Die Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs im Umfeld der Kirche zeigt auf, wie wichtig die Präventionsarbeit ist, welche die Kirche seit vielen Jahren bereits leistet. In regelmässigen und verpflichtenden Kursen werden kirchliche Mitarbeitende zu Massnahmen und Intervention des Schutzkonzepts des Bistums Basel geschult. Anfangs Januar 2025 sind die nächsten Kurse ausgeschrieben.
Mit Instrumenten zur Selbstreflexion werden die Kursteilnehmenden umfassend sensibilisiert zu Themen wie Nähe und Distanz sowie sexuelle Übergriffe im alltäglichen professionellen und kollegialen Umgang. Zudem fördert der Kurs das Bewusstsein dafür, wie Grenzverletzungen oder sexuelle Übergriffe entstehen können.
Das Angebot richtet sich breit an viele Berufsbilder im Umfeld der Kirche: Katechetinnen und Katecheten, Jugendarbeitende, kirchliche Behördenmitglieder, Theologinnen und Theologen, Lehrpersonen sowie Freiwillige in der Pastoral.
Die Inhalte des Kurses vermitteln die Bedeutung der Prävention, werfen einen systemischen Blick auf Beziehungen und erinnern an professionelle Sorgfalt und Verantwortung bei Nähe und Distanz in Beziehungen. Ein besonderes Kapitel betrifft Sorgfalt und Verantwortung bei Asymmetrie und Abhängigkeit in Beziehungen. Die Kursteilnehmenden lernen Täterstrategien erkennen und wissen um die Massnahmen des Schutzkonzeptes. Für den Fall eines Ereignisses oder eines Verdachts kennen sie professionelle Intervention und wissen, wer die Ansprechpersonen sind.
Informationen zu den Kursen:

Es war definitiv ein ungewöhnliches Bild. Über 80 Personen stapften am Dienstagabend, 10. September, durch den Korporationswald in Baar. Es war weder eine Gruppenwanderung noch ein Teamevent eines Zuger Unternehmens. Vielmehr hatte die Veranstaltung «Natur, Wirtschaft und Wohlbefinden» des Forums Kirche und Wirtschaft die Leute angelockt. Zum allerersten Mal fand ein Anlass des Zyklus «Wirtschaft und Werte» in freier Natur statt. «Während einem Erlebnisrundgang tauchen wir in den Wald und seine Vielfalt ein und anschliessend diskutieren wir darüber, wie wir ihn sowohl nutzen als auch schützen können», erklärt Thomas Hausheer, Leiter des Forums Kirche und Wirtschaft und Organisator des Veranstaltungszyklus.
Anders als bei früheren Veranstaltungen waren an diesem Abend auffallend viele interessierte Personen aus der Wirtschaft dabei, vor allem aus den Bereichen Gartenbau und Forstwirtschaft. Neben ihnen waren auch lokale Politikerinnen und Politiker sowie Kirchenmitglieder anzutreffen.

Martin Ziegler gibt Einblick in das filigrane Ökosystem des Waldes | © Arnold Landtwing
Im Verlauf des Abends informierten vier Fachpersonen, die alle auf unterschiedliche Weise mit dem Wald zu tun haben. «In einer Handvoll Walderde hat es mehr Lebewesen als Menschen auf der Welt», sagt Martin Ziegler, Leiter des Amts für Wald und Wild des Kantons Zug, «Der Wald ist ein komplexes Ökosystem und wir kennen nur einen Bruchteil davon. Darum gilt es, zu staunen, ihn zu beschützen und mit Nachsicht zu geniessen.» Welche Wirkung der Wald auf den Menschen hat, weiss Tanja Flütsch. Sie ist Natur- und Jobcoach und Waldbaden-Leiterin und verhilft Menschen zu ihrer inneren Stärke zu gelangen. «Der Wald funktioniert wie ein Co-Coach, ein Spiegel. Das Beobachten der Natur hilft dabei, zu inneren Einsichten zu gelangen», erklärt sie. «Am liebsten würde ich barfuss durch den Wald gehen», meint Teilnehmer und Hobbygärtner Yannick Hausheer während des Rundgangs, «Dann würde ich den Wald noch viel achtsamer wahrnehmen.» Nicht nur für die innere Balance und die psychische Gesundheit ist der Wald wichtig.

Sorgten für einen spannenden Anlass zum Thema Wald: (v.l.n.r.): Thomas Hausheer, Beda Schlumpf, Tanja Flütsch, Walter W. Andermatt, Martin Ziegler und Stefan Doppmann. | © Thomas Müller
Wälder liefern Holz, sauberes Trinkwasser, reinigen die Luft und regulieren das Klima. «Der Wald hat sehr viele Funktionen und Anspruchsgruppen», sagt Beda Schlumpf, Abteilungsleiter Fischerei und Jagd des Kantons Zug. Wie kann man den Wald nutzen und schützen? Wie gelingt es, dass er nicht nur der Erholung dient, sondern auch dem Klimaschutz? Auswege aus diesem doppelten Dilemma thematisierten die vier Wald-Fachpersonen Walter W. Andermatt, Tanja Flütsch, Martin Ziegler und Beda Schlumpf während einer Podiumsdiskussion im Anschluss an den Waldrundgang. Stefan Doppmann, Präsident der Vereinigung der Katholischen Kirchgemeinden des Kantons Zug, moderierte das angeregte Gespräch.
Besonders intensiv diskutierten die Podiumsteilnehmenden die Demut, die man bei einem Waldspaziergang spürt. Ebenso thematisierten sie die wachsenden Ansprüche der Bevölkerung an den Wald und die Tätigkeiten der Waldeigentümer. «Wir schlagen Holz ganz gezielt, sodass Licht auf den Boden fällt und neues Leben entstehen kann, aber auch genügend Platz für Freizeitaktivitäten im Wald vorhanden ist», sagt Walter W. Andermatt, Präsident der Korporation Baar-Dorf und Vizepräsident des Verbandes der Waldeigentümer, «Es ist wichtig, dass ein Gleichgewicht zwischen der Holznutzung und dem Naturschutz eingehalten wird.»
Nach der Podiumsdiskussion tauschten sich die Teilnehmenden bei einem Imbiss bis spät abends weiter aus. «Es war sehr spannend für mich, die Sichtweise der Waldbesitzer zu hören», sagt die Teilnehmerin Chiara Parodi, «Für viele ist der Wald einfach da, doch sie sehen die Arbeit dahinter nicht.» Teilnehmer Josef Häfliger meint: «Vieles ist mir erst durch den Rundgang bewusst geworden. Ich fand es schön, wie es den Fachpersonen gelang, Demut gegenüber dem Wald zu thematisieren.» Genau das liegt auch dem Organisator Thomas Hausheer besonders am Herzen: «Mir ist es wichtig, ethische Impulse für ein verantwortungsvolles Handeln gegenüber unseren Wäldern mitzugeben.»
Text: Melanie Schnider
Hinweis:
Die nächste Veranstaltung des Zyklus «Wirtschaft und Werte» des Forums Kirche und Wirtschaft findet im Frühling 2025 statt. Weitere Informationen finden Sie hier
Die Bäume vor unseren Bürofenstern sind momentan schwer behangen mit diesen leuchtend roten Äpfeln. Ihr Anblick begeistert uns regelrecht. Bald steht die Zeit der Ernte an – nicht nur im Sunnematt-Garten.
Mit jedem Septembertag rückt die Jahreszeit der leuchtenden Farben und tanzenden Blätter immer näher. Wir wünschen euch einen goldenen Herbst.
Frisch und überraschend anders als erwartet. So soll die neuste gemeinsame Kampagne der reformierten und katholischen Kirche Zug daherkommen. Ab September werden drei verschiedene Plakate auf den Strassen, in Bussen, Kinos sowie auf sozialen Medien wie Instagram und Facebook zu sehen sein. Die Plakate enthalten kurze, prägnante Botschaften wie «24/7 da», «Für alle» und «Bei dir». Diese Aussagen beziehen sich auf den Wesenskern der Kirche: Sie ist jederzeit für die Menschen da, unabhängig von Alter, Geschlecht oder Status, und bietet einen verlässlichen Wert in einer Zeit der Unverbindlichkeit.
Die visuellen Darstellungen sind humorvoll und laden zur Interpretation ein. Beispielsweise zeigt ein Plakat einen Menschen, der im Schwimmbad den Schatten eines Weihnachtsbaums geniesst, während auf einem anderen ein schweres Motorrad neben einem Rollator und einem Rollbrett zu sehen ist. Ein weiteres Plakat zeigt eine dampfende Tasse Kaffee, aus der eine Gestalt herauswinkt – eine Anspielung auf Jesus, der über das Wasser geht? Die Logos der beiden Kirchen sind dezent am unteren Rand der Plakate platziert.

Die drei Sujets der ökumenischen Kampagne | © norr.ch
Die Idee, Humor in die Kampagne einzubringen, entstand im kreativen Prozess. «Wir hinterfragen mit einem augenzwinkernden Ansatz Vorurteile, entlocken ein Schmunzeln und regen bestenfalls zum Nachdenken an», erläutert Simona Starzynski, Kommunikationsverantwortliche der reformierten Kirche Zug. Zusammen mit Arnold Landtwing, Kommunikationsverantwortlicher der katholischen Kirche Zug, hat sie die Kampagne initiiert und gemeinsam mit den Kreativen Stefan Fraefel und Sina Stähli der Zuger Agentur norr gestaltet. Die Scribbles stammen vom Emmenbrücker Illustrator Lorenz Rieser. Die Kommunikationsverantwortlichen sind sich bewusst, dass die Kampagne sowohl Applaus als auch Kritik hervorrufen wird. «Etwas Reibung darf gerne sein und führt hoffentlich zu Gesprächen. Wenn das gelingt, haben wir das Ziel erreicht», betont Arnold Landtwing.
Simona Starzynski und Arnold Landtwing heben die Bedeutung der Kampagne für die Sichtbarkeit der Kirche im Alltag der Menschen hervor. Starzynski erklärt: «Wir haben die humorvolle Herangehensweise bewusst gewählt, um die Kirche als nahbar und zeitgemäss darzustellen.» Und Landtwing ergänzt: «Die Kampagne soll nicht nur zum Schmunzeln anregen, sondern auch tiefere Reflexionen über Glauben und Gemeinschaft fördern.»
Die Kampagne ist ein weiterer Ausdruck der langjährigen ökumenischen Zusammenarbeit im Kanton Zug. «Wir spannen in vielen Bereichen zusammen, sei es in der Seelsorge, in Angeboten für unterschiedliche Zielgruppen oder in gemeinsamen Gottesdiensten. Wir betonen das Verbindende im Glauben an Jesus Christus,» erklären Starzynski und Landtwing. Die Kosten für die Kampagne werden aus dem laufenden Budget für Kommunikation und Marketing beider Kirchen bestritten.
Mit dieser ökumenischen Kampagne gehen die beiden Kirchen neue Wege, um ihre Botschaften zu vermitteln. Die humorvollen und kreativen Plakate unterscheiden sich deutlich von traditionellen kirchlichen Darstellungen und könnten dazu beitragen, generationenübergreifend ein breiteres Publikum zu erreichen.
Die Initiatoren sehen die Kampagne als Chance, überraschende Impulse und Akzente zu setzen. Obwohl sie zeitlich begrenzt ist, hoffen die Verantwortlichen, dass sie zu Gesprächen anregt und möglicherweise einen Perspektivenwechsel bei den Betrachtern auslöst. Sie laden Kritiker explizit zum Gespräch ein und sehen die Kampagne als Möglichkeit, das Bild der Kirche in der Gesellschaft zu erneuern und zu beleben. Die ökumenische Kampagne der Zuger Kirchen zeigt, dass traditionelle Institutionen durchaus modern und humorvoll kommunizieren können, ohne ihre Kernbotschaft zu verwässern.
Text: Carole Bolliger
Postkarten schreiben war gestern. Im Internetzeitalter geht Berichterstattung so: Am Abend Handyfotos und ein paar Sprachnachrichten schicken und – zack! – sind die zuhause Gebliebenen aktuell über das Wohlbefinden der jugendlichen Rompilger informiert. So geschehen gestern Abend kurz vor Mitternacht. Koordiniert hat dies Dominik Reding, der die Ministrantengruppe des Pastoralraumes Zug-Walchwil begleitet.

Die Zuger Minis sind ein Teil der grossen Schweizer Gruppe | © Dominik Reding
Wer nach Rom fährt, schwärmt garantiert vom Essen und von Begegnungen mit dem Papst. So auch Andrin Bachmann: «Dass ich wohl kaum dem Papst die Hand schütteln kann, wusste ich schon zuhause. Auf dem Petersplatz hatte ich aber die Chance, sehr nahe bei ihm zu sitzen. Das Essen in Italien ist sehr gut und ich habe Neues probiert.» Sein Kollege Janik Häfliger ist beeindruckt von der antiken Geschichte und ergänzt: «Die grosse Hitze macht vielen zu schaffen.»

Bei südlichen Temperaturen ist ein schattiges Plätzchen sehr willkommen | © Dominik Reding
Die Sprachnachricht von Vera und Nora plätschert fröhlich dahin. «Uns gefällt es mega gut und es ist eindrücklich, wie viele Ministranten hier sind. Die Stimmung auf dem Petersplatz war sehr gut», weiss Vera zu berichten. Ministrantenkollegin Nora geniesst das Pflegen von Beziehungen: «Ich habe nie gedacht, dass ich einmal im Leben dem Papst so nahe sein werde. Mit Tausch-Spielen haben wir Minis aus anderen Ländern kennengelernt. Für die Stadtführung wurden Gruppen aus verschiedenen Kantonen gemischt. Sie war gut organisiert und spannend, hat aber etwas lange gedauert. Irgendwann hatten wir aber genug. Es ist cool, mit unserer Gruppe Zeit zu verbringen und Beziehungen zu pflegen.»

Besinnlicher Zwischenhalt in der Kirche Santa Maria in Trastevere | © Dominik Reding
Dass bei einer internationalen Wallfahrt auch Warten angesagt ist, liegt in der Natur der Sache, doch Vera nimmt das mit schon beinahe italienischer Gelassenheit: «Das Warten hält sich in Grenzen, aber mit so vielen Leuten kann man es gar nicht besser machen. Es ist schwierig, dass immer alle beschäftigt sind. Alles in allem ist es bestens organisiert, wir wissen immer, wo wir hingehen müssen.»
Die gemeinsame Zeit in Rom ist eine hervorragende Investition in die Jugendarbeit zuhause, denn ein Erlebnis wie die Ministrantenwallfahrt stärkt Zusammenhalt und Vertrauen. Nora geniesst auch die Freizeit «und dass wir bis kurz vor Mitternacht unterwegs in dürfen. So können wir anschauen, was uns sonst noch interessiert. Die Freiheit, dass wir auch selber unterwegs sein dürfen, macht diese Reise doppelt cool. Wir sind gespannt auf die nächsten Tage und freuen uns sehr auf ein Bad im Meer. Den Papst zu sehen ist ein Highlight und nur schon das Zusammensein mit Freunden in Rom ist ein wunderschönes Erlebnis.»

Ein besonderes Erlebnis für Minis, festzustellen: Wir sind viele! | © Dominik Reding
Auch wenn die Wallfahrt noch einige Tage dauern wird, weiss Vera schon jetzt, was sie auch im Namen der anderen Jugendlichen den Organisatoren und Verantwortlichen sagen will: «Danke, dass ihr all das für uns organisiert, es ist eine mega coole Chance für uns!»
Hohe und seltene Ehre für den Zuger Italienermissionar Mimmo Basile: Der italienische Staat hat ihn mit dem Orden «Stern Italiens» ausgezeichnet und zum Ritter ernannt.
Wenn der Staat Italien offiziell mit dem Orden «Stern Italiens» die Ritterwürde verleiht, setzt er ein wichtiges Zeichen, erst recht, wenn der Ausgezeichnete ein Priester ist.

Don Mimmo mit der Ernennungsurkunde | © Arnold Landtwing
«Die Anerkennung freut mich sehr», sagt der von der Ernennung überraschte Don Mimmo und nimmt sich gleich als Person zurück: «Auch wenn der Orden namentlich mir überreicht worden ist, verstehe ich ihn in erster Linie als Auszeichnung all der Mitarbeitenden, welche die vielen Projekte ermöglicht haben.»
In der ausführlichen Begründung für den Ritterschlag zählt der italienische Generalkonsul Mario Giorgio Stefano Baldi zahlreiche Projekte auf, die seit mehr als 25 Jahren mit dem Italienermissionar verbunden sind: Das Engagement für die in die Schweiz ausgewanderten Landsleute, die Organisation von Gruppen und Aktivitäten zur Förderung ihrer Integration, Fortbildungsveranstaltungen zu Fragen der Gesundheit und des Wohlbefindens sowie die Mobilisierung eines breiten Spektrums von Freiwilligen. Besonders betont wird der Einsatz für das «Centro Papa Giovanni» in Emmenbrücke, das zu einem Bezugspunkt der italienischen Gemeinschaft in der Region Luzern geworden ist.
Auf die Frage, was sich für ihn jetzt als «Cavaliere» ändere, lacht Mimmo Basile herzhaft: «Niente! Assolutamente niente! Wir arbeiten einfach weiter. Die Auszeichnung ist für uns als Teams eine Motivation, wie bisher unsere Arbeit weiterzumachen – als stille Arbeit.»

Der Orden «Stella d’Italia» | © Arnold Landtwing
Das Präsidium der VKKZ freut sich, dass das Wirken des Italienermissionars und seiner Mitarbeitenden nicht nur auf pastoraler Seite, sondern auch staatlich wahrgenommen wird und gratuliert herzlich zu dieser Auszeichnung.
Stefan Doppmann ist Präsident der Vereinigung der Katholischen Kirchgemeinden des Kantons Zug. Er äussert sich zur Berichtsmotion, welche die Weiterentwicklung der Ertragsverwendung der Kirchensteuern juristischer Personen beabsichtigt. Darin wird der Regierungsrat beauftragt, Varianten und deren Kombination zu prüfen, z.B. ausschliessliche Verwendung für gemeinnützige Zwecke, Anerkennung von anderen Religionsgemeinschaften oder der Wahl, welcher Institution die Steuern zugutekommen sollen.
Was waren ihre ersten Gedanken, als sie von dieser Berichtsmotion erfahren haben?
Ich war zunächst überrascht. Dann musste ich mir realistischerweise eingestehen, dass damit zu rechnen war, dass die Politik ihre Aufmerksamkeit früher oder später wieder auf die Kirchensteuer der juristischen Personen richten würde.
Haben sie damit gerechnet, dass nach der abgelehnten Motion von 2021, welche die Kirchensteuern juristischer Personen für freiwillig erklären wollte, 2024 bereits wieder ein politischer Vorstoss eingereicht wird?
In der Debatte, die der Kantonsrat 2021 führte, liessen mehrere Votanten durchblicken, dass man dieses Thema nicht endgültig abhaken würde. Seither haben verschiedene Faktoren dazu beigetragen, dass die Kirche im Fokus stand. Ich denke da an die anhaltende Debatte über Missbrauch, insbesondere im Nachgang zur Publikation der von der Kirche selbst initiierten Pilotstudie oder aufgrund des Rückgangs der Mitgliederzahlen in den beiden Landeskirchen. Somit war früher oder später wieder ein Vorstoss in diese Richtung zu erwarten.
Kennen sie die Motive der Motionäre, können sie diese nachvollziehen?
Wir haben uns mit den Motionären ausgetauscht. Sie haben im Gespräch wie auch im Motionstext dargelegt, dass sie der Kirche die ihr heute zur Verfügung stehenden Steuermittel erhalten möchten. Und sie anerkennen, dass mit diesen Mitteln viele Leistungen zu Gunsten der gesamten Gesellschaft erbracht werden. Mit ihrer Motion regen sie an, die heutige Form der Verwendung der Steuermittel so weiterzuentwickeln, dass die Kirchen ihre Aufgaben weiterhin wahrnehmen können. Ich kann nachvollziehen, dass die Politik vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Entwicklung diese Diskussion führen will. Und ich bin froh, dass es im Kantonsrat Kräfte gibt, die es weiterhin für richtig halten, dass die Kirche für ihr wichtiges Engagement zu Gunsten der Gesellschaft Steuermittel erhält

Kirchenbehörden besprechen die Berichtsmotion | © Arnold Landtwing
Wie geht es jetzt weiter?
Der Regierungsrat hat ein Jahr Zeit, um Bericht und Antrag zur Erheblicherklärung zu unterbreiten. Wenn der Kantonsrat die Motion erheblich erklärt, hat der Regierungsrat wiederum drei Jahre Zeit, um den von den Motionären geforderten Bericht auszuarbeiten. In diesem muss er die verschiedenen Versionen zur möglichen zukünftigen Ausgestaltung der Kirchensteuer juristischer Personen bewerten und priorisieren. In einem ersten Schritt hat die in dieser Frage federführende Finanzdirektion die katholische und die reformierte Kirche aufgefordert, bis Ende September Informationen darüber bereitzustellen, wie die Steuermittel eingesetzt werden und wie sie damit einen Nutzen für die gesamte Gesellschaft erbringen.
Das klingt nach viel Arbeit über die Sommermonate. Wie ist die Stimmung in den Kirchgemeinden?
Das Beantworten und Konsolidieren der Umfrage ist eine grosse Arbeit, weil diese Zahlen eigens erhoben werden müssen. Der Termin ist sportlich gesetzt, und wir nehmen den Aufwand gern auf uns, um aufzuzeigen, wie viele Leistungen die Kirchgemeinden für die gesamte Bevölkerung im Kanton erbringen. Viele davon sind oftmals ausserhalb der öffentlichen Wahrnehmung.
Welche speziellen Leistungen für die gesamte Gesellschaft sind zu wenig in der öffentlichen Wahrnehmung?
Am ehesten im Bewusstsein sind wahrscheinlich die Leistungen in der Sozialdiakonie, in der konfessionsübergreifenden Alters-, Familien- und offenen Jugendarbeit. Viele dieser Leistungen sind häufig gepaart mit Freiwilligenarbeit, was ihren gesellschaftlichen Nutzen zusätzlich verstärkt. Darüber hinaus stellen die Kirchgemeinden auch Pfarreiräume und Kirchen für Vereine und kulturelle Veranstaltungen kostenlos oder zu einem symbolischen Preis zur Verfügung. Festgestellt werden darf auch, wie gewichtig die Kirchgemeinden als Auftraggeber für das heimische Gewerbe sind, wovon beispielsweise Handwerker, Druckereien oder auch die Lebensmittelbranche profitieren.
Interview: Arnold Landtwing
Welche Kirche brauchen die Menschen im Kanton Zug? Seit zwei Jahren gehen Vertreterinnen und Vertreter der Pfarreien und Kirchgemeinden dieser Frage nach. Daraus entstanden ist das Projekt «Kirche mit Zug», das immer konkretere Züge annimmt.
Die katholische Kirche schaut düsteren Zeiten entgegen. An diesem Bild, das Arnd Bünker, Leiter des Schweizerischen Pastoralsoziologischen Instituts SPI, im November 2021 an einer Weiterbildungsveranstaltung im Kanton Zug skizzierte, stiessen sich Vertreterinnen und Vertreter der Katholischen Kirche. Und eben dieses Bild war es, das einen Stein ins Rollen gebracht hat. Bereits im Sommer 2022 setzten sich Leitungspersonen aus Zuger Pfarreien und Kirchgemeinden und den Fachstellen sowie des Bistums Basel bei einem Workshop mit der Frage auseinander, wie die Kirche die Botschaft Jesu in die Welt von heute tragen kann.

Sandra Dietschi (l.), Gesamtleiterin Fachstellen VKKZ und Projektleiterin von «Kirche mit Zug» im Gespräch mit Pfarreiblattredaktorin Marianne Bolt | © Arnold Landtwing
Seither sind nahezu zwei Jahre verstrichen. Der Stein gewann an Fahrt, daraus entstanden ist das Projekt «Kirche mit Zug». Ein Projekt, in dem nicht nur über Synodalität gesprochen, sondern in dem Synodalität gelebt wird, wie Sandra Dietschi, Projektleiterin und Gesamtleiterin Fachstellen der VKKZ, sagt. Denn längst denken und diskutieren nicht mehr ausschliesslich kircheninterne Personen mit. Wenn sich in der Kirche etwas für die Menschen im Kanton Zug verändern soll, sollen diese Menschen auch mitdiskutieren können. Dabei geht es nicht um eine Bedürfniserhebung, denn solche Ergebnisse liegen aus anderen Studien bereits vor. Es geht laut Sandra Dietschi vielmehr darum, Formate zu schaffen, in denen immer wieder Leute mit auf den Zug aufsteigen können. Doch was bedeutet das, was ist bisher geschehen und wohin fährt der Zuger Zug?
Bei der ersten Netzwerktagung im Sommer 2022 kristallisierten sich unterschiedliche Handlungsfelder heraus. Unter anderem das bedürfnisorientierte Arbeiten, das Schärfen eines offenen Ohrs, das Stärken des kantonalen Bewusstseins, die Ansprechbarkeit für die Menschen, und – ganz besonders – die Ermächtigung von Menschen, ihre je eigene Stärke in die Gemeinschaft einbringen zu können. Bei einem nachfolgenden Treffen mit Leitungspersonen aus den Pfarreien und Pastoralräumen wurde deutlich, dass Leerraum geschaffen werden soll, um sich mit der Kernfrage nach der Kirche von heute auseinanderzusetzen. Zugleich sollte vermieden werden, einem übereiferten Aktionismus zu verfallen.
Für Aussenstehende klingen diese Überbegriffe vage, für die Weiterentwicklung ab Sommer 2023 waren sie jedoch wichtig. Das Kernteam des Projekts – dieses besteht aus der Projektleiterin Sandra Dietschi, Renate Falk, einem Mitglied des VKKZ-Präsidiums, Thomas Hausheer, Leiter der Fachstelle Kirche und Wirtschaft, Kommunikationsleiter Arnold Landtwing und der Leiterin der ökumenischen Seelsorge für Menschen mit Behinderung seelsam Karin Schmitz – wollte mit Personen aus der Pastoral und den Kirchgemeinden sowie mit weiteren Interessierten in einem World Café der Frage nachgehen, welche Kirche die Menschen im Kanton Zug brauchen. Das World Café ist eine Methode, mit welcher sich die Anwesenden in einer Café-Atmosphäre kreativ mit unterschiedlichen Fragestellungen auseinandersetzen.
Das World Café im November 2023 war die Geburtsstunde des Projekts «Kirche mit Zug». Die rund 50 Anwesenden gingen den Fragen nach, welche Erwartungen die Menschen heute an die Kirche haben, wie darauf reagiert werden kann, welche Inhalte und Gestalt die Katholische Kirche im Kanton Zug braucht, um den Bedürfnissen in Zukunft gerecht zu werden, und welche Fragen bewegen und wie sie bearbeitet werden können.

November 2023: Das World Café bildete den Startschuss für das Projekt «Kirche mit Zug». | © Arnold Landtwing
Eine Aufbruchstimmung machte sich breit. Das Glas ist nicht halb leer, sondern halb voll, wie Sandra Dietschi sagt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer entschieden, die Diskussion um die Zukunft der Katholischen Kirche im Kanton Zug weiter zu vertiefen. Gelegenheit dazu boten vier Abende, die im ersten Quartal dieses Jahres stattgefunden haben. Es waren Abende, an denen jeweils zirka 15 Teilnehmende auf spielerische Weise an der Kirche von morgen gebaut haben. Was an allen Abenden deutlich wurde: Die Kirche muss zu den Menschen gehen, diakonisch tätig sein und Begegnungsmöglichkeiten schaffen. Ebenfalls wurde einhellig betont, dass Rückzugs- und Besinnungsorte weiterhin bestehen bleiben sollen. Ungenutzte Kirchenräume könnten dazu umgestaltet und doch weiterhin als sakrale Räume genutzt werden. Beispielsweise mit Liegestühlen und Büchern in der Kirche oder einem kurzen Impuls über Mittag.
Zugleich tauchten – ebenfalls an allen vier Abenden – Widerstände auf. Ist es möglich, allen Bedürfnissen gerecht zu werden? Und: Ist das noch Kirche? Was erstaunen mag: An keinem dieser vier Abende wurden die kirchlichen Strukturen, die Abschaffung des Zölibats oder die Frauenordination als Thema aufgegriffen. «Der Vorteil dieses Projekts ist, dass es ein freies Denken im geschützten Rahmen ermöglicht und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht bei den Barrieren beginnen», sagt die Projektleiterin.

1. Quartal 2024: An vier Abenden bauten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kreativ an der Kirche von morgen | © Stefan Fraefel
Das Kernteam ist inzwischen um drei Personen von ausserhalb der Kirche erweitert worden. Neu gehören auch Stefan Fraefel und Sina Stähli von Norr Design sowie Roland Villiger von Concept Villiger dazu. Gemeinsam haben sie das Konzentrat aus den vier Abenden herausgezogen. Daraus sind neun Themenfelder entstanden, die sich nicht mehr auf der theoretischen Ebene bewegen, sondern in die Praxis umgesetzt werden können.
Dazu gehört unter anderem das Thema «Pensioniert – und jetzt?», das sich den Möglichkeiten von Pensionierten im kirchlichen Umfeld widmet. Nicht nur in Form von Angeboten, sondern im Ermöglichen von Bereichen, in denen die Pensionierten ihre Fähigkeiten, ihr Wissen und ihre Lebenserfahrungen weiterhin einbringen können.
Für dieses und die acht weiteren Themenfelder werden am 2. Oktober Umsetzungsideen erarbeitet. Diese Ideen dürften richtungsweisend sein, wie die Katholische Kirche des Kantons Zug in Zukunft aussehen kann. Wer sich angesprochen fühlt, mitzudiskutieren, darf gerne mit Sandra Dietschi von der Vereinigung der Katholischen Kirchgemeinden des Kantons Zug (VKKZ) Kontakt aufnehmen.
Marianne Bolt
Impulse für das Projekt brachte im Januar 2024 auch ein Inspirationsabend mit auswärtigen Fachleuten. Den Link zum damaligen Bericht finden Sie hier.
Mitte Juni findet im reformierten Kirchenzentrum Zug der Zuger Flüchtlingstag statt. Eine multikulturelle Vorbereitungsgruppe hat ein vielfältiges Programm mit Musik, Spiel, Essen und Politik zusammengestellt. Der Flüchtlingstag findet weltweit im Juni statt.
Von mittags 14 Uhr bis abends um 19.15 Uhr bietet ein vielfältiges Programm eine grosse Auswahl an Möglichkeiten:
Der Chor Zug unter der Leitung von Christof Tschudi singt Lieder, die Kraft und Verbundenheit bezeugen. Dazwischen lesen Geflüchtete und Einheimische kurze Texte über «Über Leben». Es sind jeweils Zeilen, die die Menschen schon lange in sich tragen. Die Texte wurden in den letzten Monaten gesammelt und zu einem Büchlein gebunden, das in jede Hosentasche passt und an alle Teilnehmenden verschenkt wird. Am Ende singen alle gemeinsam von gutem Leben. Regierungsrat Martin Pfister und Kantonsrätin Ronahi Yener sprechen ein Grusswort: Was heisst gutes Leben für Politik und Gesundheitsleben?
Speziell für den Flüchtlingstag in Zug ist die breit aufgestellte Organisationsform: Die katholische und reformierte Kirche, das kantonale Sozialamt, die Vereine Asylbrücke, FRW, die eritreische Community sowie die fra-z, das Projektnetzwerk Frauen Zentralschweiz, haben den Tag vorbereitet. Der Tag ermöglicht Einblick in die Erfahrungen von geflüchteten Menschen. So wachsen Verständnis und Verantwortung in der Zivilgesellschaft.
Am Sonntag, 9. Juni feierte die Pfarrei St. Michael Zug zusammen mit seelsam, ökumenische Seelsorge für Menschen mit Behinderung, in der Kirche St. Oswald in Zug einen inklusiven Gottesdienst. Die fröhliche und lockere Stimmung im Gottesdienst berührte alle Mitfeiernden.
Musikalisch setze die Gesangsgruppe «Die Bande» geleitet von Claudia Nick stimmungsvolle Akzente. In diesem Chor singen Menschen mit verschiedenen Behinderungen und sie animierten alle zu beherztem Mitsingen, etwa des Liedes «Lasst uns miteinander singen, beten, loben den Herrn». Dies war einer von vielen berührenden Momenten. Reto Kaufmann nahm diesen Gedanken in seiner Predigt auf: «Wir gehören zusammen, wir wollen füreinander da sein, wir heissen alle willkommen.»

«Die Bande» animierte zum beherzten Mitsingen | © zVg
Das frohe Zusammensein fand anschliessend eine Fortsetzung in der benachbarten Bauhütte und im Garten. «Das ist gelebte Inklusion mit wunderbaren Erfahrungen – bei allen. Toll, dass so viele mitgefeiert haben», freut sich Seelsorgerin Gaby Wiss im Rückblick.
Vom 15. Mai bis 15. Juni 2024 finden in der ganzen Schweiz Aktionen statt, um einen Beitrag zur Umsetzung der UNO-Behindertenrechtskonvention zu leisten. Im Kanton Zug ist auch seelsam engagiert, die ökumenische Seelsorge für Menschen mit Behinderung leistet.
Die Leiterin von seelsam, Karin Schmitz-Güttinger, freut sich, «dass wir mit unserem inklusiven Gottesdienst ein Angebot im Kanton Zug beisteuern können und als spirituelles Angebot auch im Aktionsprogramm im Kanton Zug integriert sind.»
Die Abschlussfeier mit Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider findet am 15. Juni im Kanton Genf statt. Das Programm sowie sämtliche weiteren Informationen zu den Aktionstagen Behindertenrechte sind unter www.zukunft-inklusion.ch zu finden.