat, nämlich die Liebe, die Agape. Nun liegt es an uns allen, sie in unserem persönlichen Leben und in unserer Gemeinschaft zu verkörpern.»

Die Zuger Pilger in Korinth | © MCLI
Wenn am Schluss sich Reiseteilnehmende mit «Danke – und bis zum nächsten Mal» verabschieden, haben sie eine unvergessliche kulturverbindende Woche erlebt und der Aufwand für die Organisation hat sich dreifach gelohnt: religiös, kulturell und sozial.
Der Stand der katholischen Kirche Zug war an der diesjährigen Zuger Messe einmal mehr sehr gut frequentiert. Das vielfältige Angebot lud Familien mit Kindern, Jugendliche, Junggebliebene bis zu Besucherinnen und Besuchern älteren Jahrgangs mit unterhaltsamen Aktivitäten zum Verweilen ein.
«Kirche mit Zug. Bitte einsteigen.» stand als Motto über dem über 100 Quadratmeter grossen Stand, mit welchem die katholische Kirche Zug sich an der Zuger Messe zum 15. Mal der Öffentlichkeit präsentierte. Fünf verschiedene symbolische Zugwagons luden zum Verweilen und zum Austausch ein. Neugierig liessen sich Paare und Befreundete auf das Speeddating der anderen Art ein, bei welchem sie auf einem Glücksrad mit speziellen Fragen überrascht wurden. Was würde der Welt fehlen, wenn es dich nicht gäbe? Welches ist dein verborgenes Talent? Was würdest du mit zwei geschenkten Stunden tun? Was locker und mit Augenzwinkern begann, führte oftmals zu einer tieferen und ernsthaften Diskussion.
Der Ruhewagen mit einem grossen Fernsehbildschirm mit einer Zugfahrt rund um den Zugersee war als Pausenort sehr willkommen, dem entsprechend waren die vier SBB-Erstklasssitze gut besetzt. Auf grosses Interesse stiess der Bastelbogen mit einem Zug, den Kinder ausmalen und zusammenbasteln konnten. Fast 1000 Exemplare wurden verteilt, sowohl an Kinder selber als auch von Grosseltern, die mit ihren Enkeln basteln.
Was als kleine Aktion geplant war, entwickelte sich zu einem Publikumsmagnet: An einer Wand konnten mit grossen Klebe-Zetteln Erwartungen und Wünsche an die Kirche platziert werden. Schon in den ersten Tagen war mit farbigen Zetteln zugeklebt. Wer verweilte und einen Blick auf die lange Wand warf, fand vorwiegend positive Notizen, ernsthafte kritische Rückmeldungen, Bekenntnisse und kurze Gebete. Eine Rückmeldung bedankte sich für die Begegnungsmöglichkeit, die ein Weg sei, Kirchenaustritten entgegenzuwirken. Die gesammelten Rückmeldungen werden ausgewertet und zu einem späteren Zeitpunkt vorgestellt.

Notiz an der Zettelwand | © Arnold Landtwing
Besinnlicher Einstieg in den Schlusstag
Der ökumenische Gottesdienst am Schlusstag zeigte einmal mehr, dass an der Zuger Messe in der auch Besinnliches einen festen Platz hat. In der grossen bis auf den letzten Platz besetzten Eventhalle umrahmten die Zuger Alphornbläser-Vereinigung, das Jodlerdoppelquartett Zug und der Jodlerklub Echo Baarburg den ökumenischen Gottesdienst. Der reformierte Pfarrer Andreas Haas erinnerte daran, dass Wunder dort geschehen können, wo man für den Fluss des Lebens offen sei. Der katholische Gemeindeleiter Bernhard Lenfers Grünenfelder führte den Gedanken mit der berühmten Dreifaltigkeitsikone von Andrej Rublijow weiter. Für ihn ist Gott Geistkraft, Inspiration und Kreativität.

Ökumenischer Gottesdienst an der Zuger Messe | © Melanie Schnider
Die Organisation und Betreuung des Standes an der Zuger Messe erfordern einen hohen Aufwand, das wissen alle, die in den Pfarreien Personen für die Standbetreuung suchen müssen. Dieses Jahr waren gegen 80 Personen im Einsatz. Die zahlreichen persönlichen Begegnungen und das positive Echo von hunderten Besucherinnen und Besuchern verdeutlichen die Bedeutung dieser Präsenz.
Die Zuger Messe ist ein wichtiger Beitrag, um die katholische Kirche in der Öffentlichkeit positiv sichtbar zu machen und bietet auch oft die Gelegenheit, in einem persönlichen Gespräch aufzeigen zu können, für was Kirchgemeinden die Steuergelder im Kanton Zug einsetzen.
Fazit: Die katholische Kirche Zug ist auf dem richtigen Weg, wenn sie dorthin geht, wo die Menschen sind. Zum Beispiel an die Zuger Messe.
Seit 15 Jahren überraschende und kreative Präsenz. Vom 26. Oktober bis 3. November findet die jährliche Zuger Messe auf dem Stierenmarktareal statt. Seit 2009 ist der Stand der Katholischen Kirche im Kanton Zug fester Bestandteil. Dieses Jahr prägen fünf symbolische Zugwagons mit verschiedenen Aktionen den Stand. Roland Villiger, der seit Beginn eine treibende Kraft hinter dem Auftritt ist, blickt zurück.
Herr Villiger, vor 15 Jahren präsentierte sich die Katholische Kirche erstmals an der Zuger Messe. Was hat Sie damals motiviert?
Es war faszinierend, die Vielfalt der Mitglieder, das umfangreiche Engagement und die unterschiedlichen Aktivitäten der Katholischen Kirche im Kanton Zug zusammenzuführen. Unser Ziel war es, 80’000 Zugerinnen und Zuger auf diese facettenreiche Arbeit aufmerksam zu machen.
Noch heute erinnern sich viele an die beeindruckende Idee, in allen Pfarrkirchen die Hauptportale auszuhängen und an der Messe zu präsentieren. Wie kam es zu dieser Idee?
Wir wollten offene, lebendige Geschichten rund um dieses Projekt erzählen. Mit etwas Nachdenken und Reflektion fiel uns die Idee praktisch wie vom Himmel zu. Es sollte ein Symbol für Offenheit und Dialog sein.
Gab es Widerstände, gegen die Sie sich durchsetzen mussten?
Widerstände gehören zu jedem spannenden Projekt dazu. Uns ging es nicht ums Durchsetzen, sondern darum, zu überzeugen. Wir wollten Menschen für die Idee gewinnen und das ist uns gelungen.
Wie war das Echo der Besucherinnen und Besucher?
Das Echo war vielfältig, aber überwiegend positiv. Viele Besucherinnen und Besucher haben uns auf die Offenheit und Kreativität des Projekts angesprochen.
Wie wurde das Projekt damals finanziert?
Es handelte sich um eine 500 m² große Sonderausstellung an der Zuger Messe. Wir haben Sponsoren gefunden, mit Mitarbeitenden, Firmen, Freiwilligen und der Unterstützung der VKKZ zusammengearbeitet. Besonders das Netzwerk des damaligen Dekans Alfredo Sacchi war für den Erfolg entscheidend.
Wie sah der Stand damals aus, und wer hat ihn betreut?
Der Stand war sehr vielseitig: Wir hatten einen Raum der Stille, eine Bühne für die vielen Musiken im Kanton Zug, eine Malwerkstatt mit 1000 Leinwänden, einen Weihwasser- und Schokoladenstand, einen Briefkasten für Wünsche, eine Plaudertheke und ein digitales Fürbittbuch. Dazu natürlich die Türen der Pfarreien als Exponate. 150 Volunteers haben uns unterstützt – das war einfach grossartig.
Was bedeutete das für die Pfarreien, ihre Hauptportale vorübergehend zu entfernen?
Jede Pfarrei hat dadurch viele interessante Geschichten und Erlebnisse gesammelt. Es hat die Menschen vor Ort bewegt und den Dialog angeregt. Teilweise haben Pfarreiangehörige in der offenen Kirche auch Nachtwache gehalten.
Welche späteren Ausstellungen sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Nach der grossen Sonderschau sind unsere Auftritte kleiner geworden, aber immer mit spannenden Themen und viel Engagement vom Team und den Freiwilligen. Jede Messe war eine neue Herausforderung und Gelegenheit, unsere Botschaften zu teilen.
2023 war das überdimensionale 4-Gewinnt-Spiel ein Publikumsmagnet. Wie präsentiert sich der Stand in diesem Jahr?
Kommen Sie vorbei, lassen Sie sich von fünf symbolischen Zugwagons inspirieren. Es hat für alle etwas: Für Kinder und Familien einen Spielwagon. Im Jugendwagon können Jugendliche bei einem Wettbewerb ihre Geschicklichkeit mit einem Hammer beweisen. Der Ruhewagon lädt zum Verweilen und eine Zugreise rund um den Zugersee ein, im Plauderwagon kann man ungezwungen einen fremden Menschen kennenlernen und im Visionswagon geht es um Ideen, wie Kirchengebäude in Zukunft auch genutzt werden könnten.
Was motiviert Sie, sich Jahr für Jahr für dieses Projekt zu engagieren?
Die gesellschaftlichen Veränderungen betreffen auch die Kirche. Die Chance, diese Veränderungen gemeinsam mit einem grossartigen Team positiv und konstruktiv zu kommunizieren, begeistert mich. Es macht Freude, die Kirche in einem neuen Licht zu zeigen und dabei auf allen Seiten Zuversicht zu schaffen.
Interview: Arnold Landtwing
Die neue Website «Kirche mit Zug» ist jetzt online. Auf dieser finden sich Informationen zu 9 innovativen Veränderungsprojekten der Katholischen Kirche im Kanton Zug.
Am Mittwoch, 2. Oktober 2024 fand in der Eventlocation Freiruum der Projektnachmittag «Kirche mit Zug» statt. An diesem erarbeiteten 50 Teilnehmende konkrete Projekte, um die Katholische Kirche im Kanton Zug weiterzuentwickeln. Wie sehen diese Konzepte aus? Die neue Website kirche-mit-zug.ch erläutert alle 9 Projekte im Detail. Zudem listet sie die weiteren Arbeitsschritte auf und gibt Kontaktpersonen an. Auf der Website können Interessierte sich informieren und sich von Projekten inspirieren lassen.
Nicht nur die neue Website dokumentiert den Projektnachmittag «Kirche mit Zug». Auch medial erhielt er Aufmerksamkeit. Tele 1 berichtete in einem Videobeitrag über den Event und beleuchtet den Wandel, den die Katholische Kirche im Kanton Zug durchläuft:
Entdecken Sie die 9 Projekte auf kirche-mit-zug.ch und werden Sie Teil dieser spannenden Entwicklung.
Leere Kirchbänke, negative Bilder und eine bröckelnde Relevanz des Glaubens in der Gesellschaft. Angesichts solcher Herausforderungen versucht die katholische Kirche im Kanton Zug nicht erst, die Menschen in die Kirchenräume zurückzulocken. Im Gegenteil. Sie geht hinaus zu den Menschen. Das verdeutlichte die Veranstaltung «Kirche mit Zug» am 2. Oktober in der Zuger Eventlocation Freiruum.
«Die Kirche steht aktuell vor einem grossen Umbruch», begrüsste Sandra Dietschi die Teilnehmenden an diesem Nachmittag. Sie ist Projektleiterin «Kirche mit Zug» und Gesamtleiterin der Fachstellen und Spezialseelsorgen der Vereinigung der Katholischen Kirchgemeinden des Kantons Zug (VKKZ). Gut 50 Personen nahmen am Projektnachmittag teil. Bereits seit zwei Jahren ist das Projekt «Kirche mit Zug» energievoll unterwegs. In dieser Zeit erarbeiteten die Projektteilnehmenden sieben Themenfelder, in denen sich die Kirche im Kanton Zug weiterentwickeln soll. Diese umfassen Aspekte wie Spiritualität, die Diversität in der Gesellschaft oder das Mitwirken aller in der Kirche. «Heute Nachmittag geht es darum, unsere Gestaltungsmacht zu nutzen», betonte Dietschi, «Ziel ist es, konkrete Umsetzungsmöglichkeiten für diese Themenfelder zu entwerfen.»

Die Insel der spirituellen Momente inspirierte zu neuen Ideen | © Arnold Landtwing
Die Teilnehmenden trafen sich dazu auf farbig gestalteten Inseln und diskutierten angeregt. Dabei entstanden kreative Ideen wie fahrbare Kapellen, Kulturevents in den Kirchen, sakrales Tanzen im Freien oder Solarpanels auf den Kirchdächern. «Ich erhoffe mir von der Veranstaltung, dass es jetzt solche Aufbrüche in der Kirche gibt», sagt Urs Stierli, Teilnehmer und Gemeindeleiter der Katholischen Pfarrei Oberägeri, «Es ist toll, zu sehen, wie viele Leute hier sind und ihre Energie in diese Veränderung stecken. Andererseits sind wir auch in der Pflicht, neu zu gestalten.» Verschiedene neue Gestaltungsansätze haben während des Nachmittags im Freiruum konkrete Gestalt bekommen.
Die Idee eines Kirchenpasses stammt von Alessandra Fellmann sowie sechs weiteren Teilnehmenden der Pastoralräume Zug-Lorze und Zug-Walchwil, der reformierten Kirche und der VKKZ. «Wir wollen alle Christinnen und Christen – egal, ob orthodox, christkatholisch, katholisch, reformiert oder freikirchlich – miteinander vernetzen, indem wir alle Angebote in einem Kirchenpass auflisten», erklärt Fellmann. Ziel sei es, Kirchen, Gottesdienste oder Veranstaltungen über ein Streckennetz gemeinsam zu besuchen.
Ein ganz anderes Projekt entwarfen Renate Falk, VKKZ-Präsidiumsmitglied, und Barbara Gunasekaram vom Pastoralraum Zug-Walchwil. Pensionierte können in der Rolle eines Chilegrosis oder eines Chilegrossvaters interessierten jüngeren Menschen das Christentum näherbringen. «Denn sie wissen, was Kirche und Glaube bedeuten und können ihre Erfahrungen weitergeben», sagen die beiden.
Diese zwei Projekte sind nur zwei von insgesamt neun. «Das begeistert und erfüllt mich mit Stolz», freute sich Sandra Dietschi, «Die Ursprungsfrage, welche Kirche die Menschen im Kanton Zug brauchen, ist keine leere Worthülse geblieben. Gemeinsam konnten wir sie mit Leben füllen». «Das macht für mich ‹Kirche mit Zug› zu einem Herzensprojekt», sagt Sandra Dietschi.
Die neue Webseite www.kirche-mit-zug.ch wird die entwickelten Ideen sammeln und demnächst allen zugänglich machen.
Hinweis: «Kirche mit Zug» ist kantonal angelegt und ergänzt das Projekt «Mensch + Kirche Zug 2035» der katholischen Kirche Stadt Zug.
Soll eine Machbarkeitsstudie für das Kloster auf dem Gubel mitfinanziert werden? Wie entwickelt sich die Kirche im Kanton Zug weiter und wie wird künftig das Pfarreiblatt produziert? Einige Traktanden an der Delegiertenversammlung sorgten für Diskussionsstoff.
Delegiertenversammlung im Herbst gleich Budgetversammlung. In Menzingen genehmigten die Delegierten der Kirchgemeinden des Kantons Zug am 19. September das Budget 2025, das eine Kostenzunahme von 298’000 Franken verzeichnet. Unter anderem entsteht diese aufgrund von Projekten und des Teuerungsausgleichs. Zudem ist für die Unterstützung des italienischsprachigen Missionars eine 30 % – Stelle geplant.
Breit diskutiert wurden zwei Anträge, die die Mitfinanzierung einer Projektleitungsstelle für das Kloster Maria Hilf auf dem Gubel beinhalteten. Seit vergangenem Jahr hat eine kirchliche Stiftung die Trägerschaft des Klosters inne. Diese verfügt jedoch über keine finanziellen Mittel. Der Stiftungsrat möchte während einer dreijährigen Projektphase eine Zukunftsperspektive entwickeln, sodass die Klosteranlage auch künftig als Wallfahrtsort bestehen bleibt und wenn möglich einer Gemeinschaft einen Lebens- und Wirkungsort bietet. Der erste Antrag sah vor, eine Projektleitungsstelle während drei Jahren mit je 80’000 Franken mitzufinanzieren – die Inländische Mission würde sich jeweils mit weiteren 40’000 Franken jährlich daran beteiligen. Aus den Voten ging hervor, dass vor allem Unklarheit besteht bezüglich der Projektierungsdauer von drei Jahren. So nahmen die Delegierten den zweiten Antrag an und sprachen 80’000 Franken nicht für drei Jahre, sondern erstmal für das Jahr 2025. Zugleich führt VKKZ-Präsident Stefan Doppmann aber auch Gespräche mit dem Stiftungsrat, um das weitere Vorgehen zu klären.
Ebenfalls angeregt diskutiert wurde das Redaktionssystem des Pfarreiblatts. Mehrere Faktoren haben dazu geführt, dass über die langfristige Weiterverwendung des derzeitigen Systems nachgedacht wird und mögliche Alternativen ins Auge gefasst werden müssen. Da in der Entscheidungsfindung derzeit kein Zeitdruck besteht, werden von der VKKZ bis zur nächsten Delegiertenversammlung im Frühling 2025 gangbare Wege skizziert.
Weiter wurde über den Steuerausgleich, das Reporting der Verwendung der Steuergelder und die Fachstelle Kommunikation informiert. Für die Katholikinnen und Katholiken dürfte das Projekt Kirche mit Zug von Interesse sein, über dessen aktuellen Stand die Projektverantwortliche Sandra Dietschi berichtete. Die öffentliche Veranstaltung anfangs Oktober, zu welcher ausdrücklich auch die Basis eingeladen wurde, bildet einen Meilenstein, danach wird in Interessengruppen an der Zukunft der katholischen Kirche im Kanton Zug weitergearbeitet.
Marianne Bolt
Die musikalische und theatralische Interpretation der Sintflut verbindet Generationen und die biblische Zeit mit dem Heute. In Steinhausen und Baar singen und spielen der Chor der Generationen, ein professionelles Orchester und ein Schauspieler das Oratorium «Die Sintflut», das die biblische Geschichte aus einem anderen Blickwinkel miterleben lässt.
Auf das Erschaffen der ganzen Schöpfung, die Gott in der Genesis als «sehr gut» bezeichnet, folgen bei der Sintflut Untergang, Tod und Neuanfang. Gott bestraft den Menschen für seine Sünden – nur mithilfe der Arche Noachs sollen Menschheit und Tiere überleben. Das Oratorium «Die Sintflut» greift diese biblische Geschichte auf und erzählt sie «neu aufgesetzt», wie der Komponist Martin Völlinger sagt. Es werden Fragen nach Schuld und Gerechtigkeit gestellt und Noachs Gefühlsregungen wie Hadern und Zweifeln, Widerstände und Wut in Wort und Melodie zum Ausdruck gebracht.
Der Text von Hanspeter Gschwend und die Musik von Martin Völlinger bilden ein klassisches, vierteiliges und sehr dramatischangelegtes Oratorium als theatralisches Gesamtkunstwerk, das in Steinhausen Ende September uraufgeführt wird «Es ist ein hochdramatisches Stück mit sehr viel Tiefgang», sagt der Komponist. Der musikalische Leiter Christian Renggli ergänzt: «Die Unwetter in diesem Sommer haben mir vor Augen geführt, dass das Thema Sintflut beklemmend aktuell ist.»
Neu ist im Gegensatz zur biblischen Geschichte, dass auch Noachs Frau mit der Mezzosopranistin Susanne Andres eine Stimme erhält. Aus dem Blickwinkel einer Frau und Mutter stellt sie Fragen, rüttelt wach und erinnert an die Liebe. Auffällig ist an den Texten, dass sie weitgehend dem Inhalt der biblischen Geschichte folgen, jedoch so formuliert sind, dass sie auch zur heutigen Weltsituation zahlreiche Gedankenanstösse liefern, ohne konkret politisch zu sein.
Um die menschlichen Regungen hörbar zu machen, nutzt Martin Völlinger ein breites musikalisches Spektrum, das gefühlsbetont von der Einstimmigkeit bis hin zum Ausreizen des Orchesters reicht, Kinderstimmen, welche die klangliche Hoffnungsfarbe darstellen und ein Erzähler, der Gott und Noach eine Stimme verleiht. «Die Sintflut ist eine Reise durch alle menschlichen Richtungen. Sie führt von tiefster Verzweiflung zur Hoffnung und vom strafenden zum liebenden Gott», sagt Martin Völlinger.
Um der Dramatik des Oratoriums gerecht zu werden, seien ein grosses Orchester – bei der «Sintflut» spielt das professionelle Orchestra Puccini –, ein Schauspieler in der Rolle eines Erzählers und Gesangsstimmen aller Generationen unerlässlich. Der Chor der Generationen setzt sich aus den Kirchenchören von Baar und Steinhausen, dem Jugendchor Steinhausen sowie Gastsängerinnen und Gastsängern zusammen und umfasst etwa 120 Menschen zwischen acht und achtzig Jahren. Wie Christian Renggli sagt, wirken im Chor der Generationen Sängerinnen und Sänger mit, die zum ersten Mal in einem Chor mitsingen, andere verfügen über eine professionelle Gesangsausbildung oder langjährige Erfahrung mit Chorkonzerten. Das musikalische Zusammenwirken der Generationen erlebt Christian Renggli als grosse Bereicherung. «In den Pausen kommen die Sängerinnen und Sänger über die Altersgrenzen hinweg miteinander
ins Gespräch das freut mich sehr!» Trotz der unterschiedlichen Jahrgänge und Erfahrungen beobachtet der musikalische Leiter, dass das Oratorium mit viel Lust vorbereitet wird. «Das Wichtigste ist unser gemeinsames Ziel: Wir wollen das neue Oratorium Sintflut von Martin Völlinger in drei tollen Konzerten aufführen.»
• Marianne Bolt, Pfarreiblatt 38/39-2024
Die Sintflut – damals und heute
Ein musikalisches, generationenübergreifendes Grossprojekt
Flyer mit allen Informationen
DIE SINTFLUT – ORATORIUM